Weinlese an der Mosel – im Superjahr 2018

Die Weinlese 2018 war und ist so besonders wie der heiße Sommer in diesem Jahr. Winzer Peter Göbel aus Ediger-Eller an der Mosel stöhnt nicht – im Gegenteil. Mit seiner Frau  Jenny Göbel betreibt er ein kleines, feines Familienweingut mit Tradition. Und, wie sollte es in der ältesten Weinregion Deutschlands anders sein, Peters Weinberge sind überwiegend mit Riesling bestockt. Der Winzer zieht eine persönliche Bilanz.

Weinbegleiter Ruhr: Wann begann bei euch in diesem Jahr die Weinlese?
Peter Göbel: Das war am 11. September, direkt nach dem Edigerer Straßenfest, wir hatten kaum Zeit zum Aufräumen nach dem Fest. Normalerweise beginnt die Weinlese Ende September, für den Riesling Anfang Oktober.

Und jetzt seid ihr schon fertig…
Peter Göbel: …seit dem ersten Oktoberwochenende, so früh wie noch nie.

Habt ihr jemals zuvor so früh mit der Weinlese begonnen?
Peter Göbel: Ja, im vergangenen Jahr, aber aus einem anderen Grund. Durch den heftigen Frost im Frühjahr gab es Ernteverluste. Die Rebe trug 2017 von Natur aus weniger Frucht und wurde dadurch früher reif.
In diesem Jahr war aber nicht der heiße Sommer der Grund für den frühen Lesebeginn. Sondern der sehr frühe Austrieb im Frühjahr. Der Sommer selbst hatte keinen wesentlichen Einfluss. Bei der Hitze und Trockenheit stellten die Pflanzen phasenweise einfach ihr Wachstum ein.

Clever.
Peter Göbel: Wenn der Rebstock nicht wächst, braucht er auch kein Wasser. Und wenn es auf Dauer zu heiß ist, dreht die Rebe einfach ihre Blätter und nutzt sie wie einen Sonnenschutz.

Rebstock schützt sich vor Sonne

Deshalb hat die Laubarbeit auch so eine große Bedeutung. Hätte ich zu viel oder an den falschen Stellen Laub entfernt, hätte die Rebe tatsächlich Sonnenbrand bekommen. Da müssen wir inzwischen sehr vorsichtig sein. Ich entferne sehr früh Blätter, damit sich die Traube im Laufe der Zeit daran gewöhnen kann.

Jenny, Peter und ich beim Nachladen für meine Kundschaft.

 

Was heißt Sonnenbrand bei Trauben?
Peter Göbel: Die Beerenhaut verbrennt und die Traube geht kaputt.

Der Rebstock macht bei der Hitze also keine Welle?
Peter Göbel: Da muss man differenzieren: Hauptsächlich der Riesling ist mit den hohen Temperaturen gut klargekommen. Riesling wurzelt immer so tief, wie er es nötig hat. Außer junge Reben, die mussten gewässert werden.

Aber ein ausgewachsener Rebstock kann bis zu 12 Meter tief wurzeln, also er sucht sich sein Wasser über die Jahre. Andere Rebsorten wie zum Beispiel die Burgunder und Müller-Thurgau können das nicht. Dann gibt es Trockenstress, die Blätter werden gelb und die Trauben können nicht mehr versorgt werden. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Weinberg im Flachlage leidet unter der Hitze, einer in Steillage bleibt grün. Das ist paradox.

Ist dieser frühe Lese-Start nun eine Folge des Klimawandels?
Peter Göbel: Definitiv. Das spüren wir im Weinbau. Und das schon seit 20 Jahren. Auf die Erfahrungswerte unserer Vorfahren können wir nicht mehr setzen. Es zählt nichts mehr, wir müssen ganz anders als früher reagieren. Und zum Glück sind wird die Region in Deutschland, die am spätesten erntet. Auch, weil der Riesling eine spät reifende Rebsorte ist. Wir können auf die ersten Informationen von Winzerkollegen aus der Pfalz, aus Rheinhessen und Baden zurückgreifen.

„Bin sehr zufrieden mit der Qualität“

Dein Fazit zur Weinlese 2018:
Peter Göbel: Ich bin sehr zufrieden mit der Qualität. Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen – und niemand kann sich erinnern, in der Vergangenheit schon mal so etwas Schönes erlebt zu haben. Wir haben schöne gesunde Trauben, alle wichtigen Qualitäten haben wir erreicht. Nichts unter 85 Grad Oechsle, also alles Spätlese-Qualität und mehr.

Dann hat dir die Gluthitze eher genützt als geschadet hat?
Peter Göbel: Der Vorteil: Es traten kaum Krankheiten wie unerwünschte Fäulnis auf. Jetzt entwickelt sich langsam Botrytis (ein Schimmelpilz, Anm. Weinbegleiter Ruhr) , was ja perfekt ist für Beeren-und Trockenbeerenauslesen. In diesem Jahr war optimal, dass wir seit Ende August kühle Nächte und warme Tage haben. Das ist das Beste für die Aroma-Bildung.

Riesling wie gemalt.

Hast du für Süßweine noch Trauben hängen lassen?
Peter Göbel: Ich nicht, aber mein Schwager – für Eiswein. Das ist ein Test, wäre schön, wenn es klappt.

Wie war die Ernte in Zahlen ausgedrückt?
Peter Göbel: Unsere 2 Hektar haben 20 000 Liter ergeben. Das heißt, pro Quadratmeter einen Liter Wein. Das ist für einen Selbstvermarkter wie mich, der großen Wert auf Qualität legt, ein sehr guter Schnitt.

Was bedeutet der Riesling für dich?
Peter Göbel: Ganz einfach: Nur mit Riesling gibt es die Mosel und 2000 Jahre Weingeschichte. Ohne Riesling keine Mosel mit dieser unvergleichlichen Kulturlandschaft, den schönen Dörfern.

…und ganz persönlich…
Riesling ist der Grund, warum ich Winzer bin. Das ist meine Identität. Alle unsere Fans kommen an die Mosel, um zu entdecken, was Riesling wirklich ist.

 

Fotos: Peter Göbel, Susanne Storck

 

 

Zauberei im Rheingau

Suse im Gespräch1

Im Gespräch mit Ulrich Allendorf.

Ich erlebte bei einer besonderen Weinprobe Zauberei im Rheingau. Dort führt der Weg schnurstracks zum Weingut Allendorf in Oestrich-Winkel. Natürlich wegen der wunderbaren Weine mit der ganz eigenen Handschrift des VDP-Weingutes. Natürlich wegen der einladenden und gastfreundlichen Atmosphäre auf dem hessischen Familien-Weingut, das eine Insel für Genießer ist. Und natürlich wegen der Wein.Erlebnis.Welt. Hier können Besucher an Aromen-Weinsäulen, im virtuellen Weinberg und vielem mehr Wein mit allen Sinnen entdecken.

Bunte Weinprobe

All das trägt die Handschrift von Ulrich Allendorf, der das Weingut zusammen mit seiner Schwester Christine Schönleber leitet. Höhepunkt in der Erlebnis.Wein.Welt ist eine Weinprobe, bei der es ganz schön bunt zugeht. Das Projekt hat Ulrich Allendorf einst in schlaflosen Nächten akribisch ausgetüftelt. Er taucht sozusagen eine einzigartige Weinprobe in Licht. Und der Besucher fragt sich: Ist das ein Winzer oder ein (Ver-) Zauberer…..?
Ulrich Allendorf schenkt zunächst jedem Gast einen trockenen Riesling ins Glas. Und dann geht’s in einen fensterlosen Raum, an dessen einer Seitenwand eine große Leinwand mit installiertem Licht-Spiel angebracht ist. Bevor die Verwirrung der Sinne beginnt, nimmt jeder einen Schluck. Der „save water drink riesling“ ist ein frischer, fruchtiger Spaßmacher. Eigentlich.

Erst sehen wir rot….

…dann grün….

….plötzlich blau…

…und dann gelb.

Und plötzlich wird der Schalter umgelegt – im Raum und im Kopf. Alles ist in ein kräftiges Rot getaucht, auch der Riesling errötet im Glas. Er riecht nach roten Früchten (ein Riesling!!!) und schmeckt süßer. Amüsiert registriert Ulrich Allendorf die ungläubigen Blicke der Besucher. Und schaltet grünes Licht ein: Der Wein kommt jetzt ziemlich herb daher und die Säure nimmt den Gaumen in Beschlag. Ganz verrückt wird’s bei blauem Licht: Der gute Tropfen läuft ungesund bläulich-blass an, verströmt kaum noch Aromen und schmeckt wässrig. Spätestens hier geht einem ein Licht auf: Es ist nicht alles wirklich real, was wir sehen. Auch was wir nicht sehen, aber als Erinnerung in uns gespeichert haben, können wir bei Bedarf abrufen. Zum Beispiel können Menschen, die im Laufe ihres Lebens erblindet sind und noch wissen, wie Farben „aussehen“, die Eindrücke in der Wein.Erlebnis.Welt wahrnehmen, so Ulrich Allendorf. Er weiß übrigens aus Erfahrung, dass die größten Zweifler unter den Gästen schnell und intensiv die Unterschiede im Glas wahrnehmen.

Am Ende durchströmt gelbes Licht den Raum, das die Welt wieder gerade rückt. Der Riesling mundet, sehr angenehm. Farbe erzeugt eben auch Stimmung, wie wir alle schon erfahren haben.

Im Urlaub auf Wolke 7

Im Urlaub, beim Sonnenuntergang am Meer, sitzen wir mit Wein auf Wolke 7. Später, als Urlaubsmitbringel zuhause und vielleicht noch nach einem stressigen Tag getrunken, schmeckt der gleiche Wein anders. Schlimmstenfalls wie in blaues Licht getaucht.
Also: Weine im Urlaub probieren und zuhause wieder die einheimischen Tropfen genießen und wertschätzen! Eine Empfehlung a la Ulrich Allendorf, dessen Leidenschaft für den Wein einfach ansteckend ist.

Wunder mit Burgunder an der Ahr

Abenteuer Ahr: Nur eineinhalb Autostunden vom Ruhrgebiet entfernt liegt das Wunder mit Burgunder in imposanter Tallage an der Ahr. Keine Ahnung, warum ich bisher auf meinen Fahrten in Richtung Süden immer daran vorbeigefahren bin. Wie ignorant!, weiß ich jetzt – nach meinem ersten Wein-Ausflug 2017 nach Altenahr. Das war wunderschön. Auch, weil in dieser Gegend der eher seltene Frühburgunder ausgeschenkt wird.

Wein- und Naturliebhaber kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten. Im bekanntesten deutschen Rotweingebiet wachsen auf engstem Raum viele Rebstöcke in Steillagen. Teilweise beginnen sie direkt am Straßenrand, schmiegen sich an Felsen, deren Spitzen in den Himmel zu wachsen scheinen. Auf über 80 Prozent der Rebfläche fühlen sich Rotweinsorten pudelwohl – unter besten Voraussetzungen; die vielschichtigen Böden, in den nach Süden ausgerichteten Hängen, speichern tagsüber Wärme, die sie nachts an die Pflanzen abgeben. Günstiges und mildes Klima, das im Sommer in Steillagen zu mediterraner Höchstform aufläuft, bietet dem Spätburgunder optimale Voraussetzungen. Die edle Rebsorte ist die Nummer 1 an der Ahr.

Aber ich war neugierig auf Frühburgunder. Die extraktreiche Spezialität der Ahr macht viel Spaß beim Verkosten – die Aromen erinnern mich an knackige rote Früchte, unter anderem Kirsche, – wie gerade frisch gepflückt. Mal kommt er samtig, weich daher, mal wie eine selbstbewusste Schönheit, die erobert werden will. Und da warten jetzt gute Tropfen in meinem Keller, die wie eine Verheißung auf später vertrösten.

Winter an der Ahr.

Winter an der Ahr.

Mir begegnet teilweise eine Rotwein-Stilistik, die Menschen Spaß bereiten dürfte, die nicht so sehr auf rote Wuchtprummen stehen. Ich sitze zum Beispiel im Restaurant „Vinetum“ der Weinmanufaktur Walporzheim mit einem Gläschen Frühburgunder, herzhaftem Flamkuchen, netter, aufmerksamer Bedienung, schaue nach draußen und denke: Wie schön!

Burgunder im Gewölbekeller

Zum Ausprobieren beispielsweise: Weingut Sermann-Kreuzberg in Altenahr und die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e.G. in Mayschoß, die 2009 mit den Walporzheimern fusionierte . In der ältesten Winzergenossenschaft der Welt kann man eine Verkostung mit der Besichtigung des imposanten Gewölbekellers und des Weinbaumuseums verbinden. Sehr spannend.

Weinberg mitten in Erfurt

Ein Weinberg mitten in der Stadt: Klein aber fein schmiegt er sich an den Südhang der „Citadelle Petersberg“, der in Erfurt vom Domplatz aus leicht zu finden ist. Zu verdanken ist das Kleinod dem Verein http://erfurterweinzunft.de/index.php, der den rund 2300 Quadratmeter großen Weinberg hegt und pflegt. Dort wachsen die weißen Rebsorten Müller-Thurgau, Silvaner und Riesling, rote sind durch Portugieser und Dornfelder vertreten.Insgesamt sind es gut 540 Weiß- und Rotweinreben. In dem Mini-Weinberg mitten in der Stadt können auch eine alte Weinkelter und Schaupflanzen bestaunt werden und Weinbegleiter Ruhr hatte einen tollen Blick auf Thüringens Landeshauptstadt.

„Kundschaft ist begeistert“

Die Weine sind in jedem Jahr anders, „je nachdem, was der Berg hergibt“, sagt Michael Schneider von der Erfurter Weinzunft. Der 2015er ist ein Qualitätswein, 140 Flaschen Rotwein konnten abgefüllt werden und 1033 Flaschen Weißwein. Der Weiße ist eine Cuvée aus Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner und einem kleinen Teil Kerner, den das Thüringer Weingut Bad Sulza GmbH http://www.thueringer-wein.de/weingut/ beisteuerte. Die Weine kosten zwischen 12,50 und 15 Euro, „die Kundschaft ist begeistert“, freut sich Michael Schneider. Der 66-Jährige stammt aus Essen-Kupferdreh und lebt seit 12 Jahren in Erfurt. Als er zum 60.Geburtstag einen Rebstock geschenkt bekam, wuchs mit der Pflanze seine ganz aktive Leidenschaft für den Wein. Bei der Weinlese helfen die Vereinsmitglieder, Freunde und weininteressierte Bürger. Ausgestattet mit Entrapper, Maische-Bottichen und Tanks, gibt der Verein sogar die Weinbereitung nicht aus der Hand.

Der Wein heißt „Benedictus“

Weinbau in Erfurt hat eine lange Tradition. Und wieder einmal waren es Mönche, in dem Fall Benediktiner, die den Erfurter Weinbau betrieben. Daran erinnert noch heute der Name „Benedictus“, unter dem die Tropfen verkauft werden. Urkundliche Erwähnung findet der Mini-Weinberg in Thüringen erstmals 1121.

Rebstöcke am Petersberg.

Rebstöcke am Petersberg.

Über Jahrhunderte läuft alles prima – bis es den Rebstöcken 1665 an die Wurzeln geht. Sie müssen zugunsten des Zitadellenbaus durch den Mainzer Kürfürsten Johann Philipp von Schönborn weichen, rund 8 Hektar werden gerodet. 1916 ist es ganz vorbei. Erst 1991 werden neue Rebstöcke gepflanzt, und zwar im Zuge einer Weinpatenschaft zwischen der Gemeinde Bechtheim in Rheinhessen und Erfurt. Winzer legen den Weinberg an, die Erfurter Weinzunft pflegt ihn seit 1991. Das Bechtheimer Weingut Bertz steht den Thüringern regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite.

Weinberg gedeiht im milden Klima

Durch die geschützte Lage und das milde Klima im Thüringen Becken mit durchschnittlich 1746 Sonnenstunden im Jahr finden die Rebstöcke beste Voraussetzungen. „In guten Jahren erreichen die Weine vom Petersberg Spätlese-Niveau“, heißt es im informativen und schön bebilderten Flyer der Weinzunft. Die Rebanlage gehört zum Weinanbaugebiet Saale-Unstrut und ist unter dem Namen „Erfurter Petersberg“ offiziell im EU-Weinkataster eingetragen.
Vom 8. bis 11. September 2016 wird in Erfurt ein Weinfest gefeiert – natürlich mit der Erfurter Weinzunft.

Zum Wohl! Na zdravie!

Ein Gewürztraminer vom Kaiserstuhl und ein Sauvignon Blanc aus der Slowakei ziehen bei Weinbegleiter Ruhr ins bevorstehende Achtelfinale der Fußball-EM ein. Die 2015er Gewürztraminer Spätlese vom Weingut Kiefer ist einfach ein Traum im Glas. Winzer Martin Schmidt vom Kaiserstuhl in Baden entlockt der Bukett-Rebsorte deren schönste Seiten. Der Duft von Rosen und Orangen betört die Nase, ein üppiger Körper, viel Schmelz und Rafinesse verführen den Gaumen. Das ist, als ob man in eine kunterbunte Sommerblumenwiese mit Klatschmohn, Margeriten und Kornblumen fallen würde. Dieser Wein passt zum Beispiel zu cremigen und sahnigen Desserts und zu exotisch gewürzten Speisen.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Gärung gestoppt

Der Wein durchlief einen spannenden Reifeprozess. 80 Prozent wurden im Edelstahltank ausgebaut. In der Endphase probierte Martin Schmidt „jeden Tag so lange, bis es passte“, dann stoppte er die Gärung durch Kühlung. Dadurch können sich Genießer über einen lieblichen Tropfen mit 21,9 g/l Restzucker freuen. Die restlichen 20 Prozent gärten im Barrique durch, was dem „ganz modernen Gewürztraminer etwas Biss gibt“, sagt der Winzer.

Mediterranes Klima am Kaiserstuhl

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Martin Schmidt und seine Frau Helen Schmidt sind seit 2008 Besitzer des Weingutes Kiefer in Eichstetten am Kaiserstuhl. Regelmäßig im Gault Millau, Eichelmann und Falstaff empfohlen und prämiert, zählen zu ihrem Angebot natürlich auch herrliche Burgunder-Weine. Dafür ist  Baden bekannt und berühmt. Mit über 1700 Sonnenstunden im Jahr ist das südlichste Anbaugebiet Deutschlands auch das einzige, das zur wärmeren EU-Weinbauzone B zählt. Speziell der Kaiserstuhl ist ein wunderschöner Landstrich zwischen Schwarzwald und Vogesen. Im Sommer herrscht fast mediterranes Klima. Hier sind seltene Tierarten wie die Gottesanbeterin und Smaragdeidechse zuhause und es wachsen 30 Orchideenarten in der freien Natur. Hier lässt es sich anstoßen auf die Lebenslust.

Achtelfinale mit Sauvignon Blanc

Auch der sportliche Gegner Slowakei kann auf eine lange Weinbau-Tradition zurückblicken. Aber Sauvignon Blanc aus der Slowakei? Weinbegleiter Ruhr probierte einen Vertreter des Weingutes Winterberg. Es liegt in Skalica im Westen der Slowakei. Der 2014er Sauvignon ist klassisch trocken, leicht und hat eine recht knackige Säure, die beim ersten Schluck sehr präsent ist. Zunächst eher verhalten, entfalten sich später typische Aromen wie Zitrusfrüchte, Stachelbeere und Cassis. Das ist ein Wein, dem eine zweite Chance gut steht. Sauvignon Blanc ergibt mit Ziegenkäse eine besondere Kombination. Auch Fisch, Gemüse und Meeresfrüchte passen gut.

Elbsegler lieferten den Wein

Beim "Weinsegler" in Meißen.

Beim „Weinsegler“ in Meißen.

Michael Krüger ist der Lieferant dieses Weines. Er betreibt im sächsischen Meißen den „Weinsegler“, einen Weinhandel & Vertrieb, und ist auf Weine  aus Tschechien, der Slowakei, aus Slowenien und Ungarn spezialisiert. Diese Länder produzieren überwiegend Weißweine aus klassischen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder.

Meißen

Die schöne Stadt Meißen ist eine Reise wert.

Einheimische Rebsorten tragen ungewöhnliche Namen wie Devin, Alibernet und Aurelius. Seit 2007 füllt Michael Krüger diese Marktlücke mit geographischer Nähe zu seinen bevorzugten Weinbau-Regionen aus. Der Geschäftsinhaber firmiert unter dem schönen Namen „Weinsegler“ , unter Anlehnung an die „Elbsegler“, erklärt Krüger. „Weine aus Böhmen wurden bis vor 200 Jahren mit dem Schiff auf der Elbe nach Meißen transportiert.“

Fotos: Weingut Kiefer, Weinsegler

Zum Wohl! Sheers! Mit Kartoffelschnaps…

Finale in der Vorrunde: Zum dritten Gruppenspiel der deutschen Fußball-Elf bei der EM empfiehlt Weinbegleiter Ruhr eine 2014er Scheurebe, feinherb, vom Weingut Sinß an der Nahe. Dieser Wein besticht durch eine herrlich exotische Frucht und eine Restsüße, die sich auf ein schönes Zusammenspiel mit der Säure einläßt. Und er ist ein Versprechen für all die warmen Sommertage, die nach dem Dauerregen hoffentlich noch kommen.

Scheurebe von der Nahe

Weinberge an der Nahe.

Weinberge an der Nahe.

Winzer Johannes Sinß mag die „mineralisch-feine Seite“ dieses Tropfens und seine „schöne saftige Süße“. Weinbegleiter Ruhr hatte das Vergnügen, das Weingut und seine Macher in Windesheim im Rahmen eines Sensorik-Seminars des Deutschen Weininstituts (DWI) kennenzulernen. Der Ort liegt im Weinanbaugebiet Nahe, das sich durch eine große Boden-Vielfalt auszeichnet. Über 180 Bodenarten soll es hier geben, oft wechseln sie innerhalb eines Weinbergs, sogar einer Lage mehrfach. Das ist einzigartig in Deutschland.

Ausdrucksstarke „Spontis“

Johannes Sinß, Absolvent der Weinbau-Hochschule Geisenheim, ist auf dem Weingut für die Kellerarbeit zuständig. Mit seinen Eltern arbeitet er Hand in Hand. Dort entstehen herrliche Rieslinge, weiße und rote Burgunder. Die Weine sind in Guts-, Orts- und Lagenweine gegliedert. Das Credo der Familie: „Weil wir bereits im Weinberg mit viel Handarbeit auf perfekte Trauben hinarbeiten, darf im Keller jeder Wein werden, wie er will.“ Das heißt: Johannes Sinß setzt auf Spontangärung mit natürlichen Hefen, die im Weinberg, an den Trauben und im Keller vorkommen. Zwei Drittel seiner Weine sind inzwischen „Spontis“. „Das ist eine Entwicklung, man lernt jedes Jahr dazu“ sagt der Winzer. Im Vergleich zur alkoholischen Gärung mit Reinzuchthefen findet er seine Weine „ausdrucksstärker und ehrlicher“. Und  zwar in dem Sinne, dass sie mehr über ihre Herkunft, die Lage, den Boden aussagen.
Die Sinß-Weine sind einfach spannend, und es macht großen Spaß, sie zu entdecken.

Kartoffelschnaps statt Wein

Nach diesem Heimspiel ist der Rest schnell erzählt. Nicht, weil der EM-Neuling Nordirland nicht gebührend gewürdigt werden soll. Aber: Klimawandel hin, Klimawandel her, in Nordirland gibt es einfach keinen Weinanbau. Das funktioniert dort nicht. Aber, wie eine gebürtige Nordirin zu berichten weiß: Neuerdings sei dort Kartoffelschnaps wieder offiziell zugelassen. Na dann: Cheers!

Zum Wohl! Na zdrowie!

Zum zweiten Vorrunden-Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM stellt Weinbegleiter Ruhr einen 2015er Riesling Alte Reben von der Mosel vor. Winzermeister Peter Göbel vom http://weingut-goebel.de aus Ediger-Eller ist damit ein Wein voller Überraschungen aus der Parade-Rebsorte der Mosel gelungen. Zeigt er sich schon im Glas in einem verheißungsvollen Goldgelb, besticht er in der Nase durch Aromen, die an reife gelbe Früchte wie Birnen und Pfirsiche erinnern. Am Gaumen hält er, was er verspricht – extraktreich, fruchtig, mit schönem Schmelz und einer gut gepufferten Säure. Mit jeder Minute werden die Aromen intensiver. Man möchte hineinkriechen ins Glas – mit der Nase. „Ist der noch trocken?“, fragt ein Freund beim Verkosten. Mit 9 g/l Restzucker und 7,2 g/l Säure gerade noch so.

Riesling aus „Alten Reben“

Die vollreifen Trauben für diesen Wein wurden erst Mitte Oktober im Ediger Elzhofberg gelesen. Das ist Steilstlage mit Terrassen und ohne Weganbindung. Und „Alte Reben“ bedeutet: In diesem Weinberg sind die wurzelechten Stöcke überwiegend 70 bis 80 Jahre alt. Sie belohnen den Knochenjob des Winzers mit einem zwar geringeren, aber alljährlich qualitativ hochwertigem Ertrag. Göbels zweite Steilstlage ist der Valwigger Herrenberg, wo übrigens auch Weinbegleiter Ruhr schon in der Lese, wie ein Hanghuhn stehend, geholfen hat.

„Da hat es klick gemacht“

Peter Göbel ist mit Leib und Seele Winzer in der ältesten Weinregion Deutschlands. Laut Deutschem Weininstitut (DWI) gibt es „nirgendwo auf der Welt mehr Steillagenweinberge“ als hier. „Viele Kollegen aus anderen Regionen würden mit uns nicht tauschen wollen“, sagt Peter Göbel lachend. „Aber niemand hat auch so viel Bindung wie wir hier“, meint der 48-Jährige.

Ediger-Eller im Riesling-Land.

Ediger-Eller an der Mosel.

1999 hat er das kleine Familienweingut seiner Eltern übernommen und bietet mit seiner Frau Jenny außerdem Ferienwohnungen an. An seinem Beruf gezweifelt hat er nie. Ein Schlüsselerlebnis war Mitte der 90er Jahre, erinnert er sich. Da lief er eines Tages allein durch den Calmont, mit über 65 Prozent Hangneigung der steilste Weinberg Europas. Er schaute auf die Mosel und ins weite Land. „Da hat es klick gemacht.“

Ein Ort mit „Stuhlgang“

Wer einmal in Ediger-Eller war, kommt gerne wieder. Der Ort zwischen Cochem und Zell besticht durch lauschige Gassen, wunderschön hergerichtete alte Fachwerkhäuser, gastronomische Gaumenfreuden und nicht zuletzt durch entspannte, lebenslustige Menschen. Gäste können sich davon ein Bild machen zum Beispiel in Glorys Kneipe oder beim alljährlichen „Stuhlgang“ im August. Das hat überhaupt nichts mit dem „großen Geschäft“ zu tun. Jeder bringt Essen und Trinken mit und eben einen Stuhl. Dann wird in den Gassen gefeiert und eine Musikkapelle zieht durchs Dorf. Das gibt’s nur in „Edschara“.

Ein Amerikaner in Polen

Okay, das ist jetzt aus deutscher Sicht schon eine Verlängerung vor dem Anpfiff. Aber auch unser sportlicher Gegner soll gewürdigt werden. Die EU hat 2005 Polen als Weinland anerkannt, jedoch betreiben nur wenige Winzer in großem Stil den Weinanbau und Weinverkauf, dessen Ab und Auf in der Vergangenheit eng mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden war. Der Südwesten des Landes, das ehemalige Schlesien, hat seine Weinbau-Tradition bewahrt und viel Neues aufgebaut. Kein Weg vorbei führt am Weingut Adoria in Zachowice, südlich von Wroclaw/Breslau. Hier macht seit Jahren ein Amerikaner von sich reden.

Adoria-Weine aus Polen.

Adoria-Weine aus Polen.

Mike Whitney beliefert die polnische Spitzengastronomie mit seinen Weinen und räumte bei der International Wine Challenge London 2016 Preise ab. In Kalifornien geboren, schlug er 1995 Wurzeln in Polen. Der Liebe wegen. „Eineinhalb Jahre und 300 verworfene Standorte später“ hat er den richtigen Ort gefunden. In Zachowice ermöglicht das Klima Weinanbau. Hier gedeihen Chardonnay, Pinot Noir, Riesling und Bacchus. Nicht wie von Zauberhand, sondern durch harte Arbeit. Der Amerikaner in Polen hat Witz. In einem Interview für Deutschlandradio Kultur sagte er einmal: „Ein Wunder wäre es, wenn wir hier in Polen Palmen und Olivenbäume anpflanzen könnten. Das wäre wirklich ein Wunder. Aber Riesling, ne, das kriegen wir hin.!“
Fußball auch…?

Fotos: Weingut Göbel, Adoria Vineyards Fotos

Fußball-EM und Wein – oh là là

Frankreich?! Okay, als Weinland und Gastgeber der Fußball-EM sehr geschätzt. Aber bei der Meisterschaft werden wir am Ende im Schampus baden. (Hoffentlich…) Weinbegleiter Ruhr sieht jetzt schon mal Schwarz-Rot-Gold und hat drei Weingüter aufgestöbert, die zu unseren Nationalfarben passen.

Spezialität Schillerwein

Auf dem Weingut Schwarz in Stuttgart-Untertürkheim setzt man auf Bodenständigkeit im besten Sinne. Und die Heimatverbundenheit der Familie verdeutlicht das Weinsortiment. Hier spielen Trollinger und Lemberger, die neben Schwarzriesling die drei meistangebauten württembergischen Rotweinsorten sind, eine große Rolle. Und wer schon immer mal wissen wollte, wie Schillerwein schmeckt, wird hier auch fündig. Der Rotling, bei dem weiße und rote Trauben gemischt und zusammen gekeltert werden, heißt nur in Württemberg so. Bei den Etiketten der Guts- und Premiumweine spielt das Weingut mit seinem Familiennamen – sie sind schlicht-elegant gestaltet mit schwarzem Hintergrund.

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Ganz Feuer und Flamme. So sieht Fotograf Armin Thiemer die Fußball-EM.

Augen schließen
und genießen

Jetzt sehen wir rot. Mit h am Ende. In Wiesenbronn im unterfränkischen Landkreis Kitzingen ist das Weingut Roth zu finden. Das VDP-Weingut im sechstgrößten der 13 deutschen Weinanbaugebiete hat sich bereits 1974 konsequent dem ökologischen Weinbau verschrieben, als andere noch gar nicht wussten, was das ist. Besondere Weine werden hier im Beton-Ei ausgebaut, das ein Wunderwerk für sich ist. Die Weine trumpfen später mit einer besonderen Mineralik auf, die sie einzigartig macht. Einzigartig ist auch, wie Nicole Roth ihre Einstellung zum Wein und zu ihrer Arbeit in Worte fasst: „Wein ist Genuss, Wein ist Augen-Schließen und sich des Lebens freuen…“ Wer einen Ausflug in diese schöne Gegend plant: Die Familie betreibt in Wiesenbronn das Rothweinhotel.

Arbeit mit den Mondphasen

Und jetzt das Finale mit dem Weingut Gold in Weinstadt-Gundelsbach in der Nähe von Stuttgart. Hier lautet unter biodynamischem Aspekt das Motto: „Feine Weine in kleinen Auflagen.“ Erst im Frühjahr 2015 offiziell gegründet, ist es öffentlich in Fachkreisen schon hoch gelobt worden. Was hier unter anderem spannend ist: Bei den Arbeiten im Weinberg richtet sich Winzer Leon Gold nach den Mondphasen. So wird Wachstum im Weinberg eher bei Vollmond unterstützt, Reife und Qualität bei Neumond. Im urigen historischen Gewölbekeller finden Lesungen und andere Veranstaltungen statt.
Und nun viel Spaß beim Stöbern auf den Seiten meiner EM-Weingüter-Favoriten. Auch noch einen Blick wert: http://www.winzer-euro2016.de

tri tra Trulli

Sie wirken wie riesengroße Käseglocken, die einfach so vom Himmel gefallen sind:  Trullo, in der Mehrzahl heißen sie Trulli, stehen in den Weinbergen des größten deutschen Weinanbaugebiets Rheinhessen in Rheinland-Pfalz. Auf dem Foto ist der imposante Trullo von Flonheim zu sehen, einer Gemeinde im Landkreis Alzey-Worms.

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