Griechischer Wein und Grauburgunder aus Baden

Wein aus Baden und griechischer Wein spielen beim „Wein des Monats“ die Hauptrolle. Vorgestellt von Ursula Kaiser. Bevor die 73-Jährige vor geraumer Zeit wieder in ihre Herzensstadt Köln zog, wohnten wir im selben Haus in Essen-Borbeck. Das war eine lustige Gemeinschaft mit einer Nachbarin, die immer ein offenes Ohr und eine offene Tür hatte. Die Frau mit Charme und Witz hat keinen speziellen Liebling im Glas, jedoch länderübergreifende Vorlieben. Und schon hab‘ ich Udo Jürgens Song im Ohr…. Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde….“

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Ursula Kaiser:
Ich habe keinen speziellen. Es sind Weine aus der Rebsorte Grauburgunder – vorzugsweise aus der badischen Region. Da ich meine Ernährung umgestellt habe und mich überwiegend von Fisch, Salaten und Gemüse ernähre, passt dieser Wein sehr gut dazu.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?
Ursula Kaiser:
Ich habe mich einfach durchprobiert und bin immer wieder beim Grauburgunder gelandet. Er hat einen besonderen Pfiff. Grauburgunder hat einfach Charakter, ist kräftig und mich spricht auch die meist schön goldige Farbe an. Außerdem ist er sehr bekömmlich: Ich kann auch mal 2 oder 3 Gläser trinken, ohne gleich ganz wacklig auf den Beinen zu werden.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Ursula Kaiser:
Zum ersten Mal habe ich als Teenager probiert. Ein griechischer Wein  – der bekannte Mavrodaphne, ein Süßwein, 15 Volumenprozent Alkohol und wirklich sehr süß. Ich war nach einem halben Glas beschwipst und wollte nie wieder griechischen Wein trinken….

Foto: Mikki Lee

….was sich später wieder änderte.
Ursula Kaiser: Der griechische Mann einer Freundin brachte mal eine Flasche Rotwein mit, es war Boutaris Kava. Der war damals, etwa 1985, sehr hochpreisig und ich habe ihn genossen. Er gehört immer noch zu meinen Lieblingsweinen, wie viele andere Weine aus dem Hause Boutaris. Jannis Boutaris aus der Familie ist heute Oberbürgermeister von Thessaloniki und hat viel frischen Wind in die Stadt gebracht.

Du hast in Griechenland gelebt, wo genau und wann war das?
Ursula Kaiser: Ich habe von 2006 bis 2012 im Norden Griechenlands gewohnt in Litochoro am Fuße des höchsten Berges (Olymp) Griechenlands. Von meinem Balkon schaute ich nach links auf das Meer und nach rechts auf den Olymp, der bis in den Mai eine Schneekuppe hatte. Man sagt, dass dieser Ort das beste Klima von Griechenland hat.

 Die Griechen und der Wein:  Welche Rolle spielt Weingenuss im Alltag der Griechen? Oder ist der Wein eher etwas für besondere Gelegenheiten?
Ursula Kaiser: Früher galt, dass gute Weine unbedingt aus dem Süden kommen müssen – und dort gab es auch die größten Anbaugebiete (zum Beispiel das Weingut Achaia Clauss). Das ist überholt. Nord- und Mittelgriechenland galten als die Speisekammer Griechenlands und es wurde zum großen Teil Gemüse und Getreide angebaut.
Wein wird inzwischen auch im Norden Griechenlands immer öfter zum Essen getrunken. Früher trank man nur Wasser, als Aperitif vielleicht einen Ouzo und seit den 1960ern vermehrt Bier. Im Süden hat fast jede Familie einen kleinen Weinanbau und produziert ihren Jahresbedarf (1-2 Fässer). An Feiertagen darf der Wein aber auf keinen Fall auf dem Tisch fehlen.

Griechischer Wein – kannst du besondere empfehlen?
Ursula Kaiser: 
Einen Lieblingswein habe ich nicht, denn es gibt so unterschiedliche gute Weine aus verschiedenen Regionen Griechenlands, dass ich, je nachdem wo ich mich aufhalte, immer wieder regional Weine probiere. Das Weingut Hatzimichalis ist als Produzent hochwertiger Weine bekannt.
Die Weingüter Dimitris Hatzimichalis, Boutaris, Naoussa und Achaia Clauss sind Erzeuger, die schon lange auf dem Markt sind. In der letzten Zeit kommen aber immer öfter andere sehr gute Weine auf den Markt, die auch bei Verkostungen im Kölner Großmarkt bei Mare Atlantico angeboten werden. Fast jeden Samstag ist da eine Verkostung.

Rosé ist kein Mädchenwein

Silvia Wildhage steht nicht nur im Sommer auf Rosé. Bei ihrem „Wein des Monats“ März leuchtet einer im Glas. Die Landschaftsarchitektin aus Meiningen trinkt nicht nur gerne Wein, sie macht auch seit vielen Jahren selbst welchen. Kein Obst ist vor ihr sicher. Ein Gespräch mit Silvia Wildhage über ihren derzeitigen Lieblingstropfen, über die Zauberei bei der Weinherstellung und über die Krönung zur Weinkönigin bei der jährlichen Blindverkostung im Freundeskreis.

Weinbegleiter Ruhr: Was ist dein derzeitiger Lieblingswein? Wie heißt er, woher stammt er?
Silvia Wildhage: 
„Der fruchtige Rosé“, ein Qualitätswein der Genossenschaft Oberkircher Winzer aus Baden. Ein feinherber Rosé aus Spätburgunder-Trauben.

Wie und wann hast du diesen Wein entdeckt, bei welcher Gelegenheit war das?
Silvia Wildhage: 
Beim ersten Mal war es ein Geschenk meiner Chefin. Als sie das nächste Mal Nachschub bestellte, fragte sie mich, ob ich auch welchen möchte. Ich hatte diesen Rosé in guter Erinnerung und bestellte 6 Flaschen. Ich war und bin begeistert.

Warum ist das dein derzeitiger Lieblingswein?
Silvia Wildhage: 
Ist für mich ein leichter Wein, er hat nur 11 Volumenprozent Alkohol. Und dennoch wirkt er sehr süffig. Aber nicht vordergründig süß, so dass man schnell genug davon hätte und ihn nicht mehr will. Dieser Wein ist sehr fruchtbetont, das brauche ich nicht immer, aber bei diesem gefällt es mir sehr.

Rosé ist für dich kein typischer Sommerwein?
Silvia Wildhage: Er wird vom Hersteller, glaube ich, so angepriesen. Für mich geht er auch in den anderen Jahreszeiten.

Und Rosé gleich Mädchenwein? Was sagst du dazu?
Silvia Wildhage: Das finde ich albern. Da habe ich keine Schranken im Kopf.

Das wird Wein aus Süßkirschen.

Du stellst auch selbst Wein her, wie kam es dazu?
Silvia Wildhage: Ja, schon seit fast 30 Jahren. Als ich meinen ersten Lebensgefährten kennenlernte, hatte er gerade Hagebuttenwein angesetzt. An unserem ersten gemeinsamen Abend filterte er Sud ab. Das war eine fürchterlich dünne Plörre, aber wir waren damals so voneinander begeistert, dass uns das nicht gestört hat.
Wir probierten dann viel aus. Zum Beispiel Apfelwein. Die Küche klebte tagelang, weil wir die Früchte mit der Kartoffelkloßpresse verarbeiteten. Fruchtfleisch und Saft spritzten überall hin.

Mit welchen Früchten habt ihr noch experimentiert?
Silvia Wildhage: Hagebutten, die finde ich auch heute noch sehr lecker. Man muss sie nach dem ersten Frost pflücken, dann werden sie weich und bekommen eine gewisse Süße. Dann setzt du einen Sud an mit Saft, weil Hagebutte ja keinen eigenen Saft hat, lässt  ihn einmaischen und dann wird er abgeseiht.
Wir haben alles ausprobiert, Äpfel, Sauerkirschen, Pflaumen – von Bäumen, die frei in der Natur standen, und das reife Obst von niemandem gepflückt wurde. Und etwas ganz Besonderes ist Wein aus Johannisbeeren – schwarze und weiße gemischt, ein Traum. Da habe ich inzwischen Sträucher in meinem eigenen Garten angepflanzt. Auch Sauerkirsch-Bäume wachsen dort.

Das Weinbuch – Begleiter und Ratgeber seit vielen Jahren.

Ist es simpel und einfach, Wein selbst zu machen?
Silvia Wildhage: Das denken viele. Aber das ist nicht so. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bin ich zum Beispiel die einzige, die mit
Reinzuchthefen arbeitet. Damit kann ich den Wein lenken. Möchte ich einen schweren oder einen leichten. Ich richte mich nach einem kleinen, alten Weinbuch zur ersten Orientierung. Da stehen Tabellen mit genauen Mengenangaben drin. Bei Süßkirschen zum Beispiel brauche ich ca. 11 Kilo Früchte für 10 Liter Wein. Und dann mache ich das nach Bauchgefühl und maische auch mit den Händen ein.

Stellst du eher trockene Weine her oder auch halbtrockene und süße?
Silvia Wildhage: In der Regel trockene. Aber Süßkirschen bekommt man nicht wirklich trocken. Ich muss aber auch nicht versuchen, beim Weinmachen die Frucht umzukrempeln.

Wie bekommst du deine Weine klar?
Silvia Wildhage: Abfüllen, bevor der Wein nicht klar ist, gibt es bei mir nicht. Ich ziehe den Wein mehrfach ab. Und ich versuche, ihn nicht zu lange auf der Hefe stehen zu lassen. So einen intensiven hefigen Geruch und Geschmack mag ich nicht.
Das Wichtigste: Ich muss in der Stimmung sein, um Wein zu bereiten. Das macht man nicht nebenbei wie einen Abwasch. Die Ballons sind sehr schwer, man muss sauber arbeiten und einfach konzentriert bei der Sache sein.

Du warst auch schon einmal Weinkönigin….
Silvia Wildhage: ….ja! Freunde und Bekannte machen auch Wein und wir treffen uns einmal im Jahr zur privaten Blindverkostung. Dann werden Apfelweine, Mischweine und Traubenweine probiert und bewertet. Ein Paar hat sogar in der Nähe von Weimar einen Hang und baut da Rebstöcke an. Genau 99 Stück, mehr erlaubt das Gesetz nicht. Und das ist für den Eigenbedarf.
Wer bei der Blindverkostung die meisten Weine am besten bewertet, die später gewinnen, wird Weinkönigin. Oder Weinkönig.

 

Mit Grauburgunder gegen Atomkraft

Herzlich, gesellig, menschenfreundlich: Dass Rolf Fliß Wein mag, gerne einen Grauburgunder vom Kaiserstuhl aus Süddeutschland, liegt da eigentlich auf der Hand. Der Grüne, Mitglied im Rat der Stadt Essen sowie in vielen Ausschüssen und Gremien, bezeichnet sich selbst als „Mann für Projekte“. Für den Wein des Monats Februar 2018 zieht er den Korken – und verrät dabei auch, warum er gerne mal ein Gläschen mit Papst Franziskus und dem Dalai Lama trinken würde.

Weinbegleiter Ruhr: Haben Sie einen Lieblingswein? Wenn ja, welchen? Wie heißt er, woher stammt er?
Rolf Fliß
: Ja, habe ich. Es ist ein Kaiserstühler aus Bahlingen und aus Bötzingen. Grauburgunder ist immer schön.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Rolf Fliß: Entdeckt hatte ich ihn erstmals bei den Demos gegen den Bau eines Atomkraftwerkes bei Wiehl am Kaiserstuhl in den 70er Jahren, wo Winzer, Bauern, Junge und Alte mit Traktoren, Kinderwagen und Mistkarren gegen den atomaren und gefährlichen Wahnsinn der baden-württembergischen Regierung von Ministerpräsident Hans-Karl Filbinger auf die Straße gegangen sind und ich meine erste Erfahrungen als Umweltschützer und angehender Grüner mit der Staatsmacht sammeln konnte! Alle waren gemeinsam unterwegs, um dieses Atomkraftwerk zu verhindern. Es glich mehr einem Volksfest als einer Demonstration, aber die Entschlossenheit, mit der die Winzer gegen dieses AKW in ihrer Nachbarschaft vorgegangen sind, hat mir imponiert. Und dabei gab es natürlich immer nach erfolgreicher Demonstration eine Gelegenheit, auf das Erreichte anzustoßen. Das war die erste Begegnung mit meinem Bötzinger Wein.
Wiederentdeckt habe ich ihn vor nicht zu langer Zeit durch Sohn und Patenkind, die beide in Freiburg studier(t)en.

Vom Kaiserstuhl in Baden kommen die Lieblingsgrauburgunder von Rolf Fliß.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Rolf Fliß: Mir mundet er besonders, weil er viel Sonne gesehen hat, perfekt zum Essen UND danach passt. UND weil er fruchtig und nicht zu herb ist. Aber ich lege Wert auf die richtige Kühlung beim Servieren!

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie gerne Wein?
Rolf Fliß: 
Ach, eigentlich immer (lacht schallend….) Das können Familienfeste sein oder der gemütliche Abend zu Zweit. Oder an einem lauen Sommerabend draußen auf der Terrasse. Und warum soll man nicht auch im Biergarten Wein trinken?!

Was halten Sie als Grüner von Bio-Weinen? Liegt es nahe, dass sie diese Weine bevorzugt trinken?
Rolf Fliß: 
Ich trinke beide Weine gerne, und bin schon an gute und weniger gute Bioweine geraten.Letztendlich ist die Lage entscheidend. Und: Hat der Wein viel Sonne bekommen, kümmert sich der Winzer ausreichend um seine Rebstöcke und Weine?

Und oft schmecken Weine in ihrer beheimateten Region anders als zuhause. Wie oft habe ich mir aus den Ferien Weine mitgebracht, um dann zum Beispiel  die Erinnerung an die Provence wieder aufleben zu lassen. Und stellte fest: Der Wein schmeckt zuhause in anderer Umgebung anders.

Weil Stimmung, Atmosphäre und Licht dann einfach ganz anders sind….
Rolf Fliß:…exakt. Aber beim Grauburgunder passt es. Da habe ich auch zuhause das Gefühl, dass ich im Breisgau sitze.

Mit welchem besonderen Menschen oder welcher Person der Zeitgeschichte würden Sie gerne mal ein Gläschen Wein trinken?
Rolf Fliß: 
Es fallen mir zwei ein. Ich würde mich gerne mal mit dem Dalai Lama auseinandersetzen oder mit unserem wunderbaren, sehr bescheidenen, bodenständigen Papst. Mich begeistert bei beiden Personen, dass Sie sehr bürgerlich sind. Die wollen wir nicht in den Himmel wachsen lassen. Was ihre Bescheidenheit angeht, ihre Dankbarkeit und ihren sozialen Impetus, sind sie für mich auf jeden Fall Vorbilder.