Bordeaux macht Lust auf Sommer

Ein Bordeaux Blanc hat es Daniel Raifura angetan. Der 40-jährige aus Essen-Borbeck holt uns beim Wein des Monats Juni den Sommer ins Glas. Daniel leitet eine Kindernotaufnahme, was Beruf und Berufung gleichermaßen ist. Er ist auch bekannt als Krimi-Autor und Stückeschreiber. Gar nicht gruselig geht’s jetzt hier zu. Daniel empfiehlt einen Gute-Laune-Wein.

Weinbegleiter Ruht: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Daniel Raifura:
Das ist ein Bordeaux, ein weißer Bordeaux, Jahrgang 2017, aus dem Hause Baron Philippe de Rothschild. Es ist ein trockener Wein.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Daniel Raifura:
Den habe ich beim Einkaufen entdeckt. Das war ein Zufallsfund. Ich schaute mir das Etikett an und dachte: ‚Das klingt ganz gut.‘ Ein weißer Bordeaux, ich kannte bis dahin nur Rotweine aus Bordeaux. Das wollte ich einfach mal ausprobieren.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Daniel Raifura:
Ich war total überrascht von dem Wein. Er hat ganz viele Aromen. Also ich bin kein Weinkenner…

…doch, bist du. In dem Moment, in dem du für dich entscheidest: „Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht“ bist du dein eigener Weinkenner.

Daniel Raifura: Ja, aber ich bin kein Weinexperte. So. Wenn man die Flasche öffnet und man riecht die verschiedenen Aromen – ein bisschen Aprikose, verschiedene Kräuter. Da bekomme ich einfach Lust, diesen Wein zu trinken. Ich liebe trockene Weine. Er ist aber auch nicht so trocken, dass man denkt: ‚Oh Gott, das ist jetzt unangenehm und brennt.‘ Er ist eben schön fruchtig, leicht und sommerlich.

Begleitet dich ein Wein, den du magst, dann über längere Zeit? Oder probierst du auch gerne andere Tropfen?
Daniel Raifura:
Ich trinke auch andere Weine. Aber wenn ich die Möglichkeit habe und ich gerade in einem Geschäft bin, in dem es diesen Wein gibt, dann nehme ich den natürlich lieber, weil ich weiß, dass er mir gefällt. Da weiß ich einfach, dass ich nichts falsch mache.
Ich schreibe ja auch sehr viel und trinke beim Schreiben gerne mal ein Glas Wein. Und dieser Wein beflügelt mich da so ein bisschen. Der macht einfach gute Laune. Der lenkt mich nicht ab. Der Wein ist so wie ich: relativ leicht und beschwingt.

Foto: privat.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für dich ganz wesentlich sind.
Daniel Raifura:
Lebensfreude, Lebensenergie, Genuss.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Daniel Raifura: Das hat sich irgendwie so entwickelt. Man wird älter und anspruchsvoller und denkt sich: ‚Okay, als Genussmittel möchtest du nicht irgendwas trinken.‘ Ich schaue schon: Finde ich etwas, was zu mir passt.

Welche Weine trinkst du sonst noch gerne?
Daniel Raifura: Im Winter trinke ich zwischendurch auch mal einen Rotwein. Aber eigentlich am liebsten Weißwein. Ich sage natürlich auch zum Champagner nicht nein. Wenn ich ein Buch oder Theaterstück abgeschlossen habe, gibt es einen sehr guten Champagner. Immer gerne einen Moët & Chandon.

Mit wem trinkst du dann den Champagner?
Daniel Raifura:
Mit meinem Mann. Der muss sich das Ganze dann anhören, was ich geschrieben habe, und wenn ich sage: ‚Ja, ich habe es geschafft!‘

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Daniel Raifura:
Der Geschmack. Da gucke ich nicht in erster Linie auf den Preis.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Daniel Raifura:
Mit meinem Mann und mit Freunden.

 Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Daniel Raifura:
Auch wenn ich mir jetzt nicht viele Freunde mache: Ich weiß, dass unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne Weißwein trinkt. Mit ihr würde ich gerne mal ein Glas Weißwein trinken. Oder zwei oder drei oder ’ne Flasche oder zwei. Weil sie eine ganz spannende Frau ist und ich ganz viele Fragen an sie hätte zu politischen Themen, aber auch zu privaten und persönlichen Themen. Ich würde gerne wissen: Wie ist dieser Mensch? Den man sonst nur so partiell aus den Medien kennt. Ich glaube, Wein ist sehr gesellig. Da könnte man wahrscheinlich ein bisschen näher zusammenkommen.
Eine Frage wäre zum Beispiel, wie man solch einen Druck aushalten kann, den sie tagtäglich erleben muss. Und wie man damit persönlich umgeht. Ich könnte es nicht und ich glaube, 98, 99 Prozent aller Deutschen auch nicht.
Ich hätte viele, viele Fragen. Es würde eine lange Nacht werden. Ich kann sie ja zu meinem Lieblingswein einladen…

Foto: Michael Doliv

Hin und weg – mit Rotwein

Jessica Dorndorf ist eine Frau, die nicht lange fackelt, sondern Menschen, Aktionen und Dinge in Bewegung bringt. Mit ihrem Projekt „Jessica Dorndorf hilft!“ macht sie sich mit vielen Unterstützern seit Jahren stark für bedürftige Menschen. Im Hauptberuf ist sie Bestatterin im Essener Familienunternehmen. Und wenn das prallgefüllte Tagwerk vollbracht ist, sitzt sie gerne mit ihrem Mann oder Freunden bei einem Glas Wein zusammen. Sie zieht den Korken für Ihren „Wein des Monats“ Oktober 2018, einen Rotwein.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Jessica Dorndorf: 
Es ist der Chateau L’Eglise 2016 aus dem Bordeaux in Frankreich.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Rotwein für dich entdeckt?
Jessica Dorndorf:
Ich war mal wieder unterwegs als „Jessica Dorndorf hilft!“ Der Künstler Hans-Jürgen Wille schenkte den Wein in seinem Atelier in Bochum aus. Ich war hin und weg – und bin es bis heute.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Jessica Dorndorf: Zum einen ist er sehr ölig, so fühlt sich das für mich an im Mund. Sehr angenehm. Zum anderen riecht er wunderbar nach Fass, aber nicht vordergründig aufdringlich. Und er ist sehr, sehr trocken. Das mag ich.

Jessica Dorndorf.

Wie bist du auf den Wein gekommen?
Jessica Dorndorf:
Ich trinke seit Jahren gerne Wein. Früher aber nicht so spezifisch und bewusst wie andere Menschen. Bei Veranstaltungen wusste ich oft nicht, was ich da eigentlich im Glas habe. Hauptsache der Wein schmeckte. Seit gut eineinhalb Jahren ist das anders.

Wie kam’s?
Jessica Dorndorf: Ich bin ja mit „Jessica Dorndorf hilft“ bei vielen Events, wo auch Wein eingeschenkt wird. Bei diesen Gelegenheiten trinke ich übrigens nur Weißwein. Ich schaue inzwischen schon mal genauer hin, was da gereicht wird. Man wird ja älter…vielleicht hat es damit zu tun.

Lässt du dich dann auch auf Weine ein, die du noch gar nicht kennst?
Jessica Dorndorf: Sicher. Ich bin sehr experimentierfreudig und probiere aus. Es macht Spaß zu entdecken, wie unterschiedlich Weine schmecken können. Ich werde da allmählich ein kleiner Feinschmecker. Im Februar fliege ich wieder nach Lanzarote und freue mich, in den Bodegas Wein zu probieren.

Wein steht für Genuss, für Geselligkeit und Lebensfreude – passt das zu deinem Beruf als Bestatterin im alteingesessenen Familienunternehmen in Essen-Kray?
Jessica Dorndorf:
Ach, viele Menschen denken, dass Bestatter immer nur traurig sind. Das ist überhaupt nicht so. Nach einem langen Tag ein schönes Glas Rotwein am Abend – das ist doch wunderbar.

Hast du Angehörigen verstorbener Menschen schon mal einen Abschiedstrunk gereicht?
Jessica Dorndorf:
In der Seelsorge ist das schon mal passiert. Da reichte ich einen spanischen Wermut aus dem Holzfass. Zur Beruhigung.

Marcus Reckewitz empfiehlt Granaten im Glas

Beim „Wein des Monats“ nur einen einzigen Tropfen empfehlen? Das kommt bei Marcus Reckewitz nicht ins Glas… Der Autor und freie Lektor macht gerade mit seinem neuesten Buch „Über die Kunst der Trunkenheit“ Furore. Darin hält er ein leidenschaftliches „Plädoyer für den gepflegten Rausch“, mit einem spannenden Ausflug in die Geschichte des Trinkverhaltens der Menschen und das Händchen für Maß und Mitte.
Ich bin jetzt trunken vor Freude über meinen Gastautoren: Denn wenn jemand mit Sprachwitz, staubtrockenem Humor sowie leicht und beschwingt vermittelten Fachkenntnissen über die Welt der Weine schreiben kann, dann ist es für mich Marcus Reckewitz.  „….nicht der gespreizte Finger am Champagnerkelch und auch nicht der soziale Dünkel des weinlyrisch-ventilierenden Grand-Cru-Trinkers sind das Maß der Dinge“, schreibt er. Sondern ein gepflegter Rausch, Genuss und Geselligkeit mit Spaß im Glas. Und nicht zuletzt Qualität und die Wertschätzung dessen, was uns da weinselig betört.

Weinbegleiter Ruhr: Haben Sie einen Lieblingswein? Woher stammt er? Und wie haben Sie Ihn für sich entdeckt?

Marcus Reckewitz: Mit dem Lieblingswein, das ist ja so eine Sache: Denn wenn „Lieblingswein“ bedeutet, dass man solche Weine am liebsten und deshalb kaum noch was anderes trinkt (solche Weintrinker gibt es ja), dann hab ich keinen Lieblingswein. Das wäre mir zu einfältig. Und Wein ist ja doch eher vielfältig. Meine Devise lautet eher: Immer weiter schnüffeln, immer weiter schmatzen und immer neugierig bleiben für all die Weine, die man noch nicht kennt – oder die neuen Jahrgänge von den Weinen, die man kennt.
Aber es gibt durchaus ein paar Weine auf die ich gerne und immer wieder zurückgreife, weil ich da weiß, was ich im Glas habe. Das sind die Anker, die dabei helfen, im Meer der Möglichkeiten nicht abgetrieben zu werden.

Auf geht’s mit Weißweinen:

Da ist zum einen der Kaitui von Schneider aus der Pfalz, ein ungemein frischer, trocken-präsenter und ungemein fröhlicher Sauvignon Blanc, der stark an die neuseeländischen Sauvignon-Blancs erinnert. Deshalb heißt er wohl auch neuseeländisch Kaitui (=Schneider). Stachelbeeren, Maracuja, Grasnoten, Zitrone – es gibt kaum was Besseres, als diesen „Neuseeländer“ aus der Pfalz für ca. 12 € an einem warmen Sommernachmittag als kühlen Sundowner durch die Kehle gleiten zu lassen,
Auf die Weine von Markus Schneider bin ich vor vielen Jahren durch verschiedene Fachartikel gestoßen, als Schneider noch als einer der jungen Wilden galt. Wild ist er wohl immer noch, zählt mittlerweile aber eher zu den (auch nicht mehr ganz so jungen) Stars der Weinwelt.

Wat schön: Die Weine des Monats Oktober.

Wenn’s etwas weicher und galanter zugehen soll, vor allem, wenn meine Frau mit an Bord ist, dann greife ich neuerdings gerne auf die Chardonnay-Weißburgunder-Cuvee von Wageck-Pfaffmann (auch aus der Pfalz) zurück. Ein absoluter Gaumenschmeichler mit exotischen Aromen von Maracuja, Mango, Physalis, Papaya, Mandarine und Limette, die von einer eleganten Säure und von deutlich mineralischen Tönen klar konturiert und zusammengehalten werden. Für ca. 10 € ein schmelziger Wein mit Suchtfaktor – und ein echter Frauenversteher.
Auf diesen Wein hat mich vor einiger Zeit im Urlaub mein Weinhändler auf der Nordseeinsel Juist (Altmanns Getränke-Kontor) aufmerksam gemacht. Man sollte es kaum glauben, aber doch: Auch mitten in der Nordsee gibt es guten Wein!

Nun sehen wir rot mit Marcus Reckewitz:

Ohne Bordeaux geht es nicht. Mit roten Bordeaux hab ich vor über 30 Jahren angefangen, „Wein zu lernen“. Ich liebe vor allem Bordeaux, die einen deutlichen Cabernet-Sauvignon (CS)-Anteil haben. Und seit vielen Jahren liebe ich immer und immer wieder Chateau d’Aurilhac, einen Cru Bourgeois aus dem Haut-Medoc, der neben CS noch Merlot und Cabernet Franc und ein bisschen Petit Verdot im Glas vereint. Ein Weinhändler machte mich vor vielen Jahren auf diese Granate aufmerksam. Dichte dunkle Aromen von Brom- und Blaubeere, von Edelhölzern (Zedern?), auch Kaffee, Kakao und Leder. Am Gaumen ist er voll, aber nicht zu saftig und genial von Tanninen zusammengehalten – ein wunderbar ausbalancierter Wein. Für knapp 16-20 € (je nach Jahrgang) erhält man zum relativ kleinen Preis einen, wie ich finde, ziemlich großen Bordeaux.

Ein mir mittlerweile mindestens ebenso lieb gewordener roter Bruder kommt aus der direkten Nachbarschaft von d‘Aurilhac: Chateau Charmail , der neben CS und Cabernet Franc einen etwas höheren Merlot-Anteil aufweist. Ein extraktreicher Cru Bourgeois, der am Gaumen mit ungemein subtiler Eleganz daherkommt. Bordeaux-Papst Rene Gabriel ließ über den 2003er Jahrgang vernehmen: „Ein erotischer Wein zum Ausflippen…“ Recht hat er! Für rund 20 € bekommt man in der Tat eine ziemlich volle Ladung Bordeaux-Erotik!

Und zum Schluss was Süßes:

Ein Portwein, der sich nicht Portwein schimpfen lassen darf, weil er aus der Pfalz kommt und „Hensel und Gretel“ heißt und von Schneider (s. o.) und Hensel aufgelegt wird. Hab ich (fast) immer im Regal. Nach dem Essen ein Schluck – statt Dessert. Oder zum Dessert. Oder einfach mal so zwischendurch. Frucht, Frucht, Frucht, dunkelrot und süß und cremig und warm, obwohl er leicht gekühlt am besten schmeckt. Ist wie eine Schachtel Premium-Pralinen – einmal angefangen, kann man nicht aufhören…

Weitere Infos über Marcus Reckewitz und seine Bücher gibt es hier: http://www.reckewitz.de/autor/kulinaria. Sehr zu empfehlen ist sein Dauerbrenner „Populäre Weinirrtümer“.