Der Berg ruft: Genussreise nach Südtirol

Südtirol – bei diesem Wort träumt sich Event-Köchin Elly von Elly’s Island in die Berge. Kürzlich bekam sie von ihrem Lieblingshotel in Hafling bei Meran tiefverschneite Wintergrüße. Diese inspirierten sie zu ihrer Lieblingssuppe: Süppchen vom Südtiroler Alpapfel. „Die ist so lecker“, schwärmt Elly. „Das Rezept ist vom Koch des Hotels, Robert Salten.“ Bei Wein & Speise im Januar hat uns Elly dieses Süppchen eingebrockt.
Das Gericht ist einfach zuzubereiten, „auch mit heimischen Äpfeln. Wenn kein Südtiroler Speck zur Hand ist, funktioniert natürlich auch ein anderer, erklärt die Köchin, „aber bitte keinen rohen Schinken nehmen“.

Wein-Empfehlung

Das ist eine gute Gelegenheit für eine Wein & Speise -Regel, die immer funktioniert: Die Kombination von Gerichten und Weinen, die typisch sind für eine Region. Und Weine aus Südtirol sind einfach Spitze. Ich empfehle einen spritzigen Weißburgunder aus der Region zum Süppchen, zum Beispiel aus dem Etschtal oder dem Vinschgau. Das leicht nussige Aroma des Weins harmoniert sehr schön mit dem leicht süßlichen Geschmack der Möhren. Das Wurzelgemüse verträgt sich nicht so gut mit überbordender Frucht und rauen Gerbstoffen.

Weißburgunder und Vernatsch

Weißburgunder wartet eher mit dezenten Aromen auf, die an Apfel, Birne, Aprikose und Zitrusfrüchte erinnern. In Kombination mit einer erfrischenden Säure ist der glasklare Burgunder ein toller Wein zum Essen und passt sehr gut zum Süppchen. Wer lieber zum Rotwein greift, ist mit einem Vernatsch gut beraten. Neben Lagrein und Blauburgunder zählt sie zu den wichtigsten roten Rebsorten Südtirols. Weine aus Vernatsch sind keine Kraftprotze, ihr Alkoholgehalt ist meist moderat. Unter den gebietstypischen Spielarten wähle ich einen würzigen Meraner Vernatsch aus, der wunderbar den herzhaften Südtiroler Speck umgarnt.

Und nun ran an Töpfe und Gläser!

 Süppchen vom Südtiroler Alpapfel mit Honigmöhren
2-3 Möhren
Safran
500 g mehlige Kartoffeln
Zweig Thymian, 2 Zwiebeln
Schuss Cidre
1 l Brühe, 1 B Sahne
3 Südtiroler Äpfel (g.g.A. geschützte geografische Angabe)
1 TL Honig, Salz, Pfeffer, Öl
Südtiroler Speck in Scheiben
Mineralwasser
Alpenblüten (können auch aus einem Teebeutel stammen, gibt es in fast jedem Supermarkt: Bergblütentee, Beutel aufschneiden und auskippen)

Zwiebeln, Äpfel und Kartoffeln würfeln. Zusammen mit dem Thymian und Safran in etwas Fett andünsten und mit Cidre löschen. Brühe aufgießen und garen. Möhren schälen und in feine Stifte schneiden, in etwas Fett anschwitzen, Honig zugeben und in ein wenig Mineralwasser dünsten, würzen. Den Thymian aus der Suppe entfernen und pürieren. Mit etwas Sahne und evtl. noch einen Schuss Cidre cremig aufgießen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Sollte die Suppe zu dick sein, mit Wasser verdünnen und nachwürzen. Zum Servieren die Suppe in Teller geben, ein paar Möhrenstifte in die Mitte legen, Speck zu Röschen drehen und aufsetzen. Mit Alpenblüten bestreut servieren.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

Zum Stöbern:

www.salten.it

www.pursuedtirol

Aufmacherfoto: susanne906/pixabay

Weihnachten 2020 – ist alles ganz anders

Weihnachten 2020: ist alles ganz anders. Bei Wein & Speise im Festtags-Monat habe ich mich für 2 Varianten entschieden. Für alle, die es eher schlicht und ohne vorherigen Einkaufs-Stress angehen lassen wollen, gibt’s einen Klassiker: Kartoffelsalat mit Würstchen. Wer es etwas anders, aber nicht zu aufwändig möchte, kommt vielleicht bei wildem Federvieh auf den Geschmack: Fasanen-Roulade auf Rotkraut-Risotto. Event-Köchin Elly von Elly’s Island gibt natürlich wieder beiden Gerichten ihren ganz eigenen kreativen Touch.

Weihnachten 2020: Alles so schön blau hier…

Los geht’s mit dem Klassiker, bei dem alles so schön blau wird. Und das liegt (erst einmal) nicht am Wein. Elly verwendet für den Kartoffelsalat die Sorte „Blauer Schwede“, die durch eine braun-blaue Schale und violett marmoriertes Fleisch auffällt. „Der blaue Schwede ist eine Urkartoffelart. Es gibt sie von mehlig kochend bis fest“, erklärt Elly. „Wir brauchen die feste, die sehr gut für Salate geeignet ist. Sie färbt sich beim Kochen von lila zu blau. Ihr Geschmack ist leicht süßlich.“

Wein-Empfehlung

Bei diesem Gericht hängt die gelungene Kombination mit Wein von der Zubereitung des Kartoffelsalates ab. Zunächst: Kartoffeln enthalten Stärke, die sehr gut Säure und Gerbstoffe im Wein bindet. Bei einer Essig-und-Öl-Variante empfehle ich einen frischen Weißwein mit dezenter Säure und Frucht. Das kann ein junger Silvaner oder ein Müller-Thurgau aus Deutschland sein. Wer es etwas fruchtiger mag, kommt hoffentlich bei einem sizilianischer Grillo oder einem Verdejo aus der spanischen Weinbauregion Rueda auf den Geschmack.

Werden die Kartoffeln mit Mayonnaise angemacht, wie in unserem Fall mit selbstgemachter, darf es kräftiger und aromatischer sein. Zwei Stilistiken passen hier gut: Ich persönlich öffne wieder einen Silvaner, der einfach ein herrlicher Essensbegleiter ist. Diesmal wähle ich einen gereiften – an Jahren und im Holz. Das bringt Kraft, Struktur, ein schönes Zusammenspiel und erdig-rauchige Noten, die auch gut zu den knackigen, leicht geräucherten Wienern passen, die Elly am liebsten zum Kartoffelsalat mag. Die andere Variante: Eine schöne, trockene Riesling Spätlese von der Mosel, bei der die Säure des Weins mit der Mayonnaise und der Süße der Kartoffeln eine wunderbare Allianz bildet. Also, wie es beliebt.
Beim Rotwein punkten eher leichte Vertreter wie Portugieser aus Deutschland, Valpolicella aus Italien und einfacher, junger Merlot.

Kartoffelsalat
1 kg lila Kartoffeln
4 pflaumenweich gekochte Eier
2 Senfgurken
1 rote Zwiebel Salz, Pfeffer
Kartoffeln mit Schale kochen, abdampfen lassen und pellen. In Scheiben oder Würfel schneiden, ebenso die Gurken, Zwiebeln und Eier. Würzen.

Mayonnaise ohne rohes Ei
80 ml zimmerwarme Milch (wichtig!)
neutrales Öl (so viel wie nötig)
mind. 1 TL frischer Zitronensaft (je nach Geschmack auch mehr)
½ TL Salz 1 Tl milder Senf
Milch in ein schmales hohes Gefäß gießen. Die Milch muss die gleiche Temperatur haben wie das Öl, damit eine Bindung entsteht. 1 TL Zitronensaft hinzufügen und mit dem Pürierstab aufziehen. Dann so lange vorsichtig Öl hinzufügen, dabei den Pürierstab langsam auf und ab bewegen, bis die Majo fest wird (das kann manchmal etwas mehr Öl werden, je nach Temperatur). Mit Senf und Salz abschmecken.

Weihnachten 2020: Kommen wir nun zur Roulade aus Fasanenbrust. „Da in die Roulade eine Farce kommt, wird sie nicht so trocken und schmeckt auch noch gut“, versichert Event-Köchin Elly. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, macht beim Metzger Jagd auf ganz junges wildes Geflügel. Das magere Fleisch zeichnet sich durch einen feinen Wildgeschmack aus.

Wein-Empfehlung

Dazu wähle ich einen kräftigen, geschmeidigen Pinot Gris aus dem Elsass oder einen Chardonnay aus Burgund mit ganz dezenten Holznoten, die das gebratene Fleisch und die Wacholdernote im Gericht umgarnen.
Mein Favorit ist ein Gemischter Satz aus Österreich. Der Mix aus verschiedenen Rebsorten ( u.a. Muskateller) und Reifestadien bringt eine herrliche Aromatik ins Glas, der mit diesem geschmacklich vielschichtigen Gericht mithält.
Auch ein kräftiger spanischer Rosado bringt hier Abwechslung und beim Rotwein neige ich zu einem feinen Pinot Noir mit schöner Frucht.

Fasanen-Roulade auf Rotkraut-Risotto
4 Fasanenbrüste
200 g Kalbsfarce (vom Metzger)
50 g Butter Salz, Pfeffer Wacholder gemahlen
200 g Risottoreis, 200 g Rotkraut
1 Schalotte 60 g Preiselbeeren Geflügelbouillon, 100 g Butter

In die Fasanenbrüste eine Tasche einschneiden und leicht plätten. Mit Salz, Pfeffer und wenig Wacholder würzen. Die Farce darauf verteilen und die Brüste einrollen. Mit Garn zubinden und auf der offenen Seite in Butter anbraten. Im Backofen bei 100 Grad circa 12 Minuten ziehen lassen. Schalotte schälen und fein würfeln. Rotkrautstrunk entfernen und fein würfeln. Schalotte und Strunk in der Hälfte der Butter 5 Minuten andünsten, Risotto-Reis zugeben und weitere 3 Minuten dünsten. Nach und nach mit der heißen Geflügel-Bouillon bissfest garen. Mit der restlichen Butter und den Preiselbeeren cremig rühren und abschmecken. Risotto auf den Teller geben. Die Roulade tranchieren, also quer durchschneiden, und daraufsetzen.

Und nun ran an den Herd und ans Weinregal. Wir wünschen allen entspannte Weihnachten 2020 und freuen uns auf besondere Events im nächsten Jahr!

Rosé vom Dornfelder mit Sommer-Feeling

Mit einem Rosé vom Dornfelder holt sich Sun-Mi Jung Sommer-Feeling ins Glas. Die 46-Jährige ist Gastautorin beim Wein des Monats Dezember. Wir wissen nicht mehr so genau, wie wir uns kennengelernt haben. Es war irgendwo bei Social Media. Sun-Mi, Kind südkoreanischer Gastarbeiter, ist in Bochum zuhause und lebt ihre Leidenschaft für koreanische/asiatische Küche. Sie ist Kochlehrerin und betreibt als MissSeoulFood einen lesens- und sehenswerten Blog.
Ein Gespräch über ganz persönlichen Weingenuss.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sun-Mi Jung: Rosé vom Dornfelder, Weingut Elmar Clemens, Rheinhessen.

Der Lieblings-Rosé von Sun-Mi Jung.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Rosé vom Dornfelder mit Sommer-Feeling entdeckt?
Sun-Mi Jung:
Ein alter Sportkollege meines Mannes handelt nebenberuflich mit Weinen und versorgt vor allem die hiesige Gastronomie. Er ist mittlerweile der „Weinhändler unseres Vertrauens“ geworden. Bei der letzten Verkostung hat Frank uns unter anderem diesen Wein vorgestellt, der mir sehr gut gefallen hat.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sun-Mi Jung:
Es handelt sich um einen Rosé, die ich in der Vergangenheit kaum beachtet habe. Ich habe eigentlich immer nur Rot oder Weiß getrunken und hatte die ganzen Rosés gar nicht auf dem Schirm. Ich war begeistert, wie unglaublich leicht, lebendig und fruchtig dieser Rosé vom Dornfelder schmeckt! Fast schon wie ein sommerlicher Cocktail. Unser Weinhändler hatte uns den Tipp gegeben, einen Eiswürfel ins Glas zu geben. Zugegeben, zunächst etwas irritierend, aber einfach fantastisch. Wir haben zwar mittlerweile Herbst und bald Winter. Aber ich trinke diesen Rosé auch in der kalten Jahreszeit. Vielleicht auch, weil er mich an den schönen Verkostungsabend erinnert, der im Sommer unter freiem Himmel und mit netten Freunden stattfand.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für dich ganz wesentlich sind.
Sun-Mi Jung:
Geselligkeit, Genuss, Entspannung, Entdeckung (Geschmäcker und Aromen, aber auch Rebsorten, Anbaugebiete und jede Menge Kulturgeschichte); ein kleiner Luxus.Ich weiß, das sind mehr als drei Begriffe…

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sun-Mi Jung:
Das kann ich Dir gar nicht mehr so genau sagen. Aber als junge Frau, so kurz nach dem Studium, hatte ich eine Kochgruppe, die nur aus Frauen bestand. In dieser wurde regelmäßig gekocht und im Laufe der Zeit kam natürlich auch ein Glas Wein dazu.  Die Kochgruppe, die einige Jahre bestand, gibt es heute nicht mehr. Aber die Liebe zu Essen, Kochen und den passenden Getränken ist geblieben.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Sun-Mi Jung:
Da ich dem Urteil von Experten vertraue, lasse ich mich gern von Fachleuten beraten. Ich sage Ihnen, was ich erwarte oder auch brauche (Anlass, Rezept, Preis, etc.) und folge dann den Empfehlungen. Da es sich nur um eine Empfehlung handelt, muss ich anschließend natürlich immer noch selbst probieren und mir mein eigenes Urteil bilden. Insgesamt bin ich aber ein sehr experimentierfreudiger Mensch, der gern Neues entdeckt und freue mich, dass das Thema Wein in dieser Hinsicht nahezu unendlich ist.

Sun-Mi in ihrem Element.

Du bietest Kochkurse an und betreibst einen sehr schönen Foodblog zur koreanischen/asiatischen Küche. Welche Rolle spielt aus deiner persönlichen Sicht Wein als Speisenbegleiter in der koreanischen Küche? Oder wird da eher ein schönes frisches Bier bevorzugt?
Sun-Mi Jung: Oh, danke für das Lob! Schön, dass Dir der Blog gefällt.

Ein schönes frisches Bier passt eigentlich zu jedem koreanischen Essen, welches oft sehr kräftig, scharf und herzhaft ist, und es wird in Korea auch sehr gern zum Essen getrunken. Für mich als Kind des Ruhrgebiets natürlich die perfekte Symbiose aus Ost und West.

Der Genuss und die Kultur des westlichen Weines ist in Korea auch noch nicht so verbreitet. Aber ich finde, dass westlicher Wein durchaus zur koreanischen Küche passt. Zum scharfen Essen leichtere Weine, die den kräftigen Geschmack ein wenig ausgleichen, wie zum Beispiel ein deutscher Riesling. Davon abgesehen gibt es natürlich auch süße und dezentere koreanische Speisen, die man sehr gut mit einem passenden Wein kombinieren kann.
Last, but not least gibt es natürlich auch Reisweine, die ideal harmonieren. Allerdings wird dieser „Wein“ natürlich nicht aus Trauben gewonnen.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sun-Mi Jung: Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht. Eigentlich mit jedem, den ich mag, der mir nahesteht, mit dem ich mich gern austausche und mit dem ich gern Zeit verbringe. Natürlich spielt auch das Ambiente eine Rolle. Da bin ich jedoch sehr flexibel: Gemütlich vor einem Kamin, festlich in einem Ballsaal, lässig in einer Küche während einer Kochparty, gern auch bei einem Picknick im Freien. Und tatsächlich auch auf der Couch mit einem schönen Film.

Mit wem am liebsten nicht?
Sun-Mi Jung:
Mit Menschen, die nicht gern Wein trinken. Ich glaube, das hat keinen Sinn…

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sun-Mi Jung: Mit Dir! Ich hoffe, wir schaffen das im Jahr 2021!

Mit welchem Getränk begrüßt du Silvester das neue Jahr?
Sun-Mi Jung:
Mit Champagner!

Was wünscht du dir für 2021?
Sun-Mi Jung:
Mehr soziale Kontakte, wie wahrscheinlich alle Menschen auf der Welt, viele neue Abenteuer, spannende Begegnungen. Und natürlich neue Weine!

Fotos (2 Porträts): Andreas Muck

Das Auge trinkt mit – beim Wein des Monats

Das Auge trinkt mit, davon ist Sebastian Tenore überzeugt. Mit Leidenschaft arbeitet er bei der Veranstaltungs-Service GmbH „Alles klar!“ am Standort Mülheim, wo er lebt. Das Unternehmen ist auf die Vermietung von Partyzubehör spezialisiert. Und jedes Mal, wenn ich dort für Weinevents Gläser ausleihe, sind wir ganz schnell beim Thema Wein. Sebastian Tenore stellt seinen persönlichen Wein des Monats September vor – und fängt dabei den Spätsommer im Glas ein.

 Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?

Sebastian Tenore: Mein aktueller Lieblingswein stammt aus Spanien vom Weingut Marqués de Riscal, ein 2019er Verdejo aus dem Weinanbaugebiet Rueda.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein entdeckt?
Sebastian Tenore: Diesen Wein bekam ich von einem Bekannten, der im Weinhandel tätig ist. Als dieser im Handel gelistet wurde, habe ich eine Flasche zum Probieren bekommen.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Sebastian Tenore: Weil er – ganz einfach – schmeckt. Ein toller Weißwein, der frisch ist, eine gewissen Fruchtigkeit hat und absolut in den Sommer passt. Man stelle sich das ganz klassisch vor: Ich sitze auf der Terrasse, die Sonne scheint, es ist ein schöner Tag und Wochenende. Man öffnet den Wein, schenkt sich ein Glas ein – perfekt! Im Herbst wechsle ich dann wieder mal, es geht dann eher in Richtung Rotwein.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Sebastian Tenore: Genuss, Leidenschaft und eine Geschmacks-Explosion.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Sebastian Tenore: Durch meine langjährige Tätigkeit in der Hotellerie ist Wein natürlich ein wesentlicher Bestandteil. Ich habe eine klassische Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht und habe in den Jahren danach die Karriere-Leiter immer ein Stückchen weiter erklommen. Daraus entstanden viele gute, teilweise bis heute bestehende Kontakte zu Zulieferern und Weinhändlern.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Sebastian Tenore: Es hängt immer von den Anlässen ab. Wenn man zusammen ist, versuche ich immer einen Wein zu wählen, der möglichst allen schmeckt. Ich alleine bin dagegen sehr offen für neue Weine, Rebsorten usw. Er muss am Ende schmecken. Das ist für mich das Ziel. Es gibt ein paar Rebsorten die ich nicht so gerne mag, zum Beispiel Gewürztraminer.

Warum?
Sebastian Tenore: Ich bin wirklich offen für alle Weine der Welt, aber Gewürztraminer ist nicht mein Wein. Ich habe ihn zweimal probiert und er hat mir überhaupt nicht geschmeckt. Ich würde ihn beim Essen im Restaurant nie bestellen. Gleichwohl: Wenn ihn mir jemand zum Probieren reicht, würde ich nicht ablehnen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Vielleicht finde ich ja noch einen, der mir mundet.

Das Auge trinkt mit….

Welche Rolle spielen Weingläser für Sie privat?
Sebastian Tenore: Eine sehr große. Ich habe jetzt nicht für jeden Wein ein extra Glas, aber 6 schöne Universalgläser, dann noch Burgunder-Gläser und Champagner-Gläser. Ein schönes Weinglas gehört dazu. Das Auge trinkt mit, absolut. Ich würde nie, nie, nie einen Wein aus einem Wasserglas trinken.
Ein Aspekt bei meiner Arbeit bei „Alles klar!“ ist ja eben auch, Kunden zu ermutigen, mal ein ganz anderes schönes Glas auszuleihen. Es geht also auch darum, etwas Schönes und Passendes zu vermitteln. Emotionen wecken, das ist die entscheidende Rolle dabei.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sebastian Tenore: Am liebsten natürlich mit meiner Frau und meiner Familie, aber auch mit den besten Freunden, die den Sinn für Wein mit mir teilen.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sebastian Tenore: Wenn ich die Chance hätte, mit Uli Hoeneß. Ich bin bekennender FC Bayern-Fan und da war und ist Uli Hoeneß natürlich ein ganz zentraler Punkt. Er ist auch ein großer Genießer. In Fernseh-Dokumentationen erzählte er, dass er sich bei Auswärtsspielen abends ein schönes Glas Rioja gegönnt hat. Also entweder liebt man ihn oder man hasst ihn. Für mich ist er jedenfalls eine sehr beeindruckende Person. Ich würde ihn fragen, was sein Lebensantrieb war und ist.

Grillen und Wein – ein Sommertraum

Grillen und Wein – ein Sommertraum. Diesen erfüllen wir uns bei Wein & Speise im August. Elly von Elly’s Island, Schule für entspanntes Kochen, legt kein Rinder-Steak auf den Grill. Kann ja jeder… Die Event-Köchin aus Legden hat sich für feine Steaks vom Thunfisch entschieden – die mit Sojasauce und anderen Köstlichkeiten gelackt – also eingepinselt – werden. „Kinderleicht“, meint Elly. Und: „Ich habe das Glück, dass ich super Sojasauce von unserer Austauschschülerin Hinako aus Japan hatte, die hier gar nicht verkauft wird. Im Japan-Shop sollte es aber etwas Gleichwertiges geben“, versichert Elly.
Ran ans Schwelgen.

Easy peasy lackierter Thunfisch vom Grill

4 Thunfisch-Filets in Sushi-Qualität (jeweils ca. 180g bis 200 g)
Olivenöl
Grill mit Deckel

Für den Lack:
30 g frischer Ingwer, 1 Knoblauchzehe
250 ml japanische Sojasauce
100 ml flüssiger Honig
100 ml süßscharfe Chilisauce
1 TL Reisessig (oder Weißweinessig)
3-4 EL Sesam-Saat

Frischen Ingwer schälen, Knoblauch pellen, beides fein reiben, dann mit Sojasauce, Honig, Chilisauce und Essig ohne Deckel für 2-3 Minuten sirupartig einkochen. Durch ein Sieb passieren und beiseite stellen. Sesam in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten (Achtung, tanzt in der Pfanne). Die Hälfte des Sesams unter den Lack rühren.

Thunfisch-Steaks dünn mit Olivenöl bestreichen. Die Glut im Grill mit Deckel sollte gleichmäßig durchgeglüht und von mittlerer Hitze sein. Grillrost mit einem ölgetränkten Pinsel dünn einreiben und unmittelbar danach die Thunfischsteaks auflegen. Den Deckel schließen und den Thunfisch nun individuell nach Gargrad grillen (am besten ist er, wenn er noch einen rohen Kern hat). Thunfisch dabei nicht wenden. Den Fortschritt der Steaks alle 2 Minuten bis zum gewünschten Ergebnis prüfen. Nun die Oberseiten der Thunfisch-Steaks mit dem Lack bestreichen und mit der übrigen Sesamsaat bestreuen. Übrigen Lack dazu servieren.
Dazu passt sehr gut ein Rote Beete- oder Rettich-Salat.

Wein-Empfehlung

Dieses Gericht punktet mit puren, echten Aromen und wir können bei der Weinauswahl aus dem Vollen schöpfen. Ein paar Überlegungen vorher, damit der Fisch gut schwimmt:
Im Thunfisch und in der Sojasauce steckt Umami. Wir schmecken süß, sauer, salzig, bitter – und eben Umami. Das ist kein Teufelszeug, sondern eine Aminosäure, die in proteinhaltiger Nahrung enthalten ist. Sie wirkt geschmacksverstärkend, herzhaft-kräftig, und sorgt für ein wohlig-angenehmes Gefühl im Mund. Mit Chili und Ingwer kommt außerdem Schärfe ins Spiel.

Hier sind kräftige, vollmundige Weine gefragt, die gleichzeitig die pikant-scharfen Komponenten balancieren. Meine Favoriten sind eindeutig sehr aromatische Weißweine mit – ja! – feiner Restsüße. Ein passender Sommertraum im Glas ist ein Gewürztraminer aus Südtirol, eine Scheurebe aus Deutschland (Rheinhessen, Pfalz, Franken, Nahe) oder ein Chenin Blanc aus Südafrika, wo die Rebsorte unter dem Namen „Steen“ in Höchstform ins Glas fließt.

Schärfe und Süße werden dicke Freunde

Was passiert? Schärfe im Essen und Süße im Wein heben sich gegenseitig auf. Nach dem Motto ‚Eine Hand wäscht die andere‘ werden sie sozusagen dicke Freunde. Die Fruchtsüße nimmt der Schärfe die Spitze, und die Schärfe verringert den Eindruck von Fruchtsüße. Die Aromen der Weine kommen dabei herrlich zur Geltung.

Nicht überzeugt von halbtrocken bei Grillen und Wein? Dann sei an dieser Stelle ein trockener Chardonnay empfohlen. Einer, der nicht durch Holzfass-Ausbau in aufdringlichen Röst- und Buttertoast-Aromen ertrinkt, sondern pur und klar nach Melonen und anderen exotischen Früchten duftet.

Thunfisch, noch dazu gegrillt, harmoniert auch sehr gut mit Rotwein mit nicht zu kräftigen Gerbstoffen. Ein fruchtiger, frischer Spätburgunder ist mein Favorit.

Viel Spaß bei Grillen und Wein!

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

 

Foto (Thunfisch): Michael Shivili auf Pixabay

Brand-heiße Tipps aus Schloss Borbeck

Schloss Borbeck

Schloss Borbeck und die Parkanlage in Essen sind immer einen Besuch wert. Hier „residiert“ Thorsten Haneke. Zusammen mit seiner Frau betreibt er die Schlossgastronomie „Zur Münze“ sowie das Dunkelrestaurant „Finster“ in Essen-Holsterhausen. Im Gespräch mit ihm auf der idyllischen Terrasse von Schloss Borbeck habe ich kurzerhand den Wein des Monats erstmals umfunktioniert. Denn Thorsten Haneke brennt für Hochprozentiges: Brand und Geist. Beim Gespräch über Genuss, Aromen und Sinneseindrücke beim Essen und Trinken fanden wir schnell Parallelen zum Wein. Eine Brand-heiße Sache:

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingsbrand oder Geist, woher stammt er?
Thorsten Haneke:
Ein leckerer Marillen-Brand der Destillerie Lantenhammer in Oberbayern. Eine Zeit lang war es auch einmal eine Schlehe, die ist sehr ungewöhnlich und intensiv im Geschmack. Die muss man mögen. Und wenn man sie mag, ist das einfach bombastisch.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie den Brand entdeckt?
Thorsten Haneke
: Es sind ja mehrere Destillerien, mit denen ich zusammenarbeite. Ich kann bei Bestellungen auch kleine Pröbchen ordern. Und wenn die mir gefallen, bestelle ich eine große Flasche.

Warum ist das Ihr Lieblingbrand?
Thorsten Haneke:
Der Geschmack reizt mich einfach. Er ist sehr intensiv und etwas ganz anderes als die Klassiker, die jeder kennt.

„Ein Brand ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Thorsten Haneke:
Milde, Frucht und Natürlichkeit. Ja, er muss natürlich sein. Das ist für mich wichtig.

Erklären Sie bitte den Unterschied zwischen Brand und Geist.
Thorsten Haneke:
Beim Brand wird die Obst-Maische zunächst mit Hefe vergoren. Der Fruchtzucker wird also bei der Gärung auf natürlichem Weg in Alkohol umgewandelt. Später wird das Gemisch in einer Brennblase mehrfach destilliert. Deshalb trinke ich so gerne Brand, weil der so ehrlich ist.
Bei einem Geist werden die Früchte mit Neutral-Alkohol versetzt und mazeriert. Das heißt, es wird fremder Alkohol zugesetzt, der die Aromen aus den Früchten zieht. Anschließend wird der Alkohol destilliert.
Und nicht zu vergessen: der Obstler. Die klassische Variante wird aus Äpfeln und Birnen destilliert.

Feine Brände.

Wie sind Sie überhaupt auf den Brand gekommen?
Thorsten Haneke:
Durch meine Tätigkeit in der Gastronomie. Im Schloss Borbeck bin ich jetzt 5 Jahre, das Dunkelrestaurant „Finster“ betreibe ich schon 15 Jahre. Da beschäftigt man sich automatisch mit leckeren Produkten, weil man den Leuten gerne immer etwas Außergewöhnliches bieten möchte. Was auch im Dunkeln sehr interessant ist.

Wie ist Ihre Erfahrung, wenn Sie im Dunklen etwas probieren? Ist das geschmacks- und geruchsintensiver?
Thorsten Haneke:
Ja, eindeutig. Man lässt sich aber auch schnell auf eine falsche Fährte locken. Nicht nur beim Trinken, auch beim Essen. Zum Beispiel haben wir ein italienisches Menü, bei dem die Gäste vorher nicht wissen, was es beinhaltet. Jeder hat ja bestimmte Vorstellungen von italienischem Essen und versucht erst einmal, in diese Richtung zu schmecken. Und kommt dann gar nicht auf andere Dinge, weil man voreingenommen ist.
Man riecht im Dunkeln einfach intensiver. Aber man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, dann auf Geschmäcker zu kommen. Das ist Gästen sogar schon bei Erdbeeren im Dessert passiert. Interessant ist auch, wenn Physalis und Weintrauben zusammen im Dessert sind.

Im Schloss probiere ich schon mal einen Geist mit Stammgästen. Zum Beispiel einen Möhrengeist oder Heugeist aus einer Edelbrennerei im Sauerland. Dann probieren meine Gäste und fragen sich: ‚Was ist das nur für ein Geruch?‘ Sie sind nah dran, kommen aber nicht auf den Begriff.  Wenn ich hinterher auflöse, heißt es: ‚Ja! Stimmt! Das ist Heu.‘

Worauf achten Sie bei der Auswahl von Bränden und Geisten? Was ist Ihnen wichtig?
Thorsten Haneke:
Ich kaufe bevorzugt in kleinen Manufakturen und Destillerien ein. Wo ich auch nachvollziehen kann, woher die Firmen das Obst beziehen. Regionalität finde ich toll. Dort sind auch Geschichten zu holen. Wenn ich meinen Gästen einen schönen Brand empfehle, wollen die auch die Geschichte dazu hören.

Was sollte man für eine gute Flasche Brand investieren?
Thorsten Haneke:
Für einen halben Liter 40 Euro. Da geht‘s preislich los.

Mit wem trinken Sie am liebsten einen Brand zusammen?
Thorsten Haneke:
Mit meinen Gästen.

Mit wem würden Sie gerne mal einen Brand zusammen trinken – und warum?
Thorsten Haneke:
Darüber könnte ich mal sinnieren… Ich glaube, mit unserer Bundeskanzlerin. Weil die zum Beispiel im Urlaub in Südtirol wandert, wo ich in den Skiurlaub hinfahre. Ich glaube, dass sie da schon einige Brände probiert hat. Mit ihr würde ich dann ein paar Fragen klären.

Zum Beispiel?
Thorsten Haneke:
Ich bin politisch eher neutral eingestellt, aber allgemein ihren Politikstil würde ich mal hinterfragen. Weil sie kaum klare Kante zeigt, aber anscheinend so viel Macht und ein großes Netzwerk hat. Wie die das macht, interessiert mich sehr.

Auf Süßweine mit Pelé

Bis zu Süßweinen war es ein langer Weg: Arno Lindner (56) mag qualitativ hochwertige Spirituosen, am liebsten Gin und Wodka. Eigentlich. Denn der Essener, von Beruf selbstständiger Rechtlicher Betreuer, lebt mit mir zusammen. Und ausgerechnet mein Liebster mag keinen Wein? Gibt’s doch nicht…
Inzwischen ist Arno sein eigener Süßwein-Experte und empfiehlt seinen Wein des Monats Juli. Er verrät auch, warum er gerne mal mit Fußballgott Pelé ein Gläschen süppeln würde.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Arno Lindner:
Es ist der Riesling Himmelthal, eine Spätlese Jahrgang 2015 vom Weingut Lisa Bunn in Nierstein am Rhein. Das liegt, wie ich von dir weiß, im größten deutschen Weinanbaugebiet Rheinhessen.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Arno Lindner:
Das ist jetzt mein derzeitiger Lieblingswein, vor einiger Zeit war es ein Gewürztraminer. Und vielleicht habe ich in 2 Monaten schon wieder einen ganz anderen Lieblingswein.

Aber was reizt dich an dieser Riesling Spätlese?
Arno Lindner: Der Wein schmeckt mir einfach richtig gut, der ist schön süß (Restzucker: 45 g/l) und hat kräftige, üppige Aromen. Das mag ich bei Wein. Also es muss immer eine gehörige Portion Süße dabei sein.

Sehr zu empfehlen: Weine von Lisa Bunn und ihrem Mann Bastian Strebel. Foto: privat

Warum magst du Süßwein?
Arno Lindner
: Wir zwei haben ja in der Vergangenheit zusammen alles Mögliche ausprobiert. Und da stellte ich irgendwann fest, dass mir süße Weine, Spätlesen und alles was bei Prädikatsweinen noch danach kommt, einfach gut schmecken. Ich würde nie auf die Idee kommen, mir freiwillig einen trockenen Wein einzuschenken.
Bei Rotwein habe ich abgewunken und nur dir zum Gefallen probiert. Mir wird schwummrig, ich werde von Rotwein ganz schnell betrunken, da reicht ein Glas. Und mir wird schlecht. Das bekommt mir einfach nicht.

Und Wein mit ordentlich Restzucker schmeckt dir ja auch zum Gänsebraten…
Arno Lindner…
auf jeden Fall. Die Süße und gleichzeitig Frische des Weines zusammen mit einer schönen, kross gebratenen Gans. Das ist für mich eine tolle Kombination.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen, die für dich ganz wesentlich sind.
Arno Lindner:
Auch wenn es vielleicht abgeschmackt klingt: Wein ist für mich Genuss pur – wie ein Eis oder Bratkartoffeln von Muttern. Und das höchste der Genüsse ist für mich ein Süßwein. Da kann ich tatsächlich schwelgen – in der Süße, der Frucht, dem Bukett.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Arno Lindner:
Tatsächlich die Süße und die Aromen. Herkunft, Etikett, Flaschenform – das ist alles Nebensache. Der Wein muss mir schmecken. Mich interessiert nur der Inhalt.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Arno Lindner:
Mit meinen Freunden in der Stadt, am Hauptbahnhof auf einer Bank.

Ist klar.
Arno Lindner:
Natürlich mit dir. Weil du die Einzige bist, die Verständnis zeigt für meine Neigung zu Süßweinen. Ich kenne einfach fast keine anderen Leute, die gerne Süßwein trinken.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Arno Lindner:
Mit Pelé. Wir könnten dabei über Rot-Weiss Essen reden. Pelé ist ja seit 2005 Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, wie jeder weiß… (grinst). Und bei keinem anderen Verein der Welt!
Er nahm die Ehrenmitgliedschaft mit den Worten an : ‚Es ist für mich eine große Ehre, jetzt dem Verein anzugehören, in dem der Boss spielte.‘ Also Helmut Rahn.
Ich würde mit Pelé über Fußball sprechen und mir von ihm ein paar coole Tricks zeigen lassen.

Mit Winzersekt den Sommer feiern!

Erdbeere trifft Spargel trifft Winzersekt. Mit diesem Aromen-Feuerwerk feiern wir den Sommer 2020 und genießen den Moment. Event-Köchin Elly von Elly’s Island in Gescher verarbeitet bei Wein & Speise im Juni „die Süße einmal anders“. Nämlich auf einem Flammkuchen. Belegt und gebacken mit grünem Spargel und Walnuss-Kernen, verleihen ihm Erdbeeren einen Frische-Kick. Geschmacklich unterstrichen wird dies durch einen begleitenden Salat mit – natürlich selbstgemachtem – Erdbeer-Dressing. Und Erdbeer-Chips statt Croutons.
Beeren-stark!

Foto: Ulrike Leone auf Pixabay

Bei diesen Gerichten sehe ich sofort Rosé. Am liebsten schäumenden Rosé: zum Beispiel einen deutschen Winzersekt Brut (0-12 g/l Restzucker) aus der Spätburgunder-Traube mit Aromen, die an rote Beerenfrüchte erinnern. Wer es mag: Es geht auch noch einen Tick süßer mit extra trocken (12 bis 17 g/l Restzucker); dann mildert die Süße des Sekts die Säure der Erdbeeren. Das erste Glas, schön gekühlt bei 6-8 Grad als Aperitif gereicht, ist ein wunderbarer Start in einen beschwingten lauen Sommerabend.

Winzersekt, Franciacorta und Crémant

Der schäumende Spaßmacher, am besten direkt beim heimischen Winzer oder im Fachhandel probiert und geordert, muss bei Flammkuchen und Salat nicht zurücktreten. Im Gegenteil: Er begleitet spielerisch die leichten, raffinierten Gerichte und unterstreicht deren Erdbeer-Aromen. Da der Spargel hier nicht allein die Hauptrolle spielt, müssen nicht automatisch Spargel-typische Weine wie Müller-Thurgau, weiße Burgunder und Silvaner die erste Wahl sein. Das Spiel mit der Frucht auf dem Teller und im Glas bringt den Reiz.
Neben einem schönen fruchtig-frischen Winzersekt passen auch ein italienischer Franciacorta Rosé, Schaumwein und Region in der Lombardei, oder ein französischer Crémant Rosé aus Burgund. Was diese Getränke im Herstellungsverfahren eint: Die hochwertigen Grundweine werden durch Zugabe von Zucker und Hefe ein zweites Mal in der Flasche vergoren, was als traditionelle oder klassische Flaschengärung bezeichnet wird. Die Qualitätsschaumweine werden wie Champagner hergestellt (Méthode champenoise), dürfen sich aber nicht Champagner nennen.
Und nun beschwingt ans Werk!

Erdbeere trifft Spargel trifft Flammkuchen
1 Rolle Flammkuchenteig
1 P grüner Spargel
3 rote Zwiebeln
200 g Walnusskerne
200 g Frischkäse, 500 g Crème fraîche
Zucker, Meersalz
8 EL Nussöl
10-15 Erdbeeren
Öl und Balsamico-Creme, Pfeffer, Salz, Muskat
Teig ausrollen. Spargel und Zwiebeln in dünne Scheiben schneiden. Nüsse hacken und 2/3 davon mit der Crème fraîche und dem Frischkäse vermengen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Fladen auf ein Blech geben, gleichmäßig mit der Nussmischung bestreichen. Spargel mit Zwiebeln darauf geben und mit etwas Zucker würzen. Übrige Walnüsse darüber verteilen. Fladen 12-15 Min. bei 180 Grad backen. Erdbeeren putzen und in Scheiben schneiden. Mit Öl, Balsamico und Pfeffer mischen. Erdbeeren auf den gebackenen Kuchen verteilen. Flammkuchen mit Nussöl beträufeln und mit Meersalz bestreuen.

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Sommersalat mit Mozzarella
Salat nach Geschmack
2 Mozzarella-Stangen oder 3 Kugeln
Salz, Pfeffer Olivenöl
Salat putzen, fein zupfen. Aus dem Öl, Essig und Salz/Pfeffer ein leichtes Dressing schlagen. Mozzarella aufschneiden.

Erdbeer-Dressing
250 g frische Erdbeeren
Salz, Pfeffer
2 EL süßer Senf, 2 EL Honig, 2 EL Olivenöl, 1 EL Balsamico, Balsamico crema zum Abrunden
Alle Zutaten mit dem Pürierstab zu einem cremigen Dressing verrühren.

Erdbeer-Chips
500 g frische Erdbeeren
Den Backofen auf 100 Grad Umluft vorheizen. Erdbeeren abspülen, sehr gut mit Küchenkrepp trocken tupfen, putzen und in etwa 3 mm dünne Scheiben hobeln oder schneiden. Die Scheiben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und im vorgeheizten Backofen 1 Stunden trocknen lassen.

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Bordeaux macht Lust auf Sommer

Ein Bordeaux Blanc hat es Daniel Raifura angetan. Der 40-jährige aus Essen-Borbeck holt uns beim Wein des Monats Juni den Sommer ins Glas. Daniel leitet eine Kindernotaufnahme, was Beruf und Berufung gleichermaßen ist. Er ist auch bekannt als Krimi-Autor und Stückeschreiber. Gar nicht gruselig geht’s jetzt hier zu. Daniel empfiehlt einen Gute-Laune-Wein.

Weinbegleiter Ruht: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Daniel Raifura:
Das ist ein Bordeaux, ein weißer Bordeaux, Jahrgang 2017, aus dem Hause Baron Philippe de Rothschild. Es ist ein trockener Wein.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Daniel Raifura:
Den habe ich beim Einkaufen entdeckt. Das war ein Zufallsfund. Ich schaute mir das Etikett an und dachte: ‚Das klingt ganz gut.‘ Ein weißer Bordeaux, ich kannte bis dahin nur Rotweine aus Bordeaux. Das wollte ich einfach mal ausprobieren.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Daniel Raifura:
Ich war total überrascht von dem Wein. Er hat ganz viele Aromen. Also ich bin kein Weinkenner…

…doch, bist du. In dem Moment, in dem du für dich entscheidest: „Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht“ bist du dein eigener Weinkenner.

Daniel Raifura: Ja, aber ich bin kein Weinexperte. So. Wenn man die Flasche öffnet und man riecht die verschiedenen Aromen – ein bisschen Aprikose, verschiedene Kräuter. Da bekomme ich einfach Lust, diesen Wein zu trinken. Ich liebe trockene Weine. Er ist aber auch nicht so trocken, dass man denkt: ‚Oh Gott, das ist jetzt unangenehm und brennt.‘ Er ist eben schön fruchtig, leicht und sommerlich.

Begleitet dich ein Wein, den du magst, dann über längere Zeit? Oder probierst du auch gerne andere Tropfen?
Daniel Raifura:
Ich trinke auch andere Weine. Aber wenn ich die Möglichkeit habe und ich gerade in einem Geschäft bin, in dem es diesen Wein gibt, dann nehme ich den natürlich lieber, weil ich weiß, dass er mir gefällt. Da weiß ich einfach, dass ich nichts falsch mache.
Ich schreibe ja auch sehr viel und trinke beim Schreiben gerne mal ein Glas Wein. Und dieser Wein beflügelt mich da so ein bisschen. Der macht einfach gute Laune. Der lenkt mich nicht ab. Der Wein ist so wie ich: relativ leicht und beschwingt.

Foto: privat.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für dich ganz wesentlich sind.
Daniel Raifura:
Lebensfreude, Lebensenergie, Genuss.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Daniel Raifura: Das hat sich irgendwie so entwickelt. Man wird älter und anspruchsvoller und denkt sich: ‚Okay, als Genussmittel möchtest du nicht irgendwas trinken.‘ Ich schaue schon: Finde ich etwas, was zu mir passt.

Welche Weine trinkst du sonst noch gerne?
Daniel Raifura: Im Winter trinke ich zwischendurch auch mal einen Rotwein. Aber eigentlich am liebsten Weißwein. Ich sage natürlich auch zum Champagner nicht nein. Wenn ich ein Buch oder Theaterstück abgeschlossen habe, gibt es einen sehr guten Champagner. Immer gerne einen Moët & Chandon.

Mit wem trinkst du dann den Champagner?
Daniel Raifura:
Mit meinem Mann. Der muss sich das Ganze dann anhören, was ich geschrieben habe, und wenn ich sage: ‚Ja, ich habe es geschafft!‘

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Daniel Raifura:
Der Geschmack. Da gucke ich nicht in erster Linie auf den Preis.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Daniel Raifura:
Mit meinem Mann und mit Freunden.

 Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Daniel Raifura:
Auch wenn ich mir jetzt nicht viele Freunde mache: Ich weiß, dass unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne Weißwein trinkt. Mit ihr würde ich gerne mal ein Glas Weißwein trinken. Oder zwei oder drei oder ’ne Flasche oder zwei. Weil sie eine ganz spannende Frau ist und ich ganz viele Fragen an sie hätte zu politischen Themen, aber auch zu privaten und persönlichen Themen. Ich würde gerne wissen: Wie ist dieser Mensch? Den man sonst nur so partiell aus den Medien kennt. Ich glaube, Wein ist sehr gesellig. Da könnte man wahrscheinlich ein bisschen näher zusammenkommen.
Eine Frage wäre zum Beispiel, wie man solch einen Druck aushalten kann, den sie tagtäglich erleben muss. Und wie man damit persönlich umgeht. Ich könnte es nicht und ich glaube, 98, 99 Prozent aller Deutschen auch nicht.
Ich hätte viele, viele Fragen. Es würde eine lange Nacht werden. Ich kann sie ja zu meinem Lieblingswein einladen…

Foto: Michael Doliv

Kotelett von Oma aus Ostberlin

Kotelett von Oma aus Ostberlin – mit diesem Gericht verwöhnt uns Elly im Wonnemonat Mai bei Wein & Speise. Verbunden mit Erinnerungen an schöne Kindheitstage. Die Eventköchin von Elly’s Island in Gescher hat’s einfach auf der Pfanne: „Kotelett von Omma mit Berliner Soße.“ Dazu gibt’s Kartoffelpüree und Gurkensalat.
„Meine Oma aus Ostberlin hat es immer so gemacht. Die Soße bereite ich selbst oft noch zu. Sie ist kalorienreich, aber gut“, versichert Elly. „Wenn Pfifferlingzeit war, hat Oma noch frische Pfifferling angebraten und in die Soße getan, das mochte ich besonders gern. Und dann dazu Kartoffelpüree mit feinen durchwachsenen Speckwürfelchen.“ Kartoffelpü gibt’s auch zu unserem Kotelett. Und einen Gurkensalat.

Kotelett von Omma mit Berliner Soße
Koteletts

4 Koteletts aus dem hinteren Rippenstrang mit Filet
Mehl, Panierbrösel
1 verschlagenes Ei
etwas Sahne, Salz, Pfeffer
Butter mit einem Schuss Öl

Die Koteletts trockentupfen. Dann baut man sich eine Panierstraße: 1 Schale mit Mehl, 1 Schale mit Eier-Sahne-Gemisch, 1 Schale mit Paniermehl.
Die Eier und die geschlagene Sahne mit Hilfe einer Gabel in einer Schüssel verquirlen. Salzen und pfeffern. Die Koteletts in Mehl wenden, überschüssiges Mehl abklopfen, dann durch das Ei ziehen und anschließend in den Semmelbröseln panieren.
Wichtig dabei: die Panade fest andrücken. Nun etwas Butter mit einem Schuss Öl schmelzen, dann verbrennt die Butter nicht so leicht, und die Koteletts bei nicht zu hoher Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Das Kotelett ist gar, wenn aus dem Knochen kein roter Saft mehr austritt.

Berliner Soße
1 El Mehl, 1 EL Butter
Wasser nach Bedarf
nicht zu wenig Salz, Pfeffer

Die Koteletts aus der Pfanne nehmen und die Butter in der Pfanne auslassen. Nun das Mehl darüber streuen und zügig mit einem Schneebesen anschwitzen. Jetzt gehört etwas Fingerspitzengefühl dazu: Die Mehl-Butter-Mischung so lange bräunen, bis sie schön dunkelbraun, aber nicht schwarz ist. Pfanne vom Herd ziehen und so lange Wasser zugießen (Achtung, es zischt ganz schön!), bis eine cremige Soße entstanden ist, und würzen. Je länger die Soße steht, um so dicker wird sie, bitte bedenken!

Wein-Empfehlung

Zu herzhaften Gerichten vom Borstentier passen viele Weine. Denn die Aromen von Schweinefleisch sind längst nicht so intensiv wie beispielsweise die von Rind oder gar Wild. Ausschlaggebend bei diesem Gericht ist die Fleisch-Verpackung: die Panade. In der suhlt sich das Kotelett in der Pfanne und saugt beim Brutzeln schön das Butter-Öl-Gemisch auf. Die fettige Komponente gibt also den Ton an. Das verlangt nach einem Wein mit kräftigen, frischen Aromen. Und einer knackigen Säure, die dem Fett Paroli bietet.

Knackige Säure trifft Panade

Ich empfehle eine Riesling Spätlese von der Mosel, einen Grünen Veltliner, nicht jung und spritzig, eher einen „Smaragd“ aus der Wachau, oder einen glasklaren Weißburgunder aus Südtirol. Schon allein das Gefühl im Mund, wenn der herrlich belebend-frische Wein das Kotelett von Oma umspielt, ist phantastisch.
Ein Tipp für Experimentierfreudige: Sauvignon Blanc. Klingt erst mal schräg, ist aber einen Versuch wert, da es Gurkensalat zum Kotelett gibt. Die Gurke ist eine schöne Brücke zu den gemüseartigen-pflanzlichen Noten eines Sauvignon Blancs von der Loire.

Beim Rotwein rate ich von kräftigen, im Holz ausgebauten Tropfen ab. Denn obwohl das Kotelett gebraten wurde, entsteht durch die Panade keine typische braune Fleischkruste mit Röstaromen. Hier passen eher feine, fruchtige Vertreter wie ein Zweigelt oder Beaujolais.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!