Kürbis und Wein – eine bunte Show im Herbst

Herbstblues? Von wegen! Dagegen ist ein feines Gemüse gewachsen. Ob knallig orange, gelb, blass-weiß oder eher dunkelgrün, ob rund, oval oder platt, ob glatt, schrumpelig oder zerfurcht – Kürbis zieht jetzt nicht nur optisch eine Show ab. In der Küche hat er sich längst als sehr vielseitiges Gemüse entpuppt und das passende Getränk dazu ist schon lange mehr als nur der Sahneklecks in der Suppe. Kürbis und Wein – eine runde Sache. Hier gibt’s ein paar Tipps und Empfehlungen. Weiterlesen

Vegetarische Speisen und Weine

Vegetarische Speisen und Weine: Im neuen Wein & Speise-Tipp geht es um fleischlosen Genuss. Event-Köchin Elly von Elly’s Island hat sich dafür etwas Besonderes ausgedacht. Sie bereitet eine Linsenbolognese zu. Und während diese köchelt, bestelle ich das weite Feld der Weinauswahl. Hier gibt´s Tipps, welche Weine sehr gut zu Gemüse und Co. passen und was es mit veganem Wein auf sich hat.

Beginnen wir mit passenden Tropfen zu knackigen Salaten aus grünem Gemüse mit frischen Kräutern: Hier passen Weine aus den Rebsorten Sauvignon Blanc, gerne von der Loire, Scheurebe, Müller-Thurgau und Silvaner sehr gut. Ähnliche Aromen in Speise und Wein wie frisch gemähtes Gras, grüner Apfel, Buchsbaum und Grapefruite harmonieren. Auch viele Rosé-Weine vertragen sich gut mit dem jungen Gemüse. Vorsicht beim Dressing mit Essig. Dessen Säure verträgt sich nicht mit der Säure im Wein, beide pushen sich gegenseitig hoch. Ein milder Essig ist hier die bessere Wahl oder Zitronensaft statt Essig.

Zum Grillgemüse oder zu geschmorten Gemüsetöpfen reiche ich gerne auch kräftige Rotweine, zum Beispiel von der nördlichen Rhône, einen im Barrique ausgebauten Spätburgunder oder Dornfelder. Gegrillte Paprika schreien nach einem vollmundigen Cabernet Sauvignon, weil die gleichen chemischen Grundsubstanzen in beiden schlummern.

Zu Pilzen und Wein sowie Kürbis und Wein habe ich zu meinen anderen Artikeln im Weinblog verlinkt.

Bei Tomaten-Gerichten kommt es ganz besonders auf die Zubereitungsart an. Rohe Tomaten mit ihrer Säure und einer gewissen Bitterkeit vertragen sich nicht gut mit Weinen. Anders sieht es bei eingekochten roten Früchtchen aus und der Zugabe von Tomatenmark. Durch das Schmoren wird die Säure abgepuffert. Und da sind wir auch schon bei Elly’s  Gericht:

Linsenbolognese

1 Bd. Suppengemüse, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe
200 g Tellerlinsen
Olivenöl
1 große Dose stückige Tomaten, ½ Tube Tomatenmark
Schuss Rotwein, Salz, Pfeffer, Prise Zucker
Bd. Basilikum, ein Zweig Rosmarin, Thymian
Frischer Parmesan
Crème frâiche

Suppengemüse, Zwiebel und Knoblauch putzen und sehr fein würfeln. Linsen abspülen und gut abtropfen lassen. Thymianblättchen abzupfen und Rosmarin fein hacken.
Öl in einem Topf erhitzen. Gemüse, Zwiebel, Knoblauch und Linsen darin unter Wenden ca. 5 Minuten dünsten. Tomatenmark zugeben und mit rösten. Schuss Rotwein zugeben, einköcheln. Kräuter, Dosentomaten und 200 ml Wasser zugeben, aufkochen und alles ca. 30 Minuten köcheln. Basilikumblättchen abzupfen und erst kurz vor dem Servieren unter die Soße mengen. Crème frâiche cremig rühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Nudeln garkochen und mit der Linsenbolognese und einem Klecks Crème frâiche sowie Parmesan servieren.
Achtung, so Elly’s Tipp: Wenn man mit Käse arbeitet, sollte man auf Käse mit chemisch hergestelltem Lab zurückgreifen. Dies findet man häufig bei Ziegenkäse. Denn tierisches Lab stammt aus Kälbermägen.

Zur Weinempfehlung: Die köchelnden Tomaten wirken bei diesem Gericht wie ein Geschmacksverstärker. Die Linsen, stärkehaltige Hülsenfrüchte, geben der Bolognese Geschmeidigkeit und eine üppige Konsistenz. Meine erste Weinwahl sind rote Gaumenschmeichler wie ein Merlot, Zweigelt, Lagrein vom Kalterersee, Pinot Noir. Wer beim Thema vegetarische Speisen und Weine lieber einen Weißwein zur Linsenbolognese bevorzugt, dem empfehle ich Mut zum gereiften Wein, etwa einen Riesling. Der Wein hat sich über Jahre entwickelt, die Säure ist gut eingebunden, und verträgt sich sehr gut mit der üppigen Speise.

Vegane Weine

Vegetarische Speisen und Weine: Kurz vor dem Ende unseres Ausflugs in die fleischlose Welt, noch ein paar Anmerkungen zum Thema vegane Weine. Dieser wächst ja nicht im Weinberg fröhlich vor sich hin, sondern entsteht erst im Weinkeller. Winzer setzen bei der Klärung von Wein tierische Produkte ein, zum Beispiel Eiklar oder Gelantine. Das Eiweiß bindet die Trübstoffe im Wein und setzt sich am Boden ab. Danach kann der klare Wein abgezogen werden. Hersteller von veganen Weinen, oftmals sind es Bio-Winzer, verzichten auf tierische Hilfsmittel. Sie setzten stattdessen zur Klärung pflanzliche Proteine ein, gewonnen beispielsweise aus Bohnen oder Kartoffelstärke. Der Effekt ist der gleiche und der Wein schmeckt später auch nicht nach Gemüse.

Hier noch ein paar Infos von Elly zu veggie und vegan:

Ovo-Lakto-Vegetarier
Sie essen kein Fisch und kein Fleisch sowie die daraus resultierenden Produkte (z.B. Gelatine).

Lakto-Vegetarier
Sie essen kein Fisch, Fleisch, keine Eier.
Ovo-Vegetarier
Sie essen kein Fisch, Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte.
Pescetarier
Essen Fisch, aber kein Fleisch.
Flexitarier
Essen zwar Fleisch, aber sehr bewusst und nur in geringem Maß und achten besonders auf die Herkunft (gerne Bio etc.).
Veganer
Diese lehnen tierische Produkte im Ganzen komplett ab. Nichts von tierischer Herkunft wird verwendet (Z.B. Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Laktose, Honig, Käse, tierische Emulgatoren und Fett) sowie keine Nebenprodukte (z.B. Farbstoffe, Leder, Seide, Seifen).
Fruitarier
Sie essen auch komplett keine tierischen Erzeugnisse und deren Nebenprodukte. Allerdings essen sie auch nichts, was der Mutterpflanze schadet (d.h. ein Apfel er vom Baum fällt ist ok, den Apfel pflücken nicht!). Daher nehmen sie auch keine Möbel aus Holz oder Kleidung aus Wolle

Fotos: Matthias Boeckel (Pixabay), Elly’s Island

Zeeland: Wein und Windmühlen

Wein aus Zeeland: Selten eine so bizarre Landschaft gesehen wie in der niederländischen Provinz. Am Rande des Dorfes Dreischor auf der Insel Schouwen-Duiveland liegt der Wijnhoeve „De Kleine Schorre“. Nur gut 15 Kilometer von der Nordseeküste entfernt.

Hier wachsen am Straßenrand Rebstöcke in den Himmel. Am Horizont lugen Windmühlenflügel aus der grünen Wand. Johan van der Velde und seine Familie betreiben hier ein Weingut nebst wunderschöner Weinscheune, Terrasse vor dem Probierlokal und Hofladen.

Im Jahr 2001 gegründet, gehören zu De Kleine Schorre laut Weingut inzwischen 12 Hektar Weingärten. Gemeinsam mit dem luxemburgischen Weinunternehmen Cep d’Or wurden einst die Rebsorten ausgewählt.  Am Ortseingang schmiegt sich ein Teil davon platt wie eine Flunder in die Landschaft. Mit dieser Rebfläche ist das Weingut in Zeeland ein Goliath im Weinbau der Niederlande.
In Dreischor, wo man Weinstöcke wie Autos für einen festgelegten Zeitraum leasen kann, ist man auf weiße Rebsorten spezialisiert: Weiß- und Grauburgunder, Müller-Thurgau (Rivaner) und Auxerrois, die Rebsorte mit dem schwer auszusprechenden Namen [oh ser whah]. Sie wachsen auf lehmigen, kalkhaltigen Böden und passen ziemlich  gut zu den kulinarischen Spezialitäten Zeelands: Muscheln, Austern, Krebse, Meeresspargel.

Eine Kostprobe: Den Rivaner 2020 gibt’s für 14,95 Euro ab Hof. Hui, eine stattliche Summe für einen Müller-Thurgau. Der Wein ist knackig frisch, duftet nach gelben Äpfeln und Zitronengras. Am Gaumen wirkt die Säure viel lebhafter als bei einem  „Müller“ aus Rheinhessen oder der Pfalz. Das gibt den Kick. Der Wein macht Spaß!

Hintergrund:
Holländer gegen das Versumpfen

Die Niederländer hatten im Spätmittelalter den Welthandel mit Wein und Spirituosen fest in der Hand. Mitte es 17. Jahrhunderts hatte die Seefahrer-Nation die größte Handelsflotte der Welt. Schöngeistige Getränke aus ganz Europa wurden aufgekauft und über die Meere geschippert, um die Kolonien zu beliefern. Und sogar das berühmte Médoc in Bordeaux verdankt den Holländern seinen kometenhaften Aufstieg. Bis etwa Mitte des 17. Jahrhunderts waren Teile des Bordelais versumpft. Damit der Transport der Weinfässer nicht länger in eine Schlammschlacht ausuferte, legten die gewieften Holländer die Sümpfe einfach trocken. Und obendrein tüftelten sie mit den Engländern an einer Lösung, um den Wein für den langen Transport auf See haltbarer zu machen. Die Fässer wurden fortan geschwefelt. Cooles Völkchen, die Holländer. Schon damals.

 

Grillsaison mit Wein macht heiß auf den Sommer

Grillsaison mit Wein im Sommer 2021: Mit Sonne im Herzen genießen wir jeden nicht verregneten Moment. Dafür hat Eventköchin Elly von Elly’s Island Köstlichkeiten auf den Holzkohle-Grill gelegt.
Los geht es mit Lammspießen von der Hochmooraner Moorschnucke in einer Kräutermarinade. Außerdem einem Bauernsalat mit gegrillten Tomaten, Gurken, Zwiebeln, milden Peperoni und Schafskäse. Das Gemüse wird angemacht mit Olivenöl und Kräutern der Provence.

Honigmelone und rauchiger Touch

Bei der Weinauswahl habe ich mich für einen Weißburgunder aus Rheinhessen entschieden, einen Silvaner aus Franken und einen Chiaretto vom Gardasee. Der säuremilde Weißburgunder hatte sehr langen Kontakt mit der Hefe. Neben einer Brioche-Note bringt er viel Frucht mit. Da verströmen Aromen, die an weißen Pfirsich und Honigmelone erinnern. Hinzu kommt ein rauchiger Touch.
Der Silvaner Tradition aus Franken reifte auf der Hefe im Holzfass aus Kastanie. Da zeigt die Rebsorte ihr ganzes Potenzial. Der Wein bringt Mineralität mit, Struktur und Frucht. Durch die Lagerung im Holzfass kommen Aromen hinzu, die an Vanille und Karamell erinnern.
Der Dritte im Glase, ein Rosé vom Gardasee, ist für alle, denen der Sinn nach fruchtiger Frische (rote Beeren, Birne, süßer Apfel) mit angenehmer Säure steht.

Das macht doch Appetit auf den Hauptgang. Elly kreiert Baconjam-Burger vom Münsterländer Tiergarten-Highlandrind mit süßem Speck und Cheddarkäse, Surf and Turf vom Taurusrind mit Riesengarnele und Steak-Zitronenbutter, mild marinierte Slow-Cook-Sparerips vom Bentheimer Schwein, anbei Grillpäckchen vom grünen Spargel mit Pfeffer-Hollandaise.

Die Weinauswahl dazu ist das reine Vergnügen: eine 2015er österreichische Cuvée aus Zweigelt und Cabertnet Sauvignon, ein 2017er Lemberger aus Württemberg und ein 2016er Nero d‘ Avola aus Sizilien. Alle 3 sind kräftig und würzig, trumpfen mit einer satten Frucht auf, die an Schwarzkirsche, Brombeeren und Cassis erinnern. Hinzu kommen rauchige, pfeffrige und ledrige Noten, der Ausbau im Barrique bzw. großen Holzfass lässt grüßen. Die Gerbstoffe sind präsent, die Reifung der Weine und die Röstnoten in den gegrillten Speisen mildern jedoch den Tannin-Eindruck am Gaumen. Grundsätzlich ist das der große Auftritt von kraftvollen, komplexen Rotweinen, die im Barrique gereift sind und sich mit dem Grillgut wunderbar ergänzen.

Als Tüpfelchen für die Grillsaison mit Wein entkore ich noch einen portugiesischen Rotwein aus dem Hause Niepoort, Jahrgang 2013. Der gereifte Wein ist elegant, die Gerbstoffe wirken am Gaumen wie Samt und Seide. Er passt perfekt zu den butterzarten Sparerips. Einfach köstlich.

Den Abschluss bildet ein Dessert aus gebrutzeltem Gewürzpfirsich mit Amaretto, Fenchel und braunem Zucker, dazu hausgemachtes Cookie-Eis mit Schokostückchen. Ein fruchtiger, halbtrockener Riesling aus Franken passt herrlich zum Pfirsich. Nicht zum Milcheis, da zieht jeder Wein den Kürzeren. Vor allem die Kälte der Süßspeise bewirkt, dass unser Geruch und Geschmack wie auf Eis liegen und die Aromen des Weins nicht zu tragen kommen.
Dann nur den Pfirsich – und der wunderbare Riesling ist ein perfekter Abschluss des Grillabends.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

 

Und hier gibt’s meine Degustationsliste für den Grillabend zu Ausprobieren:

Heiß auf den Sommer: Grillsaison mit Wein

Aperitif:
Deutschland/Franken
Secco weiß, 2019er, trocken, Rebsorten: Müller-Thurgau, Bacchus, Riesling
Deutscher Perlwein, Familienweingut Johannes Nickel, Nordheim
A: 11,0 % Vol., RZ: 17,0 g/l, S: 5,0 g/l

Weine zur Vorspeise
1. Deutschland/Rheinhessen
Weißburgunder vom Löss, 2019er, trocken
Dt. Qualitätswein, Erzeugerabfüllung, Weingut Lisa Bunn, Nierstein/Rhein
A: 12,5 %Vol., RZ: 1,0 g/l, S: 5,0 g/l

2. Deutschland/Franken
Silvaner Tradition, 2016er, trocken
Dt. Qualitätswein, Familienweingut Johannes Nickel, Nordheim
A: 13,0 % Vol., RZ: 4,3 g/l, S: 6,0 g/l

3. Italien/Lombardei
Chiaretto Sant‘ Emiliano, Rosé, 2019er, trocken, Rebsorten: Groppello, Syrah, Barbera, Marzemino
Bio-Wein DOC, Azienda Agricola Pratello, Padenghe sul Garda Brecia
A: 12,0 % Vol., RZ: 5,0 g/l, S: 6,3 g/l

Weine zum Hauptgericht
4. Österreich/Wagram
Zweigelt/Cabernet Sauvignon, 2015er, trocken
Bio-Wein, Weingut Mehofer, Neudeck
A: 13,0 % Vol., RZ: 1,8 g/l, S: 5,0 g/l

5. Deutschland/Württemberg
Lemberger, 2017er, trocken
Dt. Qualitätswein, Weingut Hirsch, Leingarten
A: 13,0 %Vol., RZ: 6,0 g/l, S: 5,3 g/l

6. Italien/ Sizilien
Nero d‘Avola, Reserva, 2016er, trocken
DOC, Magnum-Flasche, Weingut Feudo Arancio
A: 13,5 %Vol. RZ: 7,0 g/l S: 5,5 g/l

Wein zum Dessert
Deutschland/Franken
Riesling fruchtig, 2019er, halbtrocken
Dt. Qualitätswein, Familienweingut Johannes Nickel, Nordheim
A: 11,5% Vol., RZ: 14,5 g/l, S: 7,6 g/l

 

 

 

Spargel und Wein – ganz wild kombiniert

Spargel und Wein: Auch in diesem Jahr führt beim Wein & Speise-Tipp an dieser fantastischen Kombination kein Weg vorbei. Eventköchin Elly von Elly’s Island serviert etwas ganz Besonderes. Ein Gericht mit wildem Spargel. „Das ist ein sehr feiner Spargel und leicht zuzubereiten. Man wäscht ihn nur und schält ihn nicht“, erklärt Elly. Ist er frisch geschnitten, brauche man nicht einmal die Enden abzuschneiden.
Elly’s Tipp: „Wer ihn auf dem Markt sieht, sollte sofort zuschlagen.“ Der wilde Spargel vertrage kraftvolle Würze, „denn er schmeckt grasig-getreidig-nussig und verträgt sich gut mit hellem Geflügel oder Scampi. Und er ist günstiger, da er nicht gestochen, sondern nur geschnitten werden muss. Er wächst nämlich über der Erde, es handelt sich um feine Triebe einer Wildspargelpflanze“. Ein 250 g-Bund koste etwa 2,50 bis 3 Euro.

Elly kombiniert den Spargel mit Scampi und Sepia-Spaghetti. Das ist ein ganz klarer Fall für Weißweine. Die leicht erdigen und bitteren Noten im Stangengemüse harmonieren perfekt mit ausgewogenen milden Tropfen. Es passt beispielsweise ein Weißburgunder aus Baden, dessen leicht nussige Noten und der cremige Schmelz am Gaumen den Spargel umgarnen. Auch ein Pinot Gris aus dem Elsass passt oder ein Gutedel aus dem Markgräfler Land.

Mein Favorit bei Spargel und Wein ist in diesem Fall ein auf Muschelkalk gewachsener Auxerrois von der Obermosel. Die aus Frankreich stammende Rebsorte erinnert aromatisch an Weißburgunder, ist jedoch etwas säuremilder. Apropos Säure: Da gegarter Spargel immer leichte Bitternoten aufweist, lasse ich die Finger von säureintensiven Tropfen. Säure und Bitterkeit verstärken sich gegenseitig und wenn beide Komponenten zusammenkommen, entsteht ein unangenehmer metallischer Geschmackseindruck.

Wäre ja schade um das tolle Rezept.

Und nun ran an Töpfe, Flaschen und Gläser.

Das schnellste Spargelrezept der Welt (für 2 Personen)

200 g wilder Spargel
gutes Olivenöl
Stich Butter
frischer gehobelter Parmesan (nicht gerieben)
Sepia-Spaghetti
Kresse (lila Kresse ist großblättriger)
geschälte Scampi
Salz, Pfeffer

Die Spaghetti in reichlich gesalzenem Wasser bissfest garen. Abgießen und etwas von dem Kochwasser auffangen.
Den Spargel in einer großen Pfanne mit einem Schuss Olivenöl und den Scampi, etwa 3 Minuten schwenken, dann die Nudeln dazu geben. Mit einem Schuss Kochwasser und Parmesan vermengen, würzen. Mit einem Stich Butter und der Kresse servieren.

Zack – fertig!

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Online Tasting – berauschend schön

Zauberwort Online Tasting. Seit dem vergangenen Jahr sind sie zum Renner gereift. Wenn man schon nicht in geselliger Runde probieren, kosten, klönen und schwärmen kann, dann soll zumindest die Weinprobe auf Distanz für Genuss und schmackhafte Eindrücke im Glas sorgen.

Lisa Bunn und Bastian Strebel bei der Arbeit. Fotos: Lucie Greiner

Gesagt, getan. Obwohl ich, zugegeben, bisher kein Fan vom Bespaßen im virtuellen Raum war. Winzerin Lisa Bunn aus Nierstein am Rhein belehrte mich eines Besseren. Mit ihrem Mann Bastian Strebel gründete sie 2013 das Weingut Lisa Bunn. Seit der Zusammenführung der elterlichen Betriebe bewirtschaften sie 21 Hektar Rebfläche vom berühmten Roten Hang im Norden bis nach Wintersheim im Süden Rheinhessens und überzeugen mit vielfach preisgekrönten Weinen. Für mich zählt das Paar zu den besten jungen Winzern, die unser Land zu bieten hat.
Meine Begeisterung soll gerne überschwappen auf andere. Beim Online Tasting stellte Lisa mir und einem Freund einige Weine des neuen 2020er Jahrgangs vor. Nach einem Spätsommer und Herbst 2020, in dem alle Hitzerekorde gebrochen wurden, strotzen ihre Weine aus Aroma-Rebsorten vor Frucht. Und die Burgunder sind voll Kraft und Reife.

Lisa Bunn: Wir starten mit dem Riesling „Fleißiges Lieschen“, das ist unser Einstiegs-Riesling. Er ist in diesem Jahr super knackig und fruchtbetont. Eine Cuvée aus 2 verschiedenen Weinbergen. Zum einen ein sehr, sehr karger Kalksteinboden mit richtig massiven Kalkstein-Brocken. Der sorgt dafür, dass der Riesling eine schöne Leichtfüßigkeit und Mineralität hat. Auf der anderen Seite haben wir einen Wingert, den wir schon immer genutzt haben fürs Fleißige Lieschen, einen tiefgründigen Lössboden, der für sehr viel Frucht sorgt. Das erinnert an gelben Apfel und Birne. Das ist eine schöne Balance zwischen Mineralität und einer satten gelben Frucht.

Weinbegleiter Ruhr: Jetzt wird’s „Scheu“ – mit kleinem Reh auf dem Etikett. So nennt und etikettiert ihr eure Scheurebe, die zu meinem großen Vergnügen mit nur 1 g/l Restzucker staubtrocken ausgebaut ist.
Lisa Bunn: Die Scheurebe ist in diesem Jahr mein absoluter Liebling. Sie lebt davon, dass man die Trauben möglichst lange hängenlassen und die volle Reife ausschöpfen kann. 2016 und 2017 kam uns die Fäulnis dazwischen, da musste früher gelesen werden. 2020 konnten wir sehr, sehr spät lesen und die komplette Aromareife auskosten. Darum auch 13 Volumenprozent Alkohol. Das ist der enormen Reife geschuldet. Dadurch hat die Scheurebe aber auch diese unglaubliche Frucht. Also ganz viel Grapefruit. Ich finde sogar, dass sie einen Tick mehr in die Sauvignon Blanc-Richtung geht als jemals zuvor. Wir haben ein bisschen Holunderblüte und frisch gemähtes Gras.

Nun probieren wir noch einen fabelhaften Sommerwein. Den „Wild Wedding“ habt ihr für eure eigenen Hochzeit 2015 kreiert und seitdem im Sortiment. Ich reiche die weiße Variante bevorzugt zu Weinproben bei Junggesellinnenabschieden, was die Mädels immer in Entzücken versetzt.
Lisa Bunn: Der Wild Wedding besteht aus Scheurebe und Sauvignon Blanc, hier haben wir fifty-fifty. Die Scheurebe wurde nach 24-stündiger Maischestandzeit gepresst und mit einer Aromahefe vergoren. Der Sauvignon Blanc kommt hier ein bisschen deutlicher heraus. Er wurde mit Trockeneis behandelt, wodurch wir die flüchtigen Aromen des Sauvignon Blancs halten können. Aromatisch geht es in Richtung Johannisbeere, da ist auch ein Tick Brennessel und ein bisschen Pfirsich. Man will mehr trinken davon!

Weiter geht’s mit dem 2020er Weißburgunder.
Lisa Bunn: Der hat noch erstaunlich viel Gärungs-Kohlensäure. Die wir erhalten haben, weil wir den Wein wenig umgepumpt haben. Der wurde vor der Abfüllung einmal filtriert. Bis dahin hat er auf der Hefe gelegen. Und wurde auch nicht abgestochen. Das heißt, er hatte sehr langen Kontakt mit der Hefe. Das gibt ihm eine Brioche-Note. Und er hat einen BSA* gemacht, ungeplant. Das ist aber okay und er wirkt nicht zu breit. Er hat eher an Spannung gewonnen, weil man noch ein Element im Nachhall hat.
Die Trauben kommen aus 2 Weinbergen. Der eine ist ganz alt, hat einen tiefgründigen Löss-Boden. Die Stöcke sind um die 35 Jahre alt. Der bringt die Frucht mit. Der andere Teil der Trauben stammt aus einer jüngeren Anlage. Die Rebstöcke wurden erst vor 5 Jahren gepflanzt und stehen auf einem richtig schönen Kalksteinboden. Da spielt dann das Mineralisch-Salzige rein. Insgesamt ist das so eine aromatische Mischung aus geräuchertem Schinken und butterweicher Honigmelone.

Online Tasting mit krönendem Abschluss: Der Grauburgunder 2020 strahlt in einem satten Goldgelb im Glas.
Lisa Bunn: Ja, der hat eine Wahnsinnsfarbe. Die enorme Hitze im Spätsommer und Herbst hat wie eine Maischestandzeit am Rebstock gewirkt. Wir haben die Trauben geerntet und gepresst und hatten tatsächlich schon so viel Farbe wie bei einem Rosé. Es ist einfach eine extreme Farbausbeute, was man bei den Rotweinen ja gerne hat. Beim Grauburgunder ist es eher fraglich, ob man in so eine pinke Richtung gehen will. Es war anfangs auch viel mehr und ist dann langsam weggegangen. Bei der Gärung verlieren die Weine ganz viel Farbe. Auch beim Schwefeln. Und bei Filtrieren sowieso. In der Nase kommt fast etwas Rosinenartiges rüber.
Es ist wichtig, dass Grauburgunder nicht zu weich ist. Er ist komplett trocken, hat nur 1 g/l Restzucker, aber Mundfülle und Schmelz kommen von der enormen Reife. Er hat auch lange auf der Hefe gelegen. Der zeigt richtig, was uns 2020 gebracht hat mit dieser intensiven Farbe und enormen Frucht. Er hat Struktur und einen langen Abgang. Das ist ein Grauburgunder, den man beim Essen, zum Beispiel beim Grillen, gut als Alternative zum Rotwein einsetzen kann.

Lust auf ein Online Tasting mit Lisa Bunn und Bastian Strebel? Das nächste findet am 30. April 2021 statt und wird auf Youtube übertragen. Weitere Infos zu allen Termingen gibt’s hier: https://weingut-bunn.de/veranstaltungen

* BSA: Biologischer Säureabbau; bakterielle Umwandlung von Apfelsäure in die viel milder schmeckende Milchsäure

Ostern 2021 – ganz fluffig und süß

Ostern 2021 – mal ganz fluffig und süß. Eventköchin Elly von Elly’s Island hat für Wein & Speise ein klassisches Rezept aus dem Münsterland ausgesucht, wo sie mit ihrer Familie zuhause ist. Struwen heißt der Hefepfannkuchen mit Apfelkompott. „Das kommt traditionell am Karfreitag hier auf den Tisch, statt Fisch.“ Kurz vor Ostern 2021 erzählt Elly die Geschichte dazu: „Da Karfreitag ja noch Fastenzeit ist, wurde auf den Bauernhöfen etwas Kräftiges mit viel Fett gebacken, damit die Bauern und Knechte Kraft für ihre Arbeit hatten. Das Wort kommt aus dem Niederdeutschen und bedeutet sowas wie strubbelig. Ich mag ihn am liebsten ohne Sultaninen/Rosinen, aber mit Kompott, das mit Weißwein abgelöscht wird. Das ist dann zwar kein Fastenessen mehr – aber egal.“ Und schmeckt nicht nur am Karfreitag.

Süße Sünde

Das Rezept mit präsenter Süße verlangt auch einen Süßwein als Begleiter. Hier wende ich bei der Auswahl eine alte Regel an: Der Wein sollte mindestens so intensiv süß sein wie die Speise. Denn wenn das Essen süßer auftrumpfen würde als der Wein, verwandelt sich der gute Tropfen schlimmstenfalls in eine fade, dünne Plörre und die Säure tritt unangenehm in den Vordergrund. Aber das wollen wir ja nicht.

Ich empfehle zum süßen Struwen, wie Elly ihn zubereitet, einen edlen Dessertwein, einen Sauternes aus Bordeaux. Die Cuvée aus den Rebsorten Sémillon, Sauvignon Blanc und Muscadelle vom Château du Levent betört mit Aromen, die an Orange, Honig, Karamell und Buttercreme erinnern. Schon die satte goldgelbe Farbe im Glas ist ein Augenschmaus. Mit 13,5 Volumenprozent Alkohol ist der Sauternes ein feiner Begleiter des Struwens.
Werden Weine aus dem eigenen Land bevorzugt, kann das die Stunde von Prädikatsweinen sein, zum Beispiel einer Beerenauslese oder Trockenbeerenauslese. Diese werden oftmals nicht ganz so alkoholstark ausgebaut.

Wer nicht so ein Süßmaul ist, kann die Zuckermenge im Struwen natürlich auch reduzieren, meint Elly. Dazu reiche ich dann eine halbtrockene Riesling-Spätlese von der Mosel – fein fruchtig-aromatisch. Oder einen knackigen, gehaltvollen Müller-Thurgau aus Südtirol.

Los geht das große Schlemmen!

Struwen
200 ml Milch
¼ Würfel Frischhefe
30 g Zucker, 250 g Mehl Type 550
Salz, 2 Eier
100 g Rosinen

Apfelkompott:
1 Bio-Zitrone
30 g Zucker
600 g säuerliche Äpfel, 50 ml Apfelsaft
1 Zimtstange
Butterschmalz zum Braten
2 EL Zucker, ½ TL Zimt

Für die Struwen die Milch lauwarm erwärmen und die Hefe hineinbröseln. Zucker hinzufügen und alles verrühren, bis Hefe und Zucker sich aufgelöst haben. 10 Minuten stehenlassen, bis die Hefe beginnt, Blasen zu schlagen. Mehl, eine Prise Salz, Eier und Sultaninen in eine Rührschüssel füllen. Hefemilch hinzufügen und mit den Quirlen des Handrührgeräts zu einem dickflüssigen Teig verrühren. Abgedeckt an einem warmen Ort eine Stunde gehen lassen.

Gedünstete Äpfel

In der Zwischenzeit für das Apfelkompott die Zitrone heiß abspülen, abtrocknen, zwei Streifen Zitronenschale abschälen und den Saft auspressen. Die Äpfel schälen und das Kerngehäuse entfernen. Fruchtfleisch in Würfel schneiden und mit dem Zitronensaft mischen. Den Zucker in einem Topf bei mittlerer Hitze schmelzen und goldbraun karamellisieren lassen. Mit dem Apfelsaft ablöschen. Apfelstücke mit Saft, Zitronenschale und die Zimtstange hinzufügen und bei mittlerer Hitze und geschlossenem Topfdeckel dünsten, bis die Äpfel zerfallen, aber noch stückig sind. Dabei regelmäßig umrühren. Apfelmus vom Herd nehmen, Zitronenschale und Zimtstrange entfernen und in eine Schale umfüllen. Bis zum Verzehr beiseitestellen.

In einer Pfanne reichlich Butterschmalz erhitzen. Struwenteig nochmals durchrühren und esslöffelweise in das heiße Fett portionieren. Bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun ausbacken und auf Küchenkrepp abtropfen lassen. Zucker und Zimt mischen. Die Struwen mit der Zuckermischung bestreuen und noch warm mit dem Apfelkompott servieren. Fertig sind die Struwen für Ostern 2021.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

Fotos: picabay/CandiceP, HebiB, alexandra

Ein Impfstoff fürs sonnige Gemüt

Impfstoff für die Heiterkeit: Gerade in diesen Zeiten sind Witz und Humor unbezahlbar. Und das Lachen soll uns nicht im Halse stecken bleiben vor lauter Verboten und Regeln. Damit das so bleibt, bin ich mit Angela Pröse zum Lachen in den Keller gegangen – also in ihren privaten Weinkeller in Gelsenkirchen. Die Frau mit sonnigem Gemüt ist ausgewiesene Weinfachfrau und langjährige Leiterin von Jacques‘ Wein-Depot in Dorsten. Angela Pröse stellt 3 Weine vor, die einfach Spaß machen – und Lust auf den Frühling.

Weinbegleiter Ruhr: Entkorken wir zuerst den Weißwein, was ist das für ein Tropfen?
Angela Pröse: Der Weißwein, Jahrgang 2019, hat mich 2020 stimmungsmäßig ein bisschen hochgehalten, weil ich Ende Mai wieder einmal zu Besuch war auf einem Familienweingut an der Mosel. Und zwar auf dem Weingut Goeres in Briedel. Beruflich und privat in diesem Fall, weil ich die Familie schon sehr lange kenne. Michael und Michaela Goeres stellten mir einen neuen wunderbaren Weißwein vor. Winzer Michael Goeres hat einen Grauburgunder mit einem Riesling cuvéetiert und ihn „Grauburgunder küsst Riesling“ genannt. Ich habe diesen Wein in mein privates Portfolio aufgenommen als Sommerwein. Er ist schön frisch und fruchtig mit einer präsenten Mosel-Säure. Man schmeckt den Schiefer, aber nicht so intensiv wie bei einem Riesling. Und der Grauburgunder ist nicht so fett. Also diese Kombination finde ich sehr spannend und eleganter als Chardonnay- Weißburgunder, Chardonnay-Grauburgunder.

Kommen wir zum Rosé, der auch mein Liebling ist.
Angela Pröse: Den verkaufen wir schon seit vielen Jahren in Jacques‘ Wein-Depot. Der „Vignes de Nicole“, Jahrgang 2020, von der Domaine Paul Mas, aus den wunderbaren Rebsorten Grenache, Mourvèdre und Syrah, den klassischen Languedoc-Rebsorten. Mir gefällt er deshalb so gut, weil er sehr elegant ist. Ich habe also nicht so viel Frucht, obwohl ich in der Nase Aromen von exotischen Früchten entdecke und auch Kirsche. Er ist nicht zu erdbeerig. Am Gaumen präsentiert er sich sehr elegant, weich, aber nicht zu einfach. Er hat extrem wenig Säure und tatsächlich nicht zu viel Restzucker, was ja heute viele Rosé-Weine haben, die ein bisschen moderner ausgebaut sind. Ich mag auch den Winzer Jean-Claude Mas, dem das Weingut gehört.

Hast du ihn persönlich kennengelernt?
Angela Pröse: Ja, ich war schon zwei Mal im Languedoc und traf ihn dort. Er ist authentisch und erfolgreich und steht für das neue Languedoc, das sich inzwischen zum Qualitäts-Weingebiet mit hochwertigen Weinen entwickelt hat.

Dieser Rosé ist ein schönes Beispiel dafür, dass Wein auch eine haptische Komponente hat. Das Gefühl im Mund ist geschmeidig, der Wein hat einen schönen Schmelz und Trinkfluss.
Angela Pröse: Aber nicht zu schmelzig. Er wird nicht langweilig. Wenn ich Fisch dazu habe oder einfach ein bisschen Käse, dann ist das eine feine Kombination. Ich trinke diesen Wein auch gerne im Winter, zum Beispiel zum Hühnerfrikassee, um ein bisschen Frühling in den Körper zu bekommen. Dann muss er auch nicht zu kalt sein.

Also ist Rosé für dich nicht nur der klassische Sommerwein.
Angela Pröse: Genau! Ich habe da ein sehr schönes winterliches Erlebnis mit einem Rote Beete-Carpaccio und einem Cabernet Sauvignon-Rosé, der sehr kräftig ist. Das passte perfekt zusammen.

Dein dritter Spaß-Wein ist ein echter Hingucker.
Angela Pröse: Das ist ein Wein aus dem österreichischen Burgenland von Thomas Lehner, ein trockener Qualitätswein, Jahrgang 2017, aus den Rebsorten Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot. Die In-Spirit GmbH in Westfalen vertreibt ihn, ein junges Unternehmen mit ideenreichen und zukunftsorientierten Menschen. Die bieten Trendgetränke an und kümmern sich um Qualität dabei. Sie tauften den Wein „Impfstoff“. Dieser Impfstoff schützt sicher vor keinem Virus, macht die Lage aber etwas entspannter. Und das ist ein Wein für alle mit Hang zum Humor.

Hat sich das Trinkverhalten der Menschen in der Pandemie verändert, also trinkt die Nation mehr?
Angela Pröse: Das ist natürlich auch ein Thema in den Gesprächen im Depot. Und wenn ich bei Facebook die nicht immer ernst gemeinte Botschaft gelesen habe ‚Wir werden alle noch zu Alkoholikern‘, widerspreche ich. Das stimmt natürlich nicht.
Unser Ziel ist Genuss. Und wir verkaufen dann eher einen besonderen Trinkgenuss als den „Knall-mich-zu-Wein“. Ich stellte in den vergangenen Monaten fest, dass unsere Kunden, die im Restaurant gerne mal einen höherpreisigen Wein bestellen, auch bei uns gerne mal 10, 15 oder 20 Euro pro Flasche ausgeben und sich einen guten Wein gönnen.
Die Menschen kommen zu uns, sie wollen reden und wir sprechen über Essen, Trinken, Genießen. Das macht total Spaß. Wir meistern mit Abstand das, was unsere Kunden brauchten und noch brauchen: nämlich Beratung bei der Auswahl eines leckeren Weinchens für zuhause.

Also unterm Strich: Ich glaube nicht, dass im großen Stil mehr getrunken wird. Eher in einem anderen Verhältnis. Also mehr zuhause als auswärts. Und möglicherweise nicht erst abends um 20 Uhr, sondern um 17 Uhr, weil man zum Beispiel im home-office einfach eher Feierabend machen kann.
Ich zitiere da gerne Gudrun Zydek: „Der weise Mensch auf Erden genießt den Wein allein beim Glücklichsein und nicht zum Glücklichwerden.“

Der Berg ruft: Genussreise nach Südtirol

Südtirol – bei diesem Wort träumt sich Event-Köchin Elly von Elly’s Island in die Berge. Kürzlich bekam sie von ihrem Lieblingshotel in Hafling bei Meran tiefverschneite Wintergrüße. Diese inspirierten sie zu ihrer Lieblingssuppe: Süppchen vom Südtiroler Alpapfel. „Die ist so lecker“, schwärmt Elly. „Das Rezept ist vom Koch des Hotels, Robert Salten.“ Bei Wein & Speise im Januar hat uns Elly dieses Süppchen eingebrockt.
Das Gericht ist einfach zuzubereiten, „auch mit heimischen Äpfeln. Wenn kein Südtiroler Speck zur Hand ist, funktioniert natürlich auch ein anderer, erklärt die Köchin, „aber bitte keinen rohen Schinken nehmen“.

Wein-Empfehlung

Das ist eine gute Gelegenheit für eine Wein & Speise -Regel, die immer funktioniert: Die Kombination von Gerichten und Weinen, die typisch sind für eine Region. Und Weine aus Südtirol sind einfach Spitze. Ich empfehle einen spritzigen Weißburgunder aus der Region zum Süppchen, zum Beispiel aus dem Etschtal oder dem Vinschgau. Das leicht nussige Aroma des Weins harmoniert sehr schön mit dem leicht süßlichen Geschmack der Möhren. Das Wurzelgemüse verträgt sich nicht so gut mit überbordender Frucht und rauen Gerbstoffen.

Weißburgunder und Vernatsch

Weißburgunder wartet eher mit dezenten Aromen auf, die an Apfel, Birne, Aprikose und Zitrusfrüchte erinnern. In Kombination mit einer erfrischenden Säure ist der glasklare Burgunder ein toller Wein zum Essen und passt sehr gut zum Süppchen. Wer lieber zum Rotwein greift, ist mit einem Vernatsch gut beraten. Neben Lagrein und Blauburgunder zählt sie zu den wichtigsten roten Rebsorten Südtirols. Weine aus Vernatsch sind keine Kraftprotze, ihr Alkoholgehalt ist meist moderat. Unter den gebietstypischen Spielarten wähle ich einen würzigen Meraner Vernatsch aus, der wunderbar den herzhaften Südtiroler Speck umgarnt.

Und nun ran an Töpfe und Gläser!

 Süppchen vom Südtiroler Alpapfel mit Honigmöhren
2-3 Möhren
Safran
500 g mehlige Kartoffeln
Zweig Thymian, 2 Zwiebeln
Schuss Cidre
1 l Brühe, 1 B Sahne
3 Südtiroler Äpfel (g.g.A. geschützte geografische Angabe)
1 TL Honig, Salz, Pfeffer, Öl
Südtiroler Speck in Scheiben
Mineralwasser
Alpenblüten (können auch aus einem Teebeutel stammen, gibt es in fast jedem Supermarkt: Bergblütentee, Beutel aufschneiden und auskippen)

Zwiebeln, Äpfel und Kartoffeln würfeln. Zusammen mit dem Thymian und Safran in etwas Fett andünsten und mit Cidre löschen. Brühe aufgießen und garen. Möhren schälen und in feine Stifte schneiden, in etwas Fett anschwitzen, Honig zugeben und in ein wenig Mineralwasser dünsten, würzen. Den Thymian aus der Suppe entfernen und pürieren. Mit etwas Sahne und evtl. noch einen Schuss Cidre cremig aufgießen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Sollte die Suppe zu dick sein, mit Wasser verdünnen und nachwürzen. Zum Servieren die Suppe in Teller geben, ein paar Möhrenstifte in die Mitte legen, Speck zu Röschen drehen und aufsetzen. Mit Alpenblüten bestreut servieren.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

Zum Stöbern:

www.salten.it

www.pursuedtirol

Aufmacherfoto: susanne906/pixabay

Weihnachten 2020 – ist alles ganz anders

Weihnachten 2020: ist alles ganz anders. Bei Wein & Speise im Festtags-Monat habe ich mich für 2 Varianten entschieden. Für alle, die es eher schlicht und ohne vorherigen Einkaufs-Stress angehen lassen wollen, gibt’s einen Klassiker: Kartoffelsalat mit Würstchen. Wer es etwas anders, aber nicht zu aufwändig möchte, kommt vielleicht bei wildem Federvieh auf den Geschmack: Fasanen-Roulade auf Rotkraut-Risotto. Event-Köchin Elly von Elly’s Island gibt natürlich wieder beiden Gerichten ihren ganz eigenen kreativen Touch.

Weihnachten 2020: Alles so schön blau hier…

Los geht’s mit dem Klassiker, bei dem alles so schön blau wird. Und das liegt (erst einmal) nicht am Wein. Elly verwendet für den Kartoffelsalat die Sorte „Blauer Schwede“, die durch eine braun-blaue Schale und violett marmoriertes Fleisch auffällt. „Der blaue Schwede ist eine Urkartoffelart. Es gibt sie von mehlig kochend bis fest“, erklärt Elly. „Wir brauchen die feste, die sehr gut für Salate geeignet ist. Sie färbt sich beim Kochen von lila zu blau. Ihr Geschmack ist leicht süßlich.“

Wein-Empfehlung

Bei diesem Gericht hängt die gelungene Kombination mit Wein von der Zubereitung des Kartoffelsalates ab. Zunächst: Kartoffeln enthalten Stärke, die sehr gut Säure und Gerbstoffe im Wein bindet. Bei einer Essig-und-Öl-Variante empfehle ich einen frischen Weißwein mit dezenter Säure und Frucht. Das kann ein junger Silvaner oder ein Müller-Thurgau aus Deutschland sein. Wer es etwas fruchtiger mag, kommt hoffentlich bei einem sizilianischer Grillo oder einem Verdejo aus der spanischen Weinbauregion Rueda auf den Geschmack.

Werden die Kartoffeln mit Mayonnaise angemacht, wie in unserem Fall mit selbstgemachter, darf es kräftiger und aromatischer sein. Zwei Stilistiken passen hier gut: Ich persönlich öffne wieder einen Silvaner, der einfach ein herrlicher Essensbegleiter ist. Diesmal wähle ich einen gereiften – an Jahren und im Holz. Das bringt Kraft, Struktur, ein schönes Zusammenspiel und erdig-rauchige Noten, die auch gut zu den knackigen, leicht geräucherten Wienern passen, die Elly am liebsten zum Kartoffelsalat mag. Die andere Variante: Eine schöne, trockene Riesling Spätlese von der Mosel, bei der die Säure des Weins mit der Mayonnaise und der Süße der Kartoffeln eine wunderbare Allianz bildet. Also, wie es beliebt.
Beim Rotwein punkten eher leichte Vertreter wie Portugieser aus Deutschland, Valpolicella aus Italien und einfacher, junger Merlot.

Kartoffelsalat
1 kg lila Kartoffeln
4 pflaumenweich gekochte Eier
2 Senfgurken
1 rote Zwiebel Salz, Pfeffer
Kartoffeln mit Schale kochen, abdampfen lassen und pellen. In Scheiben oder Würfel schneiden, ebenso die Gurken, Zwiebeln und Eier. Würzen.

Mayonnaise ohne rohes Ei
80 ml zimmerwarme Milch (wichtig!)
neutrales Öl (so viel wie nötig)
mind. 1 TL frischer Zitronensaft (je nach Geschmack auch mehr)
½ TL Salz 1 Tl milder Senf
Milch in ein schmales hohes Gefäß gießen. Die Milch muss die gleiche Temperatur haben wie das Öl, damit eine Bindung entsteht. 1 TL Zitronensaft hinzufügen und mit dem Pürierstab aufziehen. Dann so lange vorsichtig Öl hinzufügen, dabei den Pürierstab langsam auf und ab bewegen, bis die Majo fest wird (das kann manchmal etwas mehr Öl werden, je nach Temperatur). Mit Senf und Salz abschmecken.

Weihnachten 2020: Kommen wir nun zur Roulade aus Fasanenbrust. „Da in die Roulade eine Farce kommt, wird sie nicht so trocken und schmeckt auch noch gut“, versichert Event-Köchin Elly. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, macht beim Metzger Jagd auf ganz junges wildes Geflügel. Das magere Fleisch zeichnet sich durch einen feinen Wildgeschmack aus.

Wein-Empfehlung

Dazu wähle ich einen kräftigen, geschmeidigen Pinot Gris aus dem Elsass oder einen Chardonnay aus Burgund mit ganz dezenten Holznoten, die das gebratene Fleisch und die Wacholdernote im Gericht umgarnen.
Mein Favorit ist ein Gemischter Satz aus Österreich. Der Mix aus verschiedenen Rebsorten ( u.a. Muskateller) und Reifestadien bringt eine herrliche Aromatik ins Glas, der mit diesem geschmacklich vielschichtigen Gericht mithält.
Auch ein kräftiger spanischer Rosado bringt hier Abwechslung und beim Rotwein neige ich zu einem feinen Pinot Noir mit schöner Frucht.

Fasanen-Roulade auf Rotkraut-Risotto
4 Fasanenbrüste
200 g Kalbsfarce (vom Metzger)
50 g Butter Salz, Pfeffer Wacholder gemahlen
200 g Risottoreis, 200 g Rotkraut
1 Schalotte 60 g Preiselbeeren Geflügelbouillon, 100 g Butter

In die Fasanenbrüste eine Tasche einschneiden und leicht plätten. Mit Salz, Pfeffer und wenig Wacholder würzen. Die Farce darauf verteilen und die Brüste einrollen. Mit Garn zubinden und auf der offenen Seite in Butter anbraten. Im Backofen bei 100 Grad circa 12 Minuten ziehen lassen. Schalotte schälen und fein würfeln. Rotkrautstrunk entfernen und fein würfeln. Schalotte und Strunk in der Hälfte der Butter 5 Minuten andünsten, Risotto-Reis zugeben und weitere 3 Minuten dünsten. Nach und nach mit der heißen Geflügel-Bouillon bissfest garen. Mit der restlichen Butter und den Preiselbeeren cremig rühren und abschmecken. Risotto auf den Teller geben. Die Roulade tranchieren, also quer durchschneiden, und daraufsetzen.

Und nun ran an den Herd und ans Weinregal. Wir wünschen allen entspannte Weihnachten 2020 und freuen uns auf besondere Events im nächsten Jahr!