Das Auge trinkt mit – beim Wein des Monats

Das Auge trinkt mit, davon ist Sebastian Tenore überzeugt. Mit Leidenschaft arbeitet er bei der Veranstaltungs-Service GmbH „Alles klar!“ am Standort Mülheim, wo er lebt. Das Unternehmen ist auf die Vermietung von Partyzubehör spezialisiert. Und jedes Mal, wenn ich dort für Weinevents Gläser ausleihe, sind wir ganz schnell beim Thema Wein. Sebastian Tenore stellt seinen persönlichen Wein des Monats September vor – und fängt dabei den Spätsommer im Glas ein.

 Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?

Sebastian Tenore: Mein aktueller Lieblingswein stammt aus Spanien vom Weingut Marqués de Riscal, ein 2019er Verdejo aus dem Weinanbaugebiet Rueda.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein entdeckt?
Sebastian Tenore: Diesen Wein bekam ich von einem Bekannten, der im Weinhandel tätig ist. Als dieser im Handel gelistet wurde, habe ich eine Flasche zum Probieren bekommen.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Sebastian Tenore: Weil er – ganz einfach – schmeckt. Ein toller Weißwein, der frisch ist, eine gewissen Fruchtigkeit hat und absolut in den Sommer passt. Man stelle sich das ganz klassisch vor: Ich sitze auf der Terrasse, die Sonne scheint, es ist ein schöner Tag und Wochenende. Man öffnet den Wein, schenkt sich ein Glas ein – perfekt! Im Herbst wechsle ich dann wieder mal, es geht dann eher in Richtung Rotwein.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Sebastian Tenore: Genuss, Leidenschaft und eine Geschmacks-Explosion.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Sebastian Tenore: Durch meine langjährige Tätigkeit in der Hotellerie ist Wein natürlich ein wesentlicher Bestandteil. Ich habe eine klassische Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht und habe in den Jahren danach die Karriere-Leiter immer ein Stückchen weiter erklommen. Daraus entstanden viele gute, teilweise bis heute bestehende Kontakte zu Zulieferern und Weinhändlern.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Sebastian Tenore: Es hängt immer von den Anlässen ab. Wenn man zusammen ist, versuche ich immer einen Wein zu wählen, der möglichst allen schmeckt. Ich alleine bin dagegen sehr offen für neue Weine, Rebsorten usw. Er muss am Ende schmecken. Das ist für mich das Ziel. Es gibt ein paar Rebsorten die ich nicht so gerne mag, zum Beispiel Gewürztraminer.

Warum?
Sebastian Tenore: Ich bin wirklich offen für alle Weine der Welt, aber Gewürztraminer ist nicht mein Wein. Ich habe ihn zweimal probiert und er hat mir überhaupt nicht geschmeckt. Ich würde ihn beim Essen im Restaurant nie bestellen. Gleichwohl: Wenn ihn mir jemand zum Probieren reicht, würde ich nicht ablehnen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Vielleicht finde ich ja noch einen, der mir mundet.

Das Auge trinkt mit….

Welche Rolle spielen Weingläser für Sie privat?
Sebastian Tenore: Eine sehr große. Ich habe jetzt nicht für jeden Wein ein extra Glas, aber 6 schöne Universalgläser, dann noch Burgunder-Gläser und Champagner-Gläser. Ein schönes Weinglas gehört dazu. Das Auge trinkt mit, absolut. Ich würde nie, nie, nie einen Wein aus einem Wasserglas trinken.
Ein Aspekt bei meiner Arbeit bei „Alles klar!“ ist ja eben auch, Kunden zu ermutigen, mal ein ganz anderes schönes Glas auszuleihen. Es geht also auch darum, etwas Schönes und Passendes zu vermitteln. Emotionen wecken, das ist die entscheidende Rolle dabei.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sebastian Tenore: Am liebsten natürlich mit meiner Frau und meiner Familie, aber auch mit den besten Freunden, die den Sinn für Wein mit mir teilen.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sebastian Tenore: Wenn ich die Chance hätte, mit Uli Hoeneß. Ich bin bekennender FC Bayern-Fan und da war und ist Uli Hoeneß natürlich ein ganz zentraler Punkt. Er ist auch ein großer Genießer. In Fernseh-Dokumentationen erzählte er, dass er sich bei Auswärtsspielen abends ein schönes Glas Rioja gegönnt hat. Also entweder liebt man ihn oder man hasst ihn. Für mich ist er jedenfalls eine sehr beeindruckende Person. Ich würde ihn fragen, was sein Lebensantrieb war und ist.

Grillen und Wein – ein Sommertraum

Grillen und Wein – ein Sommertraum. Diesen erfüllen wir uns bei Wein & Speise im August. Elly von Elly’s Island, Schule für entspanntes Kochen, legt kein Rinder-Steak auf den Grill. Kann ja jeder… Die Event-Köchin aus Legden hat sich für feine Steaks vom Thunfisch entschieden – die mit Sojasauce und anderen Köstlichkeiten gelackt – also eingepinselt – werden. „Kinderleicht“, meint Elly. Und: „Ich habe das Glück, dass ich super Sojasauce von unserer Austauschschülerin Hinako aus Japan hatte, die hier gar nicht verkauft wird. Im Japan-Shop sollte es aber etwas Gleichwertiges geben“, versichert Elly.
Ran ans Schwelgen.

Easy peasy lackierter Thunfisch vom Grill

4 Thunfisch-Filets in Sushi-Qualität (jeweils ca. 180g bis 200 g)
Olivenöl
Grill mit Deckel

Für den Lack:
30 g frischer Ingwer, 1 Knoblauchzehe
250 ml japanische Sojasauce
100 ml flüssiger Honig
100 ml süßscharfe Chilisauce
1 TL Reisessig (oder Weißweinessig)
3-4 EL Sesam-Saat

Frischen Ingwer schälen, Knoblauch pellen, beides fein reiben, dann mit Sojasauce, Honig, Chilisauce und Essig ohne Deckel für 2-3 Minuten sirupartig einkochen. Durch ein Sieb passieren und beiseite stellen. Sesam in einer Pfanne ohne Fett goldbraun rösten (Achtung, tanzt in der Pfanne). Die Hälfte des Sesams unter den Lack rühren.

Thunfisch-Steaks dünn mit Olivenöl bestreichen. Die Glut im Grill mit Deckel sollte gleichmäßig durchgeglüht und von mittlerer Hitze sein. Grillrost mit einem ölgetränkten Pinsel dünn einreiben und unmittelbar danach die Thunfischsteaks auflegen. Den Deckel schließen und den Thunfisch nun individuell nach Gargrad grillen (am besten ist er, wenn er noch einen rohen Kern hat). Thunfisch dabei nicht wenden. Den Fortschritt der Steaks alle 2 Minuten bis zum gewünschten Ergebnis prüfen. Nun die Oberseiten der Thunfisch-Steaks mit dem Lack bestreichen und mit der übrigen Sesamsaat bestreuen. Übrigen Lack dazu servieren.
Dazu passt sehr gut ein Rote Beete- oder Rettich-Salat.

Wein-Empfehlung

Dieses Gericht punktet mit puren, echten Aromen und wir können bei der Weinauswahl aus dem Vollen schöpfen. Ein paar Überlegungen vorher, damit der Fisch gut schwimmt:
Im Thunfisch und in der Sojasauce steckt Umami. Wir schmecken süß, sauer, salzig, bitter – und eben Umami. Das ist kein Teufelszeug, sondern eine Aminosäure, die in proteinhaltiger Nahrung enthalten ist. Sie wirkt geschmacksverstärkend, herzhaft-kräftig, und sorgt für ein wohlig-angenehmes Gefühl im Mund. Mit Chili und Ingwer kommt außerdem Schärfe ins Spiel.

Hier sind kräftige, vollmundige Weine gefragt, die gleichzeitig die pikant-scharfen Komponenten balancieren. Meine Favoriten sind eindeutig sehr aromatische Weißweine mit – ja! – feiner Restsüße. Ein passender Sommertraum im Glas ist ein Gewürztraminer aus Südtirol, eine Scheurebe aus Deutschland (Rheinhessen, Pfalz, Franken, Nahe) oder ein Chenin Blanc aus Südafrika, wo die Rebsorte unter dem Namen „Steen“ in Höchstform ins Glas fließt.

Schärfe und Süße werden dicke Freunde

Was passiert? Schärfe im Essen und Süße im Wein heben sich gegenseitig auf. Nach dem Motto ‚Eine Hand wäscht die andere‘ werden sie sozusagen dicke Freunde. Die Fruchtsüße nimmt der Schärfe die Spitze, und die Schärfe verringert den Eindruck von Fruchtsüße. Die Aromen der Weine kommen dabei herrlich zur Geltung.

Nicht überzeugt von halbtrocken bei Grillen und Wein? Dann sei an dieser Stelle ein trockener Chardonnay empfohlen. Einer, der nicht durch Holzfass-Ausbau in aufdringlichen Röst- und Buttertoast-Aromen ertrinkt, sondern pur und klar nach Melonen und anderen exotischen Früchten duftet.

Thunfisch, noch dazu gegrillt, harmoniert auch sehr gut mit Rotwein mit nicht zu kräftigen Gerbstoffen. Ein fruchtiger, frischer Spätburgunder ist mein Favorit.

Viel Spaß bei Grillen und Wein!

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

 

Foto (Thunfisch): Michael Shivili auf Pixabay

Brand-heiße Tipps aus Schloss Borbeck

Schloss Borbeck

Schloss Borbeck und die Parkanlage in Essen sind immer einen Besuch wert. Hier „residiert“ Thorsten Haneke. Zusammen mit seiner Frau betreibt er die Schlossgastronomie „Zur Münze“ sowie das Dunkelrestaurant „Finster“ in Essen-Holsterhausen. Im Gespräch mit ihm auf der idyllischen Terrasse von Schloss Borbeck habe ich kurzerhand den Wein des Monats erstmals umfunktioniert. Denn Thorsten Haneke brennt für Hochprozentiges: Brand und Geist. Beim Gespräch über Genuss, Aromen und Sinneseindrücke beim Essen und Trinken fanden wir schnell Parallelen zum Wein. Eine Brand-heiße Sache:

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingsbrand oder Geist, woher stammt er?
Thorsten Haneke:
Ein leckerer Marillen-Brand der Destillerie Lantenhammer in Oberbayern. Eine Zeit lang war es auch einmal eine Schlehe, die ist sehr ungewöhnlich und intensiv im Geschmack. Die muss man mögen. Und wenn man sie mag, ist das einfach bombastisch.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie den Brand entdeckt?
Thorsten Haneke
: Es sind ja mehrere Destillerien, mit denen ich zusammenarbeite. Ich kann bei Bestellungen auch kleine Pröbchen ordern. Und wenn die mir gefallen, bestelle ich eine große Flasche.

Warum ist das Ihr Lieblingbrand?
Thorsten Haneke:
Der Geschmack reizt mich einfach. Er ist sehr intensiv und etwas ganz anderes als die Klassiker, die jeder kennt.

„Ein Brand ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Thorsten Haneke:
Milde, Frucht und Natürlichkeit. Ja, er muss natürlich sein. Das ist für mich wichtig.

Erklären Sie bitte den Unterschied zwischen Brand und Geist.
Thorsten Haneke:
Beim Brand wird die Obst-Maische zunächst mit Hefe vergoren. Der Fruchtzucker wird also bei der Gärung auf natürlichem Weg in Alkohol umgewandelt. Später wird das Gemisch in einer Brennblase mehrfach destilliert. Deshalb trinke ich so gerne Brand, weil der so ehrlich ist.
Bei einem Geist werden die Früchte mit Neutral-Alkohol versetzt und mazeriert. Das heißt, es wird fremder Alkohol zugesetzt, der die Aromen aus den Früchten zieht. Anschließend wird der Alkohol destilliert.
Und nicht zu vergessen: der Obstler. Die klassische Variante wird aus Äpfeln und Birnen destilliert.

Feine Brände.

Wie sind Sie überhaupt auf den Brand gekommen?
Thorsten Haneke:
Durch meine Tätigkeit in der Gastronomie. Im Schloss Borbeck bin ich jetzt 5 Jahre, das Dunkelrestaurant „Finster“ betreibe ich schon 15 Jahre. Da beschäftigt man sich automatisch mit leckeren Produkten, weil man den Leuten gerne immer etwas Außergewöhnliches bieten möchte. Was auch im Dunkeln sehr interessant ist.

Wie ist Ihre Erfahrung, wenn Sie im Dunklen etwas probieren? Ist das geschmacks- und geruchsintensiver?
Thorsten Haneke:
Ja, eindeutig. Man lässt sich aber auch schnell auf eine falsche Fährte locken. Nicht nur beim Trinken, auch beim Essen. Zum Beispiel haben wir ein italienisches Menü, bei dem die Gäste vorher nicht wissen, was es beinhaltet. Jeder hat ja bestimmte Vorstellungen von italienischem Essen und versucht erst einmal, in diese Richtung zu schmecken. Und kommt dann gar nicht auf andere Dinge, weil man voreingenommen ist.
Man riecht im Dunkeln einfach intensiver. Aber man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, dann auf Geschmäcker zu kommen. Das ist Gästen sogar schon bei Erdbeeren im Dessert passiert. Interessant ist auch, wenn Physalis und Weintrauben zusammen im Dessert sind.

Im Schloss probiere ich schon mal einen Geist mit Stammgästen. Zum Beispiel einen Möhrengeist oder Heugeist aus einer Edelbrennerei im Sauerland. Dann probieren meine Gäste und fragen sich: ‚Was ist das nur für ein Geruch?‘ Sie sind nah dran, kommen aber nicht auf den Begriff.  Wenn ich hinterher auflöse, heißt es: ‚Ja! Stimmt! Das ist Heu.‘

Worauf achten Sie bei der Auswahl von Bränden und Geisten? Was ist Ihnen wichtig?
Thorsten Haneke:
Ich kaufe bevorzugt in kleinen Manufakturen und Destillerien ein. Wo ich auch nachvollziehen kann, woher die Firmen das Obst beziehen. Regionalität finde ich toll. Dort sind auch Geschichten zu holen. Wenn ich meinen Gästen einen schönen Brand empfehle, wollen die auch die Geschichte dazu hören.

Was sollte man für eine gute Flasche Brand investieren?
Thorsten Haneke:
Für einen halben Liter 40 Euro. Da geht‘s preislich los.

Mit wem trinken Sie am liebsten einen Brand zusammen?
Thorsten Haneke:
Mit meinen Gästen.

Mit wem würden Sie gerne mal einen Brand zusammen trinken – und warum?
Thorsten Haneke:
Darüber könnte ich mal sinnieren… Ich glaube, mit unserer Bundeskanzlerin. Weil die zum Beispiel im Urlaub in Südtirol wandert, wo ich in den Skiurlaub hinfahre. Ich glaube, dass sie da schon einige Brände probiert hat. Mit ihr würde ich dann ein paar Fragen klären.

Zum Beispiel?
Thorsten Haneke:
Ich bin politisch eher neutral eingestellt, aber allgemein ihren Politikstil würde ich mal hinterfragen. Weil sie kaum klare Kante zeigt, aber anscheinend so viel Macht und ein großes Netzwerk hat. Wie die das macht, interessiert mich sehr.

Auf einen Süßwein mit Pelé

Bis zum Süßwein war es ein langer Weg: Arno Lindner (56) mag qualitativ hochwertige Spirituosen, am liebsten Gin und Wodka. Eigentlich. Denn der Essener, von Beruf selbstständiger Rechtlicher Betreuer, lebt mit mir zusammen. Und ausgerechnet mein Liebster mag keinen Wein? Gibt’s doch nicht…
Inzwischen ist Arno sein eigener Süßwein-Experte und empfiehlt seinen Wein des Monats Juli. Er verrät auch, warum er gerne mal mit Fußballgott Pelé ein Gläschen süppeln würde.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Arno Lindner:
Es ist der Riesling Himmelthal, eine Spätlese Jahrgang 2015 vom Weingut Lisa Bunn in Nierstein am Rhein. Das liegt, wie ich von dir weiß, im größten deutschen Weinanbaugebiet Rheinhessen.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Arno Lindner:
Das ist jetzt mein derzeitiger Lieblingswein, vor einiger Zeit war es ein Gewürztraminer. Und vielleicht habe ich in 2 Monaten schon wieder einen ganz anderen Lieblingswein.

Aber was reizt dich an dieser Riesling Spätlese?
Arno Lindner: Der Wein schmeckt mir einfach richtig gut, der ist schön süß (Restzucker: 45 g/l) und hat kräftige, üppige Aromen. Das mag ich bei Wein. Also es muss immer eine gehörige Portion Süße dabei sein.

Sehr zu empfehlen: Weine von Lisa Bunn und ihrem Mann Bastian Strebel. Foto: privat

Warum magst du Süßwein?
Arno Lindner
: Wir zwei haben ja in der Vergangenheit zusammen alles Mögliche ausprobiert. Und da stellte ich irgendwann fest, dass mir süße Weine, Spätlesen und alles was bei Prädikatsweinen noch danach kommt, einfach gut schmecken. Ich würde nie auf die Idee kommen, mir freiwillig einen trockenen Wein einzuschenken.
Bei Rotwein habe ich abgewunken und nur dir zum Gefallen probiert. Mir wird schwummrig, ich werde von Rotwein ganz schnell betrunken, da reicht ein Glas. Und mir wird schlecht. Das bekommt mir einfach nicht.

Und Wein mit ordentlich Restzucker schmeckt dir ja auch zum Gänsebraten…
Arno Lindner…
auf jeden Fall. Die Süße und gleichzeitig Frische des Weines zusammen mit einer schönen, kross gebratenen Gans. Das ist für mich eine tolle Kombination.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen, die für dich ganz wesentlich sind.
Arno Lindner:
Auch wenn es vielleicht abgeschmackt klingt: Wein ist für mich Genuss pur – wie ein Eis oder Bratkartoffeln von Muttern. Und das höchste der Genüsse ist für mich ein Süßwein. Da kann ich tatsächlich schwelgen – in der Süße, der Frucht, dem Bukett.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Arno Lindner:
Tatsächlich die Süße und die Aromen. Herkunft, Etikett, Flaschenform – das ist alles Nebensache. Der Wein muss mir schmecken. Mich interessiert nur der Inhalt.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Arno Lindner:
Mit meinen Freunden in der Stadt, am Hauptbahnhof auf einer Bank.

Ist klar.
Arno Lindner:
Natürlich mit dir. Weil du die Einzige bist, die Verständnis zeigt für meine Neigung zu Süßweinen. Ich kenne einfach fast keine anderen Leute, die gerne Süßwein trinken.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Arno Lindner:
Mit Pelé. Wir könnten dabei über Rot-Weiss Essen reden. Pelé ist ja seit 2005 Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, wie jeder weiß… (grinst). Und bei keinem anderen Verein der Welt!
Er nahm die Ehrenmitgliedschaft mit den Worten an : ‚Es ist für mich eine große Ehre, jetzt dem Verein anzugehören, in dem der Boss spielte.‘ Also Helmut Rahn.
Ich würde mit Pelé über Fußball sprechen und mir von ihm ein paar coole Tricks zeigen lassen.

Mit Winzersekt den Sommer feiern!

Erdbeere trifft Spargel trifft Winzersekt. Mit diesem Aromen-Feuerwerk feiern wir den Sommer 2020 und genießen den Moment. Event-Köchin Elly von Elly’s Island in Gescher verarbeitet bei Wein & Speise im Juni „die Süße einmal anders“. Nämlich auf einem Flammkuchen. Belegt und gebacken mit grünem Spargel und Walnuss-Kernen, verleihen ihm Erdbeeren einen Frische-Kick. Geschmacklich unterstrichen wird dies durch einen begleitenden Salat mit – natürlich selbstgemachtem – Erdbeer-Dressing. Und Erdbeer-Chips statt Croutons.
Beeren-stark!

Foto: Ulrike Leone auf Pixabay

Bei diesen Gerichten sehe ich sofort Rosé. Am liebsten schäumenden Rosé: zum Beispiel einen deutschen Winzersekt Brut (0-12 g/l Restzucker) aus der Spätburgunder-Traube mit Aromen, die an rote Beerenfrüchte erinnern. Wer es mag: Es geht auch noch einen Tick süßer mit extra trocken (12 bis 17 g/l Restzucker); dann mildert die Süße des Sekts die Säure der Erdbeeren. Das erste Glas, schön gekühlt bei 6-8 Grad als Aperitif gereicht, ist ein wunderbarer Start in einen beschwingten lauen Sommerabend.

Winzersekt, Franciacorta und Crémant

Der schäumende Spaßmacher, am besten direkt beim heimischen Winzer oder im Fachhandel probiert und geordert, muss bei Flammkuchen und Salat nicht zurücktreten. Im Gegenteil: Er begleitet spielerisch die leichten, raffinierten Gerichte und unterstreicht deren Erdbeer-Aromen. Da der Spargel hier nicht allein die Hauptrolle spielt, müssen nicht automatisch Spargel-typische Weine wie Müller-Thurgau, weiße Burgunder und Silvaner die erste Wahl sein. Das Spiel mit der Frucht auf dem Teller und im Glas bringt den Reiz.
Neben einem schönen fruchtig-frischen Winzersekt passen auch ein italienischer Franciacorta Rosé, Schaumwein und Region in der Lombardei, oder ein französischer Crémant Rosé aus Burgund. Was diese Getränke im Herstellungsverfahren eint: Die hochwertigen Grundweine werden durch Zugabe von Zucker und Hefe ein zweites Mal in der Flasche vergoren, was als traditionelle oder klassische Flaschengärung bezeichnet wird. Die Qualitätsschaumweine werden wie Champagner hergestellt (Méthode champenoise), dürfen sich aber nicht Champagner nennen.
Und nun beschwingt ans Werk!

Erdbeere trifft Spargel trifft Flammkuchen
1 Rolle Flammkuchenteig
1 P grüner Spargel
3 rote Zwiebeln
200 g Walnusskerne
200 g Frischkäse, 500 g Crème fraîche
Zucker, Meersalz
8 EL Nussöl
10-15 Erdbeeren
Öl und Balsamico-Creme, Pfeffer, Salz, Muskat
Teig ausrollen. Spargel und Zwiebeln in dünne Scheiben schneiden. Nüsse hacken und 2/3 davon mit der Crème fraîche und dem Frischkäse vermengen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Fladen auf ein Blech geben, gleichmäßig mit der Nussmischung bestreichen. Spargel mit Zwiebeln darauf geben und mit etwas Zucker würzen. Übrige Walnüsse darüber verteilen. Fladen 12-15 Min. bei 180 Grad backen. Erdbeeren putzen und in Scheiben schneiden. Mit Öl, Balsamico und Pfeffer mischen. Erdbeeren auf den gebackenen Kuchen verteilen. Flammkuchen mit Nussöl beträufeln und mit Meersalz bestreuen.

Foto: RitaE auf Pixabay

Sommersalat mit Mozzarella
Salat nach Geschmack
2 Mozzarella-Stangen oder 3 Kugeln
Salz, Pfeffer Olivenöl
Salat putzen, fein zupfen. Aus dem Öl, Essig und Salz/Pfeffer ein leichtes Dressing schlagen. Mozzarella aufschneiden.

Erdbeer-Dressing
250 g frische Erdbeeren
Salz, Pfeffer
2 EL süßer Senf, 2 EL Honig, 2 EL Olivenöl, 1 EL Balsamico, Balsamico crema zum Abrunden
Alle Zutaten mit dem Pürierstab zu einem cremigen Dressing verrühren.

Erdbeer-Chips
500 g frische Erdbeeren
Den Backofen auf 100 Grad Umluft vorheizen. Erdbeeren abspülen, sehr gut mit Küchenkrepp trocken tupfen, putzen und in etwa 3 mm dünne Scheiben hobeln oder schneiden. Die Scheiben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und im vorgeheizten Backofen 1 Stunden trocknen lassen.

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Bordeaux macht Lust auf Sommer

Ein Bordeaux Blanc hat es Daniel Raifura angetan. Der 40-jährige aus Essen-Borbeck holt uns beim Wein des Monats Juni den Sommer ins Glas. Daniel leitet eine Kindernotaufnahme, was Beruf und Berufung gleichermaßen ist. Er ist auch bekannt als Krimi-Autor und Stückeschreiber. Gar nicht gruselig geht’s jetzt hier zu. Daniel empfiehlt einen Gute-Laune-Wein.

Weinbegleiter Ruht: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Daniel Raifura:
Das ist ein Bordeaux, ein weißer Bordeaux, Jahrgang 2017, aus dem Hause Baron Philippe de Rothschild. Es ist ein trockener Wein.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Daniel Raifura:
Den habe ich beim Einkaufen entdeckt. Das war ein Zufallsfund. Ich schaute mir das Etikett an und dachte: ‚Das klingt ganz gut.‘ Ein weißer Bordeaux, ich kannte bis dahin nur Rotweine aus Bordeaux. Das wollte ich einfach mal ausprobieren.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Daniel Raifura:
Ich war total überrascht von dem Wein. Er hat ganz viele Aromen. Also ich bin kein Weinkenner…

…doch, bist du. In dem Moment, in dem du für dich entscheidest: „Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht“ bist du dein eigener Weinkenner.

Daniel Raifura: Ja, aber ich bin kein Weinexperte. So. Wenn man die Flasche öffnet und man riecht die verschiedenen Aromen – ein bisschen Aprikose, verschiedene Kräuter. Da bekomme ich einfach Lust, diesen Wein zu trinken. Ich liebe trockene Weine. Er ist aber auch nicht so trocken, dass man denkt: ‚Oh Gott, das ist jetzt unangenehm und brennt.‘ Er ist eben schön fruchtig, leicht und sommerlich.

Begleitet dich ein Wein, den du magst, dann über längere Zeit? Oder probierst du auch gerne andere Tropfen?
Daniel Raifura:
Ich trinke auch andere Weine. Aber wenn ich die Möglichkeit habe und ich gerade in einem Geschäft bin, in dem es diesen Wein gibt, dann nehme ich den natürlich lieber, weil ich weiß, dass er mir gefällt. Da weiß ich einfach, dass ich nichts falsch mache.
Ich schreibe ja auch sehr viel und trinke beim Schreiben gerne mal ein Glas Wein. Und dieser Wein beflügelt mich da so ein bisschen. Der macht einfach gute Laune. Der lenkt mich nicht ab. Der Wein ist so wie ich: relativ leicht und beschwingt.

Foto: privat.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für dich ganz wesentlich sind.
Daniel Raifura:
Lebensfreude, Lebensenergie, Genuss.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Daniel Raifura: Das hat sich irgendwie so entwickelt. Man wird älter und anspruchsvoller und denkt sich: ‚Okay, als Genussmittel möchtest du nicht irgendwas trinken.‘ Ich schaue schon: Finde ich etwas, was zu mir passt.

Welche Weine trinkst du sonst noch gerne?
Daniel Raifura: Im Winter trinke ich zwischendurch auch mal einen Rotwein. Aber eigentlich am liebsten Weißwein. Ich sage natürlich auch zum Champagner nicht nein. Wenn ich ein Buch oder Theaterstück abgeschlossen habe, gibt es einen sehr guten Champagner. Immer gerne einen Moët & Chandon.

Mit wem trinkst du dann den Champagner?
Daniel Raifura:
Mit meinem Mann. Der muss sich das Ganze dann anhören, was ich geschrieben habe, und wenn ich sage: ‚Ja, ich habe es geschafft!‘

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Daniel Raifura:
Der Geschmack. Da gucke ich nicht in erster Linie auf den Preis.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Daniel Raifura:
Mit meinem Mann und mit Freunden.

 Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Daniel Raifura:
Auch wenn ich mir jetzt nicht viele Freunde mache: Ich weiß, dass unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel gerne Weißwein trinkt. Mit ihr würde ich gerne mal ein Glas Weißwein trinken. Oder zwei oder drei oder ’ne Flasche oder zwei. Weil sie eine ganz spannende Frau ist und ich ganz viele Fragen an sie hätte zu politischen Themen, aber auch zu privaten und persönlichen Themen. Ich würde gerne wissen: Wie ist dieser Mensch? Den man sonst nur so partiell aus den Medien kennt. Ich glaube, Wein ist sehr gesellig. Da könnte man wahrscheinlich ein bisschen näher zusammenkommen.
Eine Frage wäre zum Beispiel, wie man solch einen Druck aushalten kann, den sie tagtäglich erleben muss. Und wie man damit persönlich umgeht. Ich könnte es nicht und ich glaube, 98, 99 Prozent aller Deutschen auch nicht.
Ich hätte viele, viele Fragen. Es würde eine lange Nacht werden. Ich kann sie ja zu meinem Lieblingswein einladen…

Foto: Michael Doliv

Kotelett von Oma aus Ostberlin

Kotelett von Oma aus Ostberlin – mit diesem Gericht verwöhnt uns Elly im Wonnemonat Mai bei Wein & Speise. Verbunden mit Erinnerungen an schöne Kindheitstage. Die Eventköchin von Elly’s Island in Gescher hat’s einfach auf der Pfanne: „Kotelett von Omma mit Berliner Soße.“ Dazu gibt’s Kartoffelpüree und Gurkensalat.
„Meine Oma aus Ostberlin hat es immer so gemacht. Die Soße bereite ich selbst oft noch zu. Sie ist kalorienreich, aber gut“, versichert Elly. „Wenn Pfifferlingzeit war, hat Oma noch frische Pfifferling angebraten und in die Soße getan, das mochte ich besonders gern. Und dann dazu Kartoffelpüree mit feinen durchwachsenen Speckwürfelchen.“ Kartoffelpü gibt’s auch zu unserem Kotelett. Und einen Gurkensalat.

Kotelett von Omma mit Berliner Soße
Koteletts

4 Koteletts aus dem hinteren Rippenstrang mit Filet
Mehl, Panierbrösel
1 verschlagenes Ei
etwas Sahne, Salz, Pfeffer
Butter mit einem Schuss Öl

Die Koteletts trockentupfen. Dann baut man sich eine Panierstraße: 1 Schale mit Mehl, 1 Schale mit Eier-Sahne-Gemisch, 1 Schale mit Paniermehl.
Die Eier und die geschlagene Sahne mit Hilfe einer Gabel in einer Schüssel verquirlen. Salzen und pfeffern. Die Koteletts in Mehl wenden, überschüssiges Mehl abklopfen, dann durch das Ei ziehen und anschließend in den Semmelbröseln panieren.
Wichtig dabei: die Panade fest andrücken. Nun etwas Butter mit einem Schuss Öl schmelzen, dann verbrennt die Butter nicht so leicht, und die Koteletts bei nicht zu hoher Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Das Kotelett ist gar, wenn aus dem Knochen kein roter Saft mehr austritt.

Berliner Soße
1 El Mehl, 1 EL Butter
Wasser nach Bedarf
nicht zu wenig Salz, Pfeffer

Die Koteletts aus der Pfanne nehmen und die Butter in der Pfanne auslassen. Nun das Mehl darüber streuen und zügig mit einem Schneebesen anschwitzen. Jetzt gehört etwas Fingerspitzengefühl dazu: Die Mehl-Butter-Mischung so lange bräunen, bis sie schön dunkelbraun, aber nicht schwarz ist. Pfanne vom Herd ziehen und so lange Wasser zugießen (Achtung, es zischt ganz schön!), bis eine cremige Soße entstanden ist, und würzen. Je länger die Soße steht, um so dicker wird sie, bitte bedenken!

Wein-Empfehlung

Zu herzhaften Gerichten vom Borstentier passen viele Weine. Denn die Aromen von Schweinefleisch sind längst nicht so intensiv wie beispielsweise die von Rind oder gar Wild. Ausschlaggebend bei diesem Gericht ist die Fleisch-Verpackung: die Panade. In der suhlt sich das Kotelett in der Pfanne und saugt beim Brutzeln schön das Butter-Öl-Gemisch auf. Die fettige Komponente gibt also den Ton an. Das verlangt nach einem Wein mit kräftigen, frischen Aromen. Und einer knackigen Säure, die dem Fett Paroli bietet.

Knackige Säure trifft Panade

Ich empfehle eine Riesling Spätlese von der Mosel, einen Grünen Veltliner, nicht jung und spritzig, eher einen „Smaragd“ aus der Wachau, oder einen glasklaren Weißburgunder aus Südtirol. Schon allein das Gefühl im Mund, wenn der herrlich belebend-frische Wein das Kotelett von Oma umspielt, ist phantastisch.
Ein Tipp für Experimentierfreudige: Sauvignon Blanc. Klingt erst mal schräg, ist aber einen Versuch wert, da es Gurkensalat zum Kotelett gibt. Die Gurke ist eine schöne Brücke zu den gemüseartigen-pflanzlichen Noten eines Sauvignon Blancs von der Loire.

Beim Rotwein rate ich von kräftigen, im Holz ausgebauten Tropfen ab. Denn obwohl das Kotelett gebraten wurde, entsteht durch die Panade keine typische braune Fleischkruste mit Röstaromen. Hier passen eher feine, fruchtige Vertreter wie ein Zweigelt oder Beaujolais.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

Weine mit Seele aus Franken

Weine mit Seele. Weine, die authentisch sind und einem nichts vorgaukeln im Glas. So mag es Kerstin Wolf. Und diese Frau versteht etwas von Weingenuss. Die gebürtige Sächsin lebt seit fast 30 Jahren in Franken. Sie ist studierte Bauingenieurin, Chefin ihres eigenen Unternehmens. Und meine beste Freundin. Bei ihrem ganz persönlichen Tipp für den Wein des Monats Mai kommen gleich 2 Weine aus Franken ganz groß raus.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Kerstin Wolf: Zur Zeit sind es zwei Weine, zwischen denen ich mich nicht richtig entscheiden kann. Sie sind vom Familienweingut Johannes Nickel aus Nordheim am Main. Beide sind Jahrgang 2019. Einmal ein Silvaner sowie das so genannte „AllrounderTalent“, das ist ein Müller-Thurgau (Rivaner). Und die sind beide trocken, trocken, trocken…

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diese Weine entdeckt?
Kerstin Wolf:
Ich habe mir vor kurzem was vom Nickel schicken lassen. Im online-shop bietet er ein Genuss-Paket mit 12 Flaschen an, trocken. Bacchus, Kerner, Silvaner Riesling, der Allrounder, einen Rosé und einen Secco. Ich kostete mich durch, da standen teilweise 4 Flaschen im Kühlschrank.

Die Weine von Winzer Johannes Nickel kennst du aber schon länger…
Kerstin Wolf:  …ja, schon seit 2015. Da bin ich mit meiner Schwester von Sommerach nach Nordheim durch die Weinberge gewandert. Es überraschte uns ein Regenschauer. Zum Glück stand eine Art Schutzhütte in den Weinbergen. Wir stellten uns unter – und waren nicht allein. Weitere 8 Erwachsene waren schon da und einer, der Wein ausschenkte. Wir sind also in eine Weinprobe reingeplatzt und uns wurde angeboten, mit zu probieren. Da sagten wir natürlich nicht nein.

Weine mit Seele nach dem Regenschauer

Uns gefielen die Weine sehr, sie waren von besagtem Weingut in Nordheim. Direkt nach dem Regenschauer machten wir uns also auf den Weg dorthin. Auf dem Hof trafen wir dann die Weinproben-Runde wieder, das gab ein großes Hallo. Meine Schwester und ich probierten weitere Wein und deckten uns ein. Und seitdem kaufen wir bei Nickels regelmäßig Wein ein. Wir werden dieses Jahr auch hinfahren, wenn es wieder möglich ist.

Übrigens hat mich Kerstin auch mit den Nickel-Weinen verzaubert. Wir waren 2016 zusammen auf dem Weingut. Die Geschwister Johannes Nickel, der auch eine Edelbrennerei betreibt, und Karolin Schmitt führen das kleine junge Weingut.

Warum sind der Müller-Thurgau und der Silvaner deine Lieblingsweine?
Kerstin Wolf: Der Müller-Thurgau riecht total nach knackigem Apfel. Wie ein noch nicht ganz ausgereifter Korn-Apfel. Wahnsinn. Er ist kräftig und schmeckt richtig gut.
Der Silvaner ist auch Klasse. Der duftet einem total fruchtig aus dem Glas entgegen, ist dabei trocken und schmeckt – ja, wie ein typischer Silvaner.
Wie soll ich es anders sagen? Die Weine sind einfach echt. Deshalb gefallen sie mir so. Richtig schöne Weißweine. Und der Müller-Thurgau hat mich total überrascht, ein schöner, spritziger, trockener Wein, der einfach Spaß macht.

Deine zweite Heimat Franken ist das deutsche Anbaugebiet mit dem größten Silvaner-Anteil an der Gesamtrebfläche. Magst du Weine aus dieser Rebsorte grundsätzlich?
Kerstin Wolf:
Da bin ich eher auf den Nickel bezogen. Wir trinken gerne Silvaner, aber ich bin eher der Riesling-Typ.

Welche Weine trinkst du sonst noch gerne?
Kerstin Wolf:
Italienischen und spanischen Rotwein. Der sollte opulent sein. Und einen guten Prosecco. Und alles trocken, bitte.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Kerstin Wolf:
In der Lehre ging es los mit süßen Weinen (lacht). Das änderte sich dann im Laufe der Jahre. Ich besuchte viele Weinseminare an der Volkshochschule in Bamberg und schmeckte mich dann sozusagen immer mehr in Richtung trocken.
Die Seminare sind eine gute Gelegenheit mitzukriegen, was es überhaupt alles so gibt. Und worauf man achten sollte bei Weinen. Dass zum Beispiel der Preis nicht das Entscheidende ist, sondern der eigene Eindruck: ‚Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht.‘ Und bei diesen Gelegenheiten kann ich eben Weine kosten, die ich mir sonst womöglich ohne vorheriges Probieren niemals kaufen würde. Weil sie sich doch in etwas höherpreisigen Lagen bewegen als das, was ich üblicherweise sonst bezahlen würde.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Kerstin Wolf:
Der Geschmack und der Anlass. Wozu ich diesen Wein genießen möchte. Und da kann es auch mal ein Wein sein, der jenseits der 20 oder 30 Euro liegt. Bei einem besonderen Anlass geht es mir nicht um den Preis, sondern um: Schmeckt er mir oder nicht – und darum, dass der Wein perfekt passt.

Wo kaufst du Weine ein? 
Kerstin Wolf
: In erster Linie in Jacques‘ Wein-Depot. Oder direkt beim Winzer. In Sommerach und Nordheim. Ab und zu auch im Supermarkt. Wenn dort mal ein Wein im Angebot ist und uns die Beschreibung dazu gefällt, dann probieren wir den. Und wenn er gut ist, dann wird er auch gekauft.

Bei welcher Gelegenheit MUSS es ein Glas Wein sein?
Kerstin Wolf:
An einem lauen Sommerabend. Bei einem guten Essen. Und beim gemütlichen Zusammensein mit Freunden.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Kerstin Wolf: Mit meinem Mann, mit meiner Tochter, also mit meiner-Mini-Familie. Ja, und mit Freunden.

Und mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Kerstin Wolf:
Mit der Schauspielerin Hannelore Hoger. Die Frau fasziniert mich mit all ihren Facetten. Ihre Burschikosität. Mich würde interessieren, ob sie wirklich so ist, wie ich sie als Bella Block aus dem Fernsehen kenne. Mir gefällt ihre Art in den Filmen und in ihrem Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“, das ist alles authentisch. Aber ich weiß nicht, ob sie wirklich so ist. Das zu erfahren bei einem Glas Wein, würde mich sehr reizen.

Ostermenü vom „Jungen Gemüse“

Für das diesjährige Ostermenü hat sich Eventköchin Elly von Elly‘s Island Gäste eingeladen. „Das sind die coolen Jungs: Marcel Boll und Tobias Pierk, 27 Jahre junge Profiköche und deshalb für mich das ,Junge Gemüse‘“, lacht Elly. Einmal im Jahr stellen sie sich einem Duell in Elly’s Schule für entspanntes Kochen in Gescher. Dieses Jahr kam dieses tolle Ostermenü dabei heraus:

Paprika-Schaumsüppchen mit Chorizohippe
Lamm auf Rosmarin-Kartoffelpüree mit mediterranem Gemüse und Balsamicojus
Eierlikör-Parfait mit beschwipsten Erdbeeren.

Für die Machbarkeit zu Hause ist das 3-Gänge-Menü (kalkuliert für 4 Personen) etwas einfacher gehalten. Und es ist zeitlos köstlich.

Aperitif
Bevor das große Schmausen losgeht, beginnen wir diesmal mit einem trockenen, weißen Wermut als Aperitif, der sich später in der Suppe wiederfinden wird. Wermut ist ein mit Alkohol aufgespriteter Wein, der mit dem typischen Wermutkraut sowie anderen Kräutern und Gewürzen seinen Schliff bekommt. Empfohlen sei hier die bekannte französische Marke Noilly Prat – pur, auf Eis oder gemixt als klassischer Martini.
Beschwingt widmen wir uns nun dem ersten Gang.

Das Paprika-Schaumsüppchen.

Suppe
2 gelbe Paprikaschoten
1 Knoblauchzehe, 1 kleine Zwiebel
250 ml  Gemüsebrühe, Schuss Wermut
1 TL Paprika, edelsüß
100 gr Crème fraîche, 4 EL Parmesan, Chirozo

Paprika putzen, waschen und in kleine Stücke schneiden. Knoblauch und Zwiebel schälen, fein würfeln. 1 EL Öl in einem kleinen Topf erhitzen. Paprika, Zwiebeln und Knoblauch unter Wenden 2–3 Minuten anbraten, mit einem Schuss Wermuth löschen, Brühe zugießen und bei mittlerer Hitze 6–8 Minuten garen. Suppe mit einem Pürierstab fein pürieren, dabei Paprikapulver und Crème fraîche zufügen. Für die Hippen Parmesan fein reiben und 4 fingerlange Hippenstreifen auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech bringen. Im Ofen unter der Grillstufe schmelzen lassen, herausnehmen und abkühlen. Chirozo in Stückchen schneiden und knusprig braten.

Hauptgang
Püree
650 g Kartoffeln, 1 Knoblauchzehe, Salz, Pfeffer
1 Zweig Rosmarin, 7 El Olivenöl
1 Zwiebel, Prise Zucker

Das „Junge Gemüse“ Marcel Boll und Tobias Pierk.

Kartoffeln schälen, in grobe Stücke schneiden und mit der gehackten Knoblauchzehe in kochendem Salzwasser 25 Min. garen. Die Nadeln von einem Zweig Rosmarin abstreifen, fein hacken und mit 6 El Öl mischen. Zwiebel halbieren und längs in dünne Streifen schneiden. In einer Pfanne 1 El Öl erhitzen und die Zwiebel mit 1 Prise Zucker bei mittlerer Hitze anbraten. Kartoffeln abgießen, grob stampfen, mit der Zwiebel und Rosmarinöl mischen, salzen und pfeffern.

Gemüse
1 Zwiebel, 1 rote, 1 gelbe Paprika
1 Zucchini, 2 Zweige Thymian
Pfeffer, Salz, geschrotetes Chili, Knoblauch
Zwiebel, rote und gelbe Paprika und Zucchini in Streifen schneiden. Zwiebeln leicht anbraten, danach Paprika dazu geben und bissfest garen sowie die Zucchini und 2 Zweige Thymian für 2-3 Minuten mit braten. Alles mit Pfeffer, Salz, geschrotetem Chili und Knoblauch würzen.

Lammhüfte
1 Hüfte pro Person ca.200 g
Salz, Pfeffer
Fleisch von allen Seiten anbraten. Auf ein Ofengitter geben, würzen und bei 80 Grad auf eine Kerntemperatur von 58 Grad bringen, damit es innen schön rosa wird.

Soße
Bratensatz
Schuss süßer Balsamico, ein Stück kalte Butter
Für die Soße den Bratensatz mit Balsamico ablöschen, abschmecken, reduzieren. Ein Stück kalte Butter unterrühren und nicht mehr kochen lassen!

Wein-Empfehlung
Ausnahmsweise favorisiere ich hier einmal ausschließlich Rotweine. Der starke, kräftige Eigengeschmack von Lamm paart sich mit der aromatischen Paprika, herben, mediterranen Kräutern und einer pikanten Soße.

Rotwein aus Südfrankreich

Eine Rotwein-Cuvée aus Südfrankreich, dem Languedoc-Roussillon, ist mein Favorit mit Aromen von überreifen Früchten wie Pflaume und dunklen Beeren, rauchigen Noten durch den Ausbau im Holz und mediterranen Kräutern. Oder ein Malbec aus Argentinien passt hier und ein australischer Shiraz. Wichtig ist was Geschmeidiges, so wie Elly’s Fleisch aus dem Ofen kommt. Aromatisch, kraftvoll. Keine Tannin-Kreissäge.
Möglich ist auch ein perfekt harmonisierendes Zusammenspiel mit einem Cabernet Sauvignon, dessen an Paprika erinnernde Aromen mit dem Gemüse sehr schön harmoniert. Hier können wirklich viele persönliche Vorlieben ausgespielt werden.

Dessert
2 Eier
1 EL Vanillin-Zucker, 20 g  Zucker
50 ml  Eierlikör, 150 g  Schlagsahne, Erdbeeren, Orangenlikör
Eier trennen. Eigelbe, Vanillin-Zucker und Zucker mit den Schneebesen des Handrührgerätes in einem hohen Rührbecher ca. 5 Minuten weiß cremig aufschlagen.

Beschwipstes Dessert

Eierlikör nach und nach zugießen. Eiweiß und Sahne getrennt steif schlagen. Nacheinander unter die Eigelbmasse heben. Parfaitmasse in 4 kleine Förmchen (ca. 150 ml Inhalt) füllen und mindestens 4 Stunden gefrieren lassen. 2 Erdbeeren waschen und beiseitelegen. Übrige Erdbeeren putzen, waschen, trocken tupfen und in Viertel schneiden, mit dem Likör mischen. Zusammen servieren.

Wein-Empfehlung: Kommt nicht ins Glas! Hier soll nichts von Eierlikör und Orangenlikör ablenken, sie sind eindeutig die Stars.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

Santé, Jean-Luc Picard!

Santé, Jean-Luc Picard! Was der legendäre Captain mit dem Wein des Monats April zu tun hat? Nun, Sina Maria Hempel verpasste keine Folge der neuen Serie „Star Trek: Picard“, die ja auf Château Picard beginnt. Sie würde mit der fiktiven Kultfigur gerne mal ein Glas Wein trinken.
Für ihren ganz persönlichen Liebling im Glas entführt uns die 33-Jährige ebenfalls nach Frankreich, in den Süden des Landes. Die studierte Gesundheitsökonomin und Prüfungsassistentin bei einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Ratingen favorisiert einen kräftigen Weißwein.
Also: „Energie!“

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sina Maria Hempel:
Mein derzeitiger Lieblingswein heißt Domaine Bosquet. Der Weißwein des Winzers Pierre Degroote kommt aus Südfrankreich, genauer gesagt aus dem Languedoc-Roussillon.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Sina Maria Hempel: Das ist eine sehr gute Frage, die ich nicht ganz präzise beantworten kann. Den Wein kenne ich schon sehr lange, da ich neben meinem Studium bei Jacques‘ Wein-Depot gearbeitet habe. Ich selbst habe mich lange Jahre auf kräftige, fassbetonte Rotweine konzentriert, da sie mir eine Zeit lang am besten schmeckten.
Die Weißweine schafften es meist nur zur Verkostung, jedoch selten zu mir nach Hause. Vor etwa vier Jahren hatte ich die Rotweine satt und die Weißweine wurden interessanter. Dabei trat dann vor drei Jahren der Domaine Bosquet hervor und ist seitdem als fester Bestandteil im Weinregal geblieben.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sina Maria Hempel: Ich mag Chardonnay, da er in den meisten Fällen nicht so verspielt und blumig wie andere Rebsorten ist. Auch zeichnet er sich selten durch eine starke Säure aus und eignet sich hervorragend für den Ausbau im Fass. Der Domaine Bosquet war zum Teil eine kurze Zeit im Eichenfass. Ich mag Weißweine gerne fassgereift, da sie sich durch einen kräftigen, herberen Geschmack und eine buttrige Note auszeichnen. Dies ist nicht jedermanns Sache, aber es kommt ja darauf an, seinen eigenen Geschmack zu finden und zu kennen.

Begleitet dich ein Wein, den du magst, dann über längere Zeit? Oder probierst du auch gerne andere Tropfen?
Sina Maria Hempel: Ich probiere gerne andere Tropfen. Allerdings schaffen es nicht viele in mein Weinregal. Meist entdecke ich einen Wein und trinke ihn über längere Zeit mit kleineren Unterbrechungen. Irgendwann überzeugt mich dann ein neuer Wein vollständig.

Weingenuss ist wie ein kleiner Urlaub

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen, die für dich ganz wesentlich sind.
Sina Maria Hempel: …ein Genussmittel, ein Luxus. Er ist wie ein kleiner Urlaub, der Entspannung bringt und mich abschalten lässt.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sina Maria Hempel:
Nach meinem Studium waren eine Freundin und ich drei Wochen in Südafrika. In einem Hostel in Kapstadt erzählten uns andere Reisende, wie toll die Wein-Touren wären. Daraufhin buchten wir diese. Wir hatten beide zum damaligen Zeitpunkt gar keine Berührungspunkte mit Wein und somit auch gar keine Ahnung, was uns erwartet.
Die Weingüter und die Natur waren einfach überwältigend. Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, in einem Weinberg in der Sonne zu sitzen und beim Winzer verschiedene Weine zu probieren. Nach der Tour war mein Interesse am Wein entfacht. Alles was danach kam, war ein Entwicklungsprozess. Bis heute. Der Geschmack entwickelt sich stetig fort und ändert sich im Laufe der Zeit. Ich denke nicht, dass dieser Prozess jemals abgeschlossen sein wird.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Sina Maria Hempel:
Mir ist wichtig, dass mir der Wein schmeckt und weder Sodbrennen noch Kopfschmerzen verursacht. Ich bin da manchmal empfindlich. Der Preis ist bis zu einem gewissen Punkt sekundär.

Geschichten von Jean-Luc Picard

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sina Maria Hempel:
Mit meinem Mann und seinem Bier…

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sina Maria Hempel:
Ich würde gerne ein Glas Wein mit der fiktiven Figur Jean-Luc Picard trinken. Er weiß ein gutes Glas Wein zu schätzen und könnte mir alte Geschichten über die USS Enterprise erzählen.

Foto: Stefanie Schön