Zum Wohl! Santé!

Deutschland – Frankreich oder Mosel – Provence, zum „Alles-Oder-Nichts“- Halbfinale bei der Fußball-EM empfiehlt Weinbegleiter Ruhr wieder einen hiesigen Wein. Für Frankreich kommt die Weinzeche in Essen-Kray auf den Platz.
Beim Heimspiel geht es noch einmal an die Mosel. Weil es dort so schön ist. Und weil dort, in Lieser bei Bernkastel-Kues, das Bio-Weingut Sybille Kuntz liegt. Sie baut ausschließlich Riesling-Weine aus, so auch den 2013er Qualitätswein trocken, eine Cuvée aus vier Weinbergslagen. Der qualitativ hochwertige Einstiegswein des Weinguts (12,5 % Vol. Alkohol) wurde im Edelstahltank ausgebaut und lag bis zum Frühjahr nach der Ernte auf der Feinhefe. Er verwöhnt die Nase mit Aromen, die an Zitrusfrüchte und reifes Steinobst erinnern. Und unverkennbar ist die rauchig-mineralische Note, die nach dem Einschenken  – wow! – sofort präsent ist. Die wunderbar cremig-füllige Textur, die der Säure überhaupt nicht den Rang abläuft,  ist eine schöne Überraschung. Mit diesem Riesling lässt sich’s herrlich schwelgen. Und er macht Lust auf die Prädikatsweine aus dem Hause Kuntz.

Sybille Kuntz bei der Arbeit im Weinberg.

Sybille Kuntz bei der Arbeit im Weinberg.

Unverwechselbarer Wein

Sybille Kuntz betreibt das Weingut mit ihrem Ehemann Markus Kuntz-Riedlin. Sie sagt: „Gemeinsam verfeinerten wir den ganz eigenen Weinstil der Sybille Kuntz Mosel-Rieslinge weiter und versuchten, ihn unverwechselbar und anders als die anderen werden zu lassen. Eben etwas amerikanisch ungezwungen.“
Und nicht nur die Amerikaner lieben ihre Weine. Von namhaften Weinkritikern wie Hugh Johnson und Jancis Robinson hochgelobt und auf den Weinkarten internationaler Spitzenrestaurants präsent, verkauft Sybille Kuntz ihren Wein inzwischen zum größten Teil ins Ausland. Aber natürlich auch in Deutschland.
Von Lieser an der Mosel in die Welt.

Reise in den Süden mit Wein

Werden die französischen Kicker heute Abend rosige Zeiten erleben? Oh là là, diese (natürlich rein rhetorische) Frage steht hier überhaupt nicht zur Debatte. Bei der Wein-Empfehlung  gibt es aber höchst Erfreuliches zu berichten. Claus Hildebrandt von der Weinzeche in Essen-Kray stellt dafür freundlicherweise ein paar Rosés zur Auswahl bereit. So auch den 2015er Hecht & Bannier Rosé Coteaux d‘ Aix-en-Provence, eine Cuvée aus den Rebsorten Cinsault und Grenache (13 % Vol. Alkohol). In der Farbe eher hellrosa verhalten, bereitet er Spaß mit einem Aromenkorb voll reifer roter Sommerfrüchte, die an Kirschen und Beeren erinnern, sowie mit zarten Zitrusnoten. Schöne Frucht, mineralischen Note und angenehme Säure, die den Gaumen umspielt, schüren die Sehnsucht nach einer Reise in den Süden.

Probieren in der Weinzeche.

Probieren in der Weinzeche.

Im Vergleich zum typischen Provence-Stil (sehr trocken, cremiges Mundgefühl, Aromen roter, aber auch exotischer Früchte wie Litschi und Melone, teils hochpreisig) seien die Rosés von  Hecht & Bannier  filigraner in ihrer Art und Weise, so Claus Hildebrandt.

Rosé-Weine immer beliebter

Die Weinzeche hat, so der Weinfachverkäufer, rund 45 Rosé-Weine im Programm, die meisten aus Frankreich und Spanien. Die Zeiten, in denen sie mit Bemerkungen wie „nicht Fisch, nicht Fleisch“ oder „Frauenwein“ belächelt wurden, sind längst vorbei. Spätestens seit dem Rekordsommer 2003, als Deutschland unter einer Hitzewelle stöhnte, begannen Verbraucher, den Rosé zunehmend zu schätzen. „Inzwischen verkaufen wir ihn das ganze Jahr über“, so Hildebrandt. Und er passt zum Beispiel perfekt zu sommerlichen Salaten, hellem Geflügel, Meeresfrüchten, ja sogar zu Gegrilltem, wenn im Glas herzhafte, leichte Bittertöne ins Spiel kommen.

Mal schauen, welche Mannschaft am Ende ihren Sieg in den rosigsten Farben bejubeln wird….

 

Fotos: Weingut Sybille Kuntz, Susanne Storck

Zum Wohl! Salute!

Kurz vor dem Fußball-EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien bringt Weinbegleiter Ruhr Bioweine ins Spiel – und damit auch  Margarete Eckhardt aus Mülheim an der Ruhr. Seit über 20 Jahren vertreibt die Weinhändlerin http://www.dasweinlager.com ausschließlich ausgewählte Bioweine aus europäischen Ländern. Bio heißt, dass im Weinberg „keine synthetischen Dünger oder Spritzmittel und keine Unkrautvernichtungsmittel oder gentechnisch manipulierten Enzyme eingesetzt werden“, so die Fachfrau. Die Winzer arbeiten tatsächlich im Einklang mit der Natur. In einer EU-Verordnung ist seit 2012 der Ausbau im Keller genau geregelt.

Weinhändlerin Margarete Eckhardt ist auf Bioweine spezialisiert.

Laut Deutschem Weininstitut (DWI) http://www.deutscheweine.de haben sich die Anbauflächen im Öko-Weinbau in Deutschland in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. „Schätzungsweise 8000 Hektar Weinberge werden mittlerweile ökologisch bewirtschaftet, das entspricht einem Anteil von rund 8 Prozent der Gesamtrebfläche“, so das DWI.

Bioweine aus der Pfalz

Weinbegleiter Ruhr übergibt die die Spielführung bei der Wein-Empfehlung zum Viertelfinale an Margarete Eckhardt. Sie hat einen 2015er Grauburgunder ausgewählt, einen Gutswein des Winzers Heiner Sauer. Er betreibt ein Weingut in der Pfalz http://www.weingut-sauer.com und gründete 1998 die Bodegas Palmera KG in Spanien. Der Grauburgunder zeichnet sich aus durch einen „weichen Duft mit Noten von Birnen und roten Weinbergpfirsichen, dazu würzig-nussige Töne mit einem Hauch Vanille“, so Margarete Eckhardt. „Im Mund ist er kräftig und dicht mit milder Säure. Er bleibt am Gaumen sehr lange präsent. Das ist ein kräftiger Grauburgunder mit milder Säure und angenehmer Frische.“ Zu diesem Tropfen könnte zum Beispiel Spargel mit Orangenhollandaise und Salzkartoffeln serviert werden.

Bioweine aus dem Piemont

In den Weinbergen von Renate Schütz darf sich die Natur ausbreiten.

In den Weinbergen von Renate Schütz darf sich die Natur ausbreiten.

Passend zum sportlichen Gegner empfiehlt die Weinhändlerin einen Barbera Piemonte DOC. Der Gutswein kommt aus dem nordwestitalienischen Piemont vom Weingut La Luna del Rospo https://www.delinat.com/rospo.html der Winzerin Renate Schütz, die aus Süddeutschland stammt. „Barbera ist eine typische Traube des Piemonts. Aus ihr lassen sich fruchtig, frische Weine für den Alltag, aber auch große Gewächse keltern. Beides erzeugt das kleine biologisch wirtschaftende Weingut La Luna del Rospo. Die Barbera Piemonte 2013, der Alltagswein des Weinguts mit sehr guter Qualität, ist ein fruchtiger, unkomplizierter Speisenbegleiter. Er duftet nach roten Früchten, vor allem Kirsche. Im Mund ist er weich und fruchtig, mit Struktur und Länge. Er passt klassisch zu Pizza, Pasta und Polenta, aber auch zur Brotzeit oder einfach so. Im Sommer kann er auch leicht gekühlt getrunken werden.“

Handel ist ein Knochenjob

Margarete Eckhardt wollte eigentlich nie Handel betreiben. „Meine ganze Familie ist im Handel beschäftigt. Das ist ein Knochenjob“. Sie erinnert sich genau: In ihrer Kindheit klingelte Heiligabend halb acht bei ihren Eltern ein Kunde, der noch unbedingt ein Geschenk brauchte… Aber bei Biowein änderte sie ihre Einstellung: „Das war und ist etwas, wofür man sich einsetzen sollte. Wie überhaupt für die Bio-Landwirtschaft. Damit können wir schädliche Einflüsse auf die Umwelt reduzieren. Denn was viele nicht bedenken: Dünger, Pestizide, alles was wir in die Erde bringen, geht letztendlich ins Grundwasser. Wir zerstören unsere Lebensgrundlage auf diese Art und Weise. Zwar nicht für uns, da wird es noch reichen, aber für die zukünftigen Generationen.“
Margarete Eckhardt sucht die Weingüter, mit denen sie ins Geschäft kommt, ganz gezielt aus. Qualität hat oberste Priorität. Und nur damit will sie Kunden überzeugen und zufriedenstellen. Nicht nur der Wein, auch diese Einstellung ist ein Genuss.

Fotos: Weingut Heiner Sauer, Margarete Eckhardt

Zum Wohl! Na zdravie!

Ein Gewürztraminer vom Kaiserstuhl und ein Sauvignon Blanc aus der Slowakei ziehen bei Weinbegleiter Ruhr ins bevorstehende Achtelfinale der Fußball-EM ein. Die 2015er Gewürztraminer Spätlese vom Weingut Kiefer ist einfach ein Traum im Glas. Winzer Martin Schmidt vom Kaiserstuhl in Baden entlockt der Bukett-Rebsorte deren schönste Seiten. Der Duft von Rosen und Orangen betört die Nase, ein üppiger Körper, viel Schmelz und Rafinesse verführen den Gaumen. Das ist, als ob man in eine kunterbunte Sommerblumenwiese mit Klatschmohn, Margeriten und Kornblumen fallen würde. Dieser Wein passt zum Beispiel zu cremigen und sahnigen Desserts und zu exotisch gewürzten Speisen.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Gärung gestoppt

Der Wein durchlief einen spannenden Reifeprozess. 80 Prozent wurden im Edelstahltank ausgebaut. In der Endphase probierte Martin Schmidt „jeden Tag so lange, bis es passte“, dann stoppte er die Gärung durch Kühlung. Dadurch können sich Genießer über einen lieblichen Tropfen mit 21,9 g/l Restzucker freuen. Die restlichen 20 Prozent gärten im Barrique durch, was dem „ganz modernen Gewürztraminer etwas Biss gibt“, sagt der Winzer.

Mediterranes Klima am Kaiserstuhl

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Martin Schmidt und seine Frau Helen Schmidt sind seit 2008 Besitzer des Weingutes Kiefer in Eichstetten am Kaiserstuhl. Regelmäßig im Gault Millau, Eichelmann und Falstaff empfohlen und prämiert, zählen zu ihrem Angebot natürlich auch herrliche Burgunder-Weine. Dafür ist  Baden bekannt und berühmt. Mit über 1700 Sonnenstunden im Jahr ist das südlichste Anbaugebiet Deutschlands auch das einzige, das zur wärmeren EU-Weinbauzone B zählt. Speziell der Kaiserstuhl ist ein wunderschöner Landstrich zwischen Schwarzwald und Vogesen. Im Sommer herrscht fast mediterranes Klima. Hier sind seltene Tierarten wie die Gottesanbeterin und Smaragdeidechse zuhause und es wachsen 30 Orchideenarten in der freien Natur. Hier lässt es sich anstoßen auf die Lebenslust.

Achtelfinale mit Sauvignon Blanc

Auch der sportliche Gegner Slowakei kann auf eine lange Weinbau-Tradition zurückblicken. Aber Sauvignon Blanc aus der Slowakei? Weinbegleiter Ruhr probierte einen Vertreter des Weingutes Winterberg. Es liegt in Skalica im Westen der Slowakei. Der 2014er Sauvignon ist klassisch trocken, leicht und hat eine recht knackige Säure, die beim ersten Schluck sehr präsent ist. Zunächst eher verhalten, entfalten sich später typische Aromen wie Zitrusfrüchte, Stachelbeere und Cassis. Das ist ein Wein, dem eine zweite Chance gut steht. Sauvignon Blanc ergibt mit Ziegenkäse eine besondere Kombination. Auch Fisch, Gemüse und Meeresfrüchte passen gut.

Elbsegler lieferten den Wein

Beim "Weinsegler" in Meißen.

Beim „Weinsegler“ in Meißen.

Michael Krüger ist der Lieferant dieses Weines. Er betreibt im sächsischen Meißen den „Weinsegler“, einen Weinhandel & Vertrieb, und ist auf Weine  aus Tschechien, der Slowakei, aus Slowenien und Ungarn spezialisiert. Diese Länder produzieren überwiegend Weißweine aus klassischen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder.

Meißen

Die schöne Stadt Meißen ist eine Reise wert.

Einheimische Rebsorten tragen ungewöhnliche Namen wie Devin, Alibernet und Aurelius. Seit 2007 füllt Michael Krüger diese Marktlücke mit geographischer Nähe zu seinen bevorzugten Weinbau-Regionen aus. Der Geschäftsinhaber firmiert unter dem schönen Namen „Weinsegler“ , unter Anlehnung an die „Elbsegler“, erklärt Krüger. „Weine aus Böhmen wurden bis vor 200 Jahren mit dem Schiff auf der Elbe nach Meißen transportiert.“

Fotos: Weingut Kiefer, Weinsegler

Zum Wohl! Sheers! Mit Kartoffelschnaps…

Finale in der Vorrunde: Zum dritten Gruppenspiel der deutschen Fußball-Elf bei der EM empfiehlt Weinbegleiter Ruhr eine 2014er Scheurebe, feinherb, vom Weingut Sinß an der Nahe. Dieser Wein besticht durch eine herrlich exotische Frucht und eine Restsüße, die sich auf ein schönes Zusammenspiel mit der Säure einläßt. Und er ist ein Versprechen für all die warmen Sommertage, die nach dem Dauerregen hoffentlich noch kommen.

Scheurebe von der Nahe

Weinberge an der Nahe.

Weinberge an der Nahe.

Winzer Johannes Sinß mag die „mineralisch-feine Seite“ dieses Tropfens und seine „schöne saftige Süße“. Weinbegleiter Ruhr hatte das Vergnügen, das Weingut und seine Macher in Windesheim im Rahmen eines Sensorik-Seminars des Deutschen Weininstituts (DWI) kennenzulernen. Der Ort liegt im Weinanbaugebiet Nahe, das sich durch eine große Boden-Vielfalt auszeichnet. Über 180 Bodenarten soll es hier geben, oft wechseln sie innerhalb eines Weinbergs, sogar einer Lage mehrfach. Das ist einzigartig in Deutschland.

Ausdrucksstarke „Spontis“

Johannes Sinß, Absolvent der Weinbau-Hochschule Geisenheim, ist auf dem Weingut für die Kellerarbeit zuständig. Mit seinen Eltern arbeitet er Hand in Hand. Dort entstehen herrliche Rieslinge, weiße und rote Burgunder. Die Weine sind in Guts-, Orts- und Lagenweine gegliedert. Das Credo der Familie: „Weil wir bereits im Weinberg mit viel Handarbeit auf perfekte Trauben hinarbeiten, darf im Keller jeder Wein werden, wie er will.“ Das heißt: Johannes Sinß setzt auf Spontangärung mit natürlichen Hefen, die im Weinberg, an den Trauben und im Keller vorkommen. Zwei Drittel seiner Weine sind inzwischen „Spontis“. „Das ist eine Entwicklung, man lernt jedes Jahr dazu“ sagt der Winzer. Im Vergleich zur alkoholischen Gärung mit Reinzuchthefen findet er seine Weine „ausdrucksstärker und ehrlicher“. Und  zwar in dem Sinne, dass sie mehr über ihre Herkunft, die Lage, den Boden aussagen.
Die Sinß-Weine sind einfach spannend, und es macht großen Spaß, sie zu entdecken.

Kartoffelschnaps statt Wein

Nach diesem Heimspiel ist der Rest schnell erzählt. Nicht, weil der EM-Neuling Nordirland nicht gebührend gewürdigt werden soll. Aber: Klimawandel hin, Klimawandel her, in Nordirland gibt es einfach keinen Weinanbau. Das funktioniert dort nicht. Aber, wie eine gebürtige Nordirin zu berichten weiß: Neuerdings sei dort Kartoffelschnaps wieder offiziell zugelassen. Na dann: Cheers!

Zum Wohl! Na zdrowie!

Zum zweiten Vorrunden-Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM stellt Weinbegleiter Ruhr einen 2015er Riesling Alte Reben von der Mosel vor. Winzermeister Peter Göbel vom http://weingut-goebel.de aus Ediger-Eller ist damit ein Wein voller Überraschungen aus der Parade-Rebsorte der Mosel gelungen. Zeigt er sich schon im Glas in einem verheißungsvollen Goldgelb, besticht er in der Nase durch Aromen, die an reife gelbe Früchte wie Birnen und Pfirsiche erinnern. Am Gaumen hält er, was er verspricht – extraktreich, fruchtig, mit schönem Schmelz und einer gut gepufferten Säure. Mit jeder Minute werden die Aromen intensiver. Man möchte hineinkriechen ins Glas – mit der Nase. „Ist der noch trocken?“, fragt ein Freund beim Verkosten. Mit 9 g/l Restzucker und 7,2 g/l Säure gerade noch so.

Riesling aus „Alten Reben“

Die vollreifen Trauben für diesen Wein wurden erst Mitte Oktober im Ediger Elzhofberg gelesen. Das ist Steilstlage mit Terrassen und ohne Weganbindung. Und „Alte Reben“ bedeutet: In diesem Weinberg sind die wurzelechten Stöcke überwiegend 70 bis 80 Jahre alt. Sie belohnen den Knochenjob des Winzers mit einem zwar geringeren, aber alljährlich qualitativ hochwertigem Ertrag. Göbels zweite Steilstlage ist der Valwigger Herrenberg, wo übrigens auch Weinbegleiter Ruhr schon in der Lese, wie ein Hanghuhn stehend, geholfen hat.

„Da hat es klick gemacht“

Peter Göbel ist mit Leib und Seele Winzer in der ältesten Weinregion Deutschlands. Laut Deutschem Weininstitut (DWI) gibt es „nirgendwo auf der Welt mehr Steillagenweinberge“ als hier. „Viele Kollegen aus anderen Regionen würden mit uns nicht tauschen wollen“, sagt Peter Göbel lachend. „Aber niemand hat auch so viel Bindung wie wir hier“, meint der 48-Jährige.

Ediger-Eller im Riesling-Land.

Ediger-Eller an der Mosel.

1999 hat er das kleine Familienweingut seiner Eltern übernommen und bietet mit seiner Frau Jenny außerdem Ferienwohnungen an. An seinem Beruf gezweifelt hat er nie. Ein Schlüsselerlebnis war Mitte der 90er Jahre, erinnert er sich. Da lief er eines Tages allein durch den Calmont, mit über 65 Prozent Hangneigung der steilste Weinberg Europas. Er schaute auf die Mosel und ins weite Land. „Da hat es klick gemacht.“

Ein Ort mit „Stuhlgang“

Wer einmal in Ediger-Eller war, kommt gerne wieder. Der Ort zwischen Cochem und Zell besticht durch lauschige Gassen, wunderschön hergerichtete alte Fachwerkhäuser, gastronomische Gaumenfreuden und nicht zuletzt durch entspannte, lebenslustige Menschen. Gäste können sich davon ein Bild machen zum Beispiel in Glorys Kneipe oder beim alljährlichen „Stuhlgang“ im August. Das hat überhaupt nichts mit dem „großen Geschäft“ zu tun. Jeder bringt Essen und Trinken mit und eben einen Stuhl. Dann wird in den Gassen gefeiert und eine Musikkapelle zieht durchs Dorf. Das gibt’s nur in „Edschara“.

Ein Amerikaner in Polen

Okay, das ist jetzt aus deutscher Sicht schon eine Verlängerung vor dem Anpfiff. Aber auch unser sportlicher Gegner soll gewürdigt werden. Die EU hat 2005 Polen als Weinland anerkannt, jedoch betreiben nur wenige Winzer in großem Stil den Weinanbau und Weinverkauf, dessen Ab und Auf in der Vergangenheit eng mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden war. Der Südwesten des Landes, das ehemalige Schlesien, hat seine Weinbau-Tradition bewahrt und viel Neues aufgebaut. Kein Weg vorbei führt am Weingut Adoria in Zachowice, südlich von Wroclaw/Breslau. Hier macht seit Jahren ein Amerikaner von sich reden.

Adoria-Weine aus Polen.

Adoria-Weine aus Polen.

Mike Whitney beliefert die polnische Spitzengastronomie mit seinen Weinen und räumte bei der International Wine Challenge London 2016 Preise ab. In Kalifornien geboren, schlug er 1995 Wurzeln in Polen. Der Liebe wegen. „Eineinhalb Jahre und 300 verworfene Standorte später“ hat er den richtigen Ort gefunden. In Zachowice ermöglicht das Klima Weinanbau. Hier gedeihen Chardonnay, Pinot Noir, Riesling und Bacchus. Nicht wie von Zauberhand, sondern durch harte Arbeit. Der Amerikaner in Polen hat Witz. In einem Interview für Deutschlandradio Kultur sagte er einmal: „Ein Wunder wäre es, wenn wir hier in Polen Palmen und Olivenbäume anpflanzen könnten. Das wäre wirklich ein Wunder. Aber Riesling, ne, das kriegen wir hin.!“
Fußball auch…?

Fotos: Weingut Göbel, Adoria Vineyards Fotos

Zum Wohl – Будьмо!

Weinbegleiter Ruhr stellt zu jedem Fußball-EM-Vorrunden-Spiel der deutschen Mannschaft einen hiesigen Wein und Weinregionen der Gegner vor.

„Große Familie – starkes Team“: Unter diesem Motto besann sich Johannes Nickel vor einigen Jahren auf die Familientradition. Der gelernte Schreiner entschied sich für seine Leidenschaft, den Wein, machte die Rebflächen der Familie wieder urban, absolvierte eine Ausbildung zum Winzer und zum staatlich geprüften Brenner.

Wein wie aus dem Bilderbuch

Dieser Weg hat sich gelohnt, das kleine, feine Familienweingut http://www.nickel-wein.de im fränkischen Nordheim  kann sich sehen und schmecken lassen. Im Team Nickel hat auch Schwester Karolin Schmitt als Gästeführerin Weinerlebnis Franken einen festen Platz.
Ob Silvaner, Bacchus oder Kerner, das Angebot besticht durch Vielfalt und Sorgfalt beim Ausbau. Der Favorit von Weinbegleiter Ruhr: „Müller Royale“, Jahrgang 2014. Ein Müller-Thurgau wie aus dem Bilderbuch: Aromen von Äpfeln, Birnen und zarten Kräutern steigen in die Nase, vollmundig umspielt er mit feiner Säure den Gaumen. Das ist ein Wein für einen Abend auf der Sommerwiese. Mit dem Namen erinnert Johannes Nickel an die Herkunft der Rebsorte, sie ist eine Kreuzung aus Riesling und Madeleine Royale. Und wo wir schon beim Träumen sind: Der fruchtige Traminer, Jahrgang 2015, erinnert an einen Spaziergang durch einen Rosengarten.

Weinanbau in der Ukraine

Alexander Shyian.

Wein aus der Ukraine.

Wein aus der Ukraine.

Seitenwechsel: Wer kennt ihn nicht, den berühmten Krim-Sekt. Doch seit der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland im Frühjahr 2014 ist es um die internationale Bedeutung des Weinanbaus in der Ukraine nicht gut bestellt, bedauert Alexander Shyian, Vorstandsvorsitzender des Deutsch-Ukrainischen Informations- und Kulturzentrums Düsseldorf.http://www.trend-ukraine.de Der Verein unterstützt die Integration ukrainischer Einwanderer und betreibt Öffentlichkeitsarbeit in Sachen Ukraine.

Weinbau reicht in der Ukraine bis ins 4. Jahrhundert vor Christi zurück, wie Kelteranlagen und Amphoren aus dieser Zeit belegen. Die wichtigsten weißen Rebsorten heißen Rkatsiteli und Aligoté, gefolgt vom roten Cabernet Sauvignon. Das Transkarpaten-Gebiet zählt zu den vier wichtigsten Weinbau-Regionen. Alexander Shyian hofft, dass der ukrainische Weinbau international wieder an Bedeutung gewinnt.

Fußball-EM und Wein – oh là là

Frankreich?! Okay, als Weinland und Gastgeber der Fußball-EM sehr geschätzt. Aber bei der Meisterschaft werden wir am Ende im Schampus baden. (Hoffentlich…) Weinbegleiter Ruhr sieht jetzt schon mal Schwarz-Rot-Gold und hat drei Weingüter aufgestöbert, die zu unseren Nationalfarben passen.

Spezialität Schillerwein

Auf dem Weingut Schwarz in Stuttgart-Untertürkheim setzt man auf Bodenständigkeit im besten Sinne. Und die Heimatverbundenheit der Familie verdeutlicht das Weinsortiment. Hier spielen Trollinger und Lemberger, die neben Schwarzriesling die drei meistangebauten württembergischen Rotweinsorten sind, eine große Rolle. Und wer schon immer mal wissen wollte, wie Schillerwein schmeckt, wird hier auch fündig. Der Rotling, bei dem weiße und rote Trauben gemischt und zusammen gekeltert werden, heißt nur in Württemberg so. Bei den Etiketten der Guts- und Premiumweine spielt das Weingut mit seinem Familiennamen – sie sind schlicht-elegant gestaltet mit schwarzem Hintergrund.

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Ganz Feuer und Flamme. So sieht Fotograf Armin Thiemer die Fußball-EM.

Augen schließen
und genießen

Jetzt sehen wir rot. Mit h am Ende. In Wiesenbronn im unterfränkischen Landkreis Kitzingen ist das Weingut Roth zu finden. Das VDP-Weingut im sechstgrößten der 13 deutschen Weinanbaugebiete hat sich bereits 1974 konsequent dem ökologischen Weinbau verschrieben, als andere noch gar nicht wussten, was das ist. Besondere Weine werden hier im Beton-Ei ausgebaut, das ein Wunderwerk für sich ist. Die Weine trumpfen später mit einer besonderen Mineralik auf, die sie einzigartig macht. Einzigartig ist auch, wie Nicole Roth ihre Einstellung zum Wein und zu ihrer Arbeit in Worte fasst: „Wein ist Genuss, Wein ist Augen-Schließen und sich des Lebens freuen…“ Wer einen Ausflug in diese schöne Gegend plant: Die Familie betreibt in Wiesenbronn das Rothweinhotel.

Arbeit mit den Mondphasen

Und jetzt das Finale mit dem Weingut Gold in Weinstadt-Gundelsbach in der Nähe von Stuttgart. Hier lautet unter biodynamischem Aspekt das Motto: „Feine Weine in kleinen Auflagen.“ Erst im Frühjahr 2015 offiziell gegründet, ist es öffentlich in Fachkreisen schon hoch gelobt worden. Was hier unter anderem spannend ist: Bei den Arbeiten im Weinberg richtet sich Winzer Leon Gold nach den Mondphasen. So wird Wachstum im Weinberg eher bei Vollmond unterstützt, Reife und Qualität bei Neumond. Im urigen historischen Gewölbekeller finden Lesungen und andere Veranstaltungen statt.
Und nun viel Spaß beim Stöbern auf den Seiten meiner EM-Weingüter-Favoriten. Auch noch einen Blick wert: http://www.winzer-euro2016.de