Auf einen Süßwein mit Pelé

Bis zum Süßwein war es ein langer Weg: Arno Lindner (56) mag qualitativ hochwertige Spirituosen, am liebsten Gin und Wodka. Eigentlich. Denn der Essener, von Beruf selbstständiger Rechtlicher Betreuer, lebt mit mir zusammen. Und ausgerechnet mein Liebster mag keinen Wein? Gibt’s doch nicht…
Inzwischen ist Arno sein eigener Süßwein-Experte und empfiehlt seinen Wein des Monats Juli. Er verrät auch, warum er gerne mal mit Fußballgott Pelé ein Gläschen süppeln würde.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Arno Lindner:
Es ist der Riesling Himmelthal, eine Spätlese Jahrgang 2015 vom Weingut Lisa Bunn in Nierstein am Rhein. Das liegt, wie ich von dir weiß, im größten deutschen Weinanbaugebiet Rheinhessen.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Arno Lindner:
Das ist jetzt mein derzeitiger Lieblingswein, vor einiger Zeit war es ein Gewürztraminer. Und vielleicht habe ich in 2 Monaten schon wieder einen ganz anderen Lieblingswein.

Aber was reizt dich an dieser Riesling Spätlese?
Arno Lindner: Der Wein schmeckt mir einfach richtig gut, der ist schön süß (Restzucker: 45 g/l) und hat kräftige, üppige Aromen. Das mag ich bei Wein. Also es muss immer eine gehörige Portion Süße dabei sein.

Sehr zu empfehlen: Weine von Lisa Bunn und ihrem Mann Bastian Strebel. Foto: privat

Warum magst du Süßwein?
Arno Lindner
: Wir zwei haben ja in der Vergangenheit zusammen alles Mögliche ausprobiert. Und da stellte ich irgendwann fest, dass mir süße Weine, Spätlesen und alles was bei Prädikatsweinen noch danach kommt, einfach gut schmecken. Ich würde nie auf die Idee kommen, mir freiwillig einen trockenen Wein einzuschenken.
Bei Rotwein habe ich abgewunken und nur dir zum Gefallen probiert. Mir wird schwummrig, ich werde von Rotwein ganz schnell betrunken, da reicht ein Glas. Und mir wird schlecht. Das bekommt mir einfach nicht.

Und Wein mit ordentlich Restzucker schmeckt dir ja auch zum Gänsebraten…
Arno Lindner…
auf jeden Fall. Die Süße und gleichzeitig Frische des Weines zusammen mit einer schönen, kross gebratenen Gans. Das ist für mich eine tolle Kombination.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen, die für dich ganz wesentlich sind.
Arno Lindner:
Auch wenn es vielleicht abgeschmackt klingt: Wein ist für mich Genuss pur – wie ein Eis oder Bratkartoffeln von Muttern. Und das höchste der Genüsse ist für mich ein Süßwein. Da kann ich tatsächlich schwelgen – in der Süße, der Frucht, dem Bukett.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Arno Lindner:
Tatsächlich die Süße und die Aromen. Herkunft, Etikett, Flaschenform – das ist alles Nebensache. Der Wein muss mir schmecken. Mich interessiert nur der Inhalt.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Arno Lindner:
Mit meinen Freunden in der Stadt, am Hauptbahnhof auf einer Bank.

Ist klar.
Arno Lindner:
Natürlich mit dir. Weil du die Einzige bist, die Verständnis zeigt für meine Neigung zu Süßweinen. Ich kenne einfach fast keine anderen Leute, die gerne Süßwein trinken.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Arno Lindner:
Mit Pelé. Wir könnten dabei über Rot-Weiss Essen reden. Pelé ist ja seit 2005 Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, wie jeder weiß… (grinst). Und bei keinem anderen Verein der Welt!
Er nahm die Ehrenmitgliedschaft mit den Worten an : ‚Es ist für mich eine große Ehre, jetzt dem Verein anzugehören, in dem der Boss spielte.‘ Also Helmut Rahn.
Ich würde mit Pelé über Fußball sprechen und mir von ihm ein paar coole Tricks zeigen lassen.

Weine mit Seele aus Franken

Weine mit Seele. Weine, die authentisch sind und einem nichts vorgaukeln im Glas. So mag es Kerstin Wolf. Und diese Frau versteht etwas von Weingenuss. Die gebürtige Sächsin lebt seit fast 30 Jahren in Franken. Sie ist studierte Bauingenieurin, Chefin ihres eigenen Unternehmens. Und meine beste Freundin. Bei ihrem ganz persönlichen Tipp für den Wein des Monats Mai kommen gleich 2 Weine aus Franken ganz groß raus.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Kerstin Wolf: Zur Zeit sind es zwei Weine, zwischen denen ich mich nicht richtig entscheiden kann. Sie sind vom Familienweingut Johannes Nickel aus Nordheim am Main. Beide sind Jahrgang 2019. Einmal ein Silvaner sowie das so genannte „AllrounderTalent“, das ist ein Müller-Thurgau (Rivaner). Und die sind beide trocken, trocken, trocken…

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diese Weine entdeckt?
Kerstin Wolf:
Ich habe mir vor kurzem was vom Nickel schicken lassen. Im online-shop bietet er ein Genuss-Paket mit 12 Flaschen an, trocken. Bacchus, Kerner, Silvaner Riesling, der Allrounder, einen Rosé und einen Secco. Ich kostete mich durch, da standen teilweise 4 Flaschen im Kühlschrank.

Die Weine von Winzer Johannes Nickel kennst du aber schon länger…
Kerstin Wolf:  …ja, schon seit 2015. Da bin ich mit meiner Schwester von Sommerach nach Nordheim durch die Weinberge gewandert. Es überraschte uns ein Regenschauer. Zum Glück stand eine Art Schutzhütte in den Weinbergen. Wir stellten uns unter – und waren nicht allein. Weitere 8 Erwachsene waren schon da und einer, der Wein ausschenkte. Wir sind also in eine Weinprobe reingeplatzt und uns wurde angeboten, mit zu probieren. Da sagten wir natürlich nicht nein.

Weine mit Seele nach dem Regenschauer

Uns gefielen die Weine sehr, sie waren von besagtem Weingut in Nordheim. Direkt nach dem Regenschauer machten wir uns also auf den Weg dorthin. Auf dem Hof trafen wir dann die Weinproben-Runde wieder, das gab ein großes Hallo. Meine Schwester und ich probierten weitere Wein und deckten uns ein. Und seitdem kaufen wir bei Nickels regelmäßig Wein ein. Wir werden dieses Jahr auch hinfahren, wenn es wieder möglich ist.

Übrigens hat mich Kerstin auch mit den Nickel-Weinen verzaubert. Wir waren 2016 zusammen auf dem Weingut. Die Geschwister Johannes Nickel, der auch eine Edelbrennerei betreibt, und Karolin Schmitt führen das kleine junge Weingut.

Warum sind der Müller-Thurgau und der Silvaner deine Lieblingsweine?
Kerstin Wolf: Der Müller-Thurgau riecht total nach knackigem Apfel. Wie ein noch nicht ganz ausgereifter Korn-Apfel. Wahnsinn. Er ist kräftig und schmeckt richtig gut.
Der Silvaner ist auch Klasse. Der duftet einem total fruchtig aus dem Glas entgegen, ist dabei trocken und schmeckt – ja, wie ein typischer Silvaner.
Wie soll ich es anders sagen? Die Weine sind einfach echt. Deshalb gefallen sie mir so. Richtig schöne Weißweine. Und der Müller-Thurgau hat mich total überrascht, ein schöner, spritziger, trockener Wein, der einfach Spaß macht.

Deine zweite Heimat Franken ist das deutsche Anbaugebiet mit dem größten Silvaner-Anteil an der Gesamtrebfläche. Magst du Weine aus dieser Rebsorte grundsätzlich?
Kerstin Wolf:
Da bin ich eher auf den Nickel bezogen. Wir trinken gerne Silvaner, aber ich bin eher der Riesling-Typ.

Welche Weine trinkst du sonst noch gerne?
Kerstin Wolf:
Italienischen und spanischen Rotwein. Der sollte opulent sein. Und einen guten Prosecco. Und alles trocken, bitte.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Kerstin Wolf:
In der Lehre ging es los mit süßen Weinen (lacht). Das änderte sich dann im Laufe der Jahre. Ich besuchte viele Weinseminare an der Volkshochschule in Bamberg und schmeckte mich dann sozusagen immer mehr in Richtung trocken.
Die Seminare sind eine gute Gelegenheit mitzukriegen, was es überhaupt alles so gibt. Und worauf man achten sollte bei Weinen. Dass zum Beispiel der Preis nicht das Entscheidende ist, sondern der eigene Eindruck: ‚Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht.‘ Und bei diesen Gelegenheiten kann ich eben Weine kosten, die ich mir sonst womöglich ohne vorheriges Probieren niemals kaufen würde. Weil sie sich doch in etwas höherpreisigen Lagen bewegen als das, was ich üblicherweise sonst bezahlen würde.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Kerstin Wolf:
Der Geschmack und der Anlass. Wozu ich diesen Wein genießen möchte. Und da kann es auch mal ein Wein sein, der jenseits der 20 oder 30 Euro liegt. Bei einem besonderen Anlass geht es mir nicht um den Preis, sondern um: Schmeckt er mir oder nicht – und darum, dass der Wein perfekt passt.

Wo kaufst du Weine ein? 
Kerstin Wolf
: In erster Linie in Jacques‘ Wein-Depot. Oder direkt beim Winzer. In Sommerach und Nordheim. Ab und zu auch im Supermarkt. Wenn dort mal ein Wein im Angebot ist und uns die Beschreibung dazu gefällt, dann probieren wir den. Und wenn er gut ist, dann wird er auch gekauft.

Bei welcher Gelegenheit MUSS es ein Glas Wein sein?
Kerstin Wolf:
An einem lauen Sommerabend. Bei einem guten Essen. Und beim gemütlichen Zusammensein mit Freunden.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Kerstin Wolf: Mit meinem Mann, mit meiner Tochter, also mit meiner-Mini-Familie. Ja, und mit Freunden.

Und mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Kerstin Wolf:
Mit der Schauspielerin Hannelore Hoger. Die Frau fasziniert mich mit all ihren Facetten. Ihre Burschikosität. Mich würde interessieren, ob sie wirklich so ist, wie ich sie als Bella Block aus dem Fernsehen kenne. Mir gefällt ihre Art in den Filmen und in ihrem Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“, das ist alles authentisch. Aber ich weiß nicht, ob sie wirklich so ist. Das zu erfahren bei einem Glas Wein, würde mich sehr reizen.

Santé, Jean-Luc Picard!

Santé, Jean-Luc Picard! Was der legendäre Captain mit dem Wein des Monats April zu tun hat? Nun, Sina Maria Hempel verpasste keine Folge der neuen Serie „Star Trek: Picard“, die ja auf Château Picard beginnt. Sie würde mit der fiktiven Kultfigur gerne mal ein Glas Wein trinken.
Für ihren ganz persönlichen Liebling im Glas entführt uns die 33-Jährige ebenfalls nach Frankreich, in den Süden des Landes. Die studierte Gesundheitsökonomin und Prüfungsassistentin bei einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Ratingen favorisiert einen kräftigen Weißwein.
Also: „Energie!“

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sina Maria Hempel:
Mein derzeitiger Lieblingswein heißt Domaine Bosquet. Der Weißwein des Winzers Pierre Degroote kommt aus Südfrankreich, genauer gesagt aus dem Languedoc-Roussillon.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Sina Maria Hempel: Das ist eine sehr gute Frage, die ich nicht ganz präzise beantworten kann. Den Wein kenne ich schon sehr lange, da ich neben meinem Studium bei Jacques‘ Wein-Depot gearbeitet habe. Ich selbst habe mich lange Jahre auf kräftige, fassbetonte Rotweine konzentriert, da sie mir eine Zeit lang am besten schmeckten.
Die Weißweine schafften es meist nur zur Verkostung, jedoch selten zu mir nach Hause. Vor etwa vier Jahren hatte ich die Rotweine satt und die Weißweine wurden interessanter. Dabei trat dann vor drei Jahren der Domaine Bosquet hervor und ist seitdem als fester Bestandteil im Weinregal geblieben.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sina Maria Hempel: Ich mag Chardonnay, da er in den meisten Fällen nicht so verspielt und blumig wie andere Rebsorten ist. Auch zeichnet er sich selten durch eine starke Säure aus und eignet sich hervorragend für den Ausbau im Fass. Der Domaine Bosquet war zum Teil eine kurze Zeit im Eichenfass. Ich mag Weißweine gerne fassgereift, da sie sich durch einen kräftigen, herberen Geschmack und eine buttrige Note auszeichnen. Dies ist nicht jedermanns Sache, aber es kommt ja darauf an, seinen eigenen Geschmack zu finden und zu kennen.

Begleitet dich ein Wein, den du magst, dann über längere Zeit? Oder probierst du auch gerne andere Tropfen?
Sina Maria Hempel: Ich probiere gerne andere Tropfen. Allerdings schaffen es nicht viele in mein Weinregal. Meist entdecke ich einen Wein und trinke ihn über längere Zeit mit kleineren Unterbrechungen. Irgendwann überzeugt mich dann ein neuer Wein vollständig.

Weingenuss ist wie ein kleiner Urlaub

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen, die für dich ganz wesentlich sind.
Sina Maria Hempel: …ein Genussmittel, ein Luxus. Er ist wie ein kleiner Urlaub, der Entspannung bringt und mich abschalten lässt.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sina Maria Hempel:
Nach meinem Studium waren eine Freundin und ich drei Wochen in Südafrika. In einem Hostel in Kapstadt erzählten uns andere Reisende, wie toll die Wein-Touren wären. Daraufhin buchten wir diese. Wir hatten beide zum damaligen Zeitpunkt gar keine Berührungspunkte mit Wein und somit auch gar keine Ahnung, was uns erwartet.
Die Weingüter und die Natur waren einfach überwältigend. Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, in einem Weinberg in der Sonne zu sitzen und beim Winzer verschiedene Weine zu probieren. Nach der Tour war mein Interesse am Wein entfacht. Alles was danach kam, war ein Entwicklungsprozess. Bis heute. Der Geschmack entwickelt sich stetig fort und ändert sich im Laufe der Zeit. Ich denke nicht, dass dieser Prozess jemals abgeschlossen sein wird.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Sina Maria Hempel:
Mir ist wichtig, dass mir der Wein schmeckt und weder Sodbrennen noch Kopfschmerzen verursacht. Ich bin da manchmal empfindlich. Der Preis ist bis zu einem gewissen Punkt sekundär.

Geschichten von Jean-Luc Picard

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sina Maria Hempel:
Mit meinem Mann und seinem Bier…

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sina Maria Hempel:
Ich würde gerne ein Glas Wein mit der fiktiven Figur Jean-Luc Picard trinken. Er weiß ein gutes Glas Wein zu schätzen und könnte mir alte Geschichten über die USS Enterprise erzählen.

Foto: Stefanie Schön

Riesling macht Lust auf Frühling

Lust auf Frühling macht der Riesling, den Niels Ellwanger zu seinem ganz persönlichen „Wein des Monats“ erkoren hat. Der Geschäftsführer der TUSEM Sport- und Marketing GmbH und Vorstand der „conenergy ag“ Essen weiß einen guten Tropfen zu schätzen. Ich als Sponsoring-Partnerin hatte schon das Vergnügen, ihm und seinen Gästen an einem schönen Abend Wein einzuschenken. Niels Ellwanger empfiehlt einen Wein mit witzigem Namen aus Deutschland. Aus einem Weinanbaugebiet, das für Riesling bekannt und berühmt ist. Los geht’s mit dem Schwelgen.

 Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Niels Ellwanger: Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein Riesling aus dem Rheingau, vom VDP-Weingut Fendel, „Fum Allerhinnerschde“.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Niels Ellwanger: Mein Freund Gerhard hat ihn mir zu einem Hähnchenessen mitgebracht. Wir haben ihn mit Genuss getrunken, es war ein sehr, sehr schöner Abend.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Niels Ellwanger: Der Wein hat mir von Beginn an vortrefflich geschmeckt, schon beim ersten Schluck wusste ich, das ist etwas ganz Vortreffliches aus meiner Sicht. Schon am nächsten Tag habe ich mir ein größeres Gebinde davon bestellt. Mich begeistert die Frucht, die mineralische Note, alle Riesling-Fans würden begeistert sein.

Weinprobe mit Weinbegleiter Ruhr bei Niels Ellwanger und Gästen.

Begleitet Sie ein Wein, den Sie mögen, dann über längere Zeit? Oder probieren Sie auch gerne andere Tropfen?
Niels Ellwanger: Ich probiere auch gerne andere Tropfen und ich folge auch gerne den Empfehlungen der Weinbegleiterin Ruhr, von ihr habe ich auch schon Vortreffliches verkostet.
Vielen Dank, das freut mich sehr!
Niels Ellwanger: In der Regel konsumiere ich einen momentanen Lieblingswein überwiegend für einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren, bis er abgelöst wird durch einen anderen.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Niels Ellwanger: Genuss, Entspannung, Freude.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Niels Ellwanger: Das war ein Entwicklungsprozess, der bei Weinen begonnen hat, die ich heute nicht mehr trinken würde.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Niels Ellwanger: Ich probiere sehr viel, trinke gerne Weine der Region, in der ich mich aufhalte. Ich präferiere Weißwein und Rosé. Manches lasse ich auch liegen, einen Chardonnay oder einen Sauvignon Blanc zum Beispiel umgehe ich in der Regel.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Niels Ellwanger: Wein trinke ich am liebsten in Gesellschaft, mit meinen Liebsten und guten Freunden.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Niels Ellwanger: Mit meinen Enkeln später mal, dann würde ich ja noch lange leben…

 

Lust auf eine kleine Auszeit vom Alltag mit Weinprobe? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Wein-Events. Ich freue mich auf Sie!

Ein Rotwein auf die Freundschaft

Ein Rotwein aus Italien ist der Wein des Monats Februar. Indra Hallmann empfiehlt ihn. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen kessen Töchtern in Mülheim an der Ruhr und arbeitet in der Telekommunikations-Branche in der Nähe von Düsseldorf. Klingt nach proppenvollem Terminkalender. Umso wichtiger sind kleine Auszeiten vom Alltag. Auch mit Wein. An einem Mädelsabend hat Indra den roten Italiener für sich entdeckt. Freundinnen und Weingenuss sind bei ihr sowieso ganz dicke.

Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Indra Hallmann: Es ist der 2017er Neropasso* der Familie Biscardo in Venetien (firmiert unter MABIS).

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?
Indra Hallmann: Das war im vergangenen Jahr im Spätsommer. Ich besuchte meine Freundin Andrea. Unsere Männer waren verreist und wir haben uns einen gemütlichen Mädelsabend gemacht. Meine Freundin hat den Wein extra für diesen Anlass ausgewählt. Und ich war begeistert…

Warum ist das dein Lieblingswein?
Indra Hallmann: Der hat einen wunderschönen rauchigen, würzigen Geschmack. Das war mein erster Eindruck. Klar, er ist auch schön fruchtig. Aber das Üppige, Schwere reizt mich bei diesem Wein. Wenn du ihn im Glas schwenkst und er läuft nicht runter wie Wasser, sondern er bildet Schlieren und du meinst, gleich bleibt er am Glas hängen.

Du bist ja passionierte Rotwein-Trinkerin. Haben bei dir auch andere Weine eine Chance?
Indra Hallmann:
Auf jeden Fall, ich probiere gerne etwas Neues aus. Im Sommer trinke ich gerne Weißwein, am liebsten einen Weißburgunder.
Aber Rotwein ist für mich etwas Besonderes. Ich mag einfach das ganz Schwere, rauchig und nach Speck schmeckend. Da steh‘ ich drauf. Australischer Shiraz zählt auch zu meinen Lieblingsweinen.
Rotwein trinke ich ganz gemütlich und mache mir bewusst eine Flasche auf: Wenn der Tag vollbracht ist, die Kinder im Bett sind – dann genieße ich ein Glas. Es können auch zwei sein… (lacht)

Indra Hallmann. Foto: privat

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Indra Hallmann: Grundsätzlich achte ich beim Einkauf von Lebens- und Genussmitteln auf „fairtrade“. Beim Wein ist mir unter anderem wichtig, wo er herkommt und dass er auf Weingütern produziert wird, auf denen die Mitarbeiter vernünftig entlohnt werden.

„Wo liegt preislich beim Weinkauf deine ganz persönliche Grenze?
Indra Hallmann:
Bei einem Wein für den Alltag liegt sie bei maximal 8 bis 10 Euro. Wenn ich mir was richtiges Gutes gönnen will oder es soll etwas Besonderes an Festtagen sein, darf’s bis 20 Euro pro Flasche sein.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Indra Hallmann: Mit meiner Freundin Sandra. Wir kennen uns schon sehr lange, haben gleiche Interessen, es passt einfach alles. Und dazu dann einen schönen Wein. Herrlich. Dann ist es immer Weißwein, weil Sandra nur Weißwein trinkt.
Oder mit meinem Mann. Er trinkt eher sein Bierchen, aber auch gerne einen Wein, wenn ich ‘ne Flasche Rotwein aufmache.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Indra Hallmann: Mit meinem Vater. Er wohnt in Dresden, also sehr weit weg, und ich habe ihn lange nicht gesehen. Da hätte ich Bock drauf. Ich stelle mir das gerade so vor: Ganz spontan, er klingelt an der Haustür mit einer Flasche Wein in der Hand. Rotwein, den mag er auch. Das fände ich cool.

 

* Der Neropasso ist eine Cuvée aus den Rebsorten Corvina, Merlot und Cabernet Sauvignon. Er wird teils im Stahltank, teilweise im großen Holzfass ausgebaut. Das Wesentliche geschieht vor dem Ausbau durch teilweise Anwendung des sogenannten Appassimento-Verfahrens: Ein Teil der Trauben wird vor dem Pressen an der Luft getrocknet. Das macht den Wein später zur wunderbaren aromatischen Wuchtprumme.
Die Valpolicella-Region in Venetien ist berühmt für das Appassimento-Verfahren, das große Weine wie den Amarone della Valpolicella und den süßen Recioto hervorbringt.

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Gänsebraten mit Spezialfüllung zum Fest

Gänsebraten mit Spezialfüllung: Mit diesem Rezept begeistert uns Eventköchin Elly von Elly’s Island im Dezember. „Wein & Speise“ an den Festtagen ist anders als sonst. Die Chefin der Schule für entspanntes Kochen lässt sich in die Karten schauen. „Elly persönlich“ sozusagen. Elly, verheiratet und Mutter von 3 Kindern, verrät uns ihr privates Weihnachtsmenü. Dafür stellt sie sich Heiligabend schon morgens in die Küche. Klingt erst mal nach Stress, ist aber überhaupt keiner, wie Elly betont. Zur Gans gibt’s ihren Lieblingswein.
Hier wird aufgetischt:

Eventköchin Elly.

Weinbegleiter Ruhr: Was kommt Weihnachten bei euch zuhause auf den Tisch?
Elly: Ein klassisches Weihnachtsmenü, das ich immer mit den Kindern zusammen koche. Wir starten mit einer Suppe, die in unserer Familie Sternchensuppe heißt. Das ist eine Rinderkraftbrühe, mit selbst ausgekochten Knochen natürlich. Die Kinder stechen Gemüse in Sternchenform mit einem kleinen Keksausstecher aus, typisches Suppengemüse wie Möhren, Sellerie und Kartoffeln. Manchmal nehmen wir auch Rote Beete, weil das schön aussieht. Und dann kommen kleine Sternchennudeln mit rein sowie klein gewürfeltes Fleisch, aber nicht zu viel, sonst wird die Vorspeise zu üppig.

Kommen wir zum Hauptgang….
Elly: ….eine gefüllte Weihnachtsgans mit Zimtsoße, Spätzle und Rotkohl.

Womit ist der Gänsebraten gefüllt?
Elly: Da sind drin Nüsse, Äpfel, Orangen, Kartoffeln, die ich schon vorher koche, Zwiebeln, ein bisschen ausgelassener Speck und die klein gewürfelte Leber der Gans.

Gekochte Kartoffeln?
Elly: Da hat man automatisch eine Beilage, wenn man das mag. Meine Kinder mögen das nicht, weil die Leber der Gans mit drin ist. Deshalb mache ich für die Kinder Spätzle.
Man füllt eine Gans ja eigentlich nur deshalb, damit sie nicht austrocknet. Wer keine Zeit für eine Füllung hat oder das nicht mag, der kann auch einfach eine dicke Wasserflasche in die Gans stopfen. Hat denselben Effekt wie eine Füllung.

Wo kaufst du die Gans?
Elly: Die kommt aus dem Münsterland von einem Bio-Bauernhof, der das Federvieh an einen Metzger verkauft. Beim Metzger muss man ganz früh, ein halbes Jahr vorher, bestellen. Beim Bio-Bauern ist das keine Massentierhaltung, es gibt nur ein paar Gänse. Und die sind dementsprechend teuer, 4 bis viereinhalb Kilo um die 70 Euro. Aber gut gehalten, nicht gemästet, freilaufend, die kann man sich auch angucken. Ich finde, wer Fleisch isst, sollte sich die Tierhaltung auch mal angucken. Unsere Kinder wissen dann, wo die Gans herkommt und dass sie gut gelebt hat.

Gänsebraten schmurgelt 8 Stunden im Backofen

Wow! Das war der 2018er Gänsebraten.

Wie lange kommt die Gans in den Backofen?
Elly: Ich mach’s mir einfach, deshalb fangen wir auch schon morgens an. Nach dem Befüllen wird die Gans mit Salzwasser und Wildpreiselbeeren eingerieben. Die Flügel werden mit Garn am Körper der Gans festgebunden; wenn sie abstehen, verbrennen sie schnell. Dann noch das grobe Fett entfernen und an den Schenkeln einstechen. Dann geht die 4,5-Kilo-Gans bei 80 Grad für 8 Stunden in den Ofen. Und ich habe nix mehr damit zu tun (lacht). Nach 8 Stunden ist die Gans schön saftig. Dann begieße ich sie und drehe die Temperatur hoch, damit sie eine schöne knusprige Haut bekommt.

Wenn danach noch etwas geht, was gibt’s zum Dessert?
Elly: Zimtparfait, Waldfruchtsorbet und Mousse au Chocolat, damit für jeden was dabei ist.

Alles selbst gemacht?
Elly: Ja, klar!

Doofe Frage…
Welche Getränke reichst du dazu?
Elly: Für unsere Kinder gibt es besonders schöne Gläser, damit sie mit anstoßen können. Ohne Alkohol, versteht sich. Ganz witzig bei unsrem Jüngsten (8): Er mag keine Säfte und andere Fruchtgetränke. Aber Wasser. Je doller es sprudelt, um so besser. Mit einer Zitronen – oder Gurkenscheibe drin, findet er das ganz toll. Die Mädchen (13,16) mögen Ginger Ale oder Limo nach Wunsch, die es so sonst nicht gibt.
Mit meinem Mann stoße ich vor dem Essen mit einem Gläschen Champagner an. Ich habe keine besondere Sorte, die ich bevorzuge. Zum Hauptgang gibt es immer einen schönen Rotwein, da mögen wir einen Südtiroler Lagrein. Der ist kräftig, trocken und hat eine schöne Frucht. Wie mögen den Ausbau im Barrique nicht so. Beim Dessert bleiben wir bei unserem Wein – und fertig.

Du kochst das ganz Jahr über als Profi, privat ist dir offensichtlich der Spaß daran nicht vergangen.
Elly: Ja, das ist für mich Entspannungs-Kochen. Sonntags, wenn Elly’s Island geschlossen ist, sagt mein Mann: ‚Jetzt hast du die Woche über so viel gekocht, komm, lass uns was bestellen.‘ ‚Nee‘, sage ich dann, ‚lass uns einfach nur ein Entspannungs-Kochen machen für uns.‘ Dann bin ich in der Küche, mache Musik an und es gibt ein Glas Wein dazu. Dann koche ich ausgefallen, aber nur für uns. Das genieße ich und das ist Entspannung pur.

Ein Tipp von der Fachfrau: Wie lässt sich Stress bei der Vorbereitung des Weihnachts-Essens vermeiden?
Elly: Man sollte einfach gucken, was man will. Wenn jemand total gerne kocht, so wie ich, der freut sich ja auf so ein besonderes Festmenü. Aber wer das nicht gerne macht, wird das nicht gut finden.
Bei uns zuhause war es zum Beispiel so: Meine Mutter, voll berufstätig, mit drei Kindern, hat immer Kartoffelsalat mit Würstchen gemacht. Das war auch toll. Wir freuten uns darauf, weil es das immer nur Weihnachten gab.
Also jeder sollte für sich entscheiden, ob es aufwändig sein soll oder nicht. Es darf nur nicht in Stress ausarten. Wenn man ein Festmenü haben möchte, aber einem das nur Stress bereiten würde, geht man zu einem guten Caterer, der alles vorbereitet und liefert.

Was wünscht du dir für 2020?
Elly: Dass meine Vorweihnachtszeit mal besinnlich wird. Das ist für mich immer die größte Stress-Zeit. Und ich glaube, das schleppe ich auch so ein bisschen mit nach Hause.
Ich lege meine Kurse und Events so, dass der 20.12. mein letzter Arbeitstag ist. Und dann fängt am 21.12., mein Geburtstag, Weihnachten an und ich kann alles zur Ruhe bringen.
Ich würde die Adventszeit gerne mal entspannter hinkriegen. Aber ich glaube, das geht nicht… (lacht)

 

Ob Gänsebraten & Lagrein oder andere Köstlichkeiten: Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Wein-Empfehlungen. Ich freue mich!

Den Korken ziehen – und lächeln!

Den Korken ziehen – und sich dann auf das Überraschungspaket aus der Flasche freuen. Das ist die Passion von Ornett Ragoschat. Diese Leidenschaft lebt die IHK-geprüfte Sommelière seit Ende 2016 als „Die Korkenzieherin“ im eigenen, gleichnamigen Weinfachgeschäft im Herzen von Erfurt. Die gebürtige Thüringerin stellt ihren „Wein des Monats“ Dezember vor. Lassen wir uns von ihrer Begeisterung für Wein und von ihrem Wortwitz verzaubern. Und von ihrer Gabe, Gerüche in Worte und Bilder zu fassen, die jeder Mensch versteht.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Ornett Ragoschat: 
Das ist der Riesling „7 Terroirs“ von Gut Hermannsberg von der Nahe.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Ornett Ragoschat: 
Das ist kurios. Viele Winzer, die unverwechselbar und auch teilweise sehr bekannt sind, kamen bisher zu mir in den Weinladen. Ich habe das große Glück, dass alle coolen Leute selber mal hier waren oder es kamen Empfehlungen über 3 Ecken. Die lassen Probeflaschen da und wir reden kurz über die Weine. Da muss natürlich der Funke überspringen und eine Sympathie da sein.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Ornett Ragoschat:
Das Spannende bei Gut Hermannsberg war für mich: Ich hatte Riesling von der Nahe bis dato noch nicht probiert. Das hat mich interessiert. Noch dazu von einem  VDP-Weingut. Bei diesem Wein sind sieben Große Lage(n) in einer Flasche vereint. Und: Ich mag sehr mineralische Weine. Dieser Riesling kommt frisch und forsch daher. Er bietet ganz viel zum Nachdenken. Der langweilt dich nicht, ist aktiv. Er ist was Besonderes im Mund.

Weinfachgeschäft „Die Korkenzieherin“.

Du bist „Die Korkenzieherin“. Aus welchen Flaschen ziehst du die Korken? Wie setzt sich dein Sortiment zusammen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich ein bisschen nach mir. Ich möchte immer wieder neue Weine kennenlernen. Obwohl ich bestimmt 5 Lieblinge habe, die im Sortiment bleiben. Die laufen gut. Aber ansonsten sorge ich für Bewegung im Weinregal. Und damit auch im Gehirn und im Anspruch an mich selbst.
Zur Hälfte sind meine Weine aus Deutschland, wir leben ja schließlich hier. Ich habe selten die neue Welt im Sortiment, sonst neben Deutschland die klassischen Weinländer Italien, Spanien, Portugal, Österreich, Frankreich.

Was hält „Die Korkenzieherin“ von Schraubverschlüssen?
Ornett Ragoschat: Das sehe ich ganz pragmatisch, das ist eine saubere Angelegenheit. Das Gefühl für den Wein und das ganze Drumherum geht zwar mit dem Schraubi ein bisschen flöten. Und wenn jemand einen Rotwein mit Schraubverschluss wünscht, gucke ich auch erst mal. Aber für knackig frische und belebende Weißweine ist das eine tolle Sache.

Auf deiner Internetseite wirbst du für „Beratung ohne großes Tamtam“? Was heißt das konkret?
Ornett Ragoschat:
Das hat mal jemand über mich in einer positiven Kritik bei Google geschrieben: ‚Die Korkenzieherin von der Langen Brücke, cooler Laden, ohne großes Tamtam , ohne Chichi.‘ Das fand ich cool. Denn genauso ist es auch. Ich will nicht mit tiefsinnigem Fachwissen punkten, sondern ich hole die Leute ab, wenn sie in den Weinladen kommen. Ich lasse mich darauf ein: Haben sie Zeit oder nicht? Sind sie fordernd? Sind sie zurückhaltend? Steht da ein Anfänger vor mir? Oder ist es ein Profi, son Möchtegern-Profi, weißte. Oder, oder, oder… Da gucke ich, stelle ein, zwei Fragen, und dann wird man sich schnell einig. Aber mehr so auf der persönlichen Ebene. Ich brauche schon ein, zwei Inspirationen. Man muss sein Wissen auch nicht einfach so rausschleudern. Damit muss man mit Bedacht umgehen. 

„Wein ist für mich ….“ – Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen!
Ornett Ragoschat:
Eine Kostprobe von zuvor erworbenen Gerüchen in meiner Nase.

Immer der Nase nach – bist du so auf den Wein gekommen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich kommt man nur dazu, wenn man gerne riecht. Ich rieche total gerne, egal an was. Und ich verbinde mit Gerüchen auch viel Vergangenheit. Vielleicht schwelge ich so gerne in der Vergangenheit, weil alles so schön war. Bei Gerüchen bleiben ja nur die positiven Sachen im Gedächtnis. Schon als Kind zogen mich Gerüche an: Bei Oma roch’s immer ein bisschen nach feuchtem Schimmel, kombiniert mit Bäuerlichkeit. Und das Bett war ein bisschen klamm, aber dafür hattest du einen geilen Weichspüler. Oder wenn meine Mutter das Bett frisch bezogen hatte, dann habe ich mich da reingeschmust.

„Das riecht brackig mit ein bisschen Algen dran, wie an der Ostsee“

Aber du kannst Gerüche nur wiedererkennen, wenn du wirklich mal daran gerochen hast. Wenn du keine Lust dazu hast oder du bist ein empfindlicher Heini, dann wird das nichts. Wenn du alle Eindrücke kombinieren kannst und du hast Emotionen dabei, wenn du riechst, dann ist das ein super Beruf. Das habe ich für mich beim Wein entdeckt. Habe daran gerochen und dachte zum Beispiel: ‚Das riecht nach irgendwas Gebrauchtem. Oder nach Glühweingewürz. Oder nach was Brackigem mit ein bisschen Algen dran wie an der Ostsee.‘ Da kann man sich richtig lange aufhalten.

Hast du einen Lieblingsgeruch?
Ornett Ragoschat: Hm…. Frisches Gras mag ich, so ein bisschen mit Heu. Obwohl ich Heuschnupfen habe. Aber ich weiß, wie das früher immer so war im Heuschober: Frisches Heu, ein bisschen getrocknete Blüten mit drin. Oder wenn es geregnet hat, über einen Rasen laufen, mit so hohem Gras, das quietscht wenn man es zwischen die Daumen hält und reinpustet. Wenn man da durchläuft, das ist ein cooler Geruch.

Ornett Ragoschat und Stuart Pigott. Foto: privat

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Ornett Ragoschat:
Mit Menschen, die Zeit haben. Und die lächeln, wenn ein Wein geöffnet wird. Und genauso gespannt sind wie ich, was sich in der Flasche verbirgt. Das ist jedes Mal aufs Neue ein Überraschungspaket.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Ornett Ragoschat:
Stuart Pigott, er war ja mein Dozent an der Deutschen Wein- und Sommelierschule Berlin. Den habe ich auch bei der Weinverkostung von Gut Hermannsberg wiedergetroffen. (Wo der famose Weinkenner, Autor, Journalist seit März 2019 als „Riesling Ambassador“ tätig ist.) Aber einen Wein getrunken habe ich mit ihm noch nicht. Das könnte ich mir gut vorstellen. Cooler Typ. Enormes Wissen und viel Erfahrung, der kann das von der Pike auf. Der weiß viel zu erzählen.

Was wünscht du dir für 2020?
Ornett Ragoschat:
Ich wünsche mir jemanden wie mich, der hier als unterstützender Pol mit reinkommt. So ein Inspirations-Faktor. Dass mir jemand über den Weg läuft, der so tickt wie ich. Und dass wir uns dann zusammen im Weinfachgeschäft schön austoben können.

Fotos (3): Andreas Pöcking

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Spätsommer im Glas – beim Wein des Monats

Spätsommer im Glas – dafür steht der Wein des Monats September. Die Essenerin Nicole Krausch gibt die Empfehlung.

Nicole hat spannende Hobbys: In ihrem Garten wachsen Rebstöcke. Außerdem züchtet sie dort erfolgreich Federvieh und entzückt ihre Mitmenschen mit Eiern von glücklichen Hühnern.

Auch mit ihrem Wein-Tipp verbreitet sie Frohsinn: Nicole, Mitarbeiterin im Vertriebs- und Servicecenter der Deutschen Bank, nimmt uns mit auf die berühmte Bodega Miguel Torres im spanischen Katalonien. Ein berühmter Weißwein von dort hat es ihr besonders angetan. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Schluck… Hier die Empfehlung von Nicole Krausch:

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein?
Nicole Krausch: Das ist der Weißwein Viña Sol, ein waschechter Spanier.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du den Wein entdeckt?
Nicole Krausch: Ich habe ihn früher schon hin und wieder gekauft. Aber so richtig auf den Geschmack gekommen bin ich erst im vergangenen Jahr bei einem privaten Sommerfest. Da wurde mir bewusst, wie gut er mir schmeckt.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Nicole Krausch: Der hat was Spritziges und Frisches. Er ist leicht, erfrischend, hat nicht zu viel Säure und ist damit für mich sehr verträglich. Außerdem ist er ein idealer Essensbegleiter, der zu vielen Speisen passt – zu Fisch und Hähnchen beispielsweise. Auch jetzt im Spätsommer ist er der perfekte Wein für mich.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Nicole Krausch: Durch meinen Ex-Mann, ein echter Wein-Fanatiker mit eigenem Weinkeller und sehr guten Tropfen. Das hat mich geprägt.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl?
Nicole Krausch: Er muss mir schmecken. Punkt. (lacht) Und wichtig ist mir das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich finde, für 7 bis etwa 12 Euro bekommt man schon echt gute Weine. Das muss jetzt also keine Flasche für 50, 60 Euro sein, das Besondere daran würde ich als Laie wahrscheinlich gar nicht herausschmecken.

Was ist dir sonst noch wichtig beim Weingenuss?
Nicole Krausch: Ich habe natürlich meine Favoriten. Rotweine mag ich ausschließlich trocken und möglichst im Barrique ausgebaut. Und wenn ich mir was richtig Gutes gönne, darf’s auch einmal ein Châteauneuf-du-Pape sein.

Bist du dann eher ein stiller Genießer oder zerlegst du den Wein mit ausschweifenden Kommentaren in seine Einzelteile?
Nicole Krausch: Ich mache da kein großes Geschiss drum. Er muss mir einfach schmecken.

Wo kaufst du bevorzugt Wein, nicht nur im Spätsommer?
Nicole Krausch: Im Supermarkt, bei Edeka zum Beispiel. Und inzwischen habe ich in Mülheim-Speldorf einen Rewe mit sehr guter Weinauswahl entdeckt.

Hast du beim Weinkauf schon mal einen richtigen Fehlgriff gemacht?
Nicole Krausch: Ja.

Was passiert dann?
Nicole Krausch: Ich schütte ihn weg oder schaue, ob ich den Wein eventuell noch für eine Sauce verwenden kann. Aber grundsätzlich verwende ich zum Kochen keinen billigen Wein. Den Wein, den ich abends trinke, verwende ich vorher auch zum Kochen. Denn auch eine Sauce lebt ja bekanntlich von den Zutaten.

Mit wem trinkst du am liebsten Wein zusammen?
Nicole Krausch: Mit Freunden. Sehr gerne dann im Sommer bei mir im Garten.

Mit wem würdest du gerne einmal ein Glas Wein trinken?
Nicole Krausch: Mit George Clooney. Der ist ja doch schon ein Frauenschwarm….

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Spaß mit Riesling im Glas

Ein guter Riesling zählt zu den Weinen, bei denen Wolfgang Weber ins Schwärmen kommt. Gutes Essen und einen guten Tropfen weiß der langjährige SPD-Ratsherr aus Essen zu schätzen. Der nicht nur in seinem Stadtteil Essen-Altendorf engagierte Mann greift beim Weißwein auschließlich zu Tropfen aus dem eigenen Land. Sehr sympathisch! Für seinen Wein des Monats hat er einen Riesling aus der Pfalz gewählt.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Wolfgang Weber:
Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein Riesling Kallstadter Saumagen von 2018 vom Weingut Petri aus Herxheim am Berg in der Pfalz.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Wolfgang Weber:
Wir sind seit über 25 Jahren Kunden dieses tollen Weingutes und bestellen regelmäßig verschiedene Weine und fahren einmal im Jahr persönlich dorthin.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Wolfgang Weber:
Es ist ein schöner, leichter Sommerwein mit nur 12,5 % Alkohol, der für mich einen sehr ausgewogenen Eindruck macht.

Wolfgang Weber (r.) war auch schon bei einer Bootstour mit Wein auf dem Baldeneysee an Bord.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Wolfgang Weber: Vor über 40 Jahren haben wir die neue deutsche Küche entdeckt und waren in vielen Lokalen in der Republik essen. Da habe ich schnell gemerkt, dass Bier nicht der ideale Begleiter zu den Küchen-Highlights ist und begonnen, mich für Wein zu interessieren.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Wolfgang Weber: Ich achte auf das Preis-/Leistungsverhältnis. Bei Weißweinen kaufe ich ausschließlich deutsche Weine, die mittlerweile in allen Weinregionen sehr gut sind. Bei Rotweinen sind mir die wirklich sehr guten Deutschen einfach zu teuer, da darf’s auch ein Italiener oder Spanier sein!

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Wolfgang Weber: Natürlich mit meiner Frau und mit der Familie und guten Freunden.

Und mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken?
Wolfgang Weber: Mit Udo Lindenberg.

Warum ausgerechnet mit ihm?
Wolfgang Weber: Weil ich den einfach geil finde. Wir haben auch 2 Bilder von Udo Lindenberg zuhause hängen.

Wein des Monats Juli mit perlendem Glück

Beim Wein des Monats Juli kommt eine Expertin fürs Glück zu Wort: Birgit Pollok. In ihrem zweiten Café „Pollok neues Glück“ an der Wallstraße in Duisburg zaubert sie süße und deftige hausgemachte Köstlichkeiten wie Zimtschnecken und Zitronen-Baiser, Linsencurry mit Mango und Spinatquiche. Mein Favorit ist das Chili con Carne mit frischem Koriander. Herrliche Kombination! Birgits Café ist ein Ort zum Klönen, Feiern, Tanzen, Abschalten, Verschnaufen  – und natürlich zum Genießen. Für ihren Wein-Tipp hat sie einen perlenden Begleiter durch den Sommer aus Spanien ausgesucht. Olé!

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein?
Birgit Pollok: Ich bin immer auf der Suche nach neuen Weinen und biete meinen Gästen gerne mal einen leichten Sommerwein an. Jetzt habe ich einen sehr schönen entdeckt. Das Interessante: Es ist ein spanischer Weißwein, der leicht moussiert. Ein Frizzante. Er heißt „Ahoy“. Das ist wunderbar. Wenn es warm ist, prickelt es so schön leicht beim Trinken.

Was gefällt dir besonders an diesem Wein?
Birgit Pollok: Tatsächlich ist mir zuerst das Etikett aufgefallen. Okay, das ist nur das Äußere, aber es sieht nun mal toll aus. Es ist ein alter Seemann abgebildet. Ich dachte: ‚Was ist das denn? Nehm‘ ich mal mit…‘ Gut gekühlt, habe ich ihn dann zuhause probiert. Und ich finde: Das ist ein leichter, ganz unaufdringlicher Wein. Den kann man eigentlich zu allen Gelegenheiten trinken.

Ganz happy: Birgit Pollok.

Wo hast du diesen Wein entdeckt?
Birgit Pollok: Ich kaufe regelmäßig für mein Café ein und bin oft bei Jacques‘ Weindepot. Ich finde, dort gibt es Weine, die mir vom Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich total entgegenkommen. Dort habe ich auch dieses Pumpsystem entdeckt – eine Weinpumpe, mit der Luft aus der angebrochenen Weinflasche entfernt wird, wodurch ein Vakuum entsteht und  man die Flasche luftdicht verschließen kann. Find‘ ich super.

Noch mal zurück zum Etikett: Spielt es bei deiner Kaufentscheidung eine große Rolle?
Birgit Pollok: Tatsächlich ja.

Ich kenne viele Menschen, für die das Etikett wichtig ist…
Birgit Pollok: …kann ich mir vorstellen. Es gibt auch immer abgefahrenere Sachen. Das turnt mich an…
Der Wein muss natürlich auch schmecken.

Also die Aufmachung der Flasche darf nicht vom – vielleicht eher mäßigen – Inhalt ablenken?
Birgit Pollok: Genau! Der Wein muss mich schon auch überzeugen.

Hattest du dabei bis jetzt ein gutes Händchen?
Birgit Pollok: Ja, eigentlich schon.

Probierst du gerne neue Weine aus?
Birgit Pollok: Ja, absolut. Zum Beispiel hatte ich mal eine Riesling-Phase, und dann kommt irgendwann wieder was anderes. Wobei ich auch total froh bin, wenn ich gerade mal nicht so entscheidungsfreudig bin, und eine Sorte habe, bei der ich weiß: Der geht immer. Da bin ich auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

„Genießen hat immer etwas mit Glück zu tun“

Wie bist du auf den Wein gekommen?
Birgit Pollok: Also ich trinke eigentlich schon immer gerne Wein. Ich esse gerne und ich trinke gerne zu meinem Essen einen schönen Wein, der dazu passt.

Dein Café heißt Pollok neues Glück. Hat Wein für dich etwas mit Glück zu tun?
Birgit Pollok: Ach, für mich hat Genießen immer etwas mit Glück zu tun. Also, wenn ich genießen kann, bin ich auch glücklich. Oder genießen macht mich glücklich. Oder ich genieße, wenn ich glücklich bin. (Lacht….) Dann besonders gerne. Gutes Essen und gute Getränke, gute Weine, gehören für mich auf jeden Fall zum angenehmen, genussreichen Leben.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein?
Birgit Pollok: Tatsächlich kann ich das gar nicht so gut mit meinem Freund. Der trinkt keinen Alkohol. Oder ganz selten mal.Und dann trinkt er mal ein Bier.
Hm, mit wem? Also eigentlich mit meinen Freundinnen. In Gesellschaft. Und, wenn ich esse gehe. Dann trinke ich den auch allein.

Und mit wem würdest du gerne mal einen Wein trinken?
Birgit Pollok: Mit Pina Bausch, aber die lebt ja leider nicht mehr. Die hat, glaube ich, auch sehr genussreich leben können.