Ein Rotwein auf die Freundschaft

Ein Rotwein aus Italien ist der Wein des Monats Februar. Indra Hallmann empfiehlt ihn. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen kessen Töchtern in Mülheim an der Ruhr und arbeitet in der Telekommunikations-Branche in der Nähe von Düsseldorf. Klingt nach proppenvollem Terminkalender. Umso wichtiger sind kleine Auszeiten vom Alltag. Auch mit Wein. An einem Mädelsabend hat Indra den roten Italiener für sich entdeckt. Freundinnen und Weingenuss sind bei ihr sowieso ganz dicke.

Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Indra Hallmann: Es ist der 2017er Neropasso* der Familie Biscardo in Venetien (firmiert unter MABIS).

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?
Indra Hallmann: Das war im vergangenen Jahr im Spätsommer. Ich besuchte meine Freundin Andrea. Unsere Männer waren verreist und wir haben uns einen gemütlichen Mädelsabend gemacht. Meine Freundin hat den Wein extra für diesen Anlass ausgewählt. Und ich war begeistert…

Warum ist das dein Lieblingswein?
Indra Hallmann: Der hat einen wunderschönen rauchigen, würzigen Geschmack. Das war mein erster Eindruck. Klar, er ist auch schön fruchtig. Aber das Üppige, Schwere reizt mich bei diesem Wein. Wenn du ihn im Glas schwenkst und er läuft nicht runter wie Wasser, sondern er bildet Schlieren und du meinst, gleich bleibt er am Glas hängen.

Du bist ja passionierte Rotwein-Trinkerin. Haben bei dir auch andere Weine eine Chance?
Indra Hallmann:
Auf jeden Fall, ich probiere gerne etwas Neues aus. Im Sommer trinke ich gerne Weißwein, am liebsten einen Weißburgunder.
Aber Rotwein ist für mich etwas Besonderes. Ich mag einfach das ganz Schwere, rauchig und nach Speck schmeckend. Da steh‘ ich drauf. Australischer Shiraz zählt auch zu meinen Lieblingsweinen.
Rotwein trinke ich ganz gemütlich und mache mir bewusst eine Flasche auf: Wenn der Tag vollbracht ist, die Kinder im Bett sind – dann genieße ich ein Glas. Es können auch zwei sein… (lacht)

Indra Hallmann. Foto: privat

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Indra Hallmann: Grundsätzlich achte ich beim Einkauf von Lebens- und Genussmitteln auf „fairtrade“. Beim Wein ist mir unter anderem wichtig, wo er herkommt und dass er auf Weingütern produziert wird, auf denen die Mitarbeiter vernünftig entlohnt werden.

„Wo liegt preislich beim Weinkauf deine ganz persönliche Grenze?
Indra Hallmann:
Bei einem Wein für den Alltag liegt sie bei maximal 8 bis 10 Euro. Wenn ich mir was richtiges Gutes gönnen will oder es soll etwas Besonderes an Festtagen sein, darf’s bis 20 Euro pro Flasche sein.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Indra Hallmann: Mit meiner Freundin Sandra. Wir kennen uns schon sehr lange, haben gleiche Interessen, es passt einfach alles. Und dazu dann einen schönen Wein. Herrlich. Dann ist es immer Weißwein, weil Sandra nur Weißwein trinkt.
Oder mit meinem Mann. Er trinkt eher sein Bierchen, aber auch gerne einen Wein, wenn ich ‘ne Flasche Rotwein aufmache.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Indra Hallmann: Mit meinem Vater. Er wohnt in Dresden, also sehr weit weg, und ich habe ihn lange nicht gesehen. Da hätte ich Bock drauf. Ich stelle mir das gerade so vor: Ganz spontan, er klingelt an der Haustür mit einer Flasche Wein in der Hand. Rotwein, den mag er auch. Das fände ich cool.

 

* Der Neropasso ist eine Cuvée aus den Rebsorten Corvina, Merlot und Cabernet Sauvignon. Er wird teils im Stahltank, teilweise im großen Holzfass ausgebaut. Das Wesentliche geschieht vor dem Ausbau durch teilweise Anwendung des sogenannten Appassimento-Verfahrens: Ein Teil der Trauben wird vor dem Pressen an der Luft getrocknet. Das macht den Wein später zur wunderbaren aromatischen Wuchtprumme.
Die Valpolicella-Region in Venetien ist berühmt für das Appassimento-Verfahren, das große Weine wie den Amarone della Valpolicella und den süßen Recioto hervorbringt.

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Gänsebraten mit Spezialfüllung zum Fest

Gänsebraten mit Spezialfüllung: Mit diesem Rezept begeistert uns Eventköchin Elly von Elly’s Island im Dezember. „Wein & Speise“ an den Festtagen ist anders als sonst. Die Chefin der Schule für entspanntes Kochen lässt sich in die Karten schauen. „Elly persönlich“ sozusagen. Elly, verheiratet und Mutter von 3 Kindern, verrät uns ihr privates Weihnachtsmenü. Dafür stellt sie sich Heiligabend schon morgens in die Küche. Klingt erst mal nach Stress, ist aber überhaupt keiner, wie Elly betont. Zur Gans gibt’s ihren Lieblingswein.
Hier wird aufgetischt:

Eventköchin Elly.

Weinbegleiter Ruhr: Was kommt Weihnachten bei euch zuhause auf den Tisch?
Elly: Ein klassisches Weihnachtsmenü, das ich immer mit den Kindern zusammen koche. Wir starten mit einer Suppe, die in unserer Familie Sternchensuppe heißt. Das ist eine Rinderkraftbrühe, mit selbst ausgekochten Knochen natürlich. Die Kinder stechen Gemüse in Sternchenform mit einem kleinen Keksausstecher aus, typisches Suppengemüse wie Möhren, Sellerie und Kartoffeln. Manchmal nehmen wir auch Rote Beete, weil das schön aussieht. Und dann kommen kleine Sternchennudeln mit rein sowie klein gewürfeltes Fleisch, aber nicht zu viel, sonst wird die Vorspeise zu üppig.

Kommen wir zum Hauptgang….
Elly: ….eine gefüllte Weihnachtsgans mit Zimtsoße, Spätzle und Rotkohl.

Womit ist der Gänsebraten gefüllt?
Elly: Da sind drin Nüsse, Äpfel, Orangen, Kartoffeln, die ich schon vorher koche, Zwiebeln, ein bisschen ausgelassener Speck und die klein gewürfelte Leber der Gans.

Gekochte Kartoffeln?
Elly: Da hat man automatisch eine Beilage, wenn man das mag. Meine Kinder mögen das nicht, weil die Leber der Gans mit drin ist. Deshalb mache ich für die Kinder Spätzle.
Man füllt eine Gans ja eigentlich nur deshalb, damit sie nicht austrocknet. Wer keine Zeit für eine Füllung hat oder das nicht mag, der kann auch einfach eine dicke Wasserflasche in die Gans stopfen. Hat denselben Effekt wie eine Füllung.

Wo kaufst du die Gans?
Elly: Die kommt aus dem Münsterland von einem Bio-Bauernhof, der das Federvieh an einen Metzger verkauft. Beim Metzger muss man ganz früh, ein halbes Jahr vorher, bestellen. Beim Bio-Bauern ist das keine Massentierhaltung, es gibt nur ein paar Gänse. Und die sind dementsprechend teuer, 4 bis viereinhalb Kilo um die 70 Euro. Aber gut gehalten, nicht gemästet, freilaufend, die kann man sich auch angucken. Ich finde, wer Fleisch isst, sollte sich die Tierhaltung auch mal angucken. Unsere Kinder wissen dann, wo die Gans herkommt und dass sie gut gelebt hat.

Gänsebraten schmurgelt 8 Stunden im Backofen

Wow! Das war der 2018er Gänsebraten.

Wie lange kommt die Gans in den Backofen?
Elly: Ich mach’s mir einfach, deshalb fangen wir auch schon morgens an. Nach dem Befüllen wird die Gans mit Salzwasser und Wildpreiselbeeren eingerieben. Die Flügel werden mit Garn am Körper der Gans festgebunden; wenn sie abstehen, verbrennen sie schnell. Dann noch das grobe Fett entfernen und an den Schenkeln einstechen. Dann geht die 4,5-Kilo-Gans bei 80 Grad für 8 Stunden in den Ofen. Und ich habe nix mehr damit zu tun (lacht). Nach 8 Stunden ist die Gans schön saftig. Dann begieße ich sie und drehe die Temperatur hoch, damit sie eine schöne knusprige Haut bekommt.

Wenn danach noch etwas geht, was gibt’s zum Dessert?
Elly: Zimtparfait, Waldfruchtsorbet und Mousse au Chocolat, damit für jeden was dabei ist.

Alles selbst gemacht?
Elly: Ja, klar!

Doofe Frage…
Welche Getränke reichst du dazu?
Elly: Für unsere Kinder gibt es besonders schöne Gläser, damit sie mit anstoßen können. Ohne Alkohol, versteht sich. Ganz witzig bei unsrem Jüngsten (8): Er mag keine Säfte und andere Fruchtgetränke. Aber Wasser. Je doller es sprudelt, um so besser. Mit einer Zitronen – oder Gurkenscheibe drin, findet er das ganz toll. Die Mädchen (13,16) mögen Ginger Ale oder Limo nach Wunsch, die es so sonst nicht gibt.
Mit meinem Mann stoße ich vor dem Essen mit einem Gläschen Champagner an. Ich habe keine besondere Sorte, die ich bevorzuge. Zum Hauptgang gibt es immer einen schönen Rotwein, da mögen wir einen Südtiroler Lagrein. Der ist kräftig, trocken und hat eine schöne Frucht. Wie mögen den Ausbau im Barrique nicht so. Beim Dessert bleiben wir bei unserem Wein – und fertig.

Du kochst das ganz Jahr über als Profi, privat ist dir offensichtlich der Spaß daran nicht vergangen.
Elly: Ja, das ist für mich Entspannungs-Kochen. Sonntags, wenn Elly’s Island geschlossen ist, sagt mein Mann: ‚Jetzt hast du die Woche über so viel gekocht, komm, lass uns was bestellen.‘ ‚Nee‘, sage ich dann, ‚lass uns einfach nur ein Entspannungs-Kochen machen für uns.‘ Dann bin ich in der Küche, mache Musik an und es gibt ein Glas Wein dazu. Dann koche ich ausgefallen, aber nur für uns. Das genieße ich und das ist Entspannung pur.

Ein Tipp von der Fachfrau: Wie lässt sich Stress bei der Vorbereitung des Weihnachts-Essens vermeiden?
Elly: Man sollte einfach gucken, was man will. Wenn jemand total gerne kocht, so wie ich, der freut sich ja auf so ein besonderes Festmenü. Aber wer das nicht gerne macht, wird das nicht gut finden.
Bei uns zuhause war es zum Beispiel so: Meine Mutter, voll berufstätig, mit drei Kindern, hat immer Kartoffelsalat mit Würstchen gemacht. Das war auch toll. Wir freuten uns darauf, weil es das immer nur Weihnachten gab.
Also jeder sollte für sich entscheiden, ob es aufwändig sein soll oder nicht. Es darf nur nicht in Stress ausarten. Wenn man ein Festmenü haben möchte, aber einem das nur Stress bereiten würde, geht man zu einem guten Caterer, der alles vorbereitet und liefert.

Was wünscht du dir für 2020?
Elly: Dass meine Vorweihnachtszeit mal besinnlich wird. Das ist für mich immer die größte Stress-Zeit. Und ich glaube, das schleppe ich auch so ein bisschen mit nach Hause.
Ich lege meine Kurse und Events so, dass der 20.12. mein letzter Arbeitstag ist. Und dann fängt am 21.12., mein Geburtstag, Weihnachten an und ich kann alles zur Ruhe bringen.
Ich würde die Adventszeit gerne mal entspannter hinkriegen. Aber ich glaube, das geht nicht… (lacht)

 

Ob Gänsebraten & Lagrein oder andere Köstlichkeiten: Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Wein-Empfehlungen. Ich freue mich!

Den Korken ziehen – und lächeln!

Den Korken ziehen – und sich dann auf das Überraschungspaket aus der Flasche freuen. Das ist die Passion von Ornett Ragoschat. Diese Leidenschaft lebt die IHK-geprüfte Sommelière seit Ende 2016 als „Die Korkenzieherin“ im eigenen, gleichnamigen Weinfachgeschäft im Herzen von Erfurt. Die gebürtige Thüringerin stellt ihren „Wein des Monats“ Dezember vor. Lassen wir uns von ihrer Begeisterung für Wein und von ihrem Wortwitz verzaubern. Und von ihrer Gabe, Gerüche in Worte und Bilder zu fassen, die jeder Mensch versteht.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Ornett Ragoschat: 
Das ist der Riesling „7 Terroirs“ von Gut Hermannsberg von der Nahe.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Ornett Ragoschat: 
Das ist kurios. Viele Winzer, die unverwechselbar und auch teilweise sehr bekannt sind, kamen bisher zu mir in den Weinladen. Ich habe das große Glück, dass alle coolen Leute selber mal hier waren oder es kamen Empfehlungen über 3 Ecken. Die lassen Probeflaschen da und wir reden kurz über die Weine. Da muss natürlich der Funke überspringen und eine Sympathie da sein.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Ornett Ragoschat:
Das Spannende bei Gut Hermannsberg war für mich: Ich hatte Riesling von der Nahe bis dato noch nicht probiert. Das hat mich interessiert. Noch dazu von einem  VDP-Weingut. Bei diesem Wein sind sieben Große Lage(n) in einer Flasche vereint. Und: Ich mag sehr mineralische Weine. Dieser Riesling kommt frisch und forsch daher. Er bietet ganz viel zum Nachdenken. Der langweilt dich nicht, ist aktiv. Er ist was Besonderes im Mund.

Weinfachgeschäft „Die Korkenzieherin“.

Du bist „Die Korkenzieherin“. Aus welchen Flaschen ziehst du die Korken? Wie setzt sich dein Sortiment zusammen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich ein bisschen nach mir. Ich möchte immer wieder neue Weine kennenlernen. Obwohl ich bestimmt 5 Lieblinge habe, die im Sortiment bleiben. Die laufen gut. Aber ansonsten sorge ich für Bewegung im Weinregal. Und damit auch im Gehirn und im Anspruch an mich selbst.
Zur Hälfte sind meine Weine aus Deutschland, wir leben ja schließlich hier. Ich habe selten die neue Welt im Sortiment, sonst neben Deutschland die klassischen Weinländer Italien, Spanien, Portugal, Österreich, Frankreich.

Was hält „Die Korkenzieherin“ von Schraubverschlüssen?
Ornett Ragoschat: Das sehe ich ganz pragmatisch, das ist eine saubere Angelegenheit. Das Gefühl für den Wein und das ganze Drumherum geht zwar mit dem Schraubi ein bisschen flöten. Und wenn jemand einen Rotwein mit Schraubverschluss wünscht, gucke ich auch erst mal. Aber für knackig frische und belebende Weißweine ist das eine tolle Sache.

Auf deiner Internetseite wirbst du für „Beratung ohne großes Tamtam“? Was heißt das konkret?
Ornett Ragoschat:
Das hat mal jemand über mich in einer positiven Kritik bei Google geschrieben: ‚Die Korkenzieherin von der Langen Brücke, cooler Laden, ohne großes Tamtam , ohne Chichi.‘ Das fand ich cool. Denn genauso ist es auch. Ich will nicht mit tiefsinnigem Fachwissen punkten, sondern ich hole die Leute ab, wenn sie in den Weinladen kommen. Ich lasse mich darauf ein: Haben sie Zeit oder nicht? Sind sie fordernd? Sind sie zurückhaltend? Steht da ein Anfänger vor mir? Oder ist es ein Profi, son Möchtegern-Profi, weißte. Oder, oder, oder… Da gucke ich, stelle ein, zwei Fragen, und dann wird man sich schnell einig. Aber mehr so auf der persönlichen Ebene. Ich brauche schon ein, zwei Inspirationen. Man muss sein Wissen auch nicht einfach so rausschleudern. Damit muss man mit Bedacht umgehen. 

„Wein ist für mich ….“ – Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen!
Ornett Ragoschat:
Eine Kostprobe von zuvor erworbenen Gerüchen in meiner Nase.

Immer der Nase nach – bist du so auf den Wein gekommen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich kommt man nur dazu, wenn man gerne riecht. Ich rieche total gerne, egal an was. Und ich verbinde mit Gerüchen auch viel Vergangenheit. Vielleicht schwelge ich so gerne in der Vergangenheit, weil alles so schön war. Bei Gerüchen bleiben ja nur die positiven Sachen im Gedächtnis. Schon als Kind zogen mich Gerüche an: Bei Oma roch’s immer ein bisschen nach feuchtem Schimmel, kombiniert mit Bäuerlichkeit. Und das Bett war ein bisschen klamm, aber dafür hattest du einen geilen Weichspüler. Oder wenn meine Mutter das Bett frisch bezogen hatte, dann habe ich mich da reingeschmust.

„Das riecht brackig mit ein bisschen Algen dran, wie an der Ostsee“

Aber du kannst Gerüche nur wiedererkennen, wenn du wirklich mal daran gerochen hast. Wenn du keine Lust dazu hast oder du bist ein empfindlicher Heini, dann wird das nichts. Wenn du alle Eindrücke kombinieren kannst und du hast Emotionen dabei, wenn du riechst, dann ist das ein super Beruf. Das habe ich für mich beim Wein entdeckt. Habe daran gerochen und dachte zum Beispiel: ‚Das riecht nach irgendwas Gebrauchtem. Oder nach Glühweingewürz. Oder nach was Brackigem mit ein bisschen Algen dran wie an der Ostsee.‘ Da kann man sich richtig lange aufhalten.

Hast du einen Lieblingsgeruch?
Ornett Ragoschat: Hm…. Frisches Gras mag ich, so ein bisschen mit Heu. Obwohl ich Heuschnupfen habe. Aber ich weiß, wie das früher immer so war im Heuschober: Frisches Heu, ein bisschen getrocknete Blüten mit drin. Oder wenn es geregnet hat, über einen Rasen laufen, mit so hohem Gras, das quietscht wenn man es zwischen die Daumen hält und reinpustet. Wenn man da durchläuft, das ist ein cooler Geruch.

Ornett Ragoschat und Stuart Pigott. Foto: privat

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Ornett Ragoschat:
Mit Menschen, die Zeit haben. Und die lächeln, wenn ein Wein geöffnet wird. Und genauso gespannt sind wie ich, was sich in der Flasche verbirgt. Das ist jedes Mal aufs Neue ein Überraschungspaket.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Ornett Ragoschat:
Stuart Pigott, er war ja mein Dozent an der Deutschen Wein- und Sommelierschule Berlin. Den habe ich auch bei der Weinverkostung von Gut Hermannsberg wiedergetroffen. (Wo der famose Weinkenner, Autor, Journalist seit März 2019 als „Riesling Ambassador“ tätig ist.) Aber einen Wein getrunken habe ich mit ihm noch nicht. Das könnte ich mir gut vorstellen. Cooler Typ. Enormes Wissen und viel Erfahrung, der kann das von der Pike auf. Der weiß viel zu erzählen.

Was wünscht du dir für 2020?
Ornett Ragoschat:
Ich wünsche mir jemanden wie mich, der hier als unterstützender Pol mit reinkommt. So ein Inspirations-Faktor. Dass mir jemand über den Weg läuft, der so tickt wie ich. Und dass wir uns dann zusammen im Weinfachgeschäft schön austoben können.

Fotos (3): Andreas Pöcking

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Spätsommer im Glas – beim Wein des Monats

Spätsommer im Glas – dafür steht der Wein des Monats September. Die Essenerin Nicole Krausch gibt die Empfehlung.

Nicole hat spannende Hobbys: In ihrem Garten wachsen Rebstöcke. Außerdem züchtet sie dort erfolgreich Federvieh und entzückt ihre Mitmenschen mit Eiern von glücklichen Hühnern.

Auch mit ihrem Wein-Tipp verbreitet sie Frohsinn: Nicole, Mitarbeiterin im Vertriebs- und Servicecenter der Deutschen Bank, nimmt uns mit auf die berühmte Bodega Miguel Torres im spanischen Katalonien. Ein berühmter Weißwein von dort hat es ihr besonders angetan. Dabei war es keine Liebe auf den ersten Schluck… Hier die Empfehlung von Nicole Krausch:

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein?
Nicole Krausch: Das ist der Weißwein Viña Sol, ein waschechter Spanier.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du den Wein entdeckt?
Nicole Krausch: Ich habe ihn früher schon hin und wieder gekauft. Aber so richtig auf den Geschmack gekommen bin ich erst im vergangenen Jahr bei einem privaten Sommerfest. Da wurde mir bewusst, wie gut er mir schmeckt.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Nicole Krausch: Der hat was Spritziges und Frisches. Er ist leicht, erfrischend, hat nicht zu viel Säure und ist damit für mich sehr verträglich. Außerdem ist er ein idealer Essensbegleiter, der zu vielen Speisen passt – zu Fisch und Hähnchen beispielsweise. Auch jetzt im Spätsommer ist er der perfekte Wein für mich.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Nicole Krausch: Durch meinen Ex-Mann, ein echter Wein-Fanatiker mit eigenem Weinkeller und sehr guten Tropfen. Das hat mich geprägt.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl?
Nicole Krausch: Er muss mir schmecken. Punkt. (lacht) Und wichtig ist mir das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich finde, für 7 bis etwa 12 Euro bekommt man schon echt gute Weine. Das muss jetzt also keine Flasche für 50, 60 Euro sein, das Besondere daran würde ich als Laie wahrscheinlich gar nicht herausschmecken.

Was ist dir sonst noch wichtig beim Weingenuss?
Nicole Krausch: Ich habe natürlich meine Favoriten. Rotweine mag ich ausschließlich trocken und möglichst im Barrique ausgebaut. Und wenn ich mir was richtig Gutes gönne, darf’s auch einmal ein Châteauneuf-du-Pape sein.

Bist du dann eher ein stiller Genießer oder zerlegst du den Wein mit ausschweifenden Kommentaren in seine Einzelteile?
Nicole Krausch: Ich mache da kein großes Geschiss drum. Er muss mir einfach schmecken.

Wo kaufst du bevorzugt Wein, nicht nur im Spätsommer?
Nicole Krausch: Im Supermarkt, bei Edeka zum Beispiel. Und inzwischen habe ich in Mülheim-Speldorf einen Rewe mit sehr guter Weinauswahl entdeckt.

Hast du beim Weinkauf schon mal einen richtigen Fehlgriff gemacht?
Nicole Krausch: Ja.

Was passiert dann?
Nicole Krausch: Ich schütte ihn weg oder schaue, ob ich den Wein eventuell noch für eine Sauce verwenden kann. Aber grundsätzlich verwende ich zum Kochen keinen billigen Wein. Den Wein, den ich abends trinke, verwende ich vorher auch zum Kochen. Denn auch eine Sauce lebt ja bekanntlich von den Zutaten.

Mit wem trinkst du am liebsten Wein zusammen?
Nicole Krausch: Mit Freunden. Sehr gerne dann im Sommer bei mir im Garten.

Mit wem würdest du gerne einmal ein Glas Wein trinken?
Nicole Krausch: Mit George Clooney. Der ist ja doch schon ein Frauenschwarm….

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Spaß mit Riesling im Glas

Ein guter Riesling zählt zu den Weinen, bei denen Wolfgang Weber ins Schwärmen kommt. Gutes Essen und einen guten Tropfen weiß der langjährige SPD-Ratsherr aus Essen zu schätzen. Der nicht nur in seinem Stadtteil Essen-Altendorf engagierte Mann greift beim Weißwein auschließlich zu Tropfen aus dem eigenen Land. Sehr sympathisch! Für seinen Wein des Monats hat er einen Riesling aus der Pfalz gewählt.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Wolfgang Weber:
Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein Riesling Kallstadter Saumagen von 2018 vom Weingut Petri aus Herxheim am Berg in der Pfalz.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Wolfgang Weber:
Wir sind seit über 25 Jahren Kunden dieses tollen Weingutes und bestellen regelmäßig verschiedene Weine und fahren einmal im Jahr persönlich dorthin.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Wolfgang Weber:
Es ist ein schöner, leichter Sommerwein mit nur 12,5 % Alkohol, der für mich einen sehr ausgewogenen Eindruck macht.

Wolfgang Weber (r.) war auch schon bei einer Bootstour mit Wein auf dem Baldeneysee an Bord.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Wolfgang Weber: Vor über 40 Jahren haben wir die neue deutsche Küche entdeckt und waren in vielen Lokalen in der Republik essen. Da habe ich schnell gemerkt, dass Bier nicht der ideale Begleiter zu den Küchen-Highlights ist und begonnen, mich für Wein zu interessieren.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Wolfgang Weber: Ich achte auf das Preis-/Leistungsverhältnis. Bei Weißweinen kaufe ich ausschließlich deutsche Weine, die mittlerweile in allen Weinregionen sehr gut sind. Bei Rotweinen sind mir die wirklich sehr guten Deutschen einfach zu teuer, da darf’s auch ein Italiener oder Spanier sein!

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Wolfgang Weber: Natürlich mit meiner Frau und mit der Familie und guten Freunden.

Und mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken?
Wolfgang Weber: Mit Udo Lindenberg.

Warum ausgerechnet mit ihm?
Wolfgang Weber: Weil ich den einfach geil finde. Wir haben auch 2 Bilder von Udo Lindenberg zuhause hängen.

Wein des Monats Juli mit perlendem Glück

Beim Wein des Monats Juli kommt eine Expertin fürs Glück zu Wort: Birgit Pollok. In ihrem zweiten Café „Pollok neues Glück“ an der Wallstraße in Duisburg zaubert sie süße und deftige hausgemachte Köstlichkeiten wie Zimtschnecken und Zitronen-Baiser, Linsencurry mit Mango und Spinatquiche. Mein Favorit ist das Chili con Carne mit frischem Koriander. Herrliche Kombination! Birgits Café ist ein Ort zum Klönen, Feiern, Tanzen, Abschalten, Verschnaufen  – und natürlich zum Genießen. Für ihren Wein-Tipp hat sie einen perlenden Begleiter durch den Sommer aus Spanien ausgesucht. Olé!

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein?
Birgit Pollok: Ich bin immer auf der Suche nach neuen Weinen und biete meinen Gästen gerne mal einen leichten Sommerwein an. Jetzt habe ich einen sehr schönen entdeckt. Das Interessante: Es ist ein spanischer Weißwein, der leicht moussiert. Ein Frizzante. Er heißt „Ahoy“. Das ist wunderbar. Wenn es warm ist, prickelt es so schön leicht beim Trinken.

Was gefällt dir besonders an diesem Wein?
Birgit Pollok: Tatsächlich ist mir zuerst das Etikett aufgefallen. Okay, das ist nur das Äußere, aber es sieht nun mal toll aus. Es ist ein alter Seemann abgebildet. Ich dachte: ‚Was ist das denn? Nehm‘ ich mal mit…‘ Gut gekühlt, habe ich ihn dann zuhause probiert. Und ich finde: Das ist ein leichter, ganz unaufdringlicher Wein. Den kann man eigentlich zu allen Gelegenheiten trinken.

Ganz happy: Birgit Pollok.

Wo hast du diesen Wein entdeckt?
Birgit Pollok: Ich kaufe regelmäßig für mein Café ein und bin oft bei Jacques‘ Weindepot. Ich finde, dort gibt es Weine, die mir vom Preis-Leistungs-Verhältnis wirklich total entgegenkommen. Dort habe ich auch dieses Pumpsystem entdeckt – eine Weinpumpe, mit der Luft aus der angebrochenen Weinflasche entfernt wird, wodurch ein Vakuum entsteht und  man die Flasche luftdicht verschließen kann. Find‘ ich super.

Noch mal zurück zum Etikett: Spielt es bei deiner Kaufentscheidung eine große Rolle?
Birgit Pollok: Tatsächlich ja.

Ich kenne viele Menschen, für die das Etikett wichtig ist…
Birgit Pollok: …kann ich mir vorstellen. Es gibt auch immer abgefahrenere Sachen. Das turnt mich an…
Der Wein muss natürlich auch schmecken.

Also die Aufmachung der Flasche darf nicht vom – vielleicht eher mäßigen – Inhalt ablenken?
Birgit Pollok: Genau! Der Wein muss mich schon auch überzeugen.

Hattest du dabei bis jetzt ein gutes Händchen?
Birgit Pollok: Ja, eigentlich schon.

Probierst du gerne neue Weine aus?
Birgit Pollok: Ja, absolut. Zum Beispiel hatte ich mal eine Riesling-Phase, und dann kommt irgendwann wieder was anderes. Wobei ich auch total froh bin, wenn ich gerade mal nicht so entscheidungsfreudig bin, und eine Sorte habe, bei der ich weiß: Der geht immer. Da bin ich auf jeden Fall auf der sicheren Seite.

„Genießen hat immer etwas mit Glück zu tun“

Wie bist du auf den Wein gekommen?
Birgit Pollok: Also ich trinke eigentlich schon immer gerne Wein. Ich esse gerne und ich trinke gerne zu meinem Essen einen schönen Wein, der dazu passt.

Dein Café heißt Pollok neues Glück. Hat Wein für dich etwas mit Glück zu tun?
Birgit Pollok: Ach, für mich hat Genießen immer etwas mit Glück zu tun. Also, wenn ich genießen kann, bin ich auch glücklich. Oder genießen macht mich glücklich. Oder ich genieße, wenn ich glücklich bin. (Lacht….) Dann besonders gerne. Gutes Essen und gute Getränke, gute Weine, gehören für mich auf jeden Fall zum angenehmen, genussreichen Leben.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein?
Birgit Pollok: Tatsächlich kann ich das gar nicht so gut mit meinem Freund. Der trinkt keinen Alkohol. Oder ganz selten mal.Und dann trinkt er mal ein Bier.
Hm, mit wem? Also eigentlich mit meinen Freundinnen. In Gesellschaft. Und, wenn ich esse gehe. Dann trinke ich den auch allein.

Und mit wem würdest du gerne mal einen Wein trinken?
Birgit Pollok: Mit Pina Bausch, aber die lebt ja leider nicht mehr. Die hat, glaube ich, auch sehr genussreich leben können.

 

Zauberhafte Mosel

Mosel – das war das Zauberwort, als ich Bodo Kalveram aus Essen beim Netzwerk-Neujahrsgrillen der Agentur schüngelschwarz kennenlernte. Sofort waren wir beim Wein – und schwelgten. Der Geschäftsführer der Regionalagentur NRW e.V. ist nicht nur Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsexperte. Sondern auch Künstler. Er malt wunderschön – und macht sich hier beim Wein des Monats Juni 2019 unter anderem Gedanken darüber, was Kunst und Wein gemeinsam haben.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Bodo Kalveram:
Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein 2018 Blanc de Noir von der Mosel. Das Weingut heißt Göbel-Schleyer-Erben und ist in Ernst beheimatet. Ernst liegt rund 5 km unterhalb von Cochem. Der Wein hat eine sattgelbe, leicht ins rötlich gehende Farbe und trägt die Bezeichnung „feinherb“. D.h. der Wein hat eine schöne leichte Restsüße mit vielen fruchtigen Aromen. In der Nase sind auch Südfrüchte und irgendwie passt der Wein zu vielen Speisen.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Bodo Kalveram: Den Wein habe ich bei unserem diesjährigen Osterurlaub an der Mosel entdeckt. Wir fahren schon traditionell an Ostern zum Weingut und am Ostersamstag nehmen wir immer an der Weinprobe teil . Dabei waren auch schon ein paar neue Weine aus 2018. Die Moselwinzer haben meistens ein paar Überraschungen parat. Auch diesen Blanc de Noir, also ein Weißwein, der aus roten Trauben gewonnen wird.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Bodo Kalveram: Der Wein erinnert mich auch an ein sehr sonniges Osterfest mit guten Freunden. Mit diesem leichten, fruchtigen und intensiven Wein verbinde ich aber auch tolle Sommertage an der Mosel aus dem Vorjahr. Der Wein ist superdicht und duftet nach einer sommerlichen und lieblichen Mosellandschaft.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Bodo Kalveram: 
Auch durch die Mosel. Meine Frau und ich waren 2002 zum ersten mal an Mosel und waren sofort gefesselt von der Landschaft, dem Fluss, den Winzern und den tollen Weinen, Seit dem gehören die deutschen Weinanbaugebiete zu unseren bevorzugten Urlaubszielen. Nahe, Ahr, Rheinhessen, Kaiserstuhl, Franken und immer wieder Mosel.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Bodo Kalveram: Bei der Weinauswahl gilt das einfache Prinzip, erst probieren, dann kaufen… Gerne Weine mit Fülle und feiner Süße und gerne bei Winzern, die man auch persönlich kennt. Im Winter gerne Rot, im Sommer Weiß und Rosé. Natürlich spielt der Preis auch ein Rolle, bei einer Weinmesse habe ich einmal den teuersten Wein des Winzers probiert und war total enttäuscht. Generell liegen meine Weine meistens unter 10,00 Euro.

Monalitha. Bodo Kalveram.

Sie sind (auch) Künstler und beeindrucken als Maler mit einem ganz individuellen Malstil. Bei vielen Ihrer Bilder kann der Betrachter im Farbenrausch schwelgen. Gibt es für Sie Parallelen zwischen Kunstgenuss und Weingenuss?
Bodo Kalveram: Bei Kunst und Wein gibt es aus meiner Sicht viele Parallelen. Bei Wein geht es um Genuss und Assoziationen an schöne Momente, ebenso bei der Betrachtung von (meinen) Bildern. Einen guten Wein herzustellen, hat auch etwas mit Kunst zu tun, genauso wie ein Bild zu malen. Und meiner Meinung nach, kommt Kunst von Können… darum schmeckt auch jeder Wein und Jahrgang anders und ist im Grunde ein Unikat, genauso wie ein original handgemaltes Bild.

Was hat es mit dem Bild „Monalitha“ auf sich, der Frau mit überschäumendem perlenden Getränk im Glas?
Bodo Kalveram: 
Mein Bild „Monalitha“ steht für die Ambivalenz des Lebens. Auf der einen Seite der Genuss und das Gefühl sich etwas gönnen zu können, und auf der anderen Seite der angebissene Apfel, der für den Verbrauch der Welt steht. D.h. wenn wir weiterhin hemmungslos konsumieren, dann wächst im wahrsten Sinne des Wortes bald nichts mehr nach. Aber auch die Botschaft, daß Schönes (Mona Lisa) auch Jahrhunderte überdauern kann, wenn man bewusst mit Werten und in der weiteren Konsequenz, auch mit der Natur, umgeht.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Bodo Kalveram: Am liebsten proste ich meiner Frau zu…..

Griechischer Wein und Grauburgunder aus Baden

Wein aus Baden und griechischer Wein spielen beim „Wein des Monats“ die Hauptrolle. Vorgestellt von Ursula Kaiser. Bevor die 73-Jährige vor geraumer Zeit wieder in ihre Herzensstadt Köln zog, wohnten wir im selben Haus in Essen-Borbeck. Das war eine lustige Gemeinschaft mit einer Nachbarin, die immer ein offenes Ohr und eine offene Tür hatte. Die Frau mit Charme und Witz hat keinen speziellen Liebling im Glas, jedoch länderübergreifende Vorlieben. Und schon hab‘ ich Udo Jürgens Song im Ohr…. Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde….“

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Ursula Kaiser:
Ich habe keinen speziellen. Es sind Weine aus der Rebsorte Grauburgunder – vorzugsweise aus der badischen Region. Da ich meine Ernährung umgestellt habe und mich überwiegend von Fisch, Salaten und Gemüse ernähre, passt dieser Wein sehr gut dazu.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?
Ursula Kaiser:
Ich habe mich einfach durchprobiert und bin immer wieder beim Grauburgunder gelandet. Er hat einen besonderen Pfiff. Grauburgunder hat einfach Charakter, ist kräftig und mich spricht auch die meist schön goldige Farbe an. Außerdem ist er sehr bekömmlich: Ich kann auch mal 2 oder 3 Gläser trinken, ohne gleich ganz wacklig auf den Beinen zu werden.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Ursula Kaiser:
Zum ersten Mal habe ich als Teenager probiert. Ein griechischer Wein  – der bekannte Mavrodaphne, ein Süßwein, 15 Volumenprozent Alkohol und wirklich sehr süß. Ich war nach einem halben Glas beschwipst und wollte nie wieder griechischen Wein trinken….

Foto: Mikki Lee

….was sich später wieder änderte.
Ursula Kaiser: Der griechische Mann einer Freundin brachte mal eine Flasche Rotwein mit, es war Boutaris Kava. Der war damals, etwa 1985, sehr hochpreisig und ich habe ihn genossen. Er gehört immer noch zu meinen Lieblingsweinen, wie viele andere Weine aus dem Hause Boutaris. Jannis Boutaris aus der Familie ist heute Oberbürgermeister von Thessaloniki und hat viel frischen Wind in die Stadt gebracht.

Du hast in Griechenland gelebt, wo genau und wann war das?
Ursula Kaiser: Ich habe von 2006 bis 2012 im Norden Griechenlands gewohnt in Litochoro am Fuße des höchsten Berges (Olymp) Griechenlands. Von meinem Balkon schaute ich nach links auf das Meer und nach rechts auf den Olymp, der bis in den Mai eine Schneekuppe hatte. Man sagt, dass dieser Ort das beste Klima von Griechenland hat.

 Die Griechen und der Wein:  Welche Rolle spielt Weingenuss im Alltag der Griechen? Oder ist der Wein eher etwas für besondere Gelegenheiten?
Ursula Kaiser: Früher galt, dass gute Weine unbedingt aus dem Süden kommen müssen – und dort gab es auch die größten Anbaugebiete (zum Beispiel das Weingut Achaia Clauss). Das ist überholt. Nord- und Mittelgriechenland galten als die Speisekammer Griechenlands und es wurde zum großen Teil Gemüse und Getreide angebaut.
Wein wird inzwischen auch im Norden Griechenlands immer öfter zum Essen getrunken. Früher trank man nur Wasser, als Aperitif vielleicht einen Ouzo und seit den 1960ern vermehrt Bier. Im Süden hat fast jede Familie einen kleinen Weinanbau und produziert ihren Jahresbedarf (1-2 Fässer). An Feiertagen darf der Wein aber auf keinen Fall auf dem Tisch fehlen.

Griechischer Wein – kannst du besondere empfehlen?
Ursula Kaiser: 
Einen Lieblingswein habe ich nicht, denn es gibt so unterschiedliche gute Weine aus verschiedenen Regionen Griechenlands, dass ich, je nachdem wo ich mich aufhalte, immer wieder regional Weine probiere. Das Weingut Hatzimichalis ist als Produzent hochwertiger Weine bekannt.
Die Weingüter Dimitris Hatzimichalis, Boutaris, Naoussa und Achaia Clauss sind Erzeuger, die schon lange auf dem Markt sind. In der letzten Zeit kommen aber immer öfter andere sehr gute Weine auf den Markt, die auch bei Verkostungen im Kölner Großmarkt bei Mare Atlantico angeboten werden. Fast jeden Samstag ist da eine Verkostung.

Winzer Heiner Sauer: Zuhause in der Pfalz und in Spanien

Heiner Sauer ist ein bekannter Winzer, der schon 1987 auf ökologischen Weinbau umgestellt hat. Ein Pionier in seiner Branche. Er betreibt ein Weingut in Böchingen in der Pfalz. Doch damit nicht genug. Der Mann, der südländische Weine liebt, hat in in Spanien ein weiteres Weingut: Die „Bodegas Palmera“ im Anbaugebiet Utiel-Requena. Auch der Rosado, den er dort herstellt, ist bei meinen Kunden sehr beliebt. Ein Gespräch mit dem Winzer über die Weinlese 2018 – mit südländischer Hitze in Deutschland und ungewöhnlich viel Regen in Spanien.

Weinbegleiter Ruhr: Weinlese 2018 in Deutschland und Spanien- welches Fazit ziehen Sie als Winzer?
Heiner Sauer: Die klimatischen Verhältnisse waren auf den Kopf gestellt. Wir hatten ja in Deutschland einen spektakulären Sommer mit sehr viel Sonne und Trockenheit. Und in Spanien war es genau umgekehrt. Da fielen die meisten Niederschläge seit 20 Jahren und es war ein kühles Jahr.

Wann begann die Ernte in der Pfalz?
Heiner Sauer: Spektakulär früh am 25. August.

Und in Spanien?
Heiner Sauer: Am 21. September, also fast 4 Wochen später. Da waren wir in Deutschland fast fertig.
Das Besondere für mich, was sich 2018 bewährt hat, ist unser langjähriger ökologischer Weinbau in Deutschland.  Wir haben nach 30 Jahren wirklich gute Böden. Sie haben einen hohen Humusgehalt. Und Humus sorgt im Boden für eine gute Wasserkapazität. Bei einer langen Trockenheit ist das entscheidend. Unsere Reben haben die Trockenheit nicht nur gut überstanden, sondern waren auch in der Lage, am Ende die Trauben zu einer guten Reife mit gleichzeitig guter Säure zu führen. Natürlich haben wir auch moderate Erträge, wir überfordern unsere Reben nicht. Das spielt alles mit eine Rolle.
Die Menschen bestätigen uns das und sind erstaunt, dass unsere 18er alle so lebendig sind mit einer wirklich guten Säurestruktur.

Wie hat sich der untypische Sommer in Spanien auf die Weine ausgewirkt?
Heiner Sauer: In Spanien ist zunächst ein kühler Sommer eher positiv zu sehen. Wie gesagt, es war kühl, hat viel geregnet, was eine Freude war. Weil Wasser in Spanien Mangelware ist. Es war aber auch nicht zu feucht. Also wir hatten keine Probleme mit Pilzkrankheiten. Es war zum Glück auch nicht so, dass die Trauben nicht reif wurden. Wir hatten einfach eine spätere Reife. Was zu einer sehr guten Aroma-Ausprägung geführt hat und zu etwas schlankeren Weinen. Das hatten wir uns auch vorgenommen:  Wir wollen schon kraftvolle Weine, aber etwas weniger Alkohol.

Der Bobal y Tempranillo 2016 zum Beispiel hat ja 15 Volumenprozent Alkohol…
Heiner Sauer: Genau. Und die Herausforderung für uns ist: Wir wollen Weine mit viel Kraft und Fülle, die dann eher bei 13,5 Volumenprozent sind. Und das ist uns dieses Jahr gelungen.

Seit wann besitzen Sie das Weingut in Spanien?
Heiner Sauer: Seit 1998.

Südländische, kraftvolle Weine

Was hat Sie damals nach Spanien gezogen?
Heiner Sauer: Wenn ich kurz ausholen darf: 1987 haben wir mit unserem Weingut in Deutschland begonnen, das hat sich sehr schnell und sehr gut entwickelt. Und dann sagt man sich: Machen wir jetzt so weiter oder probieren wir etwas Neues aus. Und meine Frau und ich sind große Liebhaber von südländisch geprägten  kraftvollen Weinen. Und dann war’s im Urlaub, dass wir sagten: Es wäre doch toll, solche Weine selbst zu machen – mit Sonne satt! Das war dann zunächst eine fixe Idee. Wir haben das aber vertieft, mit Freunden darüber gesprochen, und dann sind wir Schritt für Schritt diesem Ziel näher gekommen. Und haben die Idee umgesetzt.

Bei meinen Weinproben erlebe ich, dass die meisten Menschen die Rebsorte Bobal nicht kennen. Was ist für Sie das Spannende und Schöne an dieser Rebsorte?
Heiner Sauer: Sie ist eine eigentümliche Rebsorte, zunächst.  Und sie hat eine ganz eigene Charakteristik. Also der Bobal y Tempranillo ist ein südländischer Wein, aber wenn man mal genauer probiert, dann hat er auch was Frisches, ein bissel was Grünes. Rückblickend sage ich heute: Wir haben gut 15 Jahre gebraucht, bis wir den Wein so hatten, wie er jetzt ist. Da waren diese Weine sehr eckig und hatten robuste Tannine . Und jetzt sind wir an dem Punkt: Das ist ein toller Wein mit viel Kraft und gerundeten Tanninen. Und für eine Winzer ist es ja immer eine Herausforderung, aus einer schwierigen Sorte so etwas Gutes zu machen.

Wein des Monats: Ein ehrlicher Rosé im Glas

Wieder macht ein Rosé das Rennen beim Wein des Monats. Im April stellt Sebastian Müller seinen Lieblingstropfen im Glas vor. Von Beruf ist er Automobilverkäufer in Hagen, privat ein echter Genießer. „Urlaub in einem schönen Haus, Rotwein und ein Buch vorm Kamin – mehr brauche ich nicht.“
Zur Zeit haben jedoch eher Weißwein und Rosé bei ihm Saison. Wir plaudern unter anderem über ehrlichen Wein und die Vorzüge des Nichtrauchens auch beim Weingenuss.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sebastian Müller: Also ich habe mehrere Lieblingsweine. Ich trinke in den kalten Monaten lieber Rotwein und in den warmen Monaten lieber Weißwein. Rosé geht aber immer. Mein Liebling-Rosé ist der trockene „Dorn to be wild“ der Winzerin Eva Vollmer aus der Region Rheinhessen.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Rosé für dich entdeckt?
Sebastian Müller: Den Wein habe ich eher zufällig entdeckt. Über ein Prämienpunkteprogramm konnte ich mir eine Kiste davon bestellen. Die Beschreibung war dazu ausschlaggebend, ebenso wie der Name des Weins.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sebastian Müller: Für mich ist es ein ehrlicher Wein, der Geschmack ist besonders, sehr fruchtig und würzig. Bisher schmeckte der Wein jedem, dem ich ihn angeboten habe. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Was verstehst du unter einem ehrlichen Wein?
Sebastian Müller: Wenn ich den Geschmack sehr rein wahrnehme. Ich nehme einen ersten Schluck und der Wein schmeckt mir sofort und ich bin begeistert.

Du hast im April Geburtstag. Womit stößt du dann an?
Sebastian Müller
: Angestoßen wird standesgemäß mit Sekt, hier bevorzuge ich Mumm Extra Dry.

Du bist seit geraumer Zeit Nichtraucher, schmecken Weine jetzt anders bzw. besser als vorher?
Sebastian Müller
: Ja, seit dem 14.10.2018 rauche ich nicht mehr und bin standhaft geblieben. Gerade in Verbindung mit Alkohol war eine Zigarette obligatorisch. Es sind dann die klassichen Momente, in denen ich die Zigarette dann doch vermisse. Allerdings schmecke ich insgesamt intensiver, beim Wein schmecke ich das Säuerliche mehr raus, wenn es kein milder Wein ist. Also bei Weinen, bei denen ich früher die Säure nicht so wahrgenommen habe, ist das jetzt mehr der Fall.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sebastian Müller
: Über den Genuss. Ich fand es gediegener, mir abends eine Flasche Wein zu öffnen, statt einer Flasche Bier. Anfangs waren es eher die lieblichen Weine, mitllerweile kann ich mir damit nicht mal ein Fußbad machen! Nun trinke ich am liebsten trockene Weine.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl und wo ist preislich deine Schmerzgrenze?
Sebastian Müller
: Bei der Weinwahl verlasse ich mich nicht auf das Design von Etiketten oder der Flaschen. Grundsätzlich kenne ich die Sorten, die ich mag. Meine preisliche Schmerzgrenze ist sehr abhängig vom Anlass, wofür ich den Wein kaufe. Es gibt ja Weine, die auch zu einem günstigen Preis gut schmecken. Eine Freundin sagte mal in einem Supermarkt: ,Alles, was über 4 Euro kostet, kannst du bedenkenlos kaufen.‘
Zu besonderen Anlässen kaufe ich gerne im Weingeschäft, also im Fachhandel. Mehr als 15 Euro habe ich aber bisher noch nicht für eine Flasche Wein ausgegeben. Außer Haus natürlich mehr.

Mehr zum Rosé „Dorn to be wild“: https://wirwinzer.de/2017-dorn-to-be-wild-rose-trocken-bio-weingut-eva-vollmer.html#description-tab