Das Herz schlägt für Silvaner

Silvaner und Franken – das ist ein Traumpaar. Auf dem Familienweingut Johannes Nickel in Nordheim wird es von seiner schönsten Seite in Flaschen abgefüllt. Anfang September war ich mit meiner Freundin dort und wir probierten auf dem Hof die Weine des Jahrgangs 2019. Im Freien ist das zum Glück wieder möglich. Einfach köstlich! Wir gerieten in einen famosen Kauf-Rausch.
Johannes Nickel und Familien bewirtschaften 4,5 Hektar Rebfläche, 80 Prozent weiße Rebsorten, 20 Prozent rote Rebsorten, „das ist der fränkische Schnitt“, sagt Karolin Schmitt, die Schwester des Winzers. „Silvaner und Müller-Thurgau sind unsere Hauptrebsorten.“
Johannes Nickel besann sich 2013 auf die Familientradition. Der gelernte Schreiner entschied sich für den Wein, machte die Rebflächen der Familie wieder urbar, absolvierte eine Ausbildung zum Winzer und zum staatlich geprüften Brenner. Schwester Karolin ist ausgebildete „Gästeführerin Weinerlebnis Franken“ und veranstaltet Weinbergs-Wanderungen, Verkostungen und vieles mehr. Normalerweise.

Ein Gespräch über das Besondere des Silvaners, Zwangspausen, Frühjahrs-Fröste im Weinberg und die Leidenschaft für den Wein.

Weinbegleiter Ruhr: Ich erlebe immer wieder, dass Weintrinker beim Silvaner sofort an „Spargelwein“ denken. Ich finde es schade, Silvaner auf ein Getränk zu einem saisonalen Gemüse zu reduzieren. Beschreiben Sie bitte einmal mit Ihren Worten das Besondere dieser Rebsorte.

Karolin Schmitt: Silvaner ist eine Rebsorte, die unheimlich vielseitig ist. Hier in Franken wächst sie bereits seit über 360 Jahren und ist optimal ans Klima angepasst. Ein Glückstreffer für Franken. Unser Portfolio zeigt, was der Silvaner alles kann: Wir haben den einfachen, schön fruchtbetonten trockenen Silvaner mit Apfel- und Birnen-Aromatik. Dann gibt’s bei uns den Silvaner im Bocksbeutel. Der ist kräftiger und bringt viel Mineralität mit. Die Trauben kommen von über 40 Jahre alten Rebstöcken aus dem besten Stück des Sommeracher Katzenkopfes. Und da merkt man die Kraft und Fülle, die der Silvaner hat. Er liegt ein Jahr lang auf der Feinhefe und kommt dann erst auf die Flasche.

Silvaner im Holzfass aus Kastanie

Die Krönung ist der Silvaner Tradition. Da wird das Beste vom Silvaner heraus gelesen und spontan mit den natureigenen Hefen der Trauben vergoren. Das erfordert Geduld, die hat dann eher der Johannes, ich nicht (lacht). Er sagt immer: ‚Karolin, das wird schon…“
Der Silvaner Tradition reift auf der Hefe im Holzfass aus Kastanie. Da zeigt die Rebsorte ihr ganzes Potenzial. Der Wein bringt Mineralität mit, Struktur und Frucht. Durch die Lagerung im Holzfass kommen Aromen hinzu, die an Vanille und Karamell erinnern.

Eingespieltes Team: Karolin Schmitt und Johannes Nickel.

Warum Kastanienholz? Und woher stammen die Fässer?
Karolin Schmitt:
Aus einem alteingesessenen Betrieb in der Region, Aßmann heißt er. Die Firma hat für Johannes extra ein 225-Liter-Fass aus Kastanienholz hergestellt, weil Johannes sehr gerne experimentiert. Eiche ist ja doch oftmals sehr rau und bringt viele Gerbstoffe, was mitunter zu viel sein kann für den Wein. Kastanie ist da wesentlich weicher und passt wunderbar zum Silvaner.

Welche Speisen empfehlen Sie zum Silvaner im Bocksbeutel?
Karolin Schmitt: Der passt zu einem kräftigen Gericht, zu einem Braten zum Beispiel. Er kann auch ideal einen kräftigen Fisch begleiten, also einen mit Eigengeschmack, der Substanz mitbringt, damit die Balance zum Wein hergestellt wird.
Also von wegen Spargelwein… Da würde ich eher unseren Silvaner aus der Schlegelflasche empfehlen. Der passt super, auch zu Gemüse-Gerichten.

2020 war und ist besonders und unvergleichlich anders als alle Jahre zuvor. Wie ist das Jahr bisher für Sie, Ihre Familien und das Weingut gelaufen?
Karolin Schmitt: Es fing prima an, wir haben den Wein gut auf die Flasche gebracht und sind sehr zufrieden mit dem Jahrgang 2019. Und dann kam Corona… Ostern sind normalerweise die ersten Gäste auf dem Hof und probieren den neuen Jahrgang. Aber wir mussten alle zuhause bleiben. Das war schwierig. Natürlich haben uns die Gäste wunderbar unterstützt. Es gab eine große Resonanz auf unseren online-shop. Die Leute riefen an, fragten, wie es uns geht und bestellten Wein, weil sie uns unterstützen wollten. Das war unglaublich positiv. Aber die Gäste fehlten uns einfach auf dem Hof. Und der Austausch: dass du dich über den Wein unterhältst, dass du zusammen ins Glas blickst, zusammen den Wein anschaust, probierst, philosophierst.

Und dann kam im Mai der Frost…
Karolin Schmitt:
Der hat uns ordentlich erwischt. Bis zu 60 Prozent Ernte-Ausfall. Und das ist natürlich heftig für so ein kleines Familienweingut. Ich würde fast sagen: Der Frost trifft uns deutlich härter als Corona. Ganz einfach: Wenn ich nichts habe zum Verkaufen, fallen die Einnahmen weg.  Und die Arbeit war ja das ganze Jahr über nicht weniger, eher mehr. Außerdem wurden die Rebstöcke in Mitleidenschaft gezogen. Der Rebschnitt im nächsten Jahr wird dadurch viel aufwändiger. Wir hoffen jetzt, dass das Holz gut ausreift. Denn das ist die Basis für den 2021er Jahrgang.
Ja, 2020…. Frost in diesen Dimensionen gab es noch nie. Auch die sehr guten Lagen sind erfroren.

Woran lag das?
Karolin Schmitt:
Die Wetterlage war eine ganz seltsame. Wir hatten minus 2 Grad, die Reben waren am 12. Mai schon sehr weit, mindestens im 5 Blatt-Stadium. Die Gescheine, so nennt man die Trauben in diesem Stadium, waren schon ausgebildet. Das Problem war, dass die kalte Luft von oben kam. Normalerweise versucht man mit Hubschraubern, die Luft zu verwirbeln. Also die kalte Luft vom Boden mit den wärmeren Luftschichten oben. Aber verwirbeln war nicht möglich, weil oben die kalte Luft war. Man hätte sie nach unten gedrückt. Das war ein Problem.
Die unteren Lagen waren im Nebel. Durch den Schutz des Nebels hielten sie diesmal gut durch. Aber oben das Plateau hat es richtig heftig erwischt.
Außerdem hatten wir am nächsten Tag einen strahlend blauen Himmel. Die Sonne schien auf die gefrorenen Triebe, die sofort geplatzt sind.

Und dennoch, wann immer ich mit Ihnen oder Ihrem Bruder Kontakt hatte in diesem Jahr, ob am Telefon oder per Mail: Sie strahlen gute Laune und Optimismus aus. Woraus resultiert das?
Karolin Schmitt:
Das ist wirklich Demut vor der Natur. Man kann einfach nichts machen, muss es als gottgegeben hinnehmen.
Und unsere Arbeit macht uns unheimlich Spaß. Das ist das, was uns prägt, wofür unser Herz schlägt. Und daraus schöpfen wir Kraft.

Fotos: Familienweingut Johannes Nickel (2), Susanne Storck (2)

Das Auge trinkt mit – beim Wein des Monats

Das Auge trinkt mit, davon ist Sebastian Tenore überzeugt. Mit Leidenschaft arbeitet er bei der Veranstaltungs-Service GmbH „Alles klar!“ am Standort Mülheim, wo er lebt. Das Unternehmen ist auf die Vermietung von Partyzubehör spezialisiert. Und jedes Mal, wenn ich dort für Weinevents Gläser ausleihe, sind wir ganz schnell beim Thema Wein. Sebastian Tenore stellt seinen persönlichen Wein des Monats September vor – und fängt dabei den Spätsommer im Glas ein.

 Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?

Sebastian Tenore: Mein aktueller Lieblingswein stammt aus Spanien vom Weingut Marqués de Riscal, ein 2019er Verdejo aus dem Weinanbaugebiet Rueda.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein entdeckt?
Sebastian Tenore: Diesen Wein bekam ich von einem Bekannten, der im Weinhandel tätig ist. Als dieser im Handel gelistet wurde, habe ich eine Flasche zum Probieren bekommen.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Sebastian Tenore: Weil er – ganz einfach – schmeckt. Ein toller Weißwein, der frisch ist, eine gewissen Fruchtigkeit hat und absolut in den Sommer passt. Man stelle sich das ganz klassisch vor: Ich sitze auf der Terrasse, die Sonne scheint, es ist ein schöner Tag und Wochenende. Man öffnet den Wein, schenkt sich ein Glas ein – perfekt! Im Herbst wechsle ich dann wieder mal, es geht dann eher in Richtung Rotwein.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Sebastian Tenore: Genuss, Leidenschaft und eine Geschmacks-Explosion.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Sebastian Tenore: Durch meine langjährige Tätigkeit in der Hotellerie ist Wein natürlich ein wesentlicher Bestandteil. Ich habe eine klassische Ausbildung zum Hotelfachmann gemacht und habe in den Jahren danach die Karriere-Leiter immer ein Stückchen weiter erklommen. Daraus entstanden viele gute, teilweise bis heute bestehende Kontakte zu Zulieferern und Weinhändlern.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Sebastian Tenore: Es hängt immer von den Anlässen ab. Wenn man zusammen ist, versuche ich immer einen Wein zu wählen, der möglichst allen schmeckt. Ich alleine bin dagegen sehr offen für neue Weine, Rebsorten usw. Er muss am Ende schmecken. Das ist für mich das Ziel. Es gibt ein paar Rebsorten die ich nicht so gerne mag, zum Beispiel Gewürztraminer.

Warum?
Sebastian Tenore: Ich bin wirklich offen für alle Weine der Welt, aber Gewürztraminer ist nicht mein Wein. Ich habe ihn zweimal probiert und er hat mir überhaupt nicht geschmeckt. Ich würde ihn beim Essen im Restaurant nie bestellen. Gleichwohl: Wenn ihn mir jemand zum Probieren reicht, würde ich nicht ablehnen. Ich lasse mich gerne eines Besseren belehren. Vielleicht finde ich ja noch einen, der mir mundet.

Das Auge trinkt mit….

Welche Rolle spielen Weingläser für Sie privat?
Sebastian Tenore: Eine sehr große. Ich habe jetzt nicht für jeden Wein ein extra Glas, aber 6 schöne Universalgläser, dann noch Burgunder-Gläser und Champagner-Gläser. Ein schönes Weinglas gehört dazu. Das Auge trinkt mit, absolut. Ich würde nie, nie, nie einen Wein aus einem Wasserglas trinken.
Ein Aspekt bei meiner Arbeit bei „Alles klar!“ ist ja eben auch, Kunden zu ermutigen, mal ein ganz anderes schönes Glas auszuleihen. Es geht also auch darum, etwas Schönes und Passendes zu vermitteln. Emotionen wecken, das ist die entscheidende Rolle dabei.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sebastian Tenore: Am liebsten natürlich mit meiner Frau und meiner Familie, aber auch mit den besten Freunden, die den Sinn für Wein mit mir teilen.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sebastian Tenore: Wenn ich die Chance hätte, mit Uli Hoeneß. Ich bin bekennender FC Bayern-Fan und da war und ist Uli Hoeneß natürlich ein ganz zentraler Punkt. Er ist auch ein großer Genießer. In Fernseh-Dokumentationen erzählte er, dass er sich bei Auswärtsspielen abends ein schönes Glas Rioja gegönnt hat. Also entweder liebt man ihn oder man hasst ihn. Für mich ist er jedenfalls eine sehr beeindruckende Person. Ich würde ihn fragen, was sein Lebensantrieb war und ist.

Brand-heiße Tipps aus Schloss Borbeck

Schloss Borbeck

Schloss Borbeck und die Parkanlage in Essen sind immer einen Besuch wert. Hier „residiert“ Thorsten Haneke. Zusammen mit seiner Frau betreibt er die Schlossgastronomie „Zur Münze“ sowie das Dunkelrestaurant „Finster“ in Essen-Holsterhausen. Im Gespräch mit ihm auf der idyllischen Terrasse von Schloss Borbeck habe ich kurzerhand den Wein des Monats erstmals umfunktioniert. Denn Thorsten Haneke brennt für Hochprozentiges: Brand und Geist. Beim Gespräch über Genuss, Aromen und Sinneseindrücke beim Essen und Trinken fanden wir schnell Parallelen zum Wein. Eine Brand-heiße Sache:

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingsbrand oder Geist, woher stammt er?
Thorsten Haneke:
Ein leckerer Marillen-Brand der Destillerie Lantenhammer in Oberbayern. Eine Zeit lang war es auch einmal eine Schlehe, die ist sehr ungewöhnlich und intensiv im Geschmack. Die muss man mögen. Und wenn man sie mag, ist das einfach bombastisch.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie den Brand entdeckt?
Thorsten Haneke
: Es sind ja mehrere Destillerien, mit denen ich zusammenarbeite. Ich kann bei Bestellungen auch kleine Pröbchen ordern. Und wenn die mir gefallen, bestelle ich eine große Flasche.

Warum ist das Ihr Lieblingbrand?
Thorsten Haneke:
Der Geschmack reizt mich einfach. Er ist sehr intensiv und etwas ganz anderes als die Klassiker, die jeder kennt.

„Ein Brand ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Thorsten Haneke:
Milde, Frucht und Natürlichkeit. Ja, er muss natürlich sein. Das ist für mich wichtig.

Erklären Sie bitte den Unterschied zwischen Brand und Geist.
Thorsten Haneke:
Beim Brand wird die Obst-Maische zunächst mit Hefe vergoren. Der Fruchtzucker wird also bei der Gärung auf natürlichem Weg in Alkohol umgewandelt. Später wird das Gemisch in einer Brennblase mehrfach destilliert. Deshalb trinke ich so gerne Brand, weil der so ehrlich ist.
Bei einem Geist werden die Früchte mit Neutral-Alkohol versetzt und mazeriert. Das heißt, es wird fremder Alkohol zugesetzt, der die Aromen aus den Früchten zieht. Anschließend wird der Alkohol destilliert.
Und nicht zu vergessen: der Obstler. Die klassische Variante wird aus Äpfeln und Birnen destilliert.

Feine Brände.

Wie sind Sie überhaupt auf den Brand gekommen?
Thorsten Haneke:
Durch meine Tätigkeit in der Gastronomie. Im Schloss Borbeck bin ich jetzt 5 Jahre, das Dunkelrestaurant „Finster“ betreibe ich schon 15 Jahre. Da beschäftigt man sich automatisch mit leckeren Produkten, weil man den Leuten gerne immer etwas Außergewöhnliches bieten möchte. Was auch im Dunkeln sehr interessant ist.

Wie ist Ihre Erfahrung, wenn Sie im Dunklen etwas probieren? Ist das geschmacks- und geruchsintensiver?
Thorsten Haneke:
Ja, eindeutig. Man lässt sich aber auch schnell auf eine falsche Fährte locken. Nicht nur beim Trinken, auch beim Essen. Zum Beispiel haben wir ein italienisches Menü, bei dem die Gäste vorher nicht wissen, was es beinhaltet. Jeder hat ja bestimmte Vorstellungen von italienischem Essen und versucht erst einmal, in diese Richtung zu schmecken. Und kommt dann gar nicht auf andere Dinge, weil man voreingenommen ist.
Man riecht im Dunkeln einfach intensiver. Aber man glaubt gar nicht, wie schwer es ist, dann auf Geschmäcker zu kommen. Das ist Gästen sogar schon bei Erdbeeren im Dessert passiert. Interessant ist auch, wenn Physalis und Weintrauben zusammen im Dessert sind.

Im Schloss probiere ich schon mal einen Geist mit Stammgästen. Zum Beispiel einen Möhrengeist oder Heugeist aus einer Edelbrennerei im Sauerland. Dann probieren meine Gäste und fragen sich: ‚Was ist das nur für ein Geruch?‘ Sie sind nah dran, kommen aber nicht auf den Begriff.  Wenn ich hinterher auflöse, heißt es: ‚Ja! Stimmt! Das ist Heu.‘

Worauf achten Sie bei der Auswahl von Bränden und Geisten? Was ist Ihnen wichtig?
Thorsten Haneke:
Ich kaufe bevorzugt in kleinen Manufakturen und Destillerien ein. Wo ich auch nachvollziehen kann, woher die Firmen das Obst beziehen. Regionalität finde ich toll. Dort sind auch Geschichten zu holen. Wenn ich meinen Gästen einen schönen Brand empfehle, wollen die auch die Geschichte dazu hören.

Was sollte man für eine gute Flasche Brand investieren?
Thorsten Haneke:
Für einen halben Liter 40 Euro. Da geht‘s preislich los.

Mit wem trinken Sie am liebsten einen Brand zusammen?
Thorsten Haneke:
Mit meinen Gästen.

Mit wem würden Sie gerne mal einen Brand zusammen trinken – und warum?
Thorsten Haneke:
Darüber könnte ich mal sinnieren… Ich glaube, mit unserer Bundeskanzlerin. Weil die zum Beispiel im Urlaub in Südtirol wandert, wo ich in den Skiurlaub hinfahre. Ich glaube, dass sie da schon einige Brände probiert hat. Mit ihr würde ich dann ein paar Fragen klären.

Zum Beispiel?
Thorsten Haneke:
Ich bin politisch eher neutral eingestellt, aber allgemein ihren Politikstil würde ich mal hinterfragen. Weil sie kaum klare Kante zeigt, aber anscheinend so viel Macht und ein großes Netzwerk hat. Wie die das macht, interessiert mich sehr.

Auf einen Süßwein mit Pelé

Bis zum Süßwein war es ein langer Weg: Arno Lindner (56) mag qualitativ hochwertige Spirituosen, am liebsten Gin und Wodka. Eigentlich. Denn der Essener, von Beruf selbstständiger Rechtlicher Betreuer, lebt mit mir zusammen. Und ausgerechnet mein Liebster mag keinen Wein? Gibt’s doch nicht…
Inzwischen ist Arno sein eigener Süßwein-Experte und empfiehlt seinen Wein des Monats Juli. Er verrät auch, warum er gerne mal mit Fußballgott Pelé ein Gläschen süppeln würde.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Arno Lindner:
Es ist der Riesling Himmelthal, eine Spätlese Jahrgang 2015 vom Weingut Lisa Bunn in Nierstein am Rhein. Das liegt, wie ich von dir weiß, im größten deutschen Weinanbaugebiet Rheinhessen.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Arno Lindner:
Das ist jetzt mein derzeitiger Lieblingswein, vor einiger Zeit war es ein Gewürztraminer. Und vielleicht habe ich in 2 Monaten schon wieder einen ganz anderen Lieblingswein.

Aber was reizt dich an dieser Riesling Spätlese?
Arno Lindner: Der Wein schmeckt mir einfach richtig gut, der ist schön süß (Restzucker: 45 g/l) und hat kräftige, üppige Aromen. Das mag ich bei Wein. Also es muss immer eine gehörige Portion Süße dabei sein.

Sehr zu empfehlen: Weine von Lisa Bunn und ihrem Mann Bastian Strebel. Foto: privat

Warum magst du Süßwein?
Arno Lindner
: Wir zwei haben ja in der Vergangenheit zusammen alles Mögliche ausprobiert. Und da stellte ich irgendwann fest, dass mir süße Weine, Spätlesen und alles was bei Prädikatsweinen noch danach kommt, einfach gut schmecken. Ich würde nie auf die Idee kommen, mir freiwillig einen trockenen Wein einzuschenken.
Bei Rotwein habe ich abgewunken und nur dir zum Gefallen probiert. Mir wird schwummrig, ich werde von Rotwein ganz schnell betrunken, da reicht ein Glas. Und mir wird schlecht. Das bekommt mir einfach nicht.

Und Wein mit ordentlich Restzucker schmeckt dir ja auch zum Gänsebraten…
Arno Lindner…
auf jeden Fall. Die Süße und gleichzeitig Frische des Weines zusammen mit einer schönen, kross gebratenen Gans. Das ist für mich eine tolle Kombination.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen, die für dich ganz wesentlich sind.
Arno Lindner:
Auch wenn es vielleicht abgeschmackt klingt: Wein ist für mich Genuss pur – wie ein Eis oder Bratkartoffeln von Muttern. Und das höchste der Genüsse ist für mich ein Süßwein. Da kann ich tatsächlich schwelgen – in der Süße, der Frucht, dem Bukett.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Arno Lindner:
Tatsächlich die Süße und die Aromen. Herkunft, Etikett, Flaschenform – das ist alles Nebensache. Der Wein muss mir schmecken. Mich interessiert nur der Inhalt.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Arno Lindner:
Mit meinen Freunden in der Stadt, am Hauptbahnhof auf einer Bank.

Ist klar.
Arno Lindner:
Natürlich mit dir. Weil du die Einzige bist, die Verständnis zeigt für meine Neigung zu Süßweinen. Ich kenne einfach fast keine anderen Leute, die gerne Süßwein trinken.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Arno Lindner:
Mit Pelé. Wir könnten dabei über Rot-Weiss Essen reden. Pelé ist ja seit 2005 Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, wie jeder weiß… (grinst). Und bei keinem anderen Verein der Welt!
Er nahm die Ehrenmitgliedschaft mit den Worten an : ‚Es ist für mich eine große Ehre, jetzt dem Verein anzugehören, in dem der Boss spielte.‘ Also Helmut Rahn.
Ich würde mit Pelé über Fußball sprechen und mir von ihm ein paar coole Tricks zeigen lassen.

Weine mit Seele aus Franken

Weine mit Seele. Weine, die authentisch sind und einem nichts vorgaukeln im Glas. So mag es Kerstin Wolf. Und diese Frau versteht etwas von Weingenuss. Die gebürtige Sächsin lebt seit fast 30 Jahren in Franken. Sie ist studierte Bauingenieurin, Chefin ihres eigenen Unternehmens. Und meine beste Freundin. Bei ihrem ganz persönlichen Tipp für den Wein des Monats Mai kommen gleich 2 Weine aus Franken ganz groß raus.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Kerstin Wolf: Zur Zeit sind es zwei Weine, zwischen denen ich mich nicht richtig entscheiden kann. Sie sind vom Familienweingut Johannes Nickel aus Nordheim am Main. Beide sind Jahrgang 2019. Einmal ein Silvaner sowie das so genannte „AllrounderTalent“, das ist ein Müller-Thurgau (Rivaner). Und die sind beide trocken, trocken, trocken…

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diese Weine entdeckt?
Kerstin Wolf:
Ich habe mir vor kurzem was vom Nickel schicken lassen. Im online-shop bietet er ein Genuss-Paket mit 12 Flaschen an, trocken. Bacchus, Kerner, Silvaner Riesling, der Allrounder, einen Rosé und einen Secco. Ich kostete mich durch, da standen teilweise 4 Flaschen im Kühlschrank.

Die Weine von Winzer Johannes Nickel kennst du aber schon länger…
Kerstin Wolf:  …ja, schon seit 2015. Da bin ich mit meiner Schwester von Sommerach nach Nordheim durch die Weinberge gewandert. Es überraschte uns ein Regenschauer. Zum Glück stand eine Art Schutzhütte in den Weinbergen. Wir stellten uns unter – und waren nicht allein. Weitere 8 Erwachsene waren schon da und einer, der Wein ausschenkte. Wir sind also in eine Weinprobe reingeplatzt und uns wurde angeboten, mit zu probieren. Da sagten wir natürlich nicht nein.

Weine mit Seele nach dem Regenschauer

Uns gefielen die Weine sehr, sie waren von besagtem Weingut in Nordheim. Direkt nach dem Regenschauer machten wir uns also auf den Weg dorthin. Auf dem Hof trafen wir dann die Weinproben-Runde wieder, das gab ein großes Hallo. Meine Schwester und ich probierten weitere Wein und deckten uns ein. Und seitdem kaufen wir bei Nickels regelmäßig Wein ein. Wir werden dieses Jahr auch hinfahren, wenn es wieder möglich ist.

Übrigens hat mich Kerstin auch mit den Nickel-Weinen verzaubert. Wir waren 2016 zusammen auf dem Weingut. Die Geschwister Johannes Nickel, der auch eine Edelbrennerei betreibt, und Karolin Schmitt führen das kleine junge Weingut.

Warum sind der Müller-Thurgau und der Silvaner deine Lieblingsweine?
Kerstin Wolf: Der Müller-Thurgau riecht total nach knackigem Apfel. Wie ein noch nicht ganz ausgereifter Korn-Apfel. Wahnsinn. Er ist kräftig und schmeckt richtig gut.
Der Silvaner ist auch Klasse. Der duftet einem total fruchtig aus dem Glas entgegen, ist dabei trocken und schmeckt – ja, wie ein typischer Silvaner.
Wie soll ich es anders sagen? Die Weine sind einfach echt. Deshalb gefallen sie mir so. Richtig schöne Weißweine. Und der Müller-Thurgau hat mich total überrascht, ein schöner, spritziger, trockener Wein, der einfach Spaß macht.

Deine zweite Heimat Franken ist das deutsche Anbaugebiet mit dem größten Silvaner-Anteil an der Gesamtrebfläche. Magst du Weine aus dieser Rebsorte grundsätzlich?
Kerstin Wolf:
Da bin ich eher auf den Nickel bezogen. Wir trinken gerne Silvaner, aber ich bin eher der Riesling-Typ.

Welche Weine trinkst du sonst noch gerne?
Kerstin Wolf:
Italienischen und spanischen Rotwein. Der sollte opulent sein. Und einen guten Prosecco. Und alles trocken, bitte.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Kerstin Wolf:
In der Lehre ging es los mit süßen Weinen (lacht). Das änderte sich dann im Laufe der Jahre. Ich besuchte viele Weinseminare an der Volkshochschule in Bamberg und schmeckte mich dann sozusagen immer mehr in Richtung trocken.
Die Seminare sind eine gute Gelegenheit mitzukriegen, was es überhaupt alles so gibt. Und worauf man achten sollte bei Weinen. Dass zum Beispiel der Preis nicht das Entscheidende ist, sondern der eigene Eindruck: ‚Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht.‘ Und bei diesen Gelegenheiten kann ich eben Weine kosten, die ich mir sonst womöglich ohne vorheriges Probieren niemals kaufen würde. Weil sie sich doch in etwas höherpreisigen Lagen bewegen als das, was ich üblicherweise sonst bezahlen würde.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Kerstin Wolf:
Der Geschmack und der Anlass. Wozu ich diesen Wein genießen möchte. Und da kann es auch mal ein Wein sein, der jenseits der 20 oder 30 Euro liegt. Bei einem besonderen Anlass geht es mir nicht um den Preis, sondern um: Schmeckt er mir oder nicht – und darum, dass der Wein perfekt passt.

Wo kaufst du Weine ein? 
Kerstin Wolf
: In erster Linie in Jacques‘ Wein-Depot. Oder direkt beim Winzer. In Sommerach und Nordheim. Ab und zu auch im Supermarkt. Wenn dort mal ein Wein im Angebot ist und uns die Beschreibung dazu gefällt, dann probieren wir den. Und wenn er gut ist, dann wird er auch gekauft.

Bei welcher Gelegenheit MUSS es ein Glas Wein sein?
Kerstin Wolf:
An einem lauen Sommerabend. Bei einem guten Essen. Und beim gemütlichen Zusammensein mit Freunden.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Kerstin Wolf: Mit meinem Mann, mit meiner Tochter, also mit meiner-Mini-Familie. Ja, und mit Freunden.

Und mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Kerstin Wolf:
Mit der Schauspielerin Hannelore Hoger. Die Frau fasziniert mich mit all ihren Facetten. Ihre Burschikosität. Mich würde interessieren, ob sie wirklich so ist, wie ich sie als Bella Block aus dem Fernsehen kenne. Mir gefällt ihre Art in den Filmen und in ihrem Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“, das ist alles authentisch. Aber ich weiß nicht, ob sie wirklich so ist. Das zu erfahren bei einem Glas Wein, würde mich sehr reizen.

Santé, Jean-Luc Picard!

Santé, Jean-Luc Picard! Was der legendäre Captain mit dem Wein des Monats April zu tun hat? Nun, Sina Maria Hempel verpasste keine Folge der neuen Serie „Star Trek: Picard“, die ja auf Château Picard beginnt. Sie würde mit der fiktiven Kultfigur gerne mal ein Glas Wein trinken.
Für ihren ganz persönlichen Liebling im Glas entführt uns die 33-Jährige ebenfalls nach Frankreich, in den Süden des Landes. Die studierte Gesundheitsökonomin und Prüfungsassistentin bei einer Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft in Ratingen favorisiert einen kräftigen Weißwein.
Also: „Energie!“

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sina Maria Hempel:
Mein derzeitiger Lieblingswein heißt Domaine Bosquet. Der Weißwein des Winzers Pierre Degroote kommt aus Südfrankreich, genauer gesagt aus dem Languedoc-Roussillon.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Sina Maria Hempel: Das ist eine sehr gute Frage, die ich nicht ganz präzise beantworten kann. Den Wein kenne ich schon sehr lange, da ich neben meinem Studium bei Jacques‘ Wein-Depot gearbeitet habe. Ich selbst habe mich lange Jahre auf kräftige, fassbetonte Rotweine konzentriert, da sie mir eine Zeit lang am besten schmeckten.
Die Weißweine schafften es meist nur zur Verkostung, jedoch selten zu mir nach Hause. Vor etwa vier Jahren hatte ich die Rotweine satt und die Weißweine wurden interessanter. Dabei trat dann vor drei Jahren der Domaine Bosquet hervor und ist seitdem als fester Bestandteil im Weinregal geblieben.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sina Maria Hempel: Ich mag Chardonnay, da er in den meisten Fällen nicht so verspielt und blumig wie andere Rebsorten ist. Auch zeichnet er sich selten durch eine starke Säure aus und eignet sich hervorragend für den Ausbau im Fass. Der Domaine Bosquet war zum Teil eine kurze Zeit im Eichenfass. Ich mag Weißweine gerne fassgereift, da sie sich durch einen kräftigen, herberen Geschmack und eine buttrige Note auszeichnen. Dies ist nicht jedermanns Sache, aber es kommt ja darauf an, seinen eigenen Geschmack zu finden und zu kennen.

Begleitet dich ein Wein, den du magst, dann über längere Zeit? Oder probierst du auch gerne andere Tropfen?
Sina Maria Hempel: Ich probiere gerne andere Tropfen. Allerdings schaffen es nicht viele in mein Weinregal. Meist entdecke ich einen Wein und trinke ihn über längere Zeit mit kleineren Unterbrechungen. Irgendwann überzeugt mich dann ein neuer Wein vollständig.

Weingenuss ist wie ein kleiner Urlaub

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen, die für dich ganz wesentlich sind.
Sina Maria Hempel: …ein Genussmittel, ein Luxus. Er ist wie ein kleiner Urlaub, der Entspannung bringt und mich abschalten lässt.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sina Maria Hempel:
Nach meinem Studium waren eine Freundin und ich drei Wochen in Südafrika. In einem Hostel in Kapstadt erzählten uns andere Reisende, wie toll die Wein-Touren wären. Daraufhin buchten wir diese. Wir hatten beide zum damaligen Zeitpunkt gar keine Berührungspunkte mit Wein und somit auch gar keine Ahnung, was uns erwartet.
Die Weingüter und die Natur waren einfach überwältigend. Es ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, in einem Weinberg in der Sonne zu sitzen und beim Winzer verschiedene Weine zu probieren. Nach der Tour war mein Interesse am Wein entfacht. Alles was danach kam, war ein Entwicklungsprozess. Bis heute. Der Geschmack entwickelt sich stetig fort und ändert sich im Laufe der Zeit. Ich denke nicht, dass dieser Prozess jemals abgeschlossen sein wird.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Sina Maria Hempel:
Mir ist wichtig, dass mir der Wein schmeckt und weder Sodbrennen noch Kopfschmerzen verursacht. Ich bin da manchmal empfindlich. Der Preis ist bis zu einem gewissen Punkt sekundär.

Geschichten von Jean-Luc Picard

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sina Maria Hempel:
Mit meinem Mann und seinem Bier…

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sina Maria Hempel:
Ich würde gerne ein Glas Wein mit der fiktiven Figur Jean-Luc Picard trinken. Er weiß ein gutes Glas Wein zu schätzen und könnte mir alte Geschichten über die USS Enterprise erzählen.

Foto: Stefanie Schön

Riesling macht Lust auf Frühling

Lust auf Frühling macht der Riesling, den Niels Ellwanger zu seinem ganz persönlichen „Wein des Monats“ erkoren hat. Der Geschäftsführer der TUSEM Sport- und Marketing GmbH und Vorstand der „conenergy ag“ Essen weiß einen guten Tropfen zu schätzen. Ich als Sponsoring-Partnerin hatte schon das Vergnügen, ihm und seinen Gästen an einem schönen Abend Wein einzuschenken. Niels Ellwanger empfiehlt einen Wein mit witzigem Namen aus Deutschland. Aus einem Weinanbaugebiet, das für Riesling bekannt und berühmt ist. Los geht’s mit dem Schwelgen.

 Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Niels Ellwanger: Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein Riesling aus dem Rheingau, vom VDP-Weingut Fendel, „Fum Allerhinnerschde“.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Niels Ellwanger: Mein Freund Gerhard hat ihn mir zu einem Hähnchenessen mitgebracht. Wir haben ihn mit Genuss getrunken, es war ein sehr, sehr schöner Abend.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Niels Ellwanger: Der Wein hat mir von Beginn an vortrefflich geschmeckt, schon beim ersten Schluck wusste ich, das ist etwas ganz Vortreffliches aus meiner Sicht. Schon am nächsten Tag habe ich mir ein größeres Gebinde davon bestellt. Mich begeistert die Frucht, die mineralische Note, alle Riesling-Fans würden begeistert sein.

Weinprobe mit Weinbegleiter Ruhr bei Niels Ellwanger und Gästen.

Begleitet Sie ein Wein, den Sie mögen, dann über längere Zeit? Oder probieren Sie auch gerne andere Tropfen?
Niels Ellwanger: Ich probiere auch gerne andere Tropfen und ich folge auch gerne den Empfehlungen der Weinbegleiterin Ruhr, von ihr habe ich auch schon Vortreffliches verkostet.
Vielen Dank, das freut mich sehr!
Niels Ellwanger: In der Regel konsumiere ich einen momentanen Lieblingswein überwiegend für einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren, bis er abgelöst wird durch einen anderen.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Niels Ellwanger: Genuss, Entspannung, Freude.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Niels Ellwanger: Das war ein Entwicklungsprozess, der bei Weinen begonnen hat, die ich heute nicht mehr trinken würde.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Niels Ellwanger: Ich probiere sehr viel, trinke gerne Weine der Region, in der ich mich aufhalte. Ich präferiere Weißwein und Rosé. Manches lasse ich auch liegen, einen Chardonnay oder einen Sauvignon Blanc zum Beispiel umgehe ich in der Regel.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Niels Ellwanger: Wein trinke ich am liebsten in Gesellschaft, mit meinen Liebsten und guten Freunden.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Niels Ellwanger: Mit meinen Enkeln später mal, dann würde ich ja noch lange leben…

 

Lust auf eine kleine Auszeit vom Alltag mit Weinprobe? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Wein-Events. Ich freue mich auf Sie!

Ein Rotwein auf die Freundschaft

Ein Rotwein aus Italien ist der Wein des Monats Februar. Indra Hallmann empfiehlt ihn. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen kessen Töchtern in Mülheim an der Ruhr und arbeitet in der Telekommunikations-Branche in der Nähe von Düsseldorf. Klingt nach proppenvollem Terminkalender. Umso wichtiger sind kleine Auszeiten vom Alltag. Auch mit Wein. An einem Mädelsabend hat Indra den roten Italiener für sich entdeckt. Freundinnen und Weingenuss sind bei ihr sowieso ganz dicke.

Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Indra Hallmann: Es ist der 2017er Neropasso* der Familie Biscardo in Venetien (firmiert unter MABIS).

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?
Indra Hallmann: Das war im vergangenen Jahr im Spätsommer. Ich besuchte meine Freundin Andrea. Unsere Männer waren verreist und wir haben uns einen gemütlichen Mädelsabend gemacht. Meine Freundin hat den Wein extra für diesen Anlass ausgewählt. Und ich war begeistert…

Warum ist das dein Lieblingswein?
Indra Hallmann: Der hat einen wunderschönen rauchigen, würzigen Geschmack. Das war mein erster Eindruck. Klar, er ist auch schön fruchtig. Aber das Üppige, Schwere reizt mich bei diesem Wein. Wenn du ihn im Glas schwenkst und er läuft nicht runter wie Wasser, sondern er bildet Schlieren und du meinst, gleich bleibt er am Glas hängen.

Du bist ja passionierte Rotwein-Trinkerin. Haben bei dir auch andere Weine eine Chance?
Indra Hallmann:
Auf jeden Fall, ich probiere gerne etwas Neues aus. Im Sommer trinke ich gerne Weißwein, am liebsten einen Weißburgunder.
Aber Rotwein ist für mich etwas Besonderes. Ich mag einfach das ganz Schwere, rauchig und nach Speck schmeckend. Da steh‘ ich drauf. Australischer Shiraz zählt auch zu meinen Lieblingsweinen.
Rotwein trinke ich ganz gemütlich und mache mir bewusst eine Flasche auf: Wenn der Tag vollbracht ist, die Kinder im Bett sind – dann genieße ich ein Glas. Es können auch zwei sein… (lacht)

Indra Hallmann. Foto: privat

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Indra Hallmann: Grundsätzlich achte ich beim Einkauf von Lebens- und Genussmitteln auf „fairtrade“. Beim Wein ist mir unter anderem wichtig, wo er herkommt und dass er auf Weingütern produziert wird, auf denen die Mitarbeiter vernünftig entlohnt werden.

„Wo liegt preislich beim Weinkauf deine ganz persönliche Grenze?
Indra Hallmann:
Bei einem Wein für den Alltag liegt sie bei maximal 8 bis 10 Euro. Wenn ich mir was richtiges Gutes gönnen will oder es soll etwas Besonderes an Festtagen sein, darf’s bis 20 Euro pro Flasche sein.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Indra Hallmann: Mit meiner Freundin Sandra. Wir kennen uns schon sehr lange, haben gleiche Interessen, es passt einfach alles. Und dazu dann einen schönen Wein. Herrlich. Dann ist es immer Weißwein, weil Sandra nur Weißwein trinkt.
Oder mit meinem Mann. Er trinkt eher sein Bierchen, aber auch gerne einen Wein, wenn ich ‘ne Flasche Rotwein aufmache.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Indra Hallmann: Mit meinem Vater. Er wohnt in Dresden, also sehr weit weg, und ich habe ihn lange nicht gesehen. Da hätte ich Bock drauf. Ich stelle mir das gerade so vor: Ganz spontan, er klingelt an der Haustür mit einer Flasche Wein in der Hand. Rotwein, den mag er auch. Das fände ich cool.

 

* Der Neropasso ist eine Cuvée aus den Rebsorten Corvina, Merlot und Cabernet Sauvignon. Er wird teils im Stahltank, teilweise im großen Holzfass ausgebaut. Das Wesentliche geschieht vor dem Ausbau durch teilweise Anwendung des sogenannten Appassimento-Verfahrens: Ein Teil der Trauben wird vor dem Pressen an der Luft getrocknet. Das macht den Wein später zur wunderbaren aromatischen Wuchtprumme.
Die Valpolicella-Region in Venetien ist berühmt für das Appassimento-Verfahren, das große Weine wie den Amarone della Valpolicella und den süßen Recioto hervorbringt.

Lust auf eine kleine Auszeit vom Alltag mit Weinprobe? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Wein-Events. Ich freue mich auf Sie!

Gänsebraten mit Spezialfüllung zum Fest

Gänsebraten mit Spezialfüllung: Mit diesem Rezept begeistert uns Eventköchin Elly von Elly’s Island im Dezember. „Wein & Speise“ an den Festtagen ist anders als sonst. Die Chefin der Schule für entspanntes Kochen lässt sich in die Karten schauen. „Elly persönlich“ sozusagen. Elly, verheiratet und Mutter von 3 Kindern, verrät uns ihr privates Weihnachtsmenü. Dafür stellt sie sich Heiligabend schon morgens in die Küche. Klingt erst mal nach Stress, ist aber überhaupt keiner, wie Elly betont. Zur Gans gibt’s ihren Lieblingswein.
Hier wird aufgetischt:

Eventköchin Elly.

Weinbegleiter Ruhr: Was kommt Weihnachten bei euch zuhause auf den Tisch?
Elly: Ein klassisches Weihnachtsmenü, das ich immer mit den Kindern zusammen koche. Wir starten mit einer Suppe, die in unserer Familie Sternchensuppe heißt. Das ist eine Rinderkraftbrühe, mit selbst ausgekochten Knochen natürlich. Die Kinder stechen Gemüse in Sternchenform mit einem kleinen Keksausstecher aus, typisches Suppengemüse wie Möhren, Sellerie und Kartoffeln. Manchmal nehmen wir auch Rote Beete, weil das schön aussieht. Und dann kommen kleine Sternchennudeln mit rein sowie klein gewürfeltes Fleisch, aber nicht zu viel, sonst wird die Vorspeise zu üppig.

Kommen wir zum Hauptgang….
Elly: ….eine gefüllte Weihnachtsgans mit Zimtsoße, Spätzle und Rotkohl.

Womit ist der Gänsebraten gefüllt?
Elly: Da sind drin Nüsse, Äpfel, Orangen, Kartoffeln, die ich schon vorher koche, Zwiebeln, ein bisschen ausgelassener Speck und die klein gewürfelte Leber der Gans.

Gekochte Kartoffeln?
Elly: Da hat man automatisch eine Beilage, wenn man das mag. Meine Kinder mögen das nicht, weil die Leber der Gans mit drin ist. Deshalb mache ich für die Kinder Spätzle.
Man füllt eine Gans ja eigentlich nur deshalb, damit sie nicht austrocknet. Wer keine Zeit für eine Füllung hat oder das nicht mag, der kann auch einfach eine dicke Wasserflasche in die Gans stopfen. Hat denselben Effekt wie eine Füllung.

Wo kaufst du die Gans?
Elly: Die kommt aus dem Münsterland von einem Bio-Bauernhof, der das Federvieh an einen Metzger verkauft. Beim Metzger muss man ganz früh, ein halbes Jahr vorher, bestellen. Beim Bio-Bauern ist das keine Massentierhaltung, es gibt nur ein paar Gänse. Und die sind dementsprechend teuer, 4 bis viereinhalb Kilo um die 70 Euro. Aber gut gehalten, nicht gemästet, freilaufend, die kann man sich auch angucken. Ich finde, wer Fleisch isst, sollte sich die Tierhaltung auch mal angucken. Unsere Kinder wissen dann, wo die Gans herkommt und dass sie gut gelebt hat.

Gänsebraten schmurgelt 8 Stunden im Backofen

Wow! Das war der 2018er Gänsebraten.

Wie lange kommt die Gans in den Backofen?
Elly: Ich mach’s mir einfach, deshalb fangen wir auch schon morgens an. Nach dem Befüllen wird die Gans mit Salzwasser und Wildpreiselbeeren eingerieben. Die Flügel werden mit Garn am Körper der Gans festgebunden; wenn sie abstehen, verbrennen sie schnell. Dann noch das grobe Fett entfernen und an den Schenkeln einstechen. Dann geht die 4,5-Kilo-Gans bei 80 Grad für 8 Stunden in den Ofen. Und ich habe nix mehr damit zu tun (lacht). Nach 8 Stunden ist die Gans schön saftig. Dann begieße ich sie und drehe die Temperatur hoch, damit sie eine schöne knusprige Haut bekommt.

Wenn danach noch etwas geht, was gibt’s zum Dessert?
Elly: Zimtparfait, Waldfruchtsorbet und Mousse au Chocolat, damit für jeden was dabei ist.

Alles selbst gemacht?
Elly: Ja, klar!

Doofe Frage…
Welche Getränke reichst du dazu?
Elly: Für unsere Kinder gibt es besonders schöne Gläser, damit sie mit anstoßen können. Ohne Alkohol, versteht sich. Ganz witzig bei unsrem Jüngsten (8): Er mag keine Säfte und andere Fruchtgetränke. Aber Wasser. Je doller es sprudelt, um so besser. Mit einer Zitronen – oder Gurkenscheibe drin, findet er das ganz toll. Die Mädchen (13,16) mögen Ginger Ale oder Limo nach Wunsch, die es so sonst nicht gibt.
Mit meinem Mann stoße ich vor dem Essen mit einem Gläschen Champagner an. Ich habe keine besondere Sorte, die ich bevorzuge. Zum Hauptgang gibt es immer einen schönen Rotwein, da mögen wir einen Südtiroler Lagrein. Der ist kräftig, trocken und hat eine schöne Frucht. Wie mögen den Ausbau im Barrique nicht so. Beim Dessert bleiben wir bei unserem Wein – und fertig.

Du kochst das ganz Jahr über als Profi, privat ist dir offensichtlich der Spaß daran nicht vergangen.
Elly: Ja, das ist für mich Entspannungs-Kochen. Sonntags, wenn Elly’s Island geschlossen ist, sagt mein Mann: ‚Jetzt hast du die Woche über so viel gekocht, komm, lass uns was bestellen.‘ ‚Nee‘, sage ich dann, ‚lass uns einfach nur ein Entspannungs-Kochen machen für uns.‘ Dann bin ich in der Küche, mache Musik an und es gibt ein Glas Wein dazu. Dann koche ich ausgefallen, aber nur für uns. Das genieße ich und das ist Entspannung pur.

Ein Tipp von der Fachfrau: Wie lässt sich Stress bei der Vorbereitung des Weihnachts-Essens vermeiden?
Elly: Man sollte einfach gucken, was man will. Wenn jemand total gerne kocht, so wie ich, der freut sich ja auf so ein besonderes Festmenü. Aber wer das nicht gerne macht, wird das nicht gut finden.
Bei uns zuhause war es zum Beispiel so: Meine Mutter, voll berufstätig, mit drei Kindern, hat immer Kartoffelsalat mit Würstchen gemacht. Das war auch toll. Wir freuten uns darauf, weil es das immer nur Weihnachten gab.
Also jeder sollte für sich entscheiden, ob es aufwändig sein soll oder nicht. Es darf nur nicht in Stress ausarten. Wenn man ein Festmenü haben möchte, aber einem das nur Stress bereiten würde, geht man zu einem guten Caterer, der alles vorbereitet und liefert.

Was wünscht du dir für 2020?
Elly: Dass meine Vorweihnachtszeit mal besinnlich wird. Das ist für mich immer die größte Stress-Zeit. Und ich glaube, das schleppe ich auch so ein bisschen mit nach Hause.
Ich lege meine Kurse und Events so, dass der 20.12. mein letzter Arbeitstag ist. Und dann fängt am 21.12., mein Geburtstag, Weihnachten an und ich kann alles zur Ruhe bringen.
Ich würde die Adventszeit gerne mal entspannter hinkriegen. Aber ich glaube, das geht nicht… (lacht)

 

Ob Gänsebraten & Lagrein oder andere Köstlichkeiten: Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Wein-Empfehlungen. Ich freue mich!

Den Korken ziehen – und lächeln!

Den Korken ziehen – und sich dann auf das Überraschungspaket aus der Flasche freuen. Das ist die Passion von Ornett Ragoschat. Diese Leidenschaft lebt die IHK-geprüfte Sommelière seit Ende 2016 als „Die Korkenzieherin“ im eigenen, gleichnamigen Weinfachgeschäft im Herzen von Erfurt. Die gebürtige Thüringerin stellt ihren „Wein des Monats“ Dezember vor. Lassen wir uns von ihrer Begeisterung für Wein und von ihrem Wortwitz verzaubern. Und von ihrer Gabe, Gerüche in Worte und Bilder zu fassen, die jeder Mensch versteht.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Ornett Ragoschat: 
Das ist der Riesling „7 Terroirs“ von Gut Hermannsberg von der Nahe.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Ornett Ragoschat: 
Das ist kurios. Viele Winzer, die unverwechselbar und auch teilweise sehr bekannt sind, kamen bisher zu mir in den Weinladen. Ich habe das große Glück, dass alle coolen Leute selber mal hier waren oder es kamen Empfehlungen über 3 Ecken. Die lassen Probeflaschen da und wir reden kurz über die Weine. Da muss natürlich der Funke überspringen und eine Sympathie da sein.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Ornett Ragoschat:
Das Spannende bei Gut Hermannsberg war für mich: Ich hatte Riesling von der Nahe bis dato noch nicht probiert. Das hat mich interessiert. Noch dazu von einem  VDP-Weingut. Bei diesem Wein sind sieben Große Lage(n) in einer Flasche vereint. Und: Ich mag sehr mineralische Weine. Dieser Riesling kommt frisch und forsch daher. Er bietet ganz viel zum Nachdenken. Der langweilt dich nicht, ist aktiv. Er ist was Besonderes im Mund.

Weinfachgeschäft „Die Korkenzieherin“.

Du bist „Die Korkenzieherin“. Aus welchen Flaschen ziehst du die Korken? Wie setzt sich dein Sortiment zusammen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich ein bisschen nach mir. Ich möchte immer wieder neue Weine kennenlernen. Obwohl ich bestimmt 5 Lieblinge habe, die im Sortiment bleiben. Die laufen gut. Aber ansonsten sorge ich für Bewegung im Weinregal. Und damit auch im Gehirn und im Anspruch an mich selbst.
Zur Hälfte sind meine Weine aus Deutschland, wir leben ja schließlich hier. Ich habe selten die neue Welt im Sortiment, sonst neben Deutschland die klassischen Weinländer Italien, Spanien, Portugal, Österreich, Frankreich.

Was hält „Die Korkenzieherin“ von Schraubverschlüssen?
Ornett Ragoschat: Das sehe ich ganz pragmatisch, das ist eine saubere Angelegenheit. Das Gefühl für den Wein und das ganze Drumherum geht zwar mit dem Schraubi ein bisschen flöten. Und wenn jemand einen Rotwein mit Schraubverschluss wünscht, gucke ich auch erst mal. Aber für knackig frische und belebende Weißweine ist das eine tolle Sache.

Auf deiner Internetseite wirbst du für „Beratung ohne großes Tamtam“? Was heißt das konkret?
Ornett Ragoschat:
Das hat mal jemand über mich in einer positiven Kritik bei Google geschrieben: ‚Die Korkenzieherin von der Langen Brücke, cooler Laden, ohne großes Tamtam , ohne Chichi.‘ Das fand ich cool. Denn genauso ist es auch. Ich will nicht mit tiefsinnigem Fachwissen punkten, sondern ich hole die Leute ab, wenn sie in den Weinladen kommen. Ich lasse mich darauf ein: Haben sie Zeit oder nicht? Sind sie fordernd? Sind sie zurückhaltend? Steht da ein Anfänger vor mir? Oder ist es ein Profi, son Möchtegern-Profi, weißte. Oder, oder, oder… Da gucke ich, stelle ein, zwei Fragen, und dann wird man sich schnell einig. Aber mehr so auf der persönlichen Ebene. Ich brauche schon ein, zwei Inspirationen. Man muss sein Wissen auch nicht einfach so rausschleudern. Damit muss man mit Bedacht umgehen. 

„Wein ist für mich ….“ – Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen!
Ornett Ragoschat:
Eine Kostprobe von zuvor erworbenen Gerüchen in meiner Nase.

Immer der Nase nach – bist du so auf den Wein gekommen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich kommt man nur dazu, wenn man gerne riecht. Ich rieche total gerne, egal an was. Und ich verbinde mit Gerüchen auch viel Vergangenheit. Vielleicht schwelge ich so gerne in der Vergangenheit, weil alles so schön war. Bei Gerüchen bleiben ja nur die positiven Sachen im Gedächtnis. Schon als Kind zogen mich Gerüche an: Bei Oma roch’s immer ein bisschen nach feuchtem Schimmel, kombiniert mit Bäuerlichkeit. Und das Bett war ein bisschen klamm, aber dafür hattest du einen geilen Weichspüler. Oder wenn meine Mutter das Bett frisch bezogen hatte, dann habe ich mich da reingeschmust.

„Das riecht brackig mit ein bisschen Algen dran, wie an der Ostsee“

Aber du kannst Gerüche nur wiedererkennen, wenn du wirklich mal daran gerochen hast. Wenn du keine Lust dazu hast oder du bist ein empfindlicher Heini, dann wird das nichts. Wenn du alle Eindrücke kombinieren kannst und du hast Emotionen dabei, wenn du riechst, dann ist das ein super Beruf. Das habe ich für mich beim Wein entdeckt. Habe daran gerochen und dachte zum Beispiel: ‚Das riecht nach irgendwas Gebrauchtem. Oder nach Glühweingewürz. Oder nach was Brackigem mit ein bisschen Algen dran wie an der Ostsee.‘ Da kann man sich richtig lange aufhalten.

Hast du einen Lieblingsgeruch?
Ornett Ragoschat: Hm…. Frisches Gras mag ich, so ein bisschen mit Heu. Obwohl ich Heuschnupfen habe. Aber ich weiß, wie das früher immer so war im Heuschober: Frisches Heu, ein bisschen getrocknete Blüten mit drin. Oder wenn es geregnet hat, über einen Rasen laufen, mit so hohem Gras, das quietscht wenn man es zwischen die Daumen hält und reinpustet. Wenn man da durchläuft, das ist ein cooler Geruch.

Ornett Ragoschat und Stuart Pigott. Foto: privat

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Ornett Ragoschat:
Mit Menschen, die Zeit haben. Und die lächeln, wenn ein Wein geöffnet wird. Und genauso gespannt sind wie ich, was sich in der Flasche verbirgt. Das ist jedes Mal aufs Neue ein Überraschungspaket.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Ornett Ragoschat:
Stuart Pigott, er war ja mein Dozent an der Deutschen Wein- und Sommelierschule Berlin. Den habe ich auch bei der Weinverkostung von Gut Hermannsberg wiedergetroffen. (Wo der famose Weinkenner, Autor, Journalist seit März 2019 als „Riesling Ambassador“ tätig ist.) Aber einen Wein getrunken habe ich mit ihm noch nicht. Das könnte ich mir gut vorstellen. Cooler Typ. Enormes Wissen und viel Erfahrung, der kann das von der Pike auf. Der weiß viel zu erzählen.

Was wünscht du dir für 2020?
Ornett Ragoschat:
Ich wünsche mir jemanden wie mich, der hier als unterstützender Pol mit reinkommt. So ein Inspirations-Faktor. Dass mir jemand über den Weg läuft, der so tickt wie ich. Und dass wir uns dann zusammen im Weinfachgeschäft schön austoben können.

Fotos (3): Andreas Pöcking

Lust auf eine kleine Auszeit vom Alltag mit Weinprobe? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Wein-Events. Ich freue mich auf Sie!