Ein Rotwein auf die Freundschaft

Ein Rotwein aus Italien ist der Wein des Monats Februar. Indra Hallmann empfiehlt ihn. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei kleinen kessen Töchtern in Mülheim an der Ruhr und arbeitet in der Telekommunikations-Branche in der Nähe von Düsseldorf. Klingt nach proppenvollem Terminkalender. Umso wichtiger sind kleine Auszeiten vom Alltag. Auch mit Wein. An einem Mädelsabend hat Indra den roten Italiener für sich entdeckt. Freundinnen und Weingenuss sind bei ihr sowieso ganz dicke.

Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Indra Hallmann: Es ist der 2017er Neropasso* der Familie Biscardo in Venetien (firmiert unter MABIS).

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?
Indra Hallmann: Das war im vergangenen Jahr im Spätsommer. Ich besuchte meine Freundin Andrea. Unsere Männer waren verreist und wir haben uns einen gemütlichen Mädelsabend gemacht. Meine Freundin hat den Wein extra für diesen Anlass ausgewählt. Und ich war begeistert…

Warum ist das dein Lieblingswein?
Indra Hallmann: Der hat einen wunderschönen rauchigen, würzigen Geschmack. Das war mein erster Eindruck. Klar, er ist auch schön fruchtig. Aber das Üppige, Schwere reizt mich bei diesem Wein. Wenn du ihn im Glas schwenkst und er läuft nicht runter wie Wasser, sondern er bildet Schlieren und du meinst, gleich bleibt er am Glas hängen.

Du bist ja passionierte Rotwein-Trinkerin. Haben bei dir auch andere Weine eine Chance?
Indra Hallmann:
Auf jeden Fall, ich probiere gerne etwas Neues aus. Im Sommer trinke ich gerne Weißwein, am liebsten einen Weißburgunder.
Aber Rotwein ist für mich etwas Besonderes. Ich mag einfach das ganz Schwere, rauchig und nach Speck schmeckend. Da steh‘ ich drauf. Australischer Shiraz zählt auch zu meinen Lieblingsweinen.
Rotwein trinke ich ganz gemütlich und mache mir bewusst eine Flasche auf: Wenn der Tag vollbracht ist, die Kinder im Bett sind – dann genieße ich ein Glas. Es können auch zwei sein… (lacht)

Indra Hallmann. Foto: privat

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Indra Hallmann: Grundsätzlich achte ich beim Einkauf von Lebens- und Genussmitteln auf „fairtrade“. Beim Wein ist mir unter anderem wichtig, wo er herkommt und dass er auf Weingütern produziert wird, auf denen die Mitarbeiter vernünftig entlohnt werden.

„Wo liegt preislich beim Weinkauf deine ganz persönliche Grenze?
Indra Hallmann:
Bei einem Wein für den Alltag liegt sie bei maximal 8 bis 10 Euro. Wenn ich mir was richtiges Gutes gönnen will oder es soll etwas Besonderes an Festtagen sein, darf’s bis 20 Euro pro Flasche sein.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Indra Hallmann: Mit meiner Freundin Sandra. Wir kennen uns schon sehr lange, haben gleiche Interessen, es passt einfach alles. Und dazu dann einen schönen Wein. Herrlich. Dann ist es immer Weißwein, weil Sandra nur Weißwein trinkt.
Oder mit meinem Mann. Er trinkt eher sein Bierchen, aber auch gerne einen Wein, wenn ich ‘ne Flasche Rotwein aufmache.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Indra Hallmann: Mit meinem Vater. Er wohnt in Dresden, also sehr weit weg, und ich habe ihn lange nicht gesehen. Da hätte ich Bock drauf. Ich stelle mir das gerade so vor: Ganz spontan, er klingelt an der Haustür mit einer Flasche Wein in der Hand. Rotwein, den mag er auch. Das fände ich cool.

 

* Der Neropasso ist eine Cuvée aus den Rebsorten Corvina, Merlot und Cabernet Sauvignon. Er wird teils im Stahltank, teilweise im großen Holzfass ausgebaut. Das Wesentliche geschieht vor dem Ausbau durch teilweise Anwendung des sogenannten Appassimento-Verfahrens: Ein Teil der Trauben wird vor dem Pressen an der Luft getrocknet. Das macht den Wein später zur wunderbaren aromatischen Wuchtprumme.
Die Valpolicella-Region in Venetien ist berühmt für das Appassimento-Verfahren, das große Weine wie den Amarone della Valpolicella und den süßen Recioto hervorbringt.

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Chillen mit einem Lugana im Glas

Ruhrcamping muss man einfach einmal erlebt haben. Für mich ist der Platz im Essener Osten einer der schönsten im Ruhrgebiet. Neben klassischen Camping können Gäste hier in acht bunt bemalten Bauwagen übernachten, die nach Essener Stadtteilen benannt sind. Ich selbst nächtigte bereits im Bauwagen „Überruhr“, der direkt am Flussufer steht. Traumhaft! Das kleine Paradies abseits vom Großstadttrubel trägt die Handschrift von Inhaberin Simone Bauer. Mit ihrem Motto „Chillen erwünscht!“ meint sie es ernst. Gäste finden hier Ruhe und Natur pur. Und ein lauer Sommerabend lädt gerade dazu ein, ein Glas Wein zu genießen. Vielleicht einen Lugana. Simone Bauers derzeitiger Favorit stammt aus Italien. Es ist so eine Art herrliche Sommerwiese im Glas. Die Fachfrau für kleine Fluchten aus dem Alltag zieht den Korken für den Wein des Monats Juli.

Weinbegleiter Ruhr: Welchen Lieblingswein hast du? Wie heißt er, woher stammt er?
Simone Bauer:
Es ist der Lugana des Weinguts Zonin vom Gardasee.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Lugana entdeckt?
Simon Bauer:
Ich habe den Wein bei Freunden probiert, beim Grillen an einem warmen Tag. Auch bei diesen Gelegenheiten trinke ich lieber Wein statt Bier. Ich bin kein Biertrinker, das ist mir zu herb. damit kann ich nichts anfangen.

Der derzeitige Lieblingswein von Simone Bauer.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Simon Bauer: Es ist mein Sommer-Favorit,  einfach ein perfekter Wein. Er ist so herrlich fruchtig und erfrischend. Eiskalt schmeckt er am besten. An einem schönen Sommertag muss es einfach Weißwein sein. Da kommt auch schon mal ein Eiswürfel ins Glas, also wirklich nur einer.

Bist du bei der Weinauswahl eher festgelegt auf eine bestimmte Stilistik oder darf es auch mal etwas Neues sein?
Simone Bauer: Ich probiere gerne aus, bin da nicht so festgelegt. Es darf auch gerne mal ein Grauburgunder sein. Nur ein lieblicher oder süßer Wein geht gar nicht. Und Rotwein trinke ich bevorzugt im Herbst und Winter.

Auf eurer Terrasse wächst eine stattliche Weinrebe im Blumenkübel. Wo hast du die aufgegabelt?
Simone Bauer: Die habe ich auf dem Blumenmarkt in Steele gekauft. Es ist eine rote Rebsorte. Welche, weiß ich nicht. Es sind sehr kleine Beeren. Im vorigen Jahr habe ich die Trauben zu Gelee verarbeitet. Für drei Gläser hat es gereicht. In diesem Jahr reift nur eine einzige Traube.

Ist Ruhrcamping eigentlich eher etwas für die Biertrinker-Fraktion?
Simone Bauer: Nein, das würde ich nicht sagen. Im Altglas stehen immer etliche leere Flaschen Wein. Oft auch teure und hochwertige. Da ist schon ordentlich was dabei.

 

Ein Ripasso zum Niederknien!

Willy W. Kellermann kennt sich aus: mit dem gedruckten Wort und Bild, mit köstlichen Netzwerk-Veranstaltungen – und mit Ripasso*. Der Unternehmer aus Essen zieht für diesen besonderen italienischen Tropfen den Korken für den Monat April 2018. Der Allrounder Kellermann ist ein alter Fuchs in der Druckbranche und inzwischen selbstständig in der Druckindustrie tätig.
Wenn er nicht gerade im Norden der Republik beratend oder medientechnisch unterwegs ist, knüpft er Netzwerke. Sein wwk-networks business-lunch in der Kochschule „Lecker Werden“ hat sich binnen kürzester Zeit etabliert. Und spätestens hier wird klar: Der Mann, verheiratet und Vater  einer Tochter, kann in vollen Zügen genießen. Zum Beispiel Ripasso. Der Rote ist reserviert für Momente, die für Sternstunden taugen.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt ihr Lieblingswein, woher stammt er?
Willy W. Kellermann: Es ist der Ripasso Superiore des italienischen Weinguts „Tenuta Santa Maria“. Das liegt im Anbaugebiet Valpolicella in Venetien.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Willy W. Kellermann:
Meine Golftouren an den Gardasee enden immer mit einer Weinprobe in einem anderen Weingut des Valpolicella. Und auf einer dieser Fahrten habe ich ihn entdeckt. Doch ich muss ein wenig zurückgreifen: Ich hatte in Essen-Werden bei „Da Omero“ einen hervorragenden Rotwein des Weinguts Tenuta Santa Maria genossen. Der Wein hieß „La Bandina“ und so etwas war mir bis dato noch nicht untergekommen.
Ich begab mich also mit meinen Mitspielern, die ebenfalls große Valpolicella-Fans sind, auf die Spuren dieses Weines. Dafür nahmen wir eine Fahrt von über 2 Stunden von unserem Golfplatz am südlichen Gardasee in die Berge in Kauf. Das ist jetzt ca. 15 Jahre her, wir haben nicht nur den „La Bandina“, sondern unter anderem auch den Ripasso probiert und waren begeistert. Wir luden das Auto voll und packten für jeden ausreichende Mengen ein. Damals waren der Ripasso und La Bandina noch erschwinglich. Mittlerweile ist sowohl der La Bandina als auch das Weingut bekannt und leider auch teuer geworden.
Seitdem ist dieser Ripasso Superiore etwas ganz Besonderes für mich. Ich gönne mir ihn immer mal wieder bei ganz besonderen Gelegenheiten.

Der Mann, der Wein und das Meer: Willy W. Kellermann. Fotos: privat

Warum ist das Ihr Lieblingswein, was begeistert Sie?
Willy W. Kellermann: Ich esse sehr gerne Fleisch, in allen Variationen – dazu passt dieser Ripasso ganz hervorragend. Der Wein hat besonders feine und weiche Tanine und Aromen von Kirschen und  Heidelbeeren. Ich schmecke auch noch ein wenig  Lakritz und Pfeffer. Die Ripasso-Methode bringt dann noch die charakteristische Weichheit und ein besonderes Aroma. Zum Niederknien!

Haben Sie auch einen Lieblingswein für den Alltag?
Willy W. Kellermann: Mein Wein, den ich bei fast jeder Gelegenheit trinke, ist ein Weißburgunder von der Nahe, vom Weingut Poss. Er ist für mich ein idealer Menüwein, trocken, leicht, er hat wenig aber eine frische Säure. Sein dezentes Aroma erinnert mich an Apfel, Birne und ein wenig an Zitrusfrüchte. Er passt besonders gut zu Meeresfrüchten und Fisch. Und gut gekühlt passt er einfach auch zu einem schönen Sommerabend auf der Terrasse.

In Ihrem Fall wurde Ihnen die Liebe zum Wein in die Wiege gelegt. Sie stammen aus dem kleinsten Weinanbaugebiet in Deutschland…
Willy W. Kellermann:
….ich bin an der Hessischen Bergstraße groß geworden, in Unterhambach bei Heppenheim. Meine Großeltern hatten einen eigenen kleinen Weinberg. Ich habe selbst die „Butt“ getragen und die Trauben mit den nackten Füßen eingestampft und dann in einer Weinpresse von Hand gekeltert. Der Wein war für den Eigenbedarf, später lieferten wir die Trauben in eine Winzergenossenschaft, die den Wein für uns machte. Von Kindesbeinen an erlebte ich also ganz direkt, wie aus Trauben Wein entsteht.

 

*Das Wort Ripasso kommt vom italienischen „ripassare“, was die „Wiederholung eines Vorgangs“ bedeutet. Nicht, dass der Wein eine zweite Chance braucht… Vielmehr kommt der Wein aus den Ripasso-Trauben (Corvina, Rondinella und Molinara) ein zweites Mal auf etwas, das eigentlich, salopp geschrieben, schon ausgelutscht ist: auf die abgepressten Traubenschalen (Trester) des berühmten Amarone-Weines. Klingt zunächst nicht lecker, ist es am Ende aber: Die Ripasso-Methode bedeutet von allem viel im Glas: Farbe, Aromen, Gerbstoffe wie Samt und Seide, langer Abgang.