Bunter Herbst mit Grauburgunder

Ein Grauburgunder sorgt beim Wein des Monats Oktober für gute Laune im Glas. Bei Beata Krebs hat er einen „Wow!-Effekt“ ausgelöst. Die diplomierte Käse-Sommelière und Seminar-Leiterin ist Chefin an der Käsetheke eines Edeka-Supermarktes in Wesel. Kulinarischer Genuss ist ihr eine Herzensangelegenheit, mit der sie sich und anderen Menschen immer wieder Freude bereitet. Hier ihre Empfehlung, bei der mit Sicherheit kein Herbstblues aufkommt.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr Lieblingswein, woher stammt er?
Beata Krebs: Derzeit ist es ein kraftvoller Grauburgunder mit 13 Volumenprozent Alkohol; ein 2018er, trocken, vom Weingut Brunnenhof in Bernkastel-Kues an der Mosel. Er ist dabei sehr fruchtig und wirkt am Gaumen weich und cremig.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein entdeckt?
Beata Krebs: Ein Stammkunde erzählte mir von diesem Wein und schenkte ihn mir. Ich probiere gerne neue Lebens- und Genussmittel sowie neue Gerichte aus. Abends nach der Arbeit verkostete ich den Grauburgunder. Ich dachte: ‚Wow! Ein edler Tropfen.

Grauburgunder zum Feierabend

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Beata Krebs: Er trinkt sich leicht und ist sehr angenehm im Abgang. Einfach ein Genuss. Der richtige Wein zum Feierabend.
Bei Wein bin ich sehr wählerisch. Mir schmeckt bei Weitem nicht alles. Wenn ich einen Wein trinke, darf ich keinen ‚Schüttelfrost‘ beim Trinken bekommen. Das mag ich nicht.

Käse-Sommelière Beata Krebs.

Beata Krebs: Mir ist schon wichtig, dass der Wein eine angenehmen Frische und  Fruchtnote hat. Guter Wein darf gerne ein bisschen mehr kosten. Wenn man sich selbst liebt, dann sollte man darauf  achten, dass man nur das Beste zu sich nimmt.

Bei welcher Gelegenheit MUSS es ein Glas Wein sein?
Beata Krebs: Bei einem geselligen Abend mit Freunden.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Beata Krebs:
Mir ist schon wichtig, dass der Wein eine angenehmen Frische und  Fruchtnote hat. Guter Wein darf gerne ein bisschen mehr kosten. Wenn man sich selbst liebt, dann sollte man darauf  achten, dass man nur das Beste zu sich nimmt.

Was ist für Sie als Käse-Sommelière Ihre ganz persönliche Traumkombination Käse und Wein?
Beata Krebs: Was immer gut passt, ist Blauschimmel-, Edelpilzkäse mit einer Beerenauslese. Die Süße der Beerenauslese verträgt sich gut mit dem Salzgehalt des Käses.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Beata Krebs: Gerne mit mein Mann am Abend – bei Kerzenschein und gutem Käse.

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Zauberhafte Mosel

Mosel – das war das Zauberwort, als ich Bodo Kalveram aus Essen beim Netzwerk-Neujahrsgrillen der Agentur schüngelschwarz kennenlernte. Sofort waren wir beim Wein – und schwelgten. Der Geschäftsführer der Regionalagentur NRW e.V. ist nicht nur Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsexperte. Sondern auch Künstler. Er malt wunderschön – und macht sich hier beim Wein des Monats Juni 2019 unter anderem Gedanken darüber, was Kunst und Wein gemeinsam haben.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Bodo Kalveram:
Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein 2018 Blanc de Noir von der Mosel. Das Weingut heißt Göbel-Schleyer-Erben und ist in Ernst beheimatet. Ernst liegt rund 5 km unterhalb von Cochem. Der Wein hat eine sattgelbe, leicht ins rötlich gehende Farbe und trägt die Bezeichnung „feinherb“. D.h. der Wein hat eine schöne leichte Restsüße mit vielen fruchtigen Aromen. In der Nase sind auch Südfrüchte und irgendwie passt der Wein zu vielen Speisen.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Bodo Kalveram: Den Wein habe ich bei unserem diesjährigen Osterurlaub an der Mosel entdeckt. Wir fahren schon traditionell an Ostern zum Weingut und am Ostersamstag nehmen wir immer an der Weinprobe teil . Dabei waren auch schon ein paar neue Weine aus 2018. Die Moselwinzer haben meistens ein paar Überraschungen parat. Auch diesen Blanc de Noir, also ein Weißwein, der aus roten Trauben gewonnen wird.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Bodo Kalveram: Der Wein erinnert mich auch an ein sehr sonniges Osterfest mit guten Freunden. Mit diesem leichten, fruchtigen und intensiven Wein verbinde ich aber auch tolle Sommertage an der Mosel aus dem Vorjahr. Der Wein ist superdicht und duftet nach einer sommerlichen und lieblichen Mosellandschaft.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Bodo Kalveram: 
Auch durch die Mosel. Meine Frau und ich waren 2002 zum ersten mal an Mosel und waren sofort gefesselt von der Landschaft, dem Fluss, den Winzern und den tollen Weinen, Seit dem gehören die deutschen Weinanbaugebiete zu unseren bevorzugten Urlaubszielen. Nahe, Ahr, Rheinhessen, Kaiserstuhl, Franken und immer wieder Mosel.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Bodo Kalveram: Bei der Weinauswahl gilt das einfache Prinzip, erst probieren, dann kaufen… Gerne Weine mit Fülle und feiner Süße und gerne bei Winzern, die man auch persönlich kennt. Im Winter gerne Rot, im Sommer Weiß und Rosé. Natürlich spielt der Preis auch ein Rolle, bei einer Weinmesse habe ich einmal den teuersten Wein des Winzers probiert und war total enttäuscht. Generell liegen meine Weine meistens unter 10,00 Euro.

Monalitha. Bodo Kalveram.

Sie sind (auch) Künstler und beeindrucken als Maler mit einem ganz individuellen Malstil. Bei vielen Ihrer Bilder kann der Betrachter im Farbenrausch schwelgen. Gibt es für Sie Parallelen zwischen Kunstgenuss und Weingenuss?
Bodo Kalveram: Bei Kunst und Wein gibt es aus meiner Sicht viele Parallelen. Bei Wein geht es um Genuss und Assoziationen an schöne Momente, ebenso bei der Betrachtung von (meinen) Bildern. Einen guten Wein herzustellen, hat auch etwas mit Kunst zu tun, genauso wie ein Bild zu malen. Und meiner Meinung nach, kommt Kunst von Können… darum schmeckt auch jeder Wein und Jahrgang anders und ist im Grunde ein Unikat, genauso wie ein original handgemaltes Bild.

Was hat es mit dem Bild „Monalitha“ auf sich, der Frau mit überschäumendem perlenden Getränk im Glas?
Bodo Kalveram: 
Mein Bild „Monalitha“ steht für die Ambivalenz des Lebens. Auf der einen Seite der Genuss und das Gefühl sich etwas gönnen zu können, und auf der anderen Seite der angebissene Apfel, der für den Verbrauch der Welt steht. D.h. wenn wir weiterhin hemmungslos konsumieren, dann wächst im wahrsten Sinne des Wortes bald nichts mehr nach. Aber auch die Botschaft, daß Schönes (Mona Lisa) auch Jahrhunderte überdauern kann, wenn man bewusst mit Werten und in der weiteren Konsequenz, auch mit der Natur, umgeht.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Bodo Kalveram: Am liebsten proste ich meiner Frau zu…..

Weinlese an der Mosel – im Superjahr 2018

Die Weinlese 2018 war und ist so besonders wie der heiße Sommer in diesem Jahr. Winzer Peter Göbel aus Ediger-Eller an der Mosel stöhnt nicht – im Gegenteil. Mit seiner Frau  Jenny Göbel betreibt er ein kleines, feines Familienweingut mit Tradition. Und, wie sollte es in der ältesten Weinregion Deutschlands anders sein, Peters Weinberge sind überwiegend mit Riesling bestockt. Der Winzer zieht eine persönliche Bilanz.

Weinbegleiter Ruhr: Wann begann bei euch in diesem Jahr die Weinlese?
Peter Göbel: Das war am 11. September, direkt nach dem Edigerer Straßenfest, wir hatten kaum Zeit zum Aufräumen nach dem Fest. Normalerweise beginnt die Weinlese Ende September, für den Riesling Anfang Oktober.

Und jetzt seid ihr schon fertig…
Peter Göbel: …seit dem ersten Oktoberwochenende, so früh wie noch nie.

Habt ihr jemals zuvor so früh mit der Weinlese begonnen?
Peter Göbel: Ja, im vergangenen Jahr, aber aus einem anderen Grund. Durch den heftigen Frost im Frühjahr gab es Ernteverluste. Die Rebe trug 2017 von Natur aus weniger Frucht und wurde dadurch früher reif.
In diesem Jahr war aber nicht der heiße Sommer der Grund für den frühen Lesebeginn. Sondern der sehr frühe Austrieb im Frühjahr. Der Sommer selbst hatte keinen wesentlichen Einfluss. Bei der Hitze und Trockenheit stellten die Pflanzen phasenweise einfach ihr Wachstum ein.

Clever.
Peter Göbel: Wenn der Rebstock nicht wächst, braucht er auch kein Wasser. Und wenn es auf Dauer zu heiß ist, dreht die Rebe einfach ihre Blätter und nutzt sie wie einen Sonnenschutz.

Rebstock schützt sich vor Sonne

Deshalb hat die Laubarbeit auch so eine große Bedeutung. Hätte ich zu viel oder an den falschen Stellen Laub entfernt, hätte die Rebe tatsächlich Sonnenbrand bekommen. Da müssen wir inzwischen sehr vorsichtig sein. Ich entferne sehr früh Blätter, damit sich die Traube im Laufe der Zeit daran gewöhnen kann.

Jenny, Peter und ich beim Nachladen für meine Kundschaft.

 

Was heißt Sonnenbrand bei Trauben?
Peter Göbel: Die Beerenhaut verbrennt und die Traube geht kaputt.

Der Rebstock macht bei der Hitze also keine Welle?
Peter Göbel: Da muss man differenzieren: Hauptsächlich der Riesling ist mit den hohen Temperaturen gut klargekommen. Riesling wurzelt immer so tief, wie er es nötig hat. Außer junge Reben, die mussten gewässert werden.

Aber ein ausgewachsener Rebstock kann bis zu 12 Meter tief wurzeln, also er sucht sich sein Wasser über die Jahre. Andere Rebsorten wie zum Beispiel die Burgunder und Müller-Thurgau können das nicht. Dann gibt es Trockenstress, die Blätter werden gelb und die Trauben können nicht mehr versorgt werden. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Weinberg im Flachlage leidet unter der Hitze, einer in Steillage bleibt grün. Das ist paradox.

Ist dieser frühe Lese-Start nun eine Folge des Klimawandels?
Peter Göbel: Definitiv. Das spüren wir im Weinbau. Und das schon seit 20 Jahren. Auf die Erfahrungswerte unserer Vorfahren können wir nicht mehr setzen. Es zählt nichts mehr, wir müssen ganz anders als früher reagieren. Und zum Glück sind wird die Region in Deutschland, die am spätesten erntet. Auch, weil der Riesling eine spät reifende Rebsorte ist. Wir können auf die ersten Informationen von Winzerkollegen aus der Pfalz, aus Rheinhessen und Baden zurückgreifen.

„Bin sehr zufrieden mit der Qualität“

Dein Fazit zur Weinlese 2018:
Peter Göbel: Ich bin sehr zufrieden mit der Qualität. Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen – und niemand kann sich erinnern, in der Vergangenheit schon mal so etwas Schönes erlebt zu haben. Wir haben schöne gesunde Trauben, alle wichtigen Qualitäten haben wir erreicht. Nichts unter 85 Grad Oechsle, also alles Spätlese-Qualität und mehr.

Dann hat dir die Gluthitze eher genützt als geschadet hat?
Peter Göbel: Der Vorteil: Es traten kaum Krankheiten wie unerwünschte Fäulnis auf. Jetzt entwickelt sich langsam Botrytis (ein Schimmelpilz, Anm. Weinbegleiter Ruhr) , was ja perfekt ist für Beeren-und Trockenbeerenauslesen. In diesem Jahr war optimal, dass wir seit Ende August kühle Nächte und warme Tage haben. Das ist das Beste für die Aroma-Bildung.

Riesling wie gemalt.

Hast du für Süßweine noch Trauben hängen lassen?
Peter Göbel: Ich nicht, aber mein Schwager – für Eiswein. Das ist ein Test, wäre schön, wenn es klappt.

Wie war die Ernte in Zahlen ausgedrückt?
Peter Göbel: Unsere 2 Hektar haben 20 000 Liter ergeben. Das heißt, pro Quadratmeter einen Liter Wein. Das ist für einen Selbstvermarkter wie mich, der großen Wert auf Qualität legt, ein sehr guter Schnitt.

Was bedeutet der Riesling für dich?
Peter Göbel: Ganz einfach: Nur mit Riesling gibt es die Mosel und 2000 Jahre Weingeschichte. Ohne Riesling keine Mosel mit dieser unvergleichlichen Kulturlandschaft, den schönen Dörfern.

…und ganz persönlich…
Riesling ist der Grund, warum ich Winzer bin. Das ist meine Identität. Alle unsere Fans kommen an die Mosel, um zu entdecken, was Riesling wirklich ist.

 

Fotos: Peter Göbel, Susanne Storck

 

 

Messwein – ganz irdisch von der Mosel

Einmal Messwein probieren… Das erlaube ich mir in der Adventszeit für den „Wein des Monats“ Dezember und suche dafür einen besinnlichen Ort im Bistum Essen auf – das Essener Münster am Burgplatz. Das ganz irdische Weinrecht ist zwar inzwischen so streng und ausgefeilt, dass es in der katholischen Kirche keine spezielle Verordnung mehr für Messwein geben muss. Jedoch: Was hat es mit einem solchen Tropfen auf sich, der in der Eucharistiefeier der katholischen Kirche zum Blut Christi wird? Ich treffe mich mit Domkapitular Dr. Michael Dörnemann in der Sakristei des Doms. Und da halten wir uns nicht mit so wundersamen Dingen auf, Wasser in Wein zu verwandeln….

Weinbegleiter Ruhr: Welcher Wein kommt bei der Heiligen Messe im Dom in den Kelch?
Michael Dörnemann: Derzeit verwenden wir im Dom hauptsächlich einen 2015er Riesling Classic. Einen Qualitätswein, der auch besonders als Messwein etikettiert ist. Er stammt von der Mosel vom Weingut Weinschröterhof der Familie Bollig. Wir haben uns für den Riesling entschieden, weil er mit 11,5 Volumenprozent (%Vol.) einen nicht so hohen Alkoholgehalt hat.
Wir haben noch einen zweiten Wein, einen spanischen Likörwein.

…..hui, mit 15 Volumenprozent Alkohol….
Michael Dörnemann: Also zur Messe morgens um 7 Uhr geht das gar nicht. Wobei man sagen muss, es ist ja immer nur ein symbolischer Schluck, den der Priester trinkt.

Platz für Messwein ist in der kleinsten Hütte…

Darf ich den Riesling hier in der Sakristei rein aus Neugier und Interesse probieren oder verstößt das gegen sakrale Regeln?
Michael Dörnemann: Können Sie.

Zunächst ein eher verhaltenes, zartes Bukett, Zitrusnoten dominieren. Im Mund fühlt er sich nicht so leicht an wie der Alkoholgehalt vermuten lässt. Er steht einfach zu warm in der Sakristei, Alkohol und Säure sind dadurch eher dominant. Richtig gekühlt, bekäme ich jetzt einen ganz anderen Eindruck. Sie stellen die offenen Flaschen sehr salopp in der kleinen Abstellkammer hier ab…

Michael Dörnemann:  Der Rest wird natürlich entsprechend kühl im Keller gelagert.

Wie viele Flaschen lagern da im Keller?
Michael Dörnemann:  Das kann ich nicht genau sagen. Wir werden zwei Mal im Jahr mit bis zu 200 Flaschen beliefert.

Seit wann beziehen Sie den Messwein von der Mosel?
Michael Dörnemann:  Das Domkapitel hat schon seit über 50 Jahren Beziehungen zu diesem Weingut.
Die Pfarreien im Bistum können bei der Wahl der Winzer und Weingüter frei wählen. Einige beziehen ihren Messwein zum Beispiel von den Bischöflichen Weingütern in Trier.

Wer kümmert sich hier im Dom um den Wein, die Bestellung und Lieferung?
Michael Dörnemann:
Die Sakristane (Küster) in Absprache mit dem Dompropst und mit mir. Und in den Pfarreien ist es in der Regel so, dass die Pfarrer den Messwein bestellen.

Wird nur Weißwein gereicht oder auch Rotwein?
Michael Dörnemann:
Einige Pfarrer verwenden Rotwein, weil sie das symbolträchtiger finden. Nach katholischem Glauben wird ja der Wein in das Blut Christi gewandelt. Also es ist die Gegenwart Christi im Wein. Nun  muss man wissen: Der Kelch wird nach dem Gebrauch mit einem weißen Tuch ausgewischt. Rotwein ist da eher schwierig. Küster, die dann die Kelchwäsche machen müssen, fluchen dann schon mal…

Der derzeitige Messwein im Dom. Rechts auf dem Etikett ist der Urgroßvater vom derzeitigen Winzer Thomas Bollig zu sehen. Die Wurzeln des Familienweingutes reichen bis 1665 zurück.

Muss der Messwein aus dem deutschsprachigen Raum sein?
Michael Dörnemann: Nicht unbedingt. Andere Weine, zum Beispiel aus Italien oder Spanien, müssen dann eben im Qualitätszeugnis als naturbelassene Messweine ausgezeichnet sein.

In erster Linie trinkt der Priester aus dem Kelch. Dass alle Gottesdienst-Besucher daran teilhaben, ist eher die Ausnahme?
Michael Dörnemann: Ja, nur an besonderen Tagen, zum Beispiel Gründonnerstag oder in der Osternacht. Das kommt aus der Tradition der katholischen Kirche, dass nur der Priester den Wein trinkt. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist die Öffnung gerade bei Gruppenmessen, also bei kleineren Gottesdienstgemeinden, so, dass immer alle aus dem Kelch trinken können. Aber bei normalen Gemeindegottesdiensten, wo 100 bis 200 Menschen da sind, ist das oft schwierig.

Und die Gottesdienstbesucher beschränken sich wirklich auf den Probierschluck?
Michael Dörnemann: Genau. Es gibt dann bei den besonderen Gottesdiensten eine gewisse Zurückhaltung. Das heißt, es gibt Menschen, die dann gar nicht zum Kelch gehen, sondern mit der Brotgestalt, wie sonst auch, vorlieb nehmen. Das hängt damit zusammen, dass es bis vor 40 bis 50 Jahren in der katholischen Kirche gar nicht üblich war, dass die Gläubigen aus dem Kelch tranken.

Wieso?
Michael Dörnemann: Das hat einen geschichtlichen Grund: Sicher war es in der frühen Kirche so, dass beim Gedächtnis des letzten Abendmahles alle Teilnehmer aus dem Kelch tranken. Im Laufe des Mittelalters wurde dies aus Ehrfurchtsgründen auf den Priester reduziert. Auch weil man fürchtete, dass Wein verschüttet wird  – in einer Situation, in der bei der Kommunion mit dem Wein ja auch die Gegenwart Christi verbunden wurde. Das ist dann so hoch stilisiert worden, dass 1415 beim Konzil von Konstanz Jan Hus (tschechischer Reformator), der vehement für den sogenannten Laienkelch eingetreten ist, der Häresie (Abweichung vom offiziell gelehrten Glauben/Ketzerei) verurteilt und verbrannt wurde. Nicht nur deshalb, aber das war auch ein Grund. Die Reformatoren des 16. Jahrhunderts, Luther vor allem, führten den Laienkelch für alle ein.

In der katholischen Kirche, im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils, wurde die Aufforderung Jesu – „trinket alle daraus“ –  übernommen, so dass es eben in kleineren Gemeinden auch zur Kelchkommunion gekommen ist. Aber das hatte wie gesagt eine lange Geschichte und der sogenannte Laienkelch war im Mittelalter verboten.

Kommen wir zurück zum weltlichen Teil, mögen Sie privat Wein?
Michael Dörnemann:  Ja.

Welchen trinken Sie gerne?
Michael Dörnemann: Rot- und Weißwein, das ist sehr unterschiedlich.  Aus dem Elsass, durchaus auch mal einen Muscat d’Alsace. Bei den österreichischen Weinen sowohl den Grünen Veltliner in allen Abstufungen, als auch Riesling Zweigelt, Blaufränkisch. Und italienische Rotweine –eher als spanische. Auch schon mal gerne einen Bordeaux.

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Michael Dörnemann: Zu einem guten Essen, wenn ich eingeladen bin mit Freunden. Im Urlaub auch schon mal auf der Terrasse abends.

Genuss ist dann hoffentlich außerirdisch schön!

 

 

Messweinverordnung
„Im Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum Essen von September 2014 heißt es: Die Kirche ist seit jeher bestrebt, für die Feier der Eucharistie Brot und Wein in einer Qualität zu verwenden, die der Heiligkeit dieses Sakramentes angemessen ist. Die Grundordnung des Römischen Messbuches hebt…. hervor: ‚Der Wein für die Eucharistiefeier muss vom Gewächs des Weinstockes (vgl. Lk 22,18) stammen und naturrein und unvermischt sein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen‘. Aus diesem Grund hatten die deutschen Bischöfe im Jahre 1976 vor dem Hintergrund des damaligen Lebensmittelrechts die ‚Verordnung über den Gebrauch von Wein bei der Eucharistiefeier (Messwein)‘. Da inzwischen das weltliche Recht die Reinheit des Weines strikt normiert und die Beimischung von Fremdstoffen weitestgehend verbietet, ist die besagte kirchliche Verordnung hinfällig und wird hiermit aufgehoben. Einer Approbation einzelner Messweinlieferanten bedarf es daher künftig nicht mehr. Die Priester haben weiterhin gewissenhaft dafür Sorge zu tragen, dass bei der Feier der Eucharistie ein Wein verwendet wird, der mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweines (nach deutschem Weinrecht) genügt…“

Ein Weißburgunder, der glücklich macht

Wenn’s um Wein geht, kommt Angela Pröse sofort ins Schwärmen. Von 0 auf 100 sozusagen. Sie hat ihr Hobby zum Beruf gemacht, arbeitet seit fast 20 Jahren bei Jacques‘ Wein-Depot, dem führenden Weinfachhandel in Deutschland. Sie leitet seit 2001 die Jacques‘-Filiale in Dorsten. Ihr Witz und Charme sind bei der Kundschaft beliebt – ihr Fachwissen ist gefragt.  Mich beeindruckt besonders ihr Gespür beim Thema „Wein und Speisen“. Ob deftiger Eintopf, Festtagsbraten oder Rote Beete-Salat – sind die Rezepte auch noch so ausgefallen, sie landet mit ihren Empfehlungen einen Volltreffer im Glas. Angela Pröse zieht den Korken für den „Wein des Monats“ September. Das wird auch Fans von Weißburgunder freuen. Viel Vergnügen!

 Weinbegleiter Ruhr: Haben Sie einen Lieblingswein? Wenn ja, welchen? Wie heißt er, woher stammt er?
Angela Pröse: Derzeit ist es „Villa Huesgen“, Jahrgang 2016; ein trockener Weißburgunder des Weinhauses Huesgen aus Traben-Trarbach an der Mosel. Auf dem Rücketikett steht „Made by happy people“, das passt zu mir.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Angela Pröse: Bei der Edition Mosel der „Langen Nacht der Weine“ im Juni auf Zeche Zollverein in Essen. Dort lernte ich Jan-Philipp Bleeke vom Weingut Witwe Dr. Thanisch, Erben Müller-Burggraef aus Bernkastel-Kues kennen. Er präsentierte auch die Weine der Villa Huesgen. Am Stand konnte ich den 2016er Weißburgunder probieren. Diese Veranstaltung war etwas ganz Besonderes und bot wieder einmal die beste Gelegenheit, den Ruhrgebietlern Wein ans Herz zu legen.

Und das Schöne: Jan-Philipp Bleeke arbeitete früher eine Zeit lang bei Jacques‘. Und nun hat sich der Kreis geschlossen: Den 2016er Weißburgunder „Villa Huesgen“ haben wir seit Juli im Sortiment. Das freut mich sehr.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Angela Pröse: Er hat mich sofort überzeugt und verzaubert. Ich denke dabei an Mosel, Urlaub, Picknickdecke, ein gekühltes Fläschchen in der Hand und ein Gläschen voller Genuss. Ganz entspannt, ohne Tamtam.

Ein Gläschen voller Genuss
mit Weißburgunder

Ich will damit sagen: Dieser Weißburgunder ist ein spritziger Sommerwein, schön leicht und frisch, er hat eine angenehme, dennoch vordergründige Säure. Weißburgunder kann aus jeder Lage spannend sein, aber dieser hier ist zum Beispiel ganz anders als ein Pfälzer, nicht so kräftig und blumig.

Was ich ganz wichtig finde: Ich suche immer nach dem Besonderen, nach Ausnahmen. Und Weißburgunder ist natürlich nicht so typisch für die Riesling-Region Mosel.

Gibt es weitere Lieblinge auf Ihrer ganz persönlichen Weinkarte?
Angela Pröse: Das ist stimmungsabhängig und es spielt auch eine Rolle, wo ich gerade bin. Vor kurzem war ich in Eltville am Rhein und genoss dort bei traumhaftem Wetter und Ausblick einen süffigen, feinherben Riesling.
Was immer entscheidend ist: Der Wein muss mir schmecken und Freude bereiten. Dabei entdecke ich dann die unwahrscheinlich vielen Facetten des Weines. Diese inspirieren  mich bei der Überlegung, zu welchem Gericht ich den jeweiligen Tropfen kombinieren könnte. Ich liebe einen stimmungsvollen Wein, der mich zur Erholung zwingt.

 

1735 wurde das Weinhandelshaus Huesgen gegründet, es wird inzwischen in der 9. Generation geführt: Weitere Infos: http://www.villahuesgen.com