Weine mit Seele aus Franken

Weine mit Seele. Weine, die authentisch sind und einem nichts vorgaukeln im Glas. So mag es Kerstin Wolf. Und diese Frau versteht etwas von Weingenuss. Die gebürtige Sächsin lebt seit fast 30 Jahren in Franken. Sie ist studierte Bauingenieurin, Chefin ihres eigenen Unternehmens. Und meine beste Freundin. Bei ihrem ganz persönlichen Tipp für den Wein des Monats Mai kommen gleich 2 Weine aus Franken ganz groß raus.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Kerstin Wolf: Zur Zeit sind es zwei Weine, zwischen denen ich mich nicht richtig entscheiden kann. Sie sind vom Familienweingut Johannes Nickel aus Nordheim am Main. Beide sind Jahrgang 2019. Einmal ein Silvaner sowie das so genannte „AllrounderTalent“, das ist ein Müller-Thurgau (Rivaner). Und die sind beide trocken, trocken, trocken…

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diese Weine entdeckt?
Kerstin Wolf:
Ich habe mir vor kurzem was vom Nickel schicken lassen. Im online-shop bietet er ein Genuss-Paket mit 12 Flaschen an, trocken. Bacchus, Kerner, Silvaner Riesling, der Allrounder, einen Rosé und einen Secco. Ich kostete mich durch, da standen teilweise 4 Flaschen im Kühlschrank.

Die Weine von Winzer Johannes Nickel kennst du aber schon länger…
Kerstin Wolf:  …ja, schon seit 2015. Da bin ich mit meiner Schwester von Sommerach nach Nordheim durch die Weinberge gewandert. Es überraschte uns ein Regenschauer. Zum Glück stand eine Art Schutzhütte in den Weinbergen. Wir stellten uns unter – und waren nicht allein. Weitere 8 Erwachsene waren schon da und einer, der Wein ausschenkte. Wir sind also in eine Weinprobe reingeplatzt und uns wurde angeboten, mit zu probieren. Da sagten wir natürlich nicht nein.

Weine mit Seele nach dem Regenschauer

Uns gefielen die Weine sehr, sie waren von besagtem Weingut in Nordheim. Direkt nach dem Regenschauer machten wir uns also auf den Weg dorthin. Auf dem Hof trafen wir dann die Weinproben-Runde wieder, das gab ein großes Hallo. Meine Schwester und ich probierten weitere Wein und deckten uns ein. Und seitdem kaufen wir bei Nickels regelmäßig Wein ein. Wir werden dieses Jahr auch hinfahren, wenn es wieder möglich ist.

Übrigens hat mich Kerstin auch mit den Nickel-Weinen verzaubert. Wir waren 2016 zusammen auf dem Weingut. Die Geschwister Johannes Nickel, der auch eine Edelbrennerei betreibt, und Karolin Schmitt führen das kleine junge Weingut.

Warum sind der Müller-Thurgau und der Silvaner deine Lieblingsweine?
Kerstin Wolf: Der Müller-Thurgau riecht total nach knackigem Apfel. Wie ein noch nicht ganz ausgereifter Korn-Apfel. Wahnsinn. Er ist kräftig und schmeckt richtig gut.
Der Silvaner ist auch Klasse. Der duftet einem total fruchtig aus dem Glas entgegen, ist dabei trocken und schmeckt – ja, wie ein typischer Silvaner.
Wie soll ich es anders sagen? Die Weine sind einfach echt. Deshalb gefallen sie mir so. Richtig schöne Weißweine. Und der Müller-Thurgau hat mich total überrascht, ein schöner, spritziger, trockener Wein, der einfach Spaß macht.

Deine zweite Heimat Franken ist das deutsche Anbaugebiet mit dem größten Silvaner-Anteil an der Gesamtrebfläche. Magst du Weine aus dieser Rebsorte grundsätzlich?
Kerstin Wolf:
Da bin ich eher auf den Nickel bezogen. Wir trinken gerne Silvaner, aber ich bin eher der Riesling-Typ.

Welche Weine trinkst du sonst noch gerne?
Kerstin Wolf:
Italienischen und spanischen Rotwein. Der sollte opulent sein. Und einen guten Prosecco. Und alles trocken, bitte.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Kerstin Wolf:
In der Lehre ging es los mit süßen Weinen (lacht). Das änderte sich dann im Laufe der Jahre. Ich besuchte viele Weinseminare an der Volkshochschule in Bamberg und schmeckte mich dann sozusagen immer mehr in Richtung trocken.
Die Seminare sind eine gute Gelegenheit mitzukriegen, was es überhaupt alles so gibt. Und worauf man achten sollte bei Weinen. Dass zum Beispiel der Preis nicht das Entscheidende ist, sondern der eigene Eindruck: ‚Schmeckt mir oder schmeckt mir nicht.‘ Und bei diesen Gelegenheiten kann ich eben Weine kosten, die ich mir sonst womöglich ohne vorheriges Probieren niemals kaufen würde. Weil sie sich doch in etwas höherpreisigen Lagen bewegen als das, was ich üblicherweise sonst bezahlen würde.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Kerstin Wolf:
Der Geschmack und der Anlass. Wozu ich diesen Wein genießen möchte. Und da kann es auch mal ein Wein sein, der jenseits der 20 oder 30 Euro liegt. Bei einem besonderen Anlass geht es mir nicht um den Preis, sondern um: Schmeckt er mir oder nicht – und darum, dass der Wein perfekt passt.

Wo kaufst du Weine ein? 
Kerstin Wolf
: In erster Linie in Jacques‘ Wein-Depot. Oder direkt beim Winzer. In Sommerach und Nordheim. Ab und zu auch im Supermarkt. Wenn dort mal ein Wein im Angebot ist und uns die Beschreibung dazu gefällt, dann probieren wir den. Und wenn er gut ist, dann wird er auch gekauft.

Bei welcher Gelegenheit MUSS es ein Glas Wein sein?
Kerstin Wolf:
An einem lauen Sommerabend. Bei einem guten Essen. Und beim gemütlichen Zusammensein mit Freunden.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Kerstin Wolf: Mit meinem Mann, mit meiner Tochter, also mit meiner-Mini-Familie. Ja, und mit Freunden.

Und mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Kerstin Wolf:
Mit der Schauspielerin Hannelore Hoger. Die Frau fasziniert mich mit all ihren Facetten. Ihre Burschikosität. Mich würde interessieren, ob sie wirklich so ist, wie ich sie als Bella Block aus dem Fernsehen kenne. Mir gefällt ihre Art in den Filmen und in ihrem Buch „Ohne Liebe trauern die Sterne“, das ist alles authentisch. Aber ich weiß nicht, ob sie wirklich so ist. Das zu erfahren bei einem Glas Wein, würde mich sehr reizen.