Wein des Monats: Ein ehrlicher Rosé im Glas

Wieder macht ein Rosé das Rennen beim Wein des Monats. Im April stellt Sebastian Müller seinen Lieblingstropfen im Glas vor. Von Beruf ist er Automobilverkäufer in Hagen, privat ein echter Genießer. „Urlaub in einem schönen Haus, Rotwein und ein Buch vorm Kamin – mehr brauche ich nicht.“
Zur Zeit haben jedoch eher Weißwein und Rosé bei ihm Saison. Wir plaudern unter anderem über ehrlichen Wein und die Vorzüge des Nichtrauchens auch beim Weingenuss.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sebastian Müller: Also ich habe mehrere Lieblingsweine. Ich trinke in den kalten Monaten lieber Rotwein und in den warmen Monaten lieber Weißwein. Rosé geht aber immer. Mein Liebling-Rosé ist der trockene „Dorn to be wild“ der Winzerin Eva Vollmer aus der Region Rheinhessen.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Rosé für dich entdeckt?
Sebastian Müller: Den Wein habe ich eher zufällig entdeckt. Über ein Prämienpunkteprogramm konnte ich mir eine Kiste davon bestellen. Die Beschreibung war dazu ausschlaggebend, ebenso wie der Name des Weins.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sebastian Müller: Für mich ist es ein ehrlicher Wein, der Geschmack ist besonders, sehr fruchtig und würzig. Bisher schmeckte der Wein jedem, dem ich ihn angeboten habe. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Was verstehst du unter einem ehrlichen Wein?
Sebastian Müller: Wenn ich den Geschmack sehr rein wahrnehme. Ich nehme einen ersten Schluck und der Wein schmeckt mir sofort und ich bin begeistert.

Du hast im April Geburtstag. Womit stößt du dann an?
Sebastian Müller
: Angestoßen wird standesgemäß mit Sekt, hier bevorzuge ich Mumm Extra Dry.

Du bist seit geraumer Zeit Nichtraucher, schmecken Weine jetzt anders bzw. besser als vorher?
Sebastian Müller
: Ja, seit dem 14.10.2018 rauche ich nicht mehr und bin standhaft geblieben. Gerade in Verbindung mit Alkohol war eine Zigarette obligatorisch. Es sind dann die klassichen Momente, in denen ich die Zigarette dann doch vermisse. Allerdings schmecke ich insgesamt intensiver, beim Wein schmecke ich das Säuerliche mehr raus, wenn es kein milder Wein ist. Also bei Weinen, bei denen ich früher die Säure nicht so wahrgenommen habe, ist das jetzt mehr der Fall.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sebastian Müller
: Über den Genuss. Ich fand es gediegener, mir abends eine Flasche Wein zu öffnen, statt einer Flasche Bier. Anfangs waren es eher die lieblichen Weine, mitllerweile kann ich mir damit nicht mal ein Fußbad machen! Nun trinke ich am liebsten trockene Weine.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl und wo ist preislich deine Schmerzgrenze?
Sebastian Müller
: Bei der Weinwahl verlasse ich mich nicht auf das Design von Etiketten oder der Flaschen. Grundsätzlich kenne ich die Sorten, die ich mag. Meine preisliche Schmerzgrenze ist sehr abhängig vom Anlass, wofür ich den Wein kaufe. Es gibt ja Weine, die auch zu einem günstigen Preis gut schmecken. Eine Freundin sagte mal in einem Supermarkt: ,Alles, was über 4 Euro kostet, kannst du bedenkenlos kaufen.‘
Zu besonderen Anlässen kaufe ich gerne im Weingeschäft, also im Fachhandel. Mehr als 15 Euro habe ich aber bisher noch nicht für eine Flasche Wein ausgegeben. Außer Haus natürlich mehr.

Mehr zum Rosé „Dorn to be wild“: https://wirwinzer.de/2017-dorn-to-be-wild-rose-trocken-bio-weingut-eva-vollmer.html#description-tab

Ein Hang zum Verlieben

 

Wunderschön: Blick vom Roten Hang auf den Rhein.

Orbel, Oelberg, Hipping – aus den Weinbergs-Lagen vom Roten Hang zaubert Lisa Bunn wunderbare Rieslinge. Für mich zählen sie zu den besten, die Deutschland zu bieten hat. Winzerin Lisa Bunn und ihr Mann Bastian haben von Nierstein am Rhein aus die Weinwelt erobert. Kurz vor der Messe „Pro Wein“, die am Sonntag in Düsseldorf beginnt, ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2017 nebst Liebeserklärung an den Roten Hang.

Weinbegleiter Ruhr: Ihr seid bei der Pro Wein 2018 wieder mit einem Stand im Rheinhessen-Pavillon vertreten. Was erwartet Besucher?
Lisa Bunn: Unser Schwerpunkt sind Rieslinge. Dabei haben wir eine große Bandbreite von einerseits sehr warmen Lagen aus Nierstein vom Roten Hang. Das sind sehr mineralische Rieslinge, die auf sehr kargen Böden gewachsen sind und dadurch mit einer sehr konzentrierten Frucht aufwarten. Dann haben wir andererseits das komplette Gegenteil mit den Lagen meines Mannes in Wintersheim mit eher fruchtbaren Löss-Lehm-Böden. Wo man dann einfach sieht, was Riesling auch sein kann: Also ’ne Fruchtbombe mit Pfirsich, Maracuja.

Kurz ein Rückblick auf das turbulente Winzer-Jahr 2017. Wie habt ihr es erlebt?
Lisa Bunn: Das war so ein verrücktes Jahr. Wir haben angefangen im Januar mit wochenlangen Minustemperaturen, wo wir froh waren, dass dennoch alles sehr, sehr ruhig verlaufen ist. Dann wurde es relativ früh warm und es folgte ein früher Austrieb.

Dann kam im April der Frost…
Lisa Bunn: Genau. Die Spätfröste mit Ertragseinbußen.

Wie ging es weiter?
Darauf folgte ’ne ziemlich lange, sehr trockene Periode. Was zur Folge hatte, dass die Fruchtansätze sehr klein waren. Die Rebe merkt, sie hat eine geringe Wasserversorgung, also hält sie auch ihre Leistung zurück. Und dann kam der Sommer 2017, es war pitsch-patsch nass, es hat geregnet ohne Ende. Da hätte sie also doch mehr Leistung bringen können – hätte sie das gewusst, die arme Rebe…
Dann hatten wir das Glück, dass ab Anfang September die Sonne raus kam. Und für alle, die Geduld hatten und nicht direkt Anfang September alles weggelesen hatten, kamen drei Wochen Sonne mit warmen Temperaturen, die einfach dafür sorgten, dass wir nochmal einen Tick mehr an Reife bekamen.
Und: Wir haben nicht so ein Jahr, in dem jetzt der Alkohol unglaublich hoch ist und die Säure unheimlich niedrig. Sondern es ist so ein typisches, eher traditionell deutsches Jahr, wo man Weine hat mit einem moderaten Alkohol, mit einer knackigen Säure.

Und privat ging es auch rund mit der Geburt eures Sohnes Theo.
Lisa Bunn
: Wir hatten unsere erste Füllung für das Jahr angesetzt. Wir haben eigentlich gedacht, wir füllen vorher ab und haben halt genug Zeit, um uns auf die Geburt und Alles vorzubereiten. Und dann: Theo ist drei Wochen zu früh gekommen Und am selben Tag, 26.1., haben wir bei uns 26 000 Flaschen Wein abgefüllt.

Begannen die Wehen bei der Abfüllung?
Lisa Bunn: Nee, nee, in der Füllvorbereitung. Also wir haben am Tag vorher noch Schwefel eingestellt, geprüft, ob genug Flaschen und Verschlüsse da und die Tanks in Ordnung sind. Da merkte ich dann: Es kündigt sich was an. Ich habe die ganze Nacht gehofft: Vielleicht hört das wieder auf oder es ist nur ein ‚Hallo, ich bin bald da!‘ Aber es war dann ein: ‚Hallo, ich will raus!‘

Wie hat sich für dich als Winzerin das Leben verändert mit einem Kind?
Lisa Bunn: Völlig. Ich habe das Glück, dass meine Mutter und meine Schwiegermutter beide sehr engagiert sind und auch den Theo einfach genommen haben in Stoßzeiten wie Herbst oder in der Füllvorbereitung. Immer wenn’s brennt, habe ich jemanden, der nach ihm gucken kann.
Und: Die ganzen Arbeitsabläufe sind jetzt so, dass wir schon vorausschauend vorgehen. Also, bisher haben wir gepflanzt und geplant, weil es in unser Sortiment passt. Aber eigentlich pflanzt man einen Weinberg, um schon für die nächste Generation zu planen. Denn der Weinberg steht ja 30 Jahre. Und jetzt denken wir: Hmm, kann der Theo mal was mit Sauvignon Blanc anfangen?  Oder ist er eher der Riesling-Typ? Wir wollen ihm ja auch nicht irgendwas aufzwingen, aber es muss ja so funktionieren, dass es später auch Sinn macht.

Lisa Bunn: Roter Hang ist Heimat

Der Rote Hang ist eine der besten Lagen in Deutschland, ihr habt dort Weinberge. Was ist für dich das Besondere am Roten Hang?
Lisa Bunn: Für mich ist der Rote Hang Heimat. Und Herkunft unserer besten Rieslinge.
Das ist auch unsere Visitenkarte. Es gibt in Rheinhessen natürlich unheimlich viele Winzer, die tolle Weine machen. Gerade in unserer Generation der Winzer. Ich weiß: Überall sind die Ansprüche hoch an sich selbst, einen tollen Wein zu machen.
Aber es ist halt einfach nochmal ein Unterschied, wo die Trauben wachsen, wie der Boden beschaffen ist, wie die Ausrichtung ist. Hier am Roten Hang haben wir einfach eine einzigartige Situation, die in jedem Jahr schmeckbar ist. Und die sich grundsätzlich vom restlichen Rheinhessen unterscheidet. Es macht uns stolz, dass wir das so direkt erleben können. Dass man dieses Geschmackserlebnis wirklich so eindeutig hat.

Was genau ist dieses Eindeutige?
Lisa Bunn:  Die Rieslinge vom Roten Hang sind sehr viel mineralischer als andere. Wir haben so eine gewisse Salzigkeit mit drin, eine Würze. Wenn  man riecht, hat man beim Standard-Riesling sehr viel Frucht Pfirsich, Aprikose, ein bisschen Apfel und Birne. Aber bei den Rieslingen vom Roten Hang geht es um ein ganz anderes Aromen-Spektrum. Da hat man eher was Würziges, manchmal kommt Lavendel raus, manchmal kommen kräutrige Noten hinzu, manchmal fast etwas Rotbeeriges, ein bisschen wie Johannisbeere. Aber eher so, als würde man an den Blättern riechen. Also es ist anders, und das macht das Besondere aus.