Riesling macht Lust auf Frühling

Lust auf Frühling macht der Riesling, den Niels Ellwanger zu seinem ganz persönlichen „Wein des Monats“ erkoren hat. Der Geschäftsführer der TUSEM Sport- und Marketing GmbH und Vorstand der „conenergy ag“ Essen weiß einen guten Tropfen zu schätzen. Ich als Sponsoring-Partnerin hatte schon das Vergnügen, ihm und seinen Gästen an einem schönen Abend Wein einzuschenken. Niels Ellwanger empfiehlt einen Wein mit witzigem Namen aus Deutschland. Aus einem Weinanbaugebiet, das für Riesling bekannt und berühmt ist. Los geht’s mit dem Schwelgen.

 Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Niels Ellwanger: Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein Riesling aus dem Rheingau, vom VDP-Weingut Fendel, „Fum Allerhinnerschde“.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Niels Ellwanger: Mein Freund Gerhard hat ihn mir zu einem Hähnchenessen mitgebracht. Wir haben ihn mit Genuss getrunken, es war ein sehr, sehr schöner Abend.

Warum ist das Ihr Lieblingswein?
Niels Ellwanger: Der Wein hat mir von Beginn an vortrefflich geschmeckt, schon beim ersten Schluck wusste ich, das ist etwas ganz Vortreffliches aus meiner Sicht. Schon am nächsten Tag habe ich mir ein größeres Gebinde davon bestellt. Mich begeistert die Frucht, die mineralische Note, alle Riesling-Fans würden begeistert sein.

Weinprobe mit Weinbegleiter Ruhr bei Niels Ellwanger und Gästen.

Begleitet Sie ein Wein, den Sie mögen, dann über längere Zeit? Oder probieren Sie auch gerne andere Tropfen?
Niels Ellwanger: Ich probiere auch gerne andere Tropfen und ich folge auch gerne den Empfehlungen der Weinbegleiterin Ruhr, von ihr habe ich auch schon Vortreffliches verkostet.
Vielen Dank, das freut mich sehr!
Niels Ellwanger: In der Regel konsumiere ich einen momentanen Lieblingswein überwiegend für einen Zeitraum von ein bis zwei Jahren, bis er abgelöst wird durch einen anderen.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänzen Sie den Satz mit 3 Begriffen, die für Sie ganz wesentlich sind.
Niels Ellwanger: Genuss, Entspannung, Freude.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Niels Ellwanger: Das war ein Entwicklungsprozess, der bei Weinen begonnen hat, die ich heute nicht mehr trinken würde.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Niels Ellwanger: Ich probiere sehr viel, trinke gerne Weine der Region, in der ich mich aufhalte. Ich präferiere Weißwein und Rosé. Manches lasse ich auch liegen, einen Chardonnay oder einen Sauvignon Blanc zum Beispiel umgehe ich in der Regel.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Niels Ellwanger: Wein trinke ich am liebsten in Gesellschaft, mit meinen Liebsten und guten Freunden.

Mit wem würden Sie gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Niels Ellwanger: Mit meinen Enkeln später mal, dann würde ich ja noch lange leben…

 

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Suppe und Wein ganz exotisch

Suppe und Wein treffen sich beim aktuellen Tipp Wein & Speise. Flüssiges findet zu Flüssigem – und dabei wird nichts verwässert! Auf der Suche nach einer wärmenden „Sturmsuppe“ ist Event-Köchin Elly auf das alte Rezept der Suppe vom legendären „Dinner for one“ in ihrer Rezeptsammlung gestoßen. „Der fast unaussprechliche Name Mulligatawny-Soup kommt aus dem tamilischen und bedeutet in etwa Wasser und Pfeffer“, erklärt die Chefin von Elly’s Isand, Schule für entspanntes Kochen in Gescher. „Die Heimkehrer der ,British East India Company‘ brachten sie zwischen 1650 und 1850 mit nach Großbritannien. Da exotische Speisen damals Luxus bedeuteten, wurde die Suppe gerne in Herrenhäusern serviert. Es gibt unzählige Varianten.“ Eine köstliche brockt uns Elly ein.

Halbtrockener Riesling oder Gelber Muskateller

Während Miss Sophie in Dinner for one zum Löffelgericht mit dem jecken Namen trockenen Sherry schlürfte, wagen hier Suppe und Wein ein Zusammenspiel. Bei dem Gericht mit indischen Wurzeln dominieren exotische, scharfe Zutaten und Gewürze wie Chiliflocken, Currypulver, Ingwer, Kokosmilch. Deshalb Finger weg von Weinen mit präsenter knackiger Säure sowie Gerbstoffen, was die Schärfe in der Suppe nur unangenehm befeuern würde. Hier schlägt die Stunde eines Rieslings mit schöner Fruchtsüße. Der halbtrockene, gerne auch noch süßere Wein hält die Schärfe in Schach und mildert sie. Außerdem umgarnen sich die fruchtigen Aromen in Suppe und Wein. Auch ein halbtrockener Gelber Muskateller aus Österreich macht Spaß.

Wer diese Wein-Stilistik nicht bevorzugt, kann zur cremig-sämigen Suppe einen üppigen Chardonnay aus Übersee (Kalifornien, Australien) oder einen Grauburgunder Spätlese (Pfalz) wählen.

Ein Schluck noch zum Rotwein: Der jecke Suppen-Spaß überträgt sich promt auf den Genießer mit schöner Frucht und einem eher weichen-samtigen Vertreter. Wie wär’s mit einem kalifornischen Zinfandel, einem leichten Dornfelder oder einem sizilianischen Nero d’Avola.

Und nun ran an Töpfe und Gläser!

Mulligatawny-Suppe

1,2 l Hühnerbrühe (selbst gekocht)
1 ganze Hühnerbrust (in der Brühe gar gezogen)
2 Zwiebeln
1 Knoblauchzehe
200 g rote Linsen
1 TL Kreuzkümmel
2 Nelken
2 cm Ingwer
1 EL Chiliflocken
2 EL Currypulver
1 Apfel
1 Banane
50 g Ds. Ananas
1 EL Tomatenmark
4 EL Mango-Chutney
1 Ds ungesüßte Kokosmilch
Petersilie
Salz, Pfeffer
Öl
Pro Teller ½ wachsweiches Ei
Kresse zum bestreuen

Ingwer durch die Knoblauchpresse drücken. Zwiebel schälen, hacken und in Öl glasig anschwitzen, Knoblauch hineinpressen und eine weitere Minute mitschwitzen. Chili, Nelken, Koriander, Ingwer und Currypulver dazugeben und zwei Minuten erhitzen. Apfel, Banane und Ananas schälen, würfeln und zusammen mit Tomatenmark und Mango-Chutney zugeben und 1 weitere Minute mitschwitzen, die Hühnerbrühe hinzufügen. Linsen hineingeben und kochen, bis die Linsen gar sind. Kokosmilch zufügen, pürieren. Das gegarte Hähnchenfleisch klein schneiden und dazugeben. Zum Servieren je ½ wachsweich gekochtes Ei und etwas Kresse auf die Suppe geben.

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Den Korken ziehen – und lächeln!

Den Korken ziehen – und sich dann auf das Überraschungspaket aus der Flasche freuen. Das ist die Passion von Ornett Ragoschat. Diese Leidenschaft lebt die IHK-geprüfte Sommelière seit Ende 2016 als „Die Korkenzieherin“ im eigenen, gleichnamigen Weinfachgeschäft im Herzen von Erfurt. Die gebürtige Thüringerin stellt ihren „Wein des Monats“ Dezember vor. Lassen wir uns von ihrer Begeisterung für Wein und von ihrem Wortwitz verzaubern. Und von ihrer Gabe, Gerüche in Worte und Bilder zu fassen, die jeder Mensch versteht.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Ornett Ragoschat: 
Das ist der Riesling „7 Terroirs“ von Gut Hermannsberg von der Nahe.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Ornett Ragoschat: 
Das ist kurios. Viele Winzer, die unverwechselbar und auch teilweise sehr bekannt sind, kamen bisher zu mir in den Weinladen. Ich habe das große Glück, dass alle coolen Leute selber mal hier waren oder es kamen Empfehlungen über 3 Ecken. Die lassen Probeflaschen da und wir reden kurz über die Weine. Da muss natürlich der Funke überspringen und eine Sympathie da sein.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Ornett Ragoschat:
Das Spannende bei Gut Hermannsberg war für mich: Ich hatte Riesling von der Nahe bis dato noch nicht probiert. Das hat mich interessiert. Noch dazu von einem  VDP-Weingut. Bei diesem Wein sind sieben Große Lage(n) in einer Flasche vereint. Und: Ich mag sehr mineralische Weine. Dieser Riesling kommt frisch und forsch daher. Er bietet ganz viel zum Nachdenken. Der langweilt dich nicht, ist aktiv. Er ist was Besonderes im Mund.

Weinfachgeschäft „Die Korkenzieherin“.

Du bist „Die Korkenzieherin“. Aus welchen Flaschen ziehst du die Korken? Wie setzt sich dein Sortiment zusammen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich ein bisschen nach mir. Ich möchte immer wieder neue Weine kennenlernen. Obwohl ich bestimmt 5 Lieblinge habe, die im Sortiment bleiben. Die laufen gut. Aber ansonsten sorge ich für Bewegung im Weinregal. Und damit auch im Gehirn und im Anspruch an mich selbst.
Zur Hälfte sind meine Weine aus Deutschland, wir leben ja schließlich hier. Ich habe selten die neue Welt im Sortiment, sonst neben Deutschland die klassischen Weinländer Italien, Spanien, Portugal, Österreich, Frankreich.

Was hält „Die Korkenzieherin“ von Schraubverschlüssen?
Ornett Ragoschat: Das sehe ich ganz pragmatisch, das ist eine saubere Angelegenheit. Das Gefühl für den Wein und das ganze Drumherum geht zwar mit dem Schraubi ein bisschen flöten. Und wenn jemand einen Rotwein mit Schraubverschluss wünscht, gucke ich auch erst mal. Aber für knackig frische und belebende Weißweine ist das eine tolle Sache.

Auf deiner Internetseite wirbst du für „Beratung ohne großes Tamtam“? Was heißt das konkret?
Ornett Ragoschat:
Das hat mal jemand über mich in einer positiven Kritik bei Google geschrieben: ‚Die Korkenzieherin von der Langen Brücke, cooler Laden, ohne großes Tamtam , ohne Chichi.‘ Das fand ich cool. Denn genauso ist es auch. Ich will nicht mit tiefsinnigem Fachwissen punkten, sondern ich hole die Leute ab, wenn sie in den Weinladen kommen. Ich lasse mich darauf ein: Haben sie Zeit oder nicht? Sind sie fordernd? Sind sie zurückhaltend? Steht da ein Anfänger vor mir? Oder ist es ein Profi, son Möchtegern-Profi, weißte. Oder, oder, oder… Da gucke ich, stelle ein, zwei Fragen, und dann wird man sich schnell einig. Aber mehr so auf der persönlichen Ebene. Ich brauche schon ein, zwei Inspirationen. Man muss sein Wissen auch nicht einfach so rausschleudern. Damit muss man mit Bedacht umgehen. 

„Wein ist für mich ….“ – Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen!
Ornett Ragoschat:
Eine Kostprobe von zuvor erworbenen Gerüchen in meiner Nase.

Immer der Nase nach – bist du so auf den Wein gekommen?
Ornett Ragoschat:
Eigentlich kommt man nur dazu, wenn man gerne riecht. Ich rieche total gerne, egal an was. Und ich verbinde mit Gerüchen auch viel Vergangenheit. Vielleicht schwelge ich so gerne in der Vergangenheit, weil alles so schön war. Bei Gerüchen bleiben ja nur die positiven Sachen im Gedächtnis. Schon als Kind zogen mich Gerüche an: Bei Oma roch’s immer ein bisschen nach feuchtem Schimmel, kombiniert mit Bäuerlichkeit. Und das Bett war ein bisschen klamm, aber dafür hattest du einen geilen Weichspüler. Oder wenn meine Mutter das Bett frisch bezogen hatte, dann habe ich mich da reingeschmust.

„Das riecht brackig mit ein bisschen Algen dran, wie an der Ostsee“

Aber du kannst Gerüche nur wiedererkennen, wenn du wirklich mal daran gerochen hast. Wenn du keine Lust dazu hast oder du bist ein empfindlicher Heini, dann wird das nichts. Wenn du alle Eindrücke kombinieren kannst und du hast Emotionen dabei, wenn du riechst, dann ist das ein super Beruf. Das habe ich für mich beim Wein entdeckt. Habe daran gerochen und dachte zum Beispiel: ‚Das riecht nach irgendwas Gebrauchtem. Oder nach Glühweingewürz. Oder nach was Brackigem mit ein bisschen Algen dran wie an der Ostsee.‘ Da kann man sich richtig lange aufhalten.

Hast du einen Lieblingsgeruch?
Ornett Ragoschat: Hm…. Frisches Gras mag ich, so ein bisschen mit Heu. Obwohl ich Heuschnupfen habe. Aber ich weiß, wie das früher immer so war im Heuschober: Frisches Heu, ein bisschen getrocknete Blüten mit drin. Oder wenn es geregnet hat, über einen Rasen laufen, mit so hohem Gras, das quietscht wenn man es zwischen die Daumen hält und reinpustet. Wenn man da durchläuft, das ist ein cooler Geruch.

Ornett Ragoschat und Stuart Pigott. Foto: privat

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Ornett Ragoschat:
Mit Menschen, die Zeit haben. Und die lächeln, wenn ein Wein geöffnet wird. Und genauso gespannt sind wie ich, was sich in der Flasche verbirgt. Das ist jedes Mal aufs Neue ein Überraschungspaket.

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken? Und warum?
Ornett Ragoschat:
Stuart Pigott, er war ja mein Dozent an der Deutschen Wein- und Sommelierschule Berlin. Den habe ich auch bei der Weinverkostung von Gut Hermannsberg wiedergetroffen. (Wo der famose Weinkenner, Autor, Journalist seit März 2019 als „Riesling Ambassador“ tätig ist.) Aber einen Wein getrunken habe ich mit ihm noch nicht. Das könnte ich mir gut vorstellen. Cooler Typ. Enormes Wissen und viel Erfahrung, der kann das von der Pike auf. Der weiß viel zu erzählen.

Was wünscht du dir für 2020?
Ornett Ragoschat:
Ich wünsche mir jemanden wie mich, der hier als unterstützender Pol mit reinkommt. So ein Inspirations-Faktor. Dass mir jemand über den Weg läuft, der so tickt wie ich. Und dass wir uns dann zusammen im Weinfachgeschäft schön austoben können.

Fotos (3): Andreas Pöcking

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Pilze treffen Wein: Herbstliches bei „Wein & Speise“

Pilze und Herbst – das gehört zusammen wie Weihnachten und Gänsebraten. Für „Wein & Speise“ im Oktober brockt uns Elly wieder mal ein ganz besonderes Süppchen ein. Ihr Motto: „Auf nach Japan!“ Die Austauschschülerin Hinako, die aus dem Land des Lächelns bei Elly in Gescher zu Besuch war, hat die Chefköchin von Elly’s Island zur japanischen Shiitake-Suppe inspiriert.

Helle Sojasoße gibt den Pfiff

Chefköchin Elly.

Dazu Elly: „Die Japaner kochen alles pur mit wenig Gewürzen. Auch die Sojasoße in dem Rezept ist etwas ganz Besonderes. Sie stammt aus der Präfektur Akita, wo unsere Hinako lebt, und wird auch nur dort angebaut und hergestellt. Erst diese Soße macht das Gericht authentisch.“
Diese spezielle Soße ist für die Präfektur Akita so typisch wie der Riesling für die Mosel. Letzteren gibt’s zum Glück überall, die Sojasoße nicht. Kein Problem, sagt Elly, „man kann auf eine helle Sorte ausweichen. Gibt’s im gut sortierten Supermarkt.“

Roter Veltliner zur Suppe

Bei der Weinauswahl konzentriere ich mich auf die kräftigsten Komponenten der Suppe: Pilze, Sojasoße und Rindersteak-Streifen. Hier spielt der sogenannte fünfte Geschmackssinn „Umami“ eine große Rolle. Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckte ein japanischer Wissenschaftler dieses geschmacksverstärkende Salz. Es ist in proteinhaltiger Nahrung wie Fleisch und Pilzen enthalten und wirkt herzhaft, fleischig, würzig.
Hier passt ein Weißwein, der gleichermaßen ausdrucksstark und ausgewogen ist und in den kräftigen, unterschiedlichen Aromen der Suppe nicht untergeht. Mein Favorit: ein Roter Veltliner. Die alte, inzwischen sehr seltene Rebsorte wird vor allem in Niederösterreich angebaut und hat mit dem Grünen Veltliner nix zu tun. Gut gemacht, betört der Rote Veltliner mit Aromen reifer Früchte, die an Birne und Orange erinnern, mit milder Säure und feiner Cremigkeit am Gaumen. Ein feiner Partner zur Shiitake-Suppe.
Ein weiterer möglicher Speise-Begleiter könnte hier ein Riesling mit ordentlich Fruchtsüße sein, die durch Umami gemildert wird. Der Wein wirkt trockener als er tatsächlich ist und glänzt mit seinen fruchtigen Noten.

Japanische Shiitake-Suppe

4-5 Shiitake
Elly: „Man isst nur den Hut ist, der Stiel ist zäh. Er gehört zu den Champignons und ist somit ein Zuchtpilz. Er hat besonders viel Vitamin B und Kupfer. In Japan wird er daher als Heilmittel bei Entzündungen und Darmbeschwerden eingesetzt. Ansonsten ist er einfach nur lecker!“

½ Stange Lauch (nur das Weiße)
1-2 Möhren
Bohnen-Sprossen
3 EL brauner Zucker
150 ml Weißwein
250 ml Sojasoße
300 ml Rindfleischbrühe (selbst aus Knochen gezogen)
Pfeffer frisch aus der Mühle
pro Person 1 Wachtel-Ei (sehr frisch)
Rindersteakstreifen sehr dünn (am besten Rumpsteak vom Bullen)
Elly: „Das Fleisch sollte gut marmoriert sein, dies ist nur bei Weiderind der Fall. Ich besorge mein Fleisch auf dem Hof Keil. Dort wachsen glückliche, freilaufende Rinder auf, die selbst entscheiden können, ob sie es muckelig im Stall haben wollen (mit Massagebürsten und Hufbad!) oder lieber durch die geschützten Wiesen streifen.“
Miso-Kresse zum Verzieren
Elly: „Miso-Kresse ist anders als herkömmliche Kresse. Sie ist deutlich schärfer. Wer das nicht mag, nimmt normale Kresse oder Schnittlauch.“

Miso-Kresse zum Verzieren

Pilze putzen, Stiel entfernen (Shiitakestiele sind nicht essbar). Pilze je nach Größe vierteln oder achteln. Lauch in sehr feine Streifen, Möhren in sehr dünne schräge Scheiben schneiden. Alles zusammen in etwas Fett glasig dünsten. Alle Zutaten für die Suppe mischen und aufkochen. Fleisch in sehr feine Scheiben schneiden. Suppe heiß in Schälchen füllen, Gemüse und rohes Fleisch hineingeben, das rohe Ei hineingleiten lassen und verrühren. Mit Miso-Kresse dekorieren.

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Spaß mit Riesling im Glas

Ein guter Riesling zählt zu den Weinen, bei denen Wolfgang Weber ins Schwärmen kommt. Gutes Essen und einen guten Tropfen weiß der langjährige SPD-Ratsherr aus Essen zu schätzen. Der nicht nur in seinem Stadtteil Essen-Altendorf engagierte Mann greift beim Weißwein auschließlich zu Tropfen aus dem eigenen Land. Sehr sympathisch! Für seinen Wein des Monats hat er einen Riesling aus der Pfalz gewählt.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Wolfgang Weber:
Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein Riesling Kallstadter Saumagen von 2018 vom Weingut Petri aus Herxheim am Berg in der Pfalz.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein entdeckt?
Wolfgang Weber:
Wir sind seit über 25 Jahren Kunden dieses tollen Weingutes und bestellen regelmäßig verschiedene Weine und fahren einmal im Jahr persönlich dorthin.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Wolfgang Weber:
Es ist ein schöner, leichter Sommerwein mit nur 12,5 % Alkohol, der für mich einen sehr ausgewogenen Eindruck macht.

Wolfgang Weber (r.) war auch schon bei einer Bootstour mit Wein auf dem Baldeneysee an Bord.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Wolfgang Weber: Vor über 40 Jahren haben wir die neue deutsche Küche entdeckt und waren in vielen Lokalen in der Republik essen. Da habe ich schnell gemerkt, dass Bier nicht der ideale Begleiter zu den Küchen-Highlights ist und begonnen, mich für Wein zu interessieren.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Wolfgang Weber: Ich achte auf das Preis-/Leistungsverhältnis. Bei Weißweinen kaufe ich ausschließlich deutsche Weine, die mittlerweile in allen Weinregionen sehr gut sind. Bei Rotweinen sind mir die wirklich sehr guten Deutschen einfach zu teuer, da darf’s auch ein Italiener oder Spanier sein!

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Wolfgang Weber: Natürlich mit meiner Frau und mit der Familie und guten Freunden.

Und mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein trinken?
Wolfgang Weber: Mit Udo Lindenberg.

Warum ausgerechnet mit ihm?
Wolfgang Weber: Weil ich den einfach geil finde. Wir haben auch 2 Bilder von Udo Lindenberg zuhause hängen.

Zauberhafte Mosel

Mosel – das war das Zauberwort, als ich Bodo Kalveram aus Essen beim Netzwerk-Neujahrsgrillen der Agentur schüngelschwarz kennenlernte. Sofort waren wir beim Wein – und schwelgten. Der Geschäftsführer der Regionalagentur NRW e.V. ist nicht nur Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsexperte. Sondern auch Künstler. Er malt wunderschön – und macht sich hier beim Wein des Monats Juni 2019 unter anderem Gedanken darüber, was Kunst und Wein gemeinsam haben.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt Ihr derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Bodo Kalveram:
Mein derzeitiger Lieblingswein ist ein 2018 Blanc de Noir von der Mosel. Das Weingut heißt Göbel-Schleyer-Erben und ist in Ernst beheimatet. Ernst liegt rund 5 km unterhalb von Cochem. Der Wein hat eine sattgelbe, leicht ins rötlich gehende Farbe und trägt die Bezeichnung „feinherb“. D.h. der Wein hat eine schöne leichte Restsüße mit vielen fruchtigen Aromen. In der Nase sind auch Südfrüchte und irgendwie passt der Wein zu vielen Speisen.

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?
Bodo Kalveram: Den Wein habe ich bei unserem diesjährigen Osterurlaub an der Mosel entdeckt. Wir fahren schon traditionell an Ostern zum Weingut und am Ostersamstag nehmen wir immer an der Weinprobe teil . Dabei waren auch schon ein paar neue Weine aus 2018. Die Moselwinzer haben meistens ein paar Überraschungen parat. Auch diesen Blanc de Noir, also ein Weißwein, der aus roten Trauben gewonnen wird.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Bodo Kalveram: Der Wein erinnert mich auch an ein sehr sonniges Osterfest mit guten Freunden. Mit diesem leichten, fruchtigen und intensiven Wein verbinde ich aber auch tolle Sommertage an der Mosel aus dem Vorjahr. Der Wein ist superdicht und duftet nach einer sommerlichen und lieblichen Mosellandschaft.

Wie sind Sie überhaupt auf den Wein gekommen?
Bodo Kalveram: 
Auch durch die Mosel. Meine Frau und ich waren 2002 zum ersten mal an Mosel und waren sofort gefesselt von der Landschaft, dem Fluss, den Winzern und den tollen Weinen, Seit dem gehören die deutschen Weinanbaugebiete zu unseren bevorzugten Urlaubszielen. Nahe, Ahr, Rheinhessen, Kaiserstuhl, Franken und immer wieder Mosel.

Worauf achten Sie bei der Weinauswahl? Was ist Ihnen wichtig?
Bodo Kalveram: Bei der Weinauswahl gilt das einfache Prinzip, erst probieren, dann kaufen… Gerne Weine mit Fülle und feiner Süße und gerne bei Winzern, die man auch persönlich kennt. Im Winter gerne Rot, im Sommer Weiß und Rosé. Natürlich spielt der Preis auch ein Rolle, bei einer Weinmesse habe ich einmal den teuersten Wein des Winzers probiert und war total enttäuscht. Generell liegen meine Weine meistens unter 10,00 Euro.

Monalitha. Bodo Kalveram.

Sie sind (auch) Künstler und beeindrucken als Maler mit einem ganz individuellen Malstil. Bei vielen Ihrer Bilder kann der Betrachter im Farbenrausch schwelgen. Gibt es für Sie Parallelen zwischen Kunstgenuss und Weingenuss?
Bodo Kalveram: Bei Kunst und Wein gibt es aus meiner Sicht viele Parallelen. Bei Wein geht es um Genuss und Assoziationen an schöne Momente, ebenso bei der Betrachtung von (meinen) Bildern. Einen guten Wein herzustellen, hat auch etwas mit Kunst zu tun, genauso wie ein Bild zu malen. Und meiner Meinung nach, kommt Kunst von Können… darum schmeckt auch jeder Wein und Jahrgang anders und ist im Grunde ein Unikat, genauso wie ein original handgemaltes Bild.

Was hat es mit dem Bild „Monalitha“ auf sich, der Frau mit überschäumendem perlenden Getränk im Glas?
Bodo Kalveram: 
Mein Bild „Monalitha“ steht für die Ambivalenz des Lebens. Auf der einen Seite der Genuss und das Gefühl sich etwas gönnen zu können, und auf der anderen Seite der angebissene Apfel, der für den Verbrauch der Welt steht. D.h. wenn wir weiterhin hemmungslos konsumieren, dann wächst im wahrsten Sinne des Wortes bald nichts mehr nach. Aber auch die Botschaft, daß Schönes (Mona Lisa) auch Jahrhunderte überdauern kann, wenn man bewusst mit Werten und in der weiteren Konsequenz, auch mit der Natur, umgeht.

Mit wem trinken Sie am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Bodo Kalveram: Am liebsten proste ich meiner Frau zu…..

Weinlese an der Mosel – im Superjahr 2018

Die Weinlese 2018 war und ist so besonders wie der heiße Sommer in diesem Jahr. Winzer Peter Göbel aus Ediger-Eller an der Mosel stöhnt nicht – im Gegenteil. Mit seiner Frau  Jenny Göbel betreibt er ein kleines, feines Familienweingut mit Tradition. Und, wie sollte es in der ältesten Weinregion Deutschlands anders sein, Peters Weinberge sind überwiegend mit Riesling bestockt. Der Winzer zieht eine persönliche Bilanz.

Weinbegleiter Ruhr: Wann begann bei euch in diesem Jahr die Weinlese?
Peter Göbel: Das war am 11. September, direkt nach dem Edigerer Straßenfest, wir hatten kaum Zeit zum Aufräumen nach dem Fest. Normalerweise beginnt die Weinlese Ende September, für den Riesling Anfang Oktober.

Und jetzt seid ihr schon fertig…
Peter Göbel: …seit dem ersten Oktoberwochenende, so früh wie noch nie.

Habt ihr jemals zuvor so früh mit der Weinlese begonnen?
Peter Göbel: Ja, im vergangenen Jahr, aber aus einem anderen Grund. Durch den heftigen Frost im Frühjahr gab es Ernteverluste. Die Rebe trug 2017 von Natur aus weniger Frucht und wurde dadurch früher reif.
In diesem Jahr war aber nicht der heiße Sommer der Grund für den frühen Lesebeginn. Sondern der sehr frühe Austrieb im Frühjahr. Der Sommer selbst hatte keinen wesentlichen Einfluss. Bei der Hitze und Trockenheit stellten die Pflanzen phasenweise einfach ihr Wachstum ein.

Clever.
Peter Göbel: Wenn der Rebstock nicht wächst, braucht er auch kein Wasser. Und wenn es auf Dauer zu heiß ist, dreht die Rebe einfach ihre Blätter und nutzt sie wie einen Sonnenschutz.

Rebstock schützt sich vor Sonne

Deshalb hat die Laubarbeit auch so eine große Bedeutung. Hätte ich zu viel oder an den falschen Stellen Laub entfernt, hätte die Rebe tatsächlich Sonnenbrand bekommen. Da müssen wir inzwischen sehr vorsichtig sein. Ich entferne sehr früh Blätter, damit sich die Traube im Laufe der Zeit daran gewöhnen kann.

Jenny, Peter und ich beim Nachladen für meine Kundschaft.

 

Was heißt Sonnenbrand bei Trauben?
Peter Göbel: Die Beerenhaut verbrennt und die Traube geht kaputt.

Der Rebstock macht bei der Hitze also keine Welle?
Peter Göbel: Da muss man differenzieren: Hauptsächlich der Riesling ist mit den hohen Temperaturen gut klargekommen. Riesling wurzelt immer so tief, wie er es nötig hat. Außer junge Reben, die mussten gewässert werden.

Aber ein ausgewachsener Rebstock kann bis zu 12 Meter tief wurzeln, also er sucht sich sein Wasser über die Jahre. Andere Rebsorten wie zum Beispiel die Burgunder und Müller-Thurgau können das nicht. Dann gibt es Trockenstress, die Blätter werden gelb und die Trauben können nicht mehr versorgt werden. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Weinberg im Flachlage leidet unter der Hitze, einer in Steillage bleibt grün. Das ist paradox.

Ist dieser frühe Lese-Start nun eine Folge des Klimawandels?
Peter Göbel: Definitiv. Das spüren wir im Weinbau. Und das schon seit 20 Jahren. Auf die Erfahrungswerte unserer Vorfahren können wir nicht mehr setzen. Es zählt nichts mehr, wir müssen ganz anders als früher reagieren. Und zum Glück sind wird die Region in Deutschland, die am spätesten erntet. Auch, weil der Riesling eine spät reifende Rebsorte ist. Wir können auf die ersten Informationen von Winzerkollegen aus der Pfalz, aus Rheinhessen und Baden zurückgreifen.

„Bin sehr zufrieden mit der Qualität“

Dein Fazit zur Weinlese 2018:
Peter Göbel: Ich bin sehr zufrieden mit der Qualität. Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen – und niemand kann sich erinnern, in der Vergangenheit schon mal so etwas Schönes erlebt zu haben. Wir haben schöne gesunde Trauben, alle wichtigen Qualitäten haben wir erreicht. Nichts unter 85 Grad Oechsle, also alles Spätlese-Qualität und mehr.

Dann hat dir die Gluthitze eher genützt als geschadet hat?
Peter Göbel: Der Vorteil: Es traten kaum Krankheiten wie unerwünschte Fäulnis auf. Jetzt entwickelt sich langsam Botrytis (ein Schimmelpilz, Anm. Weinbegleiter Ruhr) , was ja perfekt ist für Beeren-und Trockenbeerenauslesen. In diesem Jahr war optimal, dass wir seit Ende August kühle Nächte und warme Tage haben. Das ist das Beste für die Aroma-Bildung.

Riesling wie gemalt.

Hast du für Süßweine noch Trauben hängen lassen?
Peter Göbel: Ich nicht, aber mein Schwager – für Eiswein. Das ist ein Test, wäre schön, wenn es klappt.

Wie war die Ernte in Zahlen ausgedrückt?
Peter Göbel: Unsere 2 Hektar haben 20 000 Liter ergeben. Das heißt, pro Quadratmeter einen Liter Wein. Das ist für einen Selbstvermarkter wie mich, der großen Wert auf Qualität legt, ein sehr guter Schnitt.

Was bedeutet der Riesling für dich?
Peter Göbel: Ganz einfach: Nur mit Riesling gibt es die Mosel und 2000 Jahre Weingeschichte. Ohne Riesling keine Mosel mit dieser unvergleichlichen Kulturlandschaft, den schönen Dörfern.

…und ganz persönlich…
Riesling ist der Grund, warum ich Winzer bin. Das ist meine Identität. Alle unsere Fans kommen an die Mosel, um zu entdecken, was Riesling wirklich ist.

 

Fotos: Peter Göbel, Susanne Storck

 

 

Weinaromen: „Das riecht wie alte Turnschuhe!“

Weinaromen und ihre Tücken: Frau L. schnuppert,  „puh, das riecht wie alte Turnschuhe“, sagt sie Nase rümpfend. „Nein“, erwidert ihre Tischnachbarin, „das ist irgendein schwerer Blumenduft und ein bisschen muffig“. Die Weinerlebnis-Runde
im Privathaushalt hat höllisch Spaß beim Ratespiel rund um Weinaromen.

Die Dosen mit Aromen-Proben.

Dafür präpariere ich kleine schwarze Cremedosen mit Aromen, die auch im Wein vorkommen. Diese Übung gefiel mir beim Sensorik-Seminar des Deutschen Weininstituts (DWI) so gut, dass ich sie übernommen habe. Zu sehen sind die Duftproben nicht, man muss sich einzig auf seinen Geruchssinn konzentrieren. Mitunter ist das gar nicht so einfach. Da steigt einem etwas in die Nase, das man kennt, kommt in diesem Moment aber einfach nicht darauf, um welches Aroma es sich handelt. In den Dosen landen Würfel von frischem Obst wie Apfel, Birne, Erdbeere, Mango, die ich mit Wattepads abdecke, ich träufle Zitronensaft, Holunder-und Cassis-Sirup in die Dosen oder fülle sie mit Gewürzen wie geriebene Muskatnuss (erkennt fast jeder!). Künstliche Aromen, zum Beispiel naturidentische Öle, funktionieren nicht so gut.

Weinaromen und Trefferquote

Weinaromen zu erschnüffeln, macht sehr viel Spaß. Die Trefferquote hängt von mehreren Faktoren ab wie Qualität des Weins, Tageszeit, Einfluss von Fremdgerüchen, eigene Stimmungslage und prägende Erfahrungen.

Doch wie kommen Aromen in die guten Tropfen?
In der Welt der Weine spricht man von Primär-, Tertiär- und Sekundäraromen.
Primäraromen schlummern bereits in der Traube. Sie enthält gleiche chemische Stoffe, die in anderen Organismen enthalten sind. Zum Beispiel Pyrazine, die den Geruch und Geschmack grüner Paprika unverwechselbar machen. Oder das Terpen Geraniol, das  eine Rose duften lässt. Nun riecht eine Cabernet Sauvignon-Traube am Rebstock  natürlich nicht nach grüner Paprika. Und es duften im Weinberg nur die Rosenstöcke, nicht die Gewürztraminer-Traube nach dieser typischen Note. Erst im Verarbeitungsprozess entfalten sie sich.

Beim Deutschen Weininstitut gibt’s dieses Aromenrad – eignet sich prima zum Üben.

Und hier kommen die Sekundäraromen ins Spiel und die Kellerkunst des Winzers. Sie entstehen während der Gärung und dem Ausbau (Edelstahltank, Holzfass, Betonei, Amphoren). Beispielsweise erzeugen höhere Alkoholwerte ein grün-grasiges Aroma. Vergärt ein Weißwein bei kühlen 13/14 Grad, riecht er später nach Eisdrops und Gummibärchen. Beim Ausbau im Barrique nimmt der Wein je nach Holzart rauchig Noten, Röst- und Vanille-Aromen an.

Tertiäraromen entstehen während der Reifung in der Flasche und im Fass. Auch hier ist wieder Chemie im Spiel, fruch­tige und würzige Mole­küle zerbröseln und verbinden sich erneut mit anderen Molekülen zu langen Ketten. Ein phänomenales Beispiel ist für mich ein gereifter Riesling. Dann strömt aus dem Glas eine Petrolnote, die an Tankstelle erinnert. Verursacher ist der Kohlenwasserstoff TDN (Trimethyl-Dihydronaphtalin), der in den Trauben gebildet wird.

Sonnencreme für den Riesling

Der Rebstock ist schlau: Knallt im Sommer die Sonnen zu sehr und zu lange im Weinberg, bildet die Rebe sogenannte Carotinoide. In den Beerenhäuten eingelagert, wirken sie wie eine Sonnencreme. In den Jungweinen ist TDN weitestgehend in Zucker gebunden, erst im Laufe der Jahre bildet sich freies TDN. An dieser Petrolnote im Riesling scheiden sich die Geister: Man mag sie oder findet sie ätzend.

Übrigens: Der anfangs erwähnte Geruch nach alten Turnschuhen entpuppte sich als Rose – eingefangen in einem ätherischen Öl. Also Rose auf dem Komposthaufen…

Ein Hang zum Verlieben

 

Wunderschön: Blick vom Roten Hang auf den Rhein.

Orbel, Oelberg, Hipping – aus den Weinbergs-Lagen vom Roten Hang zaubert Lisa Bunn wunderbare Rieslinge. Für mich zählen sie zu den besten, die Deutschland zu bieten hat. Winzerin Lisa Bunn und ihr Mann Bastian haben von Nierstein am Rhein aus die Weinwelt erobert. Kurz vor der Messe „Pro Wein“, die am Sonntag in Düsseldorf beginnt, ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2017 nebst Liebeserklärung an den Roten Hang.

Weinbegleiter Ruhr: Ihr seid bei der Pro Wein 2018 wieder mit einem Stand im Rheinhessen-Pavillon vertreten. Was erwartet Besucher?
Lisa Bunn: Unser Schwerpunkt sind Rieslinge. Dabei haben wir eine große Bandbreite von einerseits sehr warmen Lagen aus Nierstein vom Roten Hang. Das sind sehr mineralische Rieslinge, die auf sehr kargen Böden gewachsen sind und dadurch mit einer sehr konzentrierten Frucht aufwarten. Dann haben wir andererseits das komplette Gegenteil mit den Lagen meines Mannes in Wintersheim mit eher fruchtbaren Löss-Lehm-Böden. Wo man dann einfach sieht, was Riesling auch sein kann: Also ’ne Fruchtbombe mit Pfirsich, Maracuja.

Kurz ein Rückblick auf das turbulente Winzer-Jahr 2017. Wie habt ihr es erlebt?
Lisa Bunn: Das war so ein verrücktes Jahr. Wir haben angefangen im Januar mit wochenlangen Minustemperaturen, wo wir froh waren, dass dennoch alles sehr, sehr ruhig verlaufen ist. Dann wurde es relativ früh warm und es folgte ein früher Austrieb.

Dann kam im April der Frost…
Lisa Bunn: Genau. Die Spätfröste mit Ertragseinbußen.

Wie ging es weiter?
Darauf folgte ’ne ziemlich lange, sehr trockene Periode. Was zur Folge hatte, dass die Fruchtansätze sehr klein waren. Die Rebe merkt, sie hat eine geringe Wasserversorgung, also hält sie auch ihre Leistung zurück. Und dann kam der Sommer 2017, es war pitsch-patsch nass, es hat geregnet ohne Ende. Da hätte sie also doch mehr Leistung bringen können – hätte sie das gewusst, die arme Rebe…
Dann hatten wir das Glück, dass ab Anfang September die Sonne raus kam. Und für alle, die Geduld hatten und nicht direkt Anfang September alles weggelesen hatten, kamen drei Wochen Sonne mit warmen Temperaturen, die einfach dafür sorgten, dass wir nochmal einen Tick mehr an Reife bekamen.
Und: Wir haben nicht so ein Jahr, in dem jetzt der Alkohol unglaublich hoch ist und die Säure unheimlich niedrig. Sondern es ist so ein typisches, eher traditionell deutsches Jahr, wo man Weine hat mit einem moderaten Alkohol, mit einer knackigen Säure.

Und privat ging es auch rund mit der Geburt eures Sohnes Theo.
Lisa Bunn
: Wir hatten unsere erste Füllung für das Jahr angesetzt. Wir haben eigentlich gedacht, wir füllen vorher ab und haben halt genug Zeit, um uns auf die Geburt und Alles vorzubereiten. Und dann: Theo ist drei Wochen zu früh gekommen Und am selben Tag, 26.1., haben wir bei uns 26 000 Flaschen Wein abgefüllt.

Begannen die Wehen bei der Abfüllung?
Lisa Bunn: Nee, nee, in der Füllvorbereitung. Also wir haben am Tag vorher noch Schwefel eingestellt, geprüft, ob genug Flaschen und Verschlüsse da und die Tanks in Ordnung sind. Da merkte ich dann: Es kündigt sich was an. Ich habe die ganze Nacht gehofft: Vielleicht hört das wieder auf oder es ist nur ein ‚Hallo, ich bin bald da!‘ Aber es war dann ein: ‚Hallo, ich will raus!‘

Wie hat sich für dich als Winzerin das Leben verändert mit einem Kind?
Lisa Bunn: Völlig. Ich habe das Glück, dass meine Mutter und meine Schwiegermutter beide sehr engagiert sind und auch den Theo einfach genommen haben in Stoßzeiten wie Herbst oder in der Füllvorbereitung. Immer wenn’s brennt, habe ich jemanden, der nach ihm gucken kann.
Und: Die ganzen Arbeitsabläufe sind jetzt so, dass wir schon vorausschauend vorgehen. Also, bisher haben wir gepflanzt und geplant, weil es in unser Sortiment passt. Aber eigentlich pflanzt man einen Weinberg, um schon für die nächste Generation zu planen. Denn der Weinberg steht ja 30 Jahre. Und jetzt denken wir: Hmm, kann der Theo mal was mit Sauvignon Blanc anfangen?  Oder ist er eher der Riesling-Typ? Wir wollen ihm ja auch nicht irgendwas aufzwingen, aber es muss ja so funktionieren, dass es später auch Sinn macht.

Lisa Bunn: Roter Hang ist Heimat

Der Rote Hang ist eine der besten Lagen in Deutschland, ihr habt dort Weinberge. Was ist für dich das Besondere am Roten Hang?
Lisa Bunn: Für mich ist der Rote Hang Heimat. Und Herkunft unserer besten Rieslinge.
Das ist auch unsere Visitenkarte. Es gibt in Rheinhessen natürlich unheimlich viele Winzer, die tolle Weine machen. Gerade in unserer Generation der Winzer. Ich weiß: Überall sind die Ansprüche hoch an sich selbst, einen tollen Wein zu machen.
Aber es ist halt einfach nochmal ein Unterschied, wo die Trauben wachsen, wie der Boden beschaffen ist, wie die Ausrichtung ist. Hier am Roten Hang haben wir einfach eine einzigartige Situation, die in jedem Jahr schmeckbar ist. Und die sich grundsätzlich vom restlichen Rheinhessen unterscheidet. Es macht uns stolz, dass wir das so direkt erleben können. Dass man dieses Geschmackserlebnis wirklich so eindeutig hat.

Was genau ist dieses Eindeutige?
Lisa Bunn:  Die Rieslinge vom Roten Hang sind sehr viel mineralischer als andere. Wir haben so eine gewisse Salzigkeit mit drin, eine Würze. Wenn  man riecht, hat man beim Standard-Riesling sehr viel Frucht Pfirsich, Aprikose, ein bisschen Apfel und Birne. Aber bei den Rieslingen vom Roten Hang geht es um ein ganz anderes Aromen-Spektrum. Da hat man eher was Würziges, manchmal kommt Lavendel raus, manchmal kommen kräutrige Noten hinzu, manchmal fast etwas Rotbeeriges, ein bisschen wie Johannisbeere. Aber eher so, als würde man an den Blättern riechen. Also es ist anders, und das macht das Besondere aus.

Messwein – ganz irdisch von der Mosel

Einmal Messwein probieren… Das erlaube ich mir in der Adventszeit für den „Wein des Monats“ Dezember und suche dafür einen besinnlichen Ort im Bistum Essen auf – das Essener Münster am Burgplatz. Das ganz irdische Weinrecht ist zwar inzwischen so streng und ausgefeilt, dass es in der katholischen Kirche keine spezielle Verordnung mehr für Messwein geben muss. Jedoch: Was hat es mit einem solchen Tropfen auf sich, der in der Eucharistiefeier der katholischen Kirche zum Blut Christi wird? Ich treffe mich mit Domkapitular Dr. Michael Dörnemann in der Sakristei des Doms. Und da halten wir uns nicht mit so wundersamen Dingen auf, Wasser in Wein zu verwandeln….

Weinbegleiter Ruhr: Welcher Wein kommt bei der Heiligen Messe im Dom in den Kelch?
Michael Dörnemann: Derzeit verwenden wir im Dom hauptsächlich einen 2015er Riesling Classic. Einen Qualitätswein, der auch besonders als Messwein etikettiert ist. Er stammt von der Mosel vom Weingut Weinschröterhof der Familie Bollig. Wir haben uns für den Riesling entschieden, weil er mit 11,5 Volumenprozent (%Vol.) einen nicht so hohen Alkoholgehalt hat.
Wir haben noch einen zweiten Wein, einen spanischen Likörwein.

…..hui, mit 15 Volumenprozent Alkohol….
Michael Dörnemann: Also zur Messe morgens um 7 Uhr geht das gar nicht. Wobei man sagen muss, es ist ja immer nur ein symbolischer Schluck, den der Priester trinkt.

Platz für Messwein ist in der kleinsten Hütte…

Darf ich den Riesling hier in der Sakristei rein aus Neugier und Interesse probieren oder verstößt das gegen sakrale Regeln?
Michael Dörnemann: Können Sie.

Zunächst ein eher verhaltenes, zartes Bukett, Zitrusnoten dominieren. Im Mund fühlt er sich nicht so leicht an wie der Alkoholgehalt vermuten lässt. Er steht einfach zu warm in der Sakristei, Alkohol und Säure sind dadurch eher dominant. Richtig gekühlt, bekäme ich jetzt einen ganz anderen Eindruck. Sie stellen die offenen Flaschen sehr salopp in der kleinen Abstellkammer hier ab…

Michael Dörnemann:  Der Rest wird natürlich entsprechend kühl im Keller gelagert.

Wie viele Flaschen lagern da im Keller?
Michael Dörnemann:  Das kann ich nicht genau sagen. Wir werden zwei Mal im Jahr mit bis zu 200 Flaschen beliefert.

Seit wann beziehen Sie den Messwein von der Mosel?
Michael Dörnemann:  Das Domkapitel hat schon seit über 50 Jahren Beziehungen zu diesem Weingut.
Die Pfarreien im Bistum können bei der Wahl der Winzer und Weingüter frei wählen. Einige beziehen ihren Messwein zum Beispiel von den Bischöflichen Weingütern in Trier.

Wer kümmert sich hier im Dom um den Wein, die Bestellung und Lieferung?
Michael Dörnemann:
Die Sakristane (Küster) in Absprache mit dem Dompropst und mit mir. Und in den Pfarreien ist es in der Regel so, dass die Pfarrer den Messwein bestellen.

Wird nur Weißwein gereicht oder auch Rotwein?
Michael Dörnemann:
Einige Pfarrer verwenden Rotwein, weil sie das symbolträchtiger finden. Nach katholischem Glauben wird ja der Wein in das Blut Christi gewandelt. Also es ist die Gegenwart Christi im Wein. Nun  muss man wissen: Der Kelch wird nach dem Gebrauch mit einem weißen Tuch ausgewischt. Rotwein ist da eher schwierig. Küster, die dann die Kelchwäsche machen müssen, fluchen dann schon mal…

Der derzeitige Messwein im Dom. Rechts auf dem Etikett ist der Urgroßvater vom derzeitigen Winzer Thomas Bollig zu sehen. Die Wurzeln des Familienweingutes reichen bis 1665 zurück.

Muss der Messwein aus dem deutschsprachigen Raum sein?
Michael Dörnemann: Nicht unbedingt. Andere Weine, zum Beispiel aus Italien oder Spanien, müssen dann eben im Qualitätszeugnis als naturbelassene Messweine ausgezeichnet sein.

In erster Linie trinkt der Priester aus dem Kelch. Dass alle Gottesdienst-Besucher daran teilhaben, ist eher die Ausnahme?
Michael Dörnemann: Ja, nur an besonderen Tagen, zum Beispiel Gründonnerstag oder in der Osternacht. Das kommt aus der Tradition der katholischen Kirche, dass nur der Priester den Wein trinkt. Seit dem 2. Vatikanischen Konzil ist die Öffnung gerade bei Gruppenmessen, also bei kleineren Gottesdienstgemeinden, so, dass immer alle aus dem Kelch trinken können. Aber bei normalen Gemeindegottesdiensten, wo 100 bis 200 Menschen da sind, ist das oft schwierig.

Und die Gottesdienstbesucher beschränken sich wirklich auf den Probierschluck?
Michael Dörnemann: Genau. Es gibt dann bei den besonderen Gottesdiensten eine gewisse Zurückhaltung. Das heißt, es gibt Menschen, die dann gar nicht zum Kelch gehen, sondern mit der Brotgestalt, wie sonst auch, vorlieb nehmen. Das hängt damit zusammen, dass es bis vor 40 bis 50 Jahren in der katholischen Kirche gar nicht üblich war, dass die Gläubigen aus dem Kelch tranken.

Wieso?
Michael Dörnemann: Das hat einen geschichtlichen Grund: Sicher war es in der frühen Kirche so, dass beim Gedächtnis des letzten Abendmahles alle Teilnehmer aus dem Kelch tranken. Im Laufe des Mittelalters wurde dies aus Ehrfurchtsgründen auf den Priester reduziert. Auch weil man fürchtete, dass Wein verschüttet wird  – in einer Situation, in der bei der Kommunion mit dem Wein ja auch die Gegenwart Christi verbunden wurde. Das ist dann so hoch stilisiert worden, dass 1415 beim Konzil von Konstanz Jan Hus (tschechischer Reformator), der vehement für den sogenannten Laienkelch eingetreten ist, der Häresie (Abweichung vom offiziell gelehrten Glauben/Ketzerei) verurteilt und verbrannt wurde. Nicht nur deshalb, aber das war auch ein Grund. Die Reformatoren des 16. Jahrhunderts, Luther vor allem, führten den Laienkelch für alle ein.

In der katholischen Kirche, im Zuge des 2. Vatikanischen Konzils, wurde die Aufforderung Jesu – „trinket alle daraus“ –  übernommen, so dass es eben in kleineren Gemeinden auch zur Kelchkommunion gekommen ist. Aber das hatte wie gesagt eine lange Geschichte und der sogenannte Laienkelch war im Mittelalter verboten.

Kommen wir zurück zum weltlichen Teil, mögen Sie privat Wein?
Michael Dörnemann:  Ja.

Welchen trinken Sie gerne?
Michael Dörnemann: Rot- und Weißwein, das ist sehr unterschiedlich.  Aus dem Elsass, durchaus auch mal einen Muscat d’Alsace. Bei den österreichischen Weinen sowohl den Grünen Veltliner in allen Abstufungen, als auch Riesling Zweigelt, Blaufränkisch. Und italienische Rotweine –eher als spanische. Auch schon mal gerne einen Bordeaux.

Bei welchen Gelegenheiten trinken Sie Wein?
Michael Dörnemann: Zu einem guten Essen, wenn ich eingeladen bin mit Freunden. Im Urlaub auch schon mal auf der Terrasse abends.

Genuss ist dann hoffentlich außerirdisch schön!

 

 

Messweinverordnung
„Im Kirchlichen Amtsblatt für das Bistum Essen von September 2014 heißt es: Die Kirche ist seit jeher bestrebt, für die Feier der Eucharistie Brot und Wein in einer Qualität zu verwenden, die der Heiligkeit dieses Sakramentes angemessen ist. Die Grundordnung des Römischen Messbuches hebt…. hervor: ‚Der Wein für die Eucharistiefeier muss vom Gewächs des Weinstockes (vgl. Lk 22,18) stammen und naturrein und unvermischt sein, das heißt ohne Beimischung von Fremdstoffen‘. Aus diesem Grund hatten die deutschen Bischöfe im Jahre 1976 vor dem Hintergrund des damaligen Lebensmittelrechts die ‚Verordnung über den Gebrauch von Wein bei der Eucharistiefeier (Messwein)‘. Da inzwischen das weltliche Recht die Reinheit des Weines strikt normiert und die Beimischung von Fremdstoffen weitestgehend verbietet, ist die besagte kirchliche Verordnung hinfällig und wird hiermit aufgehoben. Einer Approbation einzelner Messweinlieferanten bedarf es daher künftig nicht mehr. Die Priester haben weiterhin gewissenhaft dafür Sorge zu tragen, dass bei der Feier der Eucharistie ein Wein verwendet wird, der mindestens den Anforderungen eines Qualitätsweines (nach deutschem Weinrecht) genügt…“