Rosé vom Dornfelder mit Sommer-Feeling

Mit einem Rosé vom Dornfelder holt sich Sun-Mi Jung Sommer-Feeling ins Glas. Die 46-Jährige ist Gastautorin beim Wein des Monats Dezember. Wir wissen nicht mehr so genau, wie wir uns kennengelernt haben. Es war irgendwo bei Social Media. Sun-Mi, Kind südkoreanischer Gastarbeiter, ist in Bochum zuhause und lebt ihre Leidenschaft für koreanische/asiatische Küche. Sie ist Kochlehrerin und betreibt als MissSeoulFood einen lesens- und sehenswerten Blog.
Ein Gespräch über ganz persönlichen Weingenuss.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sun-Mi Jung: Rosé vom Dornfelder, Weingut Elmar Clemens, Rheinhessen.

Der Lieblings-Rosé von Sun-Mi Jung.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Rosé vom Dornfelder mit Sommer-Feeling entdeckt?
Sun-Mi Jung:
Ein alter Sportkollege meines Mannes handelt nebenberuflich mit Weinen und versorgt vor allem die hiesige Gastronomie. Er ist mittlerweile der „Weinhändler unseres Vertrauens“ geworden. Bei der letzten Verkostung hat Frank uns unter anderem diesen Wein vorgestellt, der mir sehr gut gefallen hat.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sun-Mi Jung:
Es handelt sich um einen Rosé, die ich in der Vergangenheit kaum beachtet habe. Ich habe eigentlich immer nur Rot oder Weiß getrunken und hatte die ganzen Rosés gar nicht auf dem Schirm. Ich war begeistert, wie unglaublich leicht, lebendig und fruchtig dieser Rosé vom Dornfelder schmeckt! Fast schon wie ein sommerlicher Cocktail. Unser Weinhändler hatte uns den Tipp gegeben, einen Eiswürfel ins Glas zu geben. Zugegeben, zunächst etwas irritierend, aber einfach fantastisch. Wir haben zwar mittlerweile Herbst und bald Winter. Aber ich trinke diesen Rosé auch in der kalten Jahreszeit. Vielleicht auch, weil er mich an den schönen Verkostungsabend erinnert, der im Sommer unter freiem Himmel und mit netten Freunden stattfand.

„Wein ist für mich…“ Bitte ergänze den Satz mit 3 Begriffen/Erklärungen, die für dich ganz wesentlich sind.
Sun-Mi Jung:
Geselligkeit, Genuss, Entspannung, Entdeckung (Geschmäcker und Aromen, aber auch Rebsorten, Anbaugebiete und jede Menge Kulturgeschichte); ein kleiner Luxus.Ich weiß, das sind mehr als drei Begriffe…

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sun-Mi Jung:
Das kann ich Dir gar nicht mehr so genau sagen. Aber als junge Frau, so kurz nach dem Studium, hatte ich eine Kochgruppe, die nur aus Frauen bestand. In dieser wurde regelmäßig gekocht und im Laufe der Zeit kam natürlich auch ein Glas Wein dazu.  Die Kochgruppe, die einige Jahre bestand, gibt es heute nicht mehr. Aber die Liebe zu Essen, Kochen und den passenden Getränken ist geblieben.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl? Was ist dir wichtig?
Sun-Mi Jung:
Da ich dem Urteil von Experten vertraue, lasse ich mich gern von Fachleuten beraten. Ich sage Ihnen, was ich erwarte oder auch brauche (Anlass, Rezept, Preis, etc.) und folge dann den Empfehlungen. Da es sich nur um eine Empfehlung handelt, muss ich anschließend natürlich immer noch selbst probieren und mir mein eigenes Urteil bilden. Insgesamt bin ich aber ein sehr experimentierfreudiger Mensch, der gern Neues entdeckt und freue mich, dass das Thema Wein in dieser Hinsicht nahezu unendlich ist.

Sun-Mi in ihrem Element.

Du bietest Kochkurse an und betreibst einen sehr schönen Foodblog zur koreanischen/asiatischen Küche. Welche Rolle spielt aus deiner persönlichen Sicht Wein als Speisenbegleiter in der koreanischen Küche? Oder wird da eher ein schönes frisches Bier bevorzugt?
Sun-Mi Jung: Oh, danke für das Lob! Schön, dass Dir der Blog gefällt.

Ein schönes frisches Bier passt eigentlich zu jedem koreanischen Essen, welches oft sehr kräftig, scharf und herzhaft ist, und es wird in Korea auch sehr gern zum Essen getrunken. Für mich als Kind des Ruhrgebiets natürlich die perfekte Symbiose aus Ost und West.

Der Genuss und die Kultur des westlichen Weines ist in Korea auch noch nicht so verbreitet. Aber ich finde, dass westlicher Wein durchaus zur koreanischen Küche passt. Zum scharfen Essen leichtere Weine, die den kräftigen Geschmack ein wenig ausgleichen, wie zum Beispiel ein deutscher Riesling. Davon abgesehen gibt es natürlich auch süße und dezentere koreanische Speisen, die man sehr gut mit einem passenden Wein kombinieren kann.
Last, but not least gibt es natürlich auch Reisweine, die ideal harmonieren. Allerdings wird dieser „Wein“ natürlich nicht aus Trauben gewonnen.

Mit wem trinkst du am liebsten ein Glas Wein zusammen?
Sun-Mi Jung: Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht. Eigentlich mit jedem, den ich mag, der mir nahesteht, mit dem ich mich gern austausche und mit dem ich gern Zeit verbringe. Natürlich spielt auch das Ambiente eine Rolle. Da bin ich jedoch sehr flexibel: Gemütlich vor einem Kamin, festlich in einem Ballsaal, lässig in einer Küche während einer Kochparty, gern auch bei einem Picknick im Freien. Und tatsächlich auch auf der Couch mit einem schönen Film.

Mit wem am liebsten nicht?
Sun-Mi Jung:
Mit Menschen, die nicht gern Wein trinken. Ich glaube, das hat keinen Sinn…

Mit wem würdest du gerne mal ein Glas Wein zusammen trinken – und warum?
Sun-Mi Jung: Mit Dir! Ich hoffe, wir schaffen das im Jahr 2021!

Mit welchem Getränk begrüßt du Silvester das neue Jahr?
Sun-Mi Jung:
Mit Champagner!

Was wünscht du dir für 2021?
Sun-Mi Jung:
Mehr soziale Kontakte, wie wahrscheinlich alle Menschen auf der Welt, viele neue Abenteuer, spannende Begegnungen. Und natürlich neue Weine!

Fotos (2 Porträts): Andreas Muck

Mit Winzersekt den Sommer feiern!

Erdbeere trifft Spargel trifft Winzersekt. Mit diesem Aromen-Feuerwerk feiern wir den Sommer 2020 und genießen den Moment. Event-Köchin Elly von Elly’s Island in Gescher verarbeitet bei Wein & Speise im Juni „die Süße einmal anders“. Nämlich auf einem Flammkuchen. Belegt und gebacken mit grünem Spargel und Walnuss-Kernen, verleihen ihm Erdbeeren einen Frische-Kick. Geschmacklich unterstrichen wird dies durch einen begleitenden Salat mit – natürlich selbstgemachtem – Erdbeer-Dressing. Und Erdbeer-Chips statt Croutons.
Beeren-stark!

Foto: Ulrike Leone auf Pixabay

Bei diesen Gerichten sehe ich sofort Rosé. Am liebsten schäumenden Rosé: zum Beispiel einen deutschen Winzersekt Brut (0-12 g/l Restzucker) aus der Spätburgunder-Traube mit Aromen, die an rote Beerenfrüchte erinnern. Wer es mag: Es geht auch noch einen Tick süßer mit extra trocken (12 bis 17 g/l Restzucker); dann mildert die Süße des Sekts die Säure der Erdbeeren. Das erste Glas, schön gekühlt bei 6-8 Grad als Aperitif gereicht, ist ein wunderbarer Start in einen beschwingten lauen Sommerabend.

Winzersekt, Franciacorta und Crémant

Der schäumende Spaßmacher, am besten direkt beim heimischen Winzer oder im Fachhandel probiert und geordert, muss bei Flammkuchen und Salat nicht zurücktreten. Im Gegenteil: Er begleitet spielerisch die leichten, raffinierten Gerichte und unterstreicht deren Erdbeer-Aromen. Da der Spargel hier nicht allein die Hauptrolle spielt, müssen nicht automatisch Spargel-typische Weine wie Müller-Thurgau, weiße Burgunder und Silvaner die erste Wahl sein. Das Spiel mit der Frucht auf dem Teller und im Glas bringt den Reiz.
Neben einem schönen fruchtig-frischen Winzersekt passen auch ein italienischer Franciacorta Rosé, Schaumwein und Region in der Lombardei, oder ein französischer Crémant Rosé aus Burgund. Was diese Getränke im Herstellungsverfahren eint: Die hochwertigen Grundweine werden durch Zugabe von Zucker und Hefe ein zweites Mal in der Flasche vergoren, was als traditionelle oder klassische Flaschengärung bezeichnet wird. Die Qualitätsschaumweine werden wie Champagner hergestellt (Méthode champenoise), dürfen sich aber nicht Champagner nennen.
Und nun beschwingt ans Werk!

Erdbeere trifft Spargel trifft Flammkuchen
1 Rolle Flammkuchenteig
1 P grüner Spargel
3 rote Zwiebeln
200 g Walnusskerne
200 g Frischkäse, 500 g Crème fraîche
Zucker, Meersalz
8 EL Nussöl
10-15 Erdbeeren
Öl und Balsamico-Creme, Pfeffer, Salz, Muskat
Teig ausrollen. Spargel und Zwiebeln in dünne Scheiben schneiden. Nüsse hacken und 2/3 davon mit der Crème fraîche und dem Frischkäse vermengen, mit Salz, Pfeffer und Muskat würzen. Fladen auf ein Blech geben, gleichmäßig mit der Nussmischung bestreichen. Spargel mit Zwiebeln darauf geben und mit etwas Zucker würzen. Übrige Walnüsse darüber verteilen. Fladen 12-15 Min. bei 180 Grad backen. Erdbeeren putzen und in Scheiben schneiden. Mit Öl, Balsamico und Pfeffer mischen. Erdbeeren auf den gebackenen Kuchen verteilen. Flammkuchen mit Nussöl beträufeln und mit Meersalz bestreuen.

Foto: RitaE auf Pixabay

Sommersalat mit Mozzarella
Salat nach Geschmack
2 Mozzarella-Stangen oder 3 Kugeln
Salz, Pfeffer Olivenöl
Salat putzen, fein zupfen. Aus dem Öl, Essig und Salz/Pfeffer ein leichtes Dressing schlagen. Mozzarella aufschneiden.

Erdbeer-Dressing
250 g frische Erdbeeren
Salz, Pfeffer
2 EL süßer Senf, 2 EL Honig, 2 EL Olivenöl, 1 EL Balsamico, Balsamico crema zum Abrunden
Alle Zutaten mit dem Pürierstab zu einem cremigen Dressing verrühren.

Erdbeer-Chips
500 g frische Erdbeeren
Den Backofen auf 100 Grad Umluft vorheizen. Erdbeeren abspülen, sehr gut mit Küchenkrepp trocken tupfen, putzen und in etwa 3 mm dünne Scheiben hobeln oder schneiden. Die Scheiben auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen und im vorgeheizten Backofen 1 Stunden trocknen lassen.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

Alles so schön Rosé hier…

„Rosé? Das ist doch kein richtiger Wein….“  Ich hör‘ sie immer mal wieder bei meinen Weinproben, die Lästermäuler, die ihn als „Mädchenwein“ oder „gepanschtes Zeug“ verspotten und ihn links liegen lassen wollen. Amüsiert mich. Denn gerade diese Weinkenner kommen dann doch auf den Geschmack.

Weinliebhaberinnen haben sein Potenzial längst genießend erkannt, und auch die Herren der Schöpfung greifen inzwischen gerne zum Rosé. Er ist einfach ein genialer Begleiter durch den Sommer und – gerne perlend – ein Freund in beschwingten Momenten.

Fröhlich mit Rosé,: Unter anderem mit „Greta Rosé“ vom Weingut Emil Bauer & Söhne, Pfalz, und mit „Rosé Secco“ Hirsch“ vom Weingut Hirschof, Rheinhessen.

Ob knallig pink, in kräftigem Beerenrot oder zart lachsfarben – auch hier erweist sich, dass die Welt der Weine wunderbar bunt ist. Und jeder kann seinen Tropfen finden – von trocken bis lieblich.

Meist werden zur Herstellung die roten Trauben sanft gequetscht. Die Traubenpampe heißt Maische. Es lösen sich dann die Farbpigmente aus den Schalen, der Most wird nach kurzer Zeit, je nach angestrebter Farbtiefe, abgepresst und Rosé-farben vergoren.
Eine andere Methode beruht auf dem Saignée-Verfahren. Saignée heißt übersetzt Aderlass. Während der Rotwein-Bereitung wird bei der Gärung auf der Maische ein Teil des entstehenden Saftes frühzeitig abgezogen und extra zu Rosé vergoren.

Rosé ist ein Spaßmacher schlechthin. Er kommt nicht für die Ewigkeit in die Flasche, sondern schmeckt frisch in den ersten ein bis zwei Jahren am besten. Also ab ins Glas!

Ein besonderer  Vertreter, den es so nur in Deutschland gibt, ist der Weißherbst. Er darf nur aus hell gekelterten Rotweintrauben hergestellt werden und nur aus einer einzigen Rebsorte, die auf dem Etikett stehen muss. Oft sind das Spätburgunder und Portugieser.

Wer eher (staub-) trockene, kräuterwürzige und mineralische Vertreter mag, wird Rosé aus der Provence lieben. In Frankreichs Hochburg für in Flaschen abgefüllte Urlaubsträume kommen die meisten Weine als Rosé auf den Markt. Wer es ein wenig süffig-fruchtiger wünscht, ist im benachbarten Anbaugebiet Languedoc-Roussillon sehr gut aufgehoben. Überhaupt strotzen viele Südländer unter den Rosé-Weinen mit Kraft und Frucht.

Lieblings-Rosado zum Reinbeißen

Der Liebling meiner Kunden ist der Rosado Palmera aus der süd-ost-spanischen Region Utiel-Requena: Der 2018er betört mit einem würzig-mediterranen Duft, bei dem man sofort den Kräutergarten rupfen möchte. Und dann entfalten sich ganz klare Aromen, die an prall-reife Kirschen und Johannisbeeren erinnern. Hinzu kommt ein Hauch Anis. Im Mund flirtet der säuremilde Wein aus der heimischen Rebsorte Bobal wunderbar cremig und üppig. Man möchte reinbeißen. Er ist ein toller Begleiter beim Schlemmen am Grill und passt natürlich herrlich zu  spanischen Klassikern wie Tapas. Olé!

Wein des Monats: Ein ehrlicher Rosé im Glas

Wieder macht ein Rosé das Rennen beim Wein des Monats. Im April stellt Sebastian Müller seinen Lieblingstropfen im Glas vor. Von Beruf ist er Automobilverkäufer in Hagen, privat ein echter Genießer. „Urlaub in einem schönen Haus, Rotwein und ein Buch vorm Kamin – mehr brauche ich nicht.“
Zur Zeit haben jedoch eher Weißwein und Rosé bei ihm Saison. Wir plaudern unter anderem über ehrlichen Wein und die Vorzüge des Nichtrauchens auch beim Weingenuss.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein, woher stammt er?
Sebastian Müller: Also ich habe mehrere Lieblingsweine. Ich trinke in den kalten Monaten lieber Rotwein und in den warmen Monaten lieber Weißwein. Rosé geht aber immer. Mein Liebling-Rosé ist der trockene „Dorn to be wild“ der Winzerin Eva Vollmer aus der Region Rheinhessen.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Rosé für dich entdeckt?
Sebastian Müller: Den Wein habe ich eher zufällig entdeckt. Über ein Prämienpunkteprogramm konnte ich mir eine Kiste davon bestellen. Die Beschreibung war dazu ausschlaggebend, ebenso wie der Name des Weins.

Warum ist das dein Lieblingswein?
Sebastian Müller: Für mich ist es ein ehrlicher Wein, der Geschmack ist besonders, sehr fruchtig und würzig. Bisher schmeckte der Wein jedem, dem ich ihn angeboten habe. Auch das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.

Was verstehst du unter einem ehrlichen Wein?
Sebastian Müller: Wenn ich den Geschmack sehr rein wahrnehme. Ich nehme einen ersten Schluck und der Wein schmeckt mir sofort und ich bin begeistert.

Du hast im April Geburtstag. Womit stößt du dann an?
Sebastian Müller
: Angestoßen wird standesgemäß mit Sekt, hier bevorzuge ich Mumm Extra Dry.

Du bist seit geraumer Zeit Nichtraucher, schmecken Weine jetzt anders bzw. besser als vorher?
Sebastian Müller
: Ja, seit dem 14.10.2018 rauche ich nicht mehr und bin standhaft geblieben. Gerade in Verbindung mit Alkohol war eine Zigarette obligatorisch. Es sind dann die klassichen Momente, in denen ich die Zigarette dann doch vermisse. Allerdings schmecke ich insgesamt intensiver, beim Wein schmecke ich das Säuerliche mehr raus, wenn es kein milder Wein ist. Also bei Weinen, bei denen ich früher die Säure nicht so wahrgenommen habe, ist das jetzt mehr der Fall.

Wie bist du überhaupt auf den Wein gekommen?
Sebastian Müller
: Über den Genuss. Ich fand es gediegener, mir abends eine Flasche Wein zu öffnen, statt einer Flasche Bier. Anfangs waren es eher die lieblichen Weine, mitllerweile kann ich mir damit nicht mal ein Fußbad machen! Nun trinke ich am liebsten trockene Weine.

Worauf achtest du bei der Weinauswahl und wo ist preislich deine Schmerzgrenze?
Sebastian Müller
: Bei der Weinwahl verlasse ich mich nicht auf das Design von Etiketten oder der Flaschen. Grundsätzlich kenne ich die Sorten, die ich mag. Meine preisliche Schmerzgrenze ist sehr abhängig vom Anlass, wofür ich den Wein kaufe. Es gibt ja Weine, die auch zu einem günstigen Preis gut schmecken. Eine Freundin sagte mal in einem Supermarkt: ,Alles, was über 4 Euro kostet, kannst du bedenkenlos kaufen.‘
Zu besonderen Anlässen kaufe ich gerne im Weingeschäft, also im Fachhandel. Mehr als 15 Euro habe ich aber bisher noch nicht für eine Flasche Wein ausgegeben. Außer Haus natürlich mehr.

Mehr zum Rosé „Dorn to be wild“: https://wirwinzer.de/2017-dorn-to-be-wild-rose-trocken-bio-weingut-eva-vollmer.html#description-tab

Rosé ist kein Mädchenwein

Silvia Wildhage steht nicht nur im Sommer auf Rosé. Bei ihrem „Wein des Monats“ März leuchtet einer im Glas. Die Landschaftsarchitektin aus Meiningen trinkt nicht nur gerne Wein, sie macht auch seit vielen Jahren selbst welchen. Kein Obst ist vor ihr sicher. Ein Gespräch mit Silvia Wildhage über ihren derzeitigen Lieblingstropfen, über die Zauberei bei der Weinherstellung und über die Krönung zur Weinkönigin bei der jährlichen Blindverkostung im Freundeskreis.

Weinbegleiter Ruhr: Was ist dein derzeitiger Lieblingswein? Wie heißt er, woher stammt er?
Silvia Wildhage: 
„Der fruchtige Rosé“, ein Qualitätswein der Genossenschaft Oberkircher Winzer aus Baden. Ein feinherber Rosé aus Spätburgunder-Trauben.

Wie und wann hast du diesen Wein entdeckt, bei welcher Gelegenheit war das?
Silvia Wildhage: 
Beim ersten Mal war es ein Geschenk meiner Chefin. Als sie das nächste Mal Nachschub bestellte, fragte sie mich, ob ich auch welchen möchte. Ich hatte diesen Rosé in guter Erinnerung und bestellte 6 Flaschen. Ich war und bin begeistert.

Warum ist das dein derzeitiger Lieblingswein?
Silvia Wildhage: 
Ist für mich ein leichter Wein, er hat nur 11 Volumenprozent Alkohol. Und dennoch wirkt er sehr süffig. Aber nicht vordergründig süß, so dass man schnell genug davon hätte und ihn nicht mehr will. Dieser Wein ist sehr fruchtbetont, das brauche ich nicht immer, aber bei diesem gefällt es mir sehr.

Rosé ist für dich kein typischer Sommerwein?
Silvia Wildhage: Er wird vom Hersteller, glaube ich, so angepriesen. Für mich geht er auch in den anderen Jahreszeiten.

Und Rosé gleich Mädchenwein? Was sagst du dazu?
Silvia Wildhage: Das finde ich albern. Da habe ich keine Schranken im Kopf.

Das wird Wein aus Süßkirschen.

Du stellst auch selbst Wein her, wie kam es dazu?
Silvia Wildhage: Ja, schon seit fast 30 Jahren. Als ich meinen ersten Lebensgefährten kennenlernte, hatte er gerade Hagebuttenwein angesetzt. An unserem ersten gemeinsamen Abend filterte er Sud ab. Das war eine fürchterlich dünne Plörre, aber wir waren damals so voneinander begeistert, dass uns das nicht gestört hat.
Wir probierten dann viel aus. Zum Beispiel Apfelwein. Die Küche klebte tagelang, weil wir die Früchte mit der Kartoffelkloßpresse verarbeiteten. Fruchtfleisch und Saft spritzten überall hin.

Mit welchen Früchten habt ihr noch experimentiert?
Silvia Wildhage: Hagebutten, die finde ich auch heute noch sehr lecker. Man muss sie nach dem ersten Frost pflücken, dann werden sie weich und bekommen eine gewisse Süße. Dann setzt du einen Sud an mit Saft, weil Hagebutte ja keinen eigenen Saft hat, lässt  ihn einmaischen und dann wird er abgeseiht.
Wir haben alles ausprobiert, Äpfel, Sauerkirschen, Pflaumen – von Bäumen, die frei in der Natur standen, und das reife Obst von niemandem gepflückt wurde. Und etwas ganz Besonderes ist Wein aus Johannisbeeren – schwarze und weiße gemischt, ein Traum. Da habe ich inzwischen Sträucher in meinem eigenen Garten angepflanzt. Auch Sauerkirsch-Bäume wachsen dort.

Das Weinbuch – Begleiter und Ratgeber seit vielen Jahren.

Ist es simpel und einfach, Wein selbst zu machen?
Silvia Wildhage: Das denken viele. Aber das ist nicht so. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bin ich zum Beispiel die einzige, die mit
Reinzuchthefen arbeitet. Damit kann ich den Wein lenken. Möchte ich einen schweren oder einen leichten. Ich richte mich nach einem kleinen, alten Weinbuch zur ersten Orientierung. Da stehen Tabellen mit genauen Mengenangaben drin. Bei Süßkirschen zum Beispiel brauche ich ca. 11 Kilo Früchte für 10 Liter Wein. Und dann mache ich das nach Bauchgefühl und maische auch mit den Händen ein.

Stellst du eher trockene Weine her oder auch halbtrockene und süße?
Silvia Wildhage: In der Regel trockene. Aber Süßkirschen bekommt man nicht wirklich trocken. Ich muss aber auch nicht versuchen, beim Weinmachen die Frucht umzukrempeln.

Wie bekommst du deine Weine klar?
Silvia Wildhage: Abfüllen, bevor der Wein nicht klar ist, gibt es bei mir nicht. Ich ziehe den Wein mehrfach ab. Und ich versuche, ihn nicht zu lange auf der Hefe stehen zu lassen. So einen intensiven hefigen Geruch und Geschmack mag ich nicht.
Das Wichtigste: Ich muss in der Stimmung sein, um Wein zu bereiten. Das macht man nicht nebenbei wie einen Abwasch. Die Ballons sind sehr schwer, man muss sauber arbeiten und einfach konzentriert bei der Sache sein.

Du warst auch schon einmal Weinkönigin….
Silvia Wildhage: ….ja! Freunde und Bekannte machen auch Wein und wir treffen uns einmal im Jahr zur privaten Blindverkostung. Dann werden Apfelweine, Mischweine und Traubenweine probiert und bewertet. Ein Paar hat sogar in der Nähe von Weimar einen Hang und baut da Rebstöcke an. Genau 99 Stück, mehr erlaubt das Gesetz nicht. Und das ist für den Eigenbedarf.
Wer bei der Blindverkostung die meisten Weine am besten bewertet, die später gewinnen, wird Weinkönigin. Oder Weinkönig.