Vegetarische Speisen und Weine

Vegetarische Speisen und Weine: Im neuen Wein & Speise-Tipp geht es um fleischlosen Genuss. Event-Köchin Elly von Elly’s Island hat sich dafür etwas Besonderes ausgedacht. Sie bereitet eine Linsenbolognese zu. Und während diese köchelt, bestelle ich das weite Feld der Weinauswahl. Hier gibt´s Tipps, welche Weine sehr gut zu Gemüse und Co. passen und was es mit veganem Wein auf sich hat.

Beginnen wir mit passenden Tropfen zu knackigen Salaten aus grünem Gemüse mit frischen Kräutern: Hier passen Weine aus den Rebsorten Sauvignon Blanc, gerne von der Loire, Scheurebe, Müller-Thurgau und Silvaner sehr gut. Ähnliche Aromen in Speise und Wein wie frisch gemähtes Gras, grüner Apfel, Buchsbaum und Grapefruite harmonieren. Auch viele Rosé-Weine vertragen sich gut mit dem jungen Gemüse. Vorsicht beim Dressing mit Essig. Dessen Säure verträgt sich nicht mit der Säure im Wein, beide pushen sich gegenseitig hoch. Ein milder Essig ist hier die bessere Wahl oder Zitronensaft statt Essig.

Zum Grillgemüse oder zu geschmorten Gemüsetöpfen reiche ich gerne auch kräftige Rotweine, zum Beispiel von der nördlichen Rhône, einen im Barrique ausgebauten Spätburgunder oder Dornfelder. Gegrillte Paprika schreien nach einem vollmundigen Cabernet Sauvignon, weil die gleichen chemischen Grundsubstanzen in beiden schlummern.

Zu Pilzen und Wein sowie Kürbis und Wein habe ich zu meinen anderen Artikeln im Weinblog verlinkt.

Bei Tomaten-Gerichten kommt es ganz besonders auf die Zubereitungsart an. Rohe Tomaten mit ihrer Säure und einer gewissen Bitterkeit vertragen sich nicht gut mit Weinen. Anders sieht es bei eingekochten roten Früchtchen aus und der Zugabe von Tomatenmark. Durch das Schmoren wird die Säure abgepuffert. Und da sind wir auch schon bei Elly’s  Gericht:

Linsenbolognese

1 Bd. Suppengemüse, 1 Zwiebel, 1 Knoblauchzehe
200 g Tellerlinsen
Olivenöl
1 große Dose stückige Tomaten, ½ Tube Tomatenmark
Schuss Rotwein, Salz, Pfeffer, Prise Zucker
Bd. Basilikum, ein Zweig Rosmarin, Thymian
Frischer Parmesan
Crème frâiche

Suppengemüse, Zwiebel und Knoblauch putzen und sehr fein würfeln. Linsen abspülen und gut abtropfen lassen. Thymianblättchen abzupfen und Rosmarin fein hacken.
Öl in einem Topf erhitzen. Gemüse, Zwiebel, Knoblauch und Linsen darin unter Wenden ca. 5 Minuten dünsten. Tomatenmark zugeben und mit rösten. Schuss Rotwein zugeben, einköcheln. Kräuter, Dosentomaten und 200 ml Wasser zugeben, aufkochen und alles ca. 30 Minuten köcheln. Basilikumblättchen abzupfen und erst kurz vor dem Servieren unter die Soße mengen. Crème frâiche cremig rühren und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Nudeln garkochen und mit der Linsenbolognese und einem Klecks Crème frâiche sowie Parmesan servieren.
Achtung, so Elly’s Tipp: Wenn man mit Käse arbeitet, sollte man auf Käse mit chemisch hergestelltem Lab zurückgreifen. Dies findet man häufig bei Ziegenkäse. Denn tierisches Lab stammt aus Kälbermägen.

Zur Weinempfehlung: Die köchelnden Tomaten wirken bei diesem Gericht wie ein Geschmacksverstärker. Die Linsen, stärkehaltige Hülsenfrüchte, geben der Bolognese Geschmeidigkeit und eine üppige Konsistenz. Meine erste Weinwahl sind rote Gaumenschmeichler wie ein Merlot, Zweigelt, Lagrein vom Kalterersee, Pinot Noir. Wer beim Thema vegetarische Speisen und Weine lieber einen Weißwein zur Linsenbolognese bevorzugt, dem empfehle ich Mut zum gereiften Wein, etwa einen Riesling. Der Wein hat sich über Jahre entwickelt, die Säure ist gut eingebunden, und verträgt sich sehr gut mit der üppigen Speise.

Vegane Weine

Vegetarische Speisen und Weine: Kurz vor dem Ende unseres Ausflugs in die fleischlose Welt, noch ein paar Anmerkungen zum Thema vegane Weine. Dieser wächst ja nicht im Weinberg fröhlich vor sich hin, sondern entsteht erst im Weinkeller. Winzer setzen bei der Klärung von Wein tierische Produkte ein, zum Beispiel Eiklar oder Gelantine. Das Eiweiß bindet die Trübstoffe im Wein und setzt sich am Boden ab. Danach kann der klare Wein abgezogen werden. Hersteller von veganen Weinen, oftmals sind es Bio-Winzer, verzichten auf tierische Hilfsmittel. Sie setzten stattdessen zur Klärung pflanzliche Proteine ein, gewonnen beispielsweise aus Bohnen oder Kartoffelstärke. Der Effekt ist der gleiche und der Wein schmeckt später auch nicht nach Gemüse.

Hier noch ein paar Infos von Elly zu veggie und vegan:

Ovo-Lakto-Vegetarier
Sie essen kein Fisch und kein Fleisch sowie die daraus resultierenden Produkte (z.B. Gelatine).

Lakto-Vegetarier
Sie essen kein Fisch, Fleisch, keine Eier.
Ovo-Vegetarier
Sie essen kein Fisch, Fleisch, keine Eier und keine Milchprodukte.
Pescetarier
Essen Fisch, aber kein Fleisch.
Flexitarier
Essen zwar Fleisch, aber sehr bewusst und nur in geringem Maß und achten besonders auf die Herkunft (gerne Bio etc.).
Veganer
Diese lehnen tierische Produkte im Ganzen komplett ab. Nichts von tierischer Herkunft wird verwendet (Z.B. Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Laktose, Honig, Käse, tierische Emulgatoren und Fett) sowie keine Nebenprodukte (z.B. Farbstoffe, Leder, Seide, Seifen).
Fruitarier
Sie essen auch komplett keine tierischen Erzeugnisse und deren Nebenprodukte. Allerdings essen sie auch nichts, was der Mutterpflanze schadet (d.h. ein Apfel er vom Baum fällt ist ok, den Apfel pflücken nicht!). Daher nehmen sie auch keine Möbel aus Holz oder Kleidung aus Wolle

Fotos: Matthias Boeckel (Pixabay), Elly’s Island

Online Tasting – berauschend schön

Zauberwort Online Tasting. Seit dem vergangenen Jahr sind sie zum Renner gereift. Wenn man schon nicht in geselliger Runde probieren, kosten, klönen und schwärmen kann, dann soll zumindest die Weinprobe auf Distanz für Genuss und schmackhafte Eindrücke im Glas sorgen.

Lisa Bunn und Bastian Strebel bei der Arbeit. Fotos: Lucie Greiner

Gesagt, getan. Obwohl ich, zugegeben, bisher kein Fan vom Bespaßen im virtuellen Raum war. Winzerin Lisa Bunn aus Nierstein am Rhein belehrte mich eines Besseren. Mit ihrem Mann Bastian Strebel gründete sie 2013 das Weingut Lisa Bunn. Seit der Zusammenführung der elterlichen Betriebe bewirtschaften sie 21 Hektar Rebfläche vom berühmten Roten Hang im Norden bis nach Wintersheim im Süden Rheinhessens und überzeugen mit vielfach preisgekrönten Weinen. Für mich zählt das Paar zu den besten jungen Winzern, die unser Land zu bieten hat.
Meine Begeisterung soll gerne überschwappen auf andere. Beim Online Tasting stellte Lisa mir und einem Freund einige Weine des neuen 2020er Jahrgangs vor. Nach einem Spätsommer und Herbst 2020, in dem alle Hitzerekorde gebrochen wurden, strotzen ihre Weine aus Aroma-Rebsorten vor Frucht. Und die Burgunder sind voll Kraft und Reife.

Lisa Bunn: Wir starten mit dem Riesling „Fleißiges Lieschen“, das ist unser Einstiegs-Riesling. Er ist in diesem Jahr super knackig und fruchtbetont. Eine Cuvée aus 2 verschiedenen Weinbergen. Zum einen ein sehr, sehr karger Kalksteinboden mit richtig massiven Kalkstein-Brocken. Der sorgt dafür, dass der Riesling eine schöne Leichtfüßigkeit und Mineralität hat. Auf der anderen Seite haben wir einen Wingert, den wir schon immer genutzt haben fürs Fleißige Lieschen, einen tiefgründigen Lössboden, der für sehr viel Frucht sorgt. Das erinnert an gelben Apfel und Birne. Das ist eine schöne Balance zwischen Mineralität und einer satten gelben Frucht.

Weinbegleiter Ruhr: Jetzt wird’s „Scheu“ – mit kleinem Reh auf dem Etikett. So nennt und etikettiert ihr eure Scheurebe, die zu meinem großen Vergnügen mit nur 1 g/l Restzucker staubtrocken ausgebaut ist.
Lisa Bunn: Die Scheurebe ist in diesem Jahr mein absoluter Liebling. Sie lebt davon, dass man die Trauben möglichst lange hängenlassen und die volle Reife ausschöpfen kann. 2016 und 2017 kam uns die Fäulnis dazwischen, da musste früher gelesen werden. 2020 konnten wir sehr, sehr spät lesen und die komplette Aromareife auskosten. Darum auch 13 Volumenprozent Alkohol. Das ist der enormen Reife geschuldet. Dadurch hat die Scheurebe aber auch diese unglaubliche Frucht. Also ganz viel Grapefruit. Ich finde sogar, dass sie einen Tick mehr in die Sauvignon Blanc-Richtung geht als jemals zuvor. Wir haben ein bisschen Holunderblüte und frisch gemähtes Gras.

Nun probieren wir noch einen fabelhaften Sommerwein. Den „Wild Wedding“ habt ihr für eure eigenen Hochzeit 2015 kreiert und seitdem im Sortiment. Ich reiche die weiße Variante bevorzugt zu Weinproben bei Junggesellinnenabschieden, was die Mädels immer in Entzücken versetzt.
Lisa Bunn: Der Wild Wedding besteht aus Scheurebe und Sauvignon Blanc, hier haben wir fifty-fifty. Die Scheurebe wurde nach 24-stündiger Maischestandzeit gepresst und mit einer Aromahefe vergoren. Der Sauvignon Blanc kommt hier ein bisschen deutlicher heraus. Er wurde mit Trockeneis behandelt, wodurch wir die flüchtigen Aromen des Sauvignon Blancs halten können. Aromatisch geht es in Richtung Johannisbeere, da ist auch ein Tick Brennessel und ein bisschen Pfirsich. Man will mehr trinken davon!

Weiter geht’s mit dem 2020er Weißburgunder.
Lisa Bunn: Der hat noch erstaunlich viel Gärungs-Kohlensäure. Die wir erhalten haben, weil wir den Wein wenig umgepumpt haben. Der wurde vor der Abfüllung einmal filtriert. Bis dahin hat er auf der Hefe gelegen. Und wurde auch nicht abgestochen. Das heißt, er hatte sehr langen Kontakt mit der Hefe. Das gibt ihm eine Brioche-Note. Und er hat einen BSA* gemacht, ungeplant. Das ist aber okay und er wirkt nicht zu breit. Er hat eher an Spannung gewonnen, weil man noch ein Element im Nachhall hat.
Die Trauben kommen aus 2 Weinbergen. Der eine ist ganz alt, hat einen tiefgründigen Löss-Boden. Die Stöcke sind um die 35 Jahre alt. Der bringt die Frucht mit. Der andere Teil der Trauben stammt aus einer jüngeren Anlage. Die Rebstöcke wurden erst vor 5 Jahren gepflanzt und stehen auf einem richtig schönen Kalksteinboden. Da spielt dann das Mineralisch-Salzige rein. Insgesamt ist das so eine aromatische Mischung aus geräuchertem Schinken und butterweicher Honigmelone.

Online Tasting mit krönendem Abschluss: Der Grauburgunder 2020 strahlt in einem satten Goldgelb im Glas.
Lisa Bunn: Ja, der hat eine Wahnsinnsfarbe. Die enorme Hitze im Spätsommer und Herbst hat wie eine Maischestandzeit am Rebstock gewirkt. Wir haben die Trauben geerntet und gepresst und hatten tatsächlich schon so viel Farbe wie bei einem Rosé. Es ist einfach eine extreme Farbausbeute, was man bei den Rotweinen ja gerne hat. Beim Grauburgunder ist es eher fraglich, ob man in so eine pinke Richtung gehen will. Es war anfangs auch viel mehr und ist dann langsam weggegangen. Bei der Gärung verlieren die Weine ganz viel Farbe. Auch beim Schwefeln. Und bei Filtrieren sowieso. In der Nase kommt fast etwas Rosinenartiges rüber.
Es ist wichtig, dass Grauburgunder nicht zu weich ist. Er ist komplett trocken, hat nur 1 g/l Restzucker, aber Mundfülle und Schmelz kommen von der enormen Reife. Er hat auch lange auf der Hefe gelegen. Der zeigt richtig, was uns 2020 gebracht hat mit dieser intensiven Farbe und enormen Frucht. Er hat Struktur und einen langen Abgang. Das ist ein Grauburgunder, den man beim Essen, zum Beispiel beim Grillen, gut als Alternative zum Rotwein einsetzen kann.

Lust auf ein Online Tasting mit Lisa Bunn und Bastian Strebel? Das nächste findet am 30. April 2021 statt und wird auf Youtube übertragen. Weitere Infos zu allen Termingen gibt’s hier: https://weingut-bunn.de/veranstaltungen

* BSA: Biologischer Säureabbau; bakterielle Umwandlung von Apfelsäure in die viel milder schmeckende Milchsäure

Kotelett von Oma aus Ostberlin

Kotelett von Oma aus Ostberlin – mit diesem Gericht verwöhnt uns Elly im Wonnemonat Mai bei Wein & Speise. Verbunden mit Erinnerungen an schöne Kindheitstage. Die Eventköchin von Elly’s Island in Gescher hat’s einfach auf der Pfanne: „Kotelett von Omma mit Berliner Soße.“ Dazu gibt’s Kartoffelpüree und Gurkensalat.
„Meine Oma aus Ostberlin hat es immer so gemacht. Die Soße bereite ich selbst oft noch zu. Sie ist kalorienreich, aber gut“, versichert Elly. „Wenn Pfifferlingzeit war, hat Oma noch frische Pfifferling angebraten und in die Soße getan, das mochte ich besonders gern. Und dann dazu Kartoffelpüree mit feinen durchwachsenen Speckwürfelchen.“ Kartoffelpü gibt’s auch zu unserem Kotelett. Und einen Gurkensalat.

Kotelett von Omma mit Berliner Soße
Koteletts

4 Koteletts aus dem hinteren Rippenstrang mit Filet
Mehl, Panierbrösel
1 verschlagenes Ei
etwas Sahne, Salz, Pfeffer
Butter mit einem Schuss Öl

Die Koteletts trockentupfen. Dann baut man sich eine Panierstraße: 1 Schale mit Mehl, 1 Schale mit Eier-Sahne-Gemisch, 1 Schale mit Paniermehl.
Die Eier und die geschlagene Sahne mit Hilfe einer Gabel in einer Schüssel verquirlen. Salzen und pfeffern. Die Koteletts in Mehl wenden, überschüssiges Mehl abklopfen, dann durch das Ei ziehen und anschließend in den Semmelbröseln panieren.
Wichtig dabei: die Panade fest andrücken. Nun etwas Butter mit einem Schuss Öl schmelzen, dann verbrennt die Butter nicht so leicht, und die Koteletts bei nicht zu hoher Hitze von beiden Seiten goldbraun braten. Das Kotelett ist gar, wenn aus dem Knochen kein roter Saft mehr austritt.

Berliner Soße
1 El Mehl, 1 EL Butter
Wasser nach Bedarf
nicht zu wenig Salz, Pfeffer

Die Koteletts aus der Pfanne nehmen und die Butter in der Pfanne auslassen. Nun das Mehl darüber streuen und zügig mit einem Schneebesen anschwitzen. Jetzt gehört etwas Fingerspitzengefühl dazu: Die Mehl-Butter-Mischung so lange bräunen, bis sie schön dunkelbraun, aber nicht schwarz ist. Pfanne vom Herd ziehen und so lange Wasser zugießen (Achtung, es zischt ganz schön!), bis eine cremige Soße entstanden ist, und würzen. Je länger die Soße steht, um so dicker wird sie, bitte bedenken!

Wein-Empfehlung

Zu herzhaften Gerichten vom Borstentier passen viele Weine. Denn die Aromen von Schweinefleisch sind längst nicht so intensiv wie beispielsweise die von Rind oder gar Wild. Ausschlaggebend bei diesem Gericht ist die Fleisch-Verpackung: die Panade. In der suhlt sich das Kotelett in der Pfanne und saugt beim Brutzeln schön das Butter-Öl-Gemisch auf. Die fettige Komponente gibt also den Ton an. Das verlangt nach einem Wein mit kräftigen, frischen Aromen. Und einer knackigen Säure, die dem Fett Paroli bietet.

Knackige Säure trifft Panade

Ich empfehle eine Riesling Spätlese von der Mosel, einen Grünen Veltliner, nicht jung und spritzig, eher einen „Smaragd“ aus der Wachau, oder einen glasklaren Weißburgunder aus Südtirol. Schon allein das Gefühl im Mund, wenn der herrlich belebend-frische Wein das Kotelett von Oma umspielt, ist phantastisch.
Ein Tipp für Experimentierfreudige: Sauvignon Blanc. Klingt erst mal schräg, ist aber einen Versuch wert, da es Gurkensalat zum Kotelett gibt. Die Gurke ist eine schöne Brücke zu den gemüseartigen-pflanzlichen Noten eines Sauvignon Blancs von der Loire.

Beim Rotwein rate ich von kräftigen, im Holz ausgebauten Tropfen ab. Denn obwohl das Kotelett gebraten wurde, entsteht durch die Panade keine typische braune Fleischkruste mit Röstaromen. Hier passen eher feine, fruchtige Vertreter wie ein Zweigelt oder Beaujolais.

Lust auf weitere Beratung zum Thema Wein & Speise? Nehmen Sie Kontakt zu mir auf für individuelle Empfehlungen. Ich freue mich!

Klönen, schmökern, Wein genießen

Die Gastro-Szene in Essen ohne Werner Rzepucha? Nicht vorstellbar. Zwar betreibt der 71-Jährige kein eigenes Restaurant mehr, jedoch sind große Stadtteilfeste in Essen-Rüttenscheid ohne ihn nicht denkbar. Der Mann mit dem schwer auszusprechendem Namen zieht den Korken für den „Wein des Monats“ September. Da lässt er den Spätsommer ins Glas.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein und woher stammt er?
Werner Rzepucha: Ein Sauvignon Blanc von Lukas Kesselring aus Ellerstadt in der Pfalz. Ein Nachbar von Markus Schneider.

Bei welcher Gelegenheit hast du den Wein entdeckt?
Werner Rzepucha: Vor 2 Jahren habe ich das Weingut besucht. Ich war gerade in der Gegend unterwegs und habe in einer Broschüre oder Zeitung, ich weiß es nicht mehr genau, über den Winzer gelesen. Wenn ich im Urlaub bin, lese ich immer die lokale Zeitung. Grundsätzlich. So erfahre ich viel über Land und Leute.

Warum gefällt dir dieser Wein so gut?
Werner Rzepucha: Er ist sehr frisch und hat eine schöne Frucht. Die Aromen erinnern mich an Stachelbeeren und Aprikose. Früher habe ich sehr gerne „Sancerre“ getrunken – für viel mehr Geld. Der Pfälzer hat für mich so einen französischen Einschlag. Und er passt zu vielen Speisen. Er muss schön kalt sein. Ich habe es gerne, wenn das Glas beschlagen ist.

Wie bist du auf den Wein gekommen?
Werner Rzepucha: Ich war früher ein tüchtiger Biertrinker. Und dazu gab’s bei jedem zweiten Bier einen Schnaps, das war so üblich – ob beim Kegeln oder Knobeln, am Stammtisch mit Kumpeln und Freunden. Das haben wir gepflegt, so etwas gibt es heute gar nicht mehr gibt. Und dann hatte ich mit 49 meinen ersten Herzinfarkt. Ich machte danach eine private Reha in Baden-Baden. Dort näherte ich mich dem Thema Wein an. Habe mich damit beschäftigt, mit Winzern gesprochen und viel gelernt. Heute trinke ich im Jahr vielleicht 5 Bier, wenn überhaupt.

Du sagst: ,Erster Herzinfarkt‘. Kam dann noch ein zweiter?
Werner Rzepucha: Es waren 3. Und ich stand vor dem Vierten…. Da wurde ich aufgeschnitten. Ich hatte Glück, es ging alles gut.

Welche anderen Weine trinkst du gerne?
Werner Rzepucha: Weißburgunder, Grauburgunder. Bei Weißweinen bevorzuge ich deutsche Weine. Allerdings bin ich nicht der große Riesling-Freund. Bei vielen ist mir die Säure zu dominant. Da bekomme ich Sodbrennen. Bei Rotweinen ist es ganz anders. Bei aller Liebe: Die guten Rotweine aus Deutschland halte ich für viel zu teuer. Da greife ich lieber zu italienischen und spanischen Rotweinen. Ein Glas Rotwein und ein Stück Käse – herrlich.

Geselliger Typ mit Herz

Werden dazu Freunde eingeladen?
Werner Rzepucha: Gerne auch mit Freunden. Ich bin gesellig. Um mich herum waren immer Menschen. Als meine Eltern mit einer Kneipe anfingen, war ich 12. Es war immer viel los, das gefiel mir.

Du bist Vollblut-Gastronom, hast fas 30 Jahre den „Gebrandenhof “ geführt, organisierst seit Jahren die Gourmetmeile „Rü Genuss pur“ und das Oktoberfest in Rüttenscheid. Gemütliches Rentner-Leben sieht anders aus…
Werner Rzepucha: Nach dem Tod meiner Frau 1997 wollte ich noch einen neuen Laden übernehmen. Als meine sehr tüchtige Tochter, die in meiner Zeit in der Orangerie auch an meiner Seite war, das mitbekam, sagte sie: ‚Hör mal Papa, in ein, zwei Jahren, wenn du nicht mehr trauerst, was ist dann? Dann hast du den Laden an der Backe. Du wolltest schon immer eine Gourmetmeile machen, dann mach sie doch jetzt.‘ Dadurch habe ich ‚Essen verwöhnt‘ gemacht. Das war mit Herrn Bierwirth, der daraus ja einen Verein gründete. Ich hörte dann dort auf, sagte: ,Ihr könnt mich mal kreuzweise.‘ Dann habe ich ganz langsam die Gourmetmeile in Rüttenscheid vorbereitet. 2010 ging es los.

Kannst du dir überhaupt vorstellen, mal nichts zu tun?
Werner Rzepucha: Ja, mache ich ja jetzt. Alles, was ich inzwischen gastronomisch mache, ist Routine. Das läuft.

„Nach dem R ein E denken…

Du genießt die frei Zeit, die du jetzt hast?
Werner Rzepucha: Absolut. Ich stehe auf, wann ich will. Gehe aus oder bleibe, wenn es draußen ungemütlich ist, einfach zuhause. Ich reise, ich mache, wozu ich gerade Lust habe.

Herr Werner Rzepucha, wie viele Menschen können deinen Namen nicht aussprechen?
Werner Rzepucha: Ach. Selbst Familienmitglieder schreiben ihn falsch. Ich sage immer: Hinter dem R ein E denken, Rezepucha. Ganz einfach. Und die mich leiden können, sagen Werner. Man Anwalt sagt: ‚Wir nennen ihn alle Ratze.‘

In welche Lokale und Restaurants in Essen gehst du gerne?
Werner Rzepucha: Querbeet. Hör mal, ich bin da so schmerzfrei. Ich gehe dahin, wo ich Leute kenne, wo ich ein bisschen labern und Zeitung lesen kann.

 

P.S. zum Sauvignon Blanc: Winzer Lukas Kesselring gehört zu den glücklichen Menschen, die Beruf und Hobby miteinander verbinden. Mehr dazu: https://www.weingut-kesselring.de

Marcus Reckewitz empfiehlt Granaten im Glas

Beim „Wein des Monats“ nur einen einzigen Tropfen empfehlen? Das kommt bei Marcus Reckewitz nicht ins Glas… Der Autor und freie Lektor macht gerade mit seinem neuesten Buch „Über die Kunst der Trunkenheit“ Furore. Darin hält er ein leidenschaftliches „Plädoyer für den gepflegten Rausch“, mit einem spannenden Ausflug in die Geschichte des Trinkverhaltens der Menschen und das Händchen für Maß und Mitte.
Ich bin jetzt trunken vor Freude über meinen Gastautoren: Denn wenn jemand mit Sprachwitz, staubtrockenem Humor sowie leicht und beschwingt vermittelten Fachkenntnissen über die Welt der Weine schreiben kann, dann ist es für mich Marcus Reckewitz.  „….nicht der gespreizte Finger am Champagnerkelch und auch nicht der soziale Dünkel des weinlyrisch-ventilierenden Grand-Cru-Trinkers sind das Maß der Dinge“, schreibt er. Sondern ein gepflegter Rausch, Genuss und Geselligkeit mit Spaß im Glas. Und nicht zuletzt Qualität und die Wertschätzung dessen, was uns da weinselig betört.

Weinbegleiter Ruhr: Haben Sie einen Lieblingswein? Woher stammt er? Und wie haben Sie Ihn für sich entdeckt?

Marcus Reckewitz: Mit dem Lieblingswein, das ist ja so eine Sache: Denn wenn „Lieblingswein“ bedeutet, dass man solche Weine am liebsten und deshalb kaum noch was anderes trinkt (solche Weintrinker gibt es ja), dann hab ich keinen Lieblingswein. Das wäre mir zu einfältig. Und Wein ist ja doch eher vielfältig. Meine Devise lautet eher: Immer weiter schnüffeln, immer weiter schmatzen und immer neugierig bleiben für all die Weine, die man noch nicht kennt – oder die neuen Jahrgänge von den Weinen, die man kennt.
Aber es gibt durchaus ein paar Weine auf die ich gerne und immer wieder zurückgreife, weil ich da weiß, was ich im Glas habe. Das sind die Anker, die dabei helfen, im Meer der Möglichkeiten nicht abgetrieben zu werden.

Auf geht’s mit Weißweinen:

Da ist zum einen der Kaitui von Schneider aus der Pfalz, ein ungemein frischer, trocken-präsenter und ungemein fröhlicher Sauvignon Blanc, der stark an die neuseeländischen Sauvignon-Blancs erinnert. Deshalb heißt er wohl auch neuseeländisch Kaitui (=Schneider). Stachelbeeren, Maracuja, Grasnoten, Zitrone – es gibt kaum was Besseres, als diesen „Neuseeländer“ aus der Pfalz für ca. 12 € an einem warmen Sommernachmittag als kühlen Sundowner durch die Kehle gleiten zu lassen,
Auf die Weine von Markus Schneider bin ich vor vielen Jahren durch verschiedene Fachartikel gestoßen, als Schneider noch als einer der jungen Wilden galt. Wild ist er wohl immer noch, zählt mittlerweile aber eher zu den (auch nicht mehr ganz so jungen) Stars der Weinwelt.

Wat schön: Die Weine des Monats Oktober.

Wenn’s etwas weicher und galanter zugehen soll, vor allem, wenn meine Frau mit an Bord ist, dann greife ich neuerdings gerne auf die Chardonnay-Weißburgunder-Cuvee von Wageck-Pfaffmann (auch aus der Pfalz) zurück. Ein absoluter Gaumenschmeichler mit exotischen Aromen von Maracuja, Mango, Physalis, Papaya, Mandarine und Limette, die von einer eleganten Säure und von deutlich mineralischen Tönen klar konturiert und zusammengehalten werden. Für ca. 10 € ein schmelziger Wein mit Suchtfaktor – und ein echter Frauenversteher.
Auf diesen Wein hat mich vor einiger Zeit im Urlaub mein Weinhändler auf der Nordseeinsel Juist (Altmanns Getränke-Kontor) aufmerksam gemacht. Man sollte es kaum glauben, aber doch: Auch mitten in der Nordsee gibt es guten Wein!

Nun sehen wir rot mit Marcus Reckewitz:

Ohne Bordeaux geht es nicht. Mit roten Bordeaux hab ich vor über 30 Jahren angefangen, „Wein zu lernen“. Ich liebe vor allem Bordeaux, die einen deutlichen Cabernet-Sauvignon (CS)-Anteil haben. Und seit vielen Jahren liebe ich immer und immer wieder Chateau d’Aurilhac, einen Cru Bourgeois aus dem Haut-Medoc, der neben CS noch Merlot und Cabernet Franc und ein bisschen Petit Verdot im Glas vereint. Ein Weinhändler machte mich vor vielen Jahren auf diese Granate aufmerksam. Dichte dunkle Aromen von Brom- und Blaubeere, von Edelhölzern (Zedern?), auch Kaffee, Kakao und Leder. Am Gaumen ist er voll, aber nicht zu saftig und genial von Tanninen zusammengehalten – ein wunderbar ausbalancierter Wein. Für knapp 16-20 € (je nach Jahrgang) erhält man zum relativ kleinen Preis einen, wie ich finde, ziemlich großen Bordeaux.

Ein mir mittlerweile mindestens ebenso lieb gewordener roter Bruder kommt aus der direkten Nachbarschaft von d‘Aurilhac: Chateau Charmail , der neben CS und Cabernet Franc einen etwas höheren Merlot-Anteil aufweist. Ein extraktreicher Cru Bourgeois, der am Gaumen mit ungemein subtiler Eleganz daherkommt. Bordeaux-Papst Rene Gabriel ließ über den 2003er Jahrgang vernehmen: „Ein erotischer Wein zum Ausflippen…“ Recht hat er! Für rund 20 € bekommt man in der Tat eine ziemlich volle Ladung Bordeaux-Erotik!

Und zum Schluss was Süßes:

Ein Portwein, der sich nicht Portwein schimpfen lassen darf, weil er aus der Pfalz kommt und „Hensel und Gretel“ heißt und von Schneider (s. o.) und Hensel aufgelegt wird. Hab ich (fast) immer im Regal. Nach dem Essen ein Schluck – statt Dessert. Oder zum Dessert. Oder einfach mal so zwischendurch. Frucht, Frucht, Frucht, dunkelrot und süß und cremig und warm, obwohl er leicht gekühlt am besten schmeckt. Ist wie eine Schachtel Premium-Pralinen – einmal angefangen, kann man nicht aufhören…

Weitere Infos über Marcus Reckewitz und seine Bücher gibt es hier: http://www.reckewitz.de/autor/kulinaria. Sehr zu empfehlen ist sein Dauerbrenner „Populäre Weinirrtümer“.

Der mit dem „Loch im Wasser“

Der Wein des Monats August passt perfekt zum Sommer: ein verführerischer Sauvignon blanc. Dafür zieht Pascal Hesse den Korken. Der umtriebige freie Journalist und Publizist aus Essen, der sich mehrfach bundesweit mit investigativen Recherchen für den Informer einen Namen gemacht hat, nimmt uns mit auf eine lange Reise: nach Neuseeland, ins Weinanbaugebiet Marlborough auf der Südinsel.

Weinbegleiter Ruhr: Hast du einen Lieblingswein? Wenn ja, welchen? Wie heißt er, woher stammt er?

Pascal Hesse: Ich habe zahlreiche Lieblingsweine, meinst jahreszeitenabhängig und einige bereits seit einigen Jahren. Mein ganz spezieller Liebling, er geht eigentlich immer, vor allem aber im Sommer auf dem Balkon oder der Terrasse, ist ein waschechter Neuseeländer. „Hole in the Water“ heißt mein Favorit. Er kommt aus der Region Marlborough und kostet rund zehn bis zwölf Euro die Flasche. Der Weißwein stammt vom Familienweingut Konrad. Dort produziert Winemaker Jeff Sinnott aus den ausgereiften Trauben einen duftigen Sauvignon Blanc, der vom Geschmack her ein wenig an Hugo erinnert – es schmeckt nach Holunder, ein durchaus prägender neuseeländischer Geschmack. Wer gerne Hugo trinkt, der wird diesen Wein lieben.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?

Pascal Hesse: Entdeckt hat der Wein mich. Ich habe einmal ein paar Flaschen von Freunden geschenkt bekommen – und mich sprichwörtlich in den Neuseeländer verliebt. Besonders gut schmeckt er, wenn er sehr kühl serviert wird, dann kommt der Holundergeschmack besonders gut zur Geltung. Am Gaumen (so habe ich mir sagen lassen) erinnert der „Hole in the Water“ an Grapefruit und saftige tropische Früchte, der Abgang ist frisch und langanhaltend. Ich empfehle jedoch, nicht zu viel von diesem Wein zu trinken und nach dem zweiten Glas auf einen vollmundigeren Wein umzusteigen. Hier bietet sich Riesling meiner Meinung nach sehr gut an. Mit frischem Obst schmeckt der Weiße besonders gut.

Warum ist das dein Lieblingswein?

Pascal Hesse: Ganz einfach: Ich mag den Geschmack von Hugo. Und der „Hole in the Water“ ist ein leichter, geschmackvoller Wein. Außerdem tendiere ich eher zu Weinen aus Familienweingütern, zu Exotischem, und nicht zu „Wein von der Stange“.

Die Weinberge, es sind etwa 40 Hektar, befinden sich in Marlborough, im Waihopai Valley. Waihopai bedeutet in der Eingeborenen-Sprache der Maori „Loch im Wasser“. Sprich: Beim Namen für den „Hole in the Water“ hat man sich mit der Geschichte der Region beschäftigt und sie einfließen lassen. Das gefällt mir, ein Wein mit Charakter. Und davon hat der „Hole in the Water“ wirklich genug!

 Das Weingut Konrad Wines gehört der aus Deutschland ausgewanderten Familie Hengstler. Weitere Infos: www.konradwines.co.nz/