Wunder mit Burgunder an der Ahr

Abenteuer Ahr: Nur eineinhalb Autostunden vom Ruhrgebiet entfernt liegt das Wunder mit Burgunder in imposanter Tallage an der Ahr. Keine Ahnung, warum ich bisher auf meinen Fahrten in Richtung Süden immer daran vorbeigefahren bin. Wie ignorant!, weiß ich jetzt – nach meinem ersten Wein-Ausflug 2017 nach Altenahr. Das war wunderschön. Auch, weil in dieser Gegend der eher seltene Frühburgunder ausgeschenkt wird.

Wein- und Naturliebhaber kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten. Im bekanntesten deutschen Rotweingebiet wachsen auf engstem Raum viele Rebstöcke in Steillagen. Teilweise beginnen sie direkt am Straßenrand, schmiegen sich an Felsen, deren Spitzen in den Himmel zu wachsen scheinen. Auf über 80 Prozent der Rebfläche fühlen sich Rotweinsorten pudelwohl – unter besten Voraussetzungen; die vielschichtigen Böden, in den nach Süden ausgerichteten Hängen, speichern tagsüber Wärme, die sie nachts an die Pflanzen abgeben. Günstiges und mildes Klima, das im Sommer in Steillagen zu mediterraner Höchstform aufläuft, bietet dem Spätburgunder optimale Voraussetzungen. Die edle Rebsorte ist die Nummer 1 an der Ahr.

Aber ich war neugierig auf Frühburgunder. Die extraktreiche Spezialität der Ahr macht viel Spaß beim Verkosten – die Aromen erinnern mich an knackige rote Früchte, unter anderem Kirsche, – wie gerade frisch gepflückt. Mal kommt er samtig, weich daher, mal wie eine selbstbewusste Schönheit, die erobert werden will. Und da warten jetzt gute Tropfen in meinem Keller, die wie eine Verheißung auf später vertrösten.

Winter an der Ahr.

Winter an der Ahr.

Mir begegnet teilweise eine Rotwein-Stilistik, die Menschen Spaß bereiten dürfte, die nicht so sehr auf rote Wuchtprummen stehen. Ich sitze zum Beispiel im Restaurant „Vinetum“ der Weinmanufaktur Walporzheim mit einem Gläschen Frühburgunder, herzhaftem Flamkuchen, netter, aufmerksamer Bedienung, schaue nach draußen und denke: Wie schön!

Burgunder im Gewölbekeller

Zum Ausprobieren beispielsweise: Weingut Sermann-Kreuzberg in Altenahr und die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e.G. in Mayschoß, die 2009 mit den Walporzheimern fusionierte . In der ältesten Winzergenossenschaft der Welt kann man eine Verkostung mit der Besichtigung des imposanten Gewölbekellers und des Weinbaumuseums verbinden. Sehr spannend.

Zwischen schön und eklig

Lieblingswein des Monats, Teil 3. Ich freue mich sehr, dass Herman van Veen Zeit für die Beantwortung meiner Fragen gefunden hat. Nun ja, bei ihm kann man das Nachschenken auch schon mal vergessen.

Herr van Veen, haben Sie einen Lieblingswein?

Sie tun mir einen großen Gefallen, wenn Sie mir einen erschwinglichen Sauvignon Blanc, Chablis, einen Spätburgunder oder Bordeaux aus dem Medoc einschenken. Zumindest, wenn die Farbe  klar, der Geruch ausgeglichen und der Geschmack charakteristisch ist. Die Wahrnehmung ist beim Weinverkosten meiner Ansicht nach immer persönlich: Was der eine schön findet, ist für den anderen eklig,

Bei welcher Gelegenheit genießen Sie dann einen Wein?

Wir schenken in unserem bescheidenen Restaurant und in der Bar auf dem Landgut Paltz (Nähe Utrecht Anm. der Autorin)  einen Grünen Silvaner, einen ruhigen Dornfelder und für besondere Anlässe einen spritzigen  Riesling-Sekt aus der Pfalz ein.  Weine aus Rheinland-Pfalz, der Region, nach der unsere Paltz, der Wald und Grund , wo wir leben und arbeiten, benannt ist.

Herman van Veen
und das Vergnügen

Wenn Sie bei uns ein Glas oder eine Flasche Wein kaufen, dann unterstützen Sie die  Herman van Veen Stiftung.  Worum es geht: ein freies, unverwechselbares und vielfältiges kulturelles  Programm für diejenigen, die es sehen wollen. Von jung bis alt, aus allen Bereichen des Lebens und Teilen der Welt.

Herr van Veen, wir wollen den Wein nicht vergessen…

Wein wirkt auf mich beruhigend. Den kann ich gut nach einem aufregenden Tag trinken, Die Farbe, die Bewegung im Glas, das ganze Vergnügen im Voraus. Und dann der Nachgeschmack. Viel kann ich allerdings nicht trinken,  dann empörte sich mein Magen. Schlechter Wein  stößt mir sauer auf, unangenehm.

Das wär’s. Ein fröhliches Weihnachtsfest.

Foto: Jesse Willems

Abgefahren: Stöbernacht exklusiv

Lesung mit Weinprobe: Die nächste Veranstaltung in der beliebten Reihe „Stöbernacht“ in der Buchhandlung Polberg wird besonders. Am Freitag, 11. November, 19 bis 22 Uhr, können sich bis zu 20 Leseratten in Stephanie Polbergs Bücherparadies am Kaiser-Wilhelm-Platz 6 in Essen-Steele abends einschließen lassen.

Bei Stephanie Polberg lässt es sich herrlich stöbern.

Bei Stephanie Polberg lässt es sich herrlich stöbern.

Dann heißt es: Stöbern und lesen, dazu können Gäste kleine Knabbereien und Wein genießen. Der Abend beginnt um 19 Uhr mit einer kleinen Lesung mit Weinprobe. Ich werde aus meinem Buch lesen „Abgefahren“ – Mit dem Rad durch Deutschland mit wenig Geld und viel Gepäck, erschienen im Sportwelt Verlag.

Stöbernacht mit Weinprobe

Darin beschreibe ich meine Radtour von Mülheim an der Ruhr bis zum Bodensee und zurück. Gestartet mit 16 Kilogramm Gepäck und 400 Euro Bargeld (ohne Geldkarte), fahre ich in 51 Tagen genau 2716 Kilometer durch Deutschland. Durch das schmale Reisebudget muss ich mich unterwegs um günstige Übernachtungsmöglichkeiten kümmern und um die Aufbesserung meiner Reisekasse. Ich helfe   beispielsweise in der Zucchini-Ernte auf einem Bauernhof, bei einem Ziegenzüchter im Stall und bügle Wäsche im Hotel. Mein Weg führte auch durch einige deutsche Weinanbaugebiete. Da ich inzwischen als „Weinbegleiter Ruhr“ individuelle Weinproben anbiete, werde ich auch bei der Lesung gute Tropfen reichen.
Die Teilnahme kostet 10 Euro. Karten unter 0201/8516910 und 0172/6714577 oder: Buchhandlung Polberg und Weinbegleiter Ruhr
Wir freuen uns auf Ihre Reservierung!

Weinlese an der Mosel – ein Winzer berichtet

Alles ganz anders in der Weinlese 2016. Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, wie Winzermeister Peter Göbel  http://www.weingut-Goebel.de bisher den Herbst an der Mosel http://www.mosel.de/startseite erlebt hat. In dem schönen Ort Ediger-Eller, rund 20 Kilometer von Cochem entfernt, betreibt er ein Weingut mit 3 Hektar Rebfläche. Bei ihm begann die Weinlese bereits um den 20. September herum. In der kommenden Woche geht sie in seinen Weinbergen zu Ende. Und seine Erträge sind gering. Weinbegleiter Ruhr im Gespräch mit Peter Göbel:

Weinbegleiter Ruhr: Wie groß sind die Verluste?
Peter Göbel: Ich habe durchschnittlich nur ein Drittel der Ernte, die maximal möglich wäre.

Was bedeutet das in Zahlen ausgedrückt?
Ich habe 3 Hektar Weinberge, also 30.000 Quadratmeter. Ich darf 35.000 Liter Wein erzeugen, das ist im Weingesetz für unsere Region so festgelegt. Weil wir Qualität anstreben und Selbstvermarkter sind, beschränke ich mich von vornherein auf 25.000 Liter. Aber schon in den vergangenen zwei Jahren haben wir keine 20.000 Liter erreicht. Und in diesem Jahr ist es ganz schlimm, da liegen wir bei nur 12.000 Litern.

Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Weinlese: Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Was sind die Ursachen dafür?
Zum einen die Wetterkapriolen im Juli mit extrem hohen Niederschlägen und Wärme, das war fast tropisch. Dadurch breitete sich die Pilzkrankheit Peronospora stark aus, die viele Trauben zerstörte. So entstand die eine Hälfte des Schadens. Die andere Hälfte Verlust geht auf den sehr trockenen August und September zurück. Durch extrem hohe UV-Belastung mit Temperaturen bis 37 Grad wurden viele Trauben zerstört. Trockenheit sind wir ja gewohnt, aber es kam gar kein Regen. Die Riesling-Trauben sind sehr klein.

In anderen Weinbergen bzw. Regionen an der Mosel ist es nicht so? Warum?
Gegen Pilzkrankheiten werden Fungizide gespritzt. In den Steillagen mit Hubschrauber, in den Flachlagen machen das die Winzer mit Schmalspurschlepper selbst. Normalerweise wird alle 12 Tage gespritzt, in diesem Jahr haben nicht mal alle 6 bis 8 Tage gereicht. Wir hätten alle 5 Tage spritzen gehen müssen. Die Menge der eingesetzten Spritzmittel ist festgelegt und der erlaubte Rahmen hätte ausgereicht, wenn wir die richtigen, genauen Tage erwischt hätten.

Wie wirkt sich diese Weinlese aufs Geschäft aus?
Wir leben ja nicht von einem Jahrgang allein, sondern von den letzten 2 Jahrgängen, die waren aber auch geringer. Es wird sehr knapp werden, ich muss Trauben dazu kaufen von Kollegen. Aber die Kundschaft muss sich nicht sorgen.

Wird es spürbare Preiserhöhungen geben?
Das würde ich gerne machen. Ich werde die Preise moderat um 5 Prozent anpassen. Was die Situation entschärft: Moselbetriebe vermieten traditionell Ferienhäuser und Gästezimmer an Touristen. Unser Gästehaus ist beliebt und sehr gut ausgelastet. Das hat uns gerettet.

Vergeht Ihnen als Winzer in einer solchen Situation der Spaß am Beruf?
Nein, auf keinen Fall. Das ist zwar tragisch, aber wir leben ja mit der Natur, wir kennen solche Einschläge. Natürlich nicht in dieser Dimension.

http://weingut-goebel.de/

Beauty trifft Wein im Friseursalon

„Beauty trifft Wein“: Diese Kombination funktioniert prächtig. Salon Lora Hairstyle http://www.salon-lora.de und Weinbegleiter Ruhr verwöhnten rund 30 Gäste im Salon an der Boverstraße 50 in Mülheim an der Ruhr. Die überwiegend weiblichen Besucher konnten einen Sommerabend genießen, an dem es die versierten Friseurinnen nicht bei  theoretischen Tipps beließen. Weiterlesen

Weinprobe beim Herrenabend

Herrenabend im Salon.

Herrenabend im Salon.

„Was will denn die Frau hier?“, frotzelte ein Gast augenzwinkernd, als Weinbegleiter Ruhr in der Kaiser-Otto-Residenz Essen http://www.kaiser-otto-residenz.de im Stadtteil Essen-Steele zu Gast war. Klar, bei einer Weinprobe feine Tropfen reichen – beim Herrenabend im Salon. Weiterlesen

Weinberg mitten in Erfurt

Ein Weinberg mitten in der Stadt: Klein aber fein schmiegt er sich an den Südhang der „Citadelle Petersberg“, der in Erfurt vom Domplatz aus leicht zu finden ist. Zu verdanken ist das Kleinod dem Verein http://erfurterweinzunft.de/index.php, der den rund 2300 Quadratmeter großen Weinberg hegt und pflegt. Dort wachsen die weißen Rebsorten Müller-Thurgau, Silvaner und Riesling, rote sind durch Portugieser und Dornfelder vertreten.Insgesamt sind es gut 540 Weiß- und Rotweinreben. In dem Mini-Weinberg mitten in der Stadt können auch eine alte Weinkelter und Schaupflanzen bestaunt werden und Weinbegleiter Ruhr hatte einen tollen Blick auf Thüringens Landeshauptstadt.

„Kundschaft ist begeistert“

Die Weine sind in jedem Jahr anders, „je nachdem, was der Berg hergibt“, sagt Michael Schneider von der Erfurter Weinzunft. Der 2015er ist ein Qualitätswein, 140 Flaschen Rotwein konnten abgefüllt werden und 1033 Flaschen Weißwein. Der Weiße ist eine Cuvée aus Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner und einem kleinen Teil Kerner, den das Thüringer Weingut Bad Sulza GmbH http://www.thueringer-wein.de/weingut/ beisteuerte. Die Weine kosten zwischen 12,50 und 15 Euro, „die Kundschaft ist begeistert“, freut sich Michael Schneider. Der 66-Jährige stammt aus Essen-Kupferdreh und lebt seit 12 Jahren in Erfurt. Als er zum 60.Geburtstag einen Rebstock geschenkt bekam, wuchs mit der Pflanze seine ganz aktive Leidenschaft für den Wein. Bei der Weinlese helfen die Vereinsmitglieder, Freunde und weininteressierte Bürger. Ausgestattet mit Entrapper, Maische-Bottichen und Tanks, gibt der Verein sogar die Weinbereitung nicht aus der Hand.

Der Wein heißt „Benedictus“

Weinbau in Erfurt hat eine lange Tradition. Und wieder einmal waren es Mönche, in dem Fall Benediktiner, die den Erfurter Weinbau betrieben. Daran erinnert noch heute der Name „Benedictus“, unter dem die Tropfen verkauft werden. Urkundliche Erwähnung findet der Mini-Weinberg in Thüringen erstmals 1121.

Rebstöcke am Petersberg.

Rebstöcke am Petersberg.

Über Jahrhunderte läuft alles prima – bis es den Rebstöcken 1665 an die Wurzeln geht. Sie müssen zugunsten des Zitadellenbaus durch den Mainzer Kürfürsten Johann Philipp von Schönborn weichen, rund 8 Hektar werden gerodet. 1916 ist es ganz vorbei. Erst 1991 werden neue Rebstöcke gepflanzt, und zwar im Zuge einer Weinpatenschaft zwischen der Gemeinde Bechtheim in Rheinhessen und Erfurt. Winzer legen den Weinberg an, die Erfurter Weinzunft pflegt ihn seit 1991. Das Bechtheimer Weingut Bertz steht den Thüringern regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite.

Weinberg gedeiht im milden Klima

Durch die geschützte Lage und das milde Klima im Thüringen Becken mit durchschnittlich 1746 Sonnenstunden im Jahr finden die Rebstöcke beste Voraussetzungen. „In guten Jahren erreichen die Weine vom Petersberg Spätlese-Niveau“, heißt es im informativen und schön bebilderten Flyer der Weinzunft. Die Rebanlage gehört zum Weinanbaugebiet Saale-Unstrut und ist unter dem Namen „Erfurter Petersberg“ offiziell im EU-Weinkataster eingetragen.
Vom 8. bis 11. September 2016 wird in Erfurt ein Weinfest gefeiert – natürlich mit der Erfurter Weinzunft.

Zum Wohl! Na zdravie!

Ein Gewürztraminer vom Kaiserstuhl und ein Sauvignon Blanc aus der Slowakei ziehen bei Weinbegleiter Ruhr ins bevorstehende Achtelfinale der Fußball-EM ein. Die 2015er Gewürztraminer Spätlese vom Weingut Kiefer ist einfach ein Traum im Glas. Winzer Martin Schmidt vom Kaiserstuhl in Baden entlockt der Bukett-Rebsorte deren schönste Seiten. Der Duft von Rosen und Orangen betört die Nase, ein üppiger Körper, viel Schmelz und Rafinesse verführen den Gaumen. Das ist, als ob man in eine kunterbunte Sommerblumenwiese mit Klatschmohn, Margeriten und Kornblumen fallen würde. Dieser Wein passt zum Beispiel zu cremigen und sahnigen Desserts und zu exotisch gewürzten Speisen.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Gärung gestoppt

Der Wein durchlief einen spannenden Reifeprozess. 80 Prozent wurden im Edelstahltank ausgebaut. In der Endphase probierte Martin Schmidt „jeden Tag so lange, bis es passte“, dann stoppte er die Gärung durch Kühlung. Dadurch können sich Genießer über einen lieblichen Tropfen mit 21,9 g/l Restzucker freuen. Die restlichen 20 Prozent gärten im Barrique durch, was dem „ganz modernen Gewürztraminer etwas Biss gibt“, sagt der Winzer.

Mediterranes Klima am Kaiserstuhl

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Martin Schmidt und seine Frau Helen Schmidt sind seit 2008 Besitzer des Weingutes Kiefer in Eichstetten am Kaiserstuhl. Regelmäßig im Gault Millau, Eichelmann und Falstaff empfohlen und prämiert, zählen zu ihrem Angebot natürlich auch herrliche Burgunder-Weine. Dafür ist  Baden bekannt und berühmt. Mit über 1700 Sonnenstunden im Jahr ist das südlichste Anbaugebiet Deutschlands auch das einzige, das zur wärmeren EU-Weinbauzone B zählt. Speziell der Kaiserstuhl ist ein wunderschöner Landstrich zwischen Schwarzwald und Vogesen. Im Sommer herrscht fast mediterranes Klima. Hier sind seltene Tierarten wie die Gottesanbeterin und Smaragdeidechse zuhause und es wachsen 30 Orchideenarten in der freien Natur. Hier lässt es sich anstoßen auf die Lebenslust.

Achtelfinale mit Sauvignon Blanc

Auch der sportliche Gegner Slowakei kann auf eine lange Weinbau-Tradition zurückblicken. Aber Sauvignon Blanc aus der Slowakei? Weinbegleiter Ruhr probierte einen Vertreter des Weingutes Winterberg. Es liegt in Skalica im Westen der Slowakei. Der 2014er Sauvignon ist klassisch trocken, leicht und hat eine recht knackige Säure, die beim ersten Schluck sehr präsent ist. Zunächst eher verhalten, entfalten sich später typische Aromen wie Zitrusfrüchte, Stachelbeere und Cassis. Das ist ein Wein, dem eine zweite Chance gut steht. Sauvignon Blanc ergibt mit Ziegenkäse eine besondere Kombination. Auch Fisch, Gemüse und Meeresfrüchte passen gut.

Elbsegler lieferten den Wein

Beim "Weinsegler" in Meißen.

Beim „Weinsegler“ in Meißen.

Michael Krüger ist der Lieferant dieses Weines. Er betreibt im sächsischen Meißen den „Weinsegler“, einen Weinhandel & Vertrieb, und ist auf Weine  aus Tschechien, der Slowakei, aus Slowenien und Ungarn spezialisiert. Diese Länder produzieren überwiegend Weißweine aus klassischen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder.

Meißen

Die schöne Stadt Meißen ist eine Reise wert.

Einheimische Rebsorten tragen ungewöhnliche Namen wie Devin, Alibernet und Aurelius. Seit 2007 füllt Michael Krüger diese Marktlücke mit geographischer Nähe zu seinen bevorzugten Weinbau-Regionen aus. Der Geschäftsinhaber firmiert unter dem schönen Namen „Weinsegler“ , unter Anlehnung an die „Elbsegler“, erklärt Krüger. „Weine aus Böhmen wurden bis vor 200 Jahren mit dem Schiff auf der Elbe nach Meißen transportiert.“

Fotos: Weingut Kiefer, Weinsegler

Zum Wohl! Sheers! Mit Kartoffelschnaps…

Finale in der Vorrunde: Zum dritten Gruppenspiel der deutschen Fußball-Elf bei der EM empfiehlt Weinbegleiter Ruhr eine 2014er Scheurebe, feinherb, vom Weingut Sinß an der Nahe. Dieser Wein besticht durch eine herrlich exotische Frucht und eine Restsüße, die sich auf ein schönes Zusammenspiel mit der Säure einläßt. Und er ist ein Versprechen für all die warmen Sommertage, die nach dem Dauerregen hoffentlich noch kommen.

Scheurebe von der Nahe

Weinberge an der Nahe.

Weinberge an der Nahe.

Winzer Johannes Sinß mag die „mineralisch-feine Seite“ dieses Tropfens und seine „schöne saftige Süße“. Weinbegleiter Ruhr hatte das Vergnügen, das Weingut und seine Macher in Windesheim im Rahmen eines Sensorik-Seminars des Deutschen Weininstituts (DWI) kennenzulernen. Der Ort liegt im Weinanbaugebiet Nahe, das sich durch eine große Boden-Vielfalt auszeichnet. Über 180 Bodenarten soll es hier geben, oft wechseln sie innerhalb eines Weinbergs, sogar einer Lage mehrfach. Das ist einzigartig in Deutschland.

Ausdrucksstarke „Spontis“

Johannes Sinß, Absolvent der Weinbau-Hochschule Geisenheim, ist auf dem Weingut für die Kellerarbeit zuständig. Mit seinen Eltern arbeitet er Hand in Hand. Dort entstehen herrliche Rieslinge, weiße und rote Burgunder. Die Weine sind in Guts-, Orts- und Lagenweine gegliedert. Das Credo der Familie: „Weil wir bereits im Weinberg mit viel Handarbeit auf perfekte Trauben hinarbeiten, darf im Keller jeder Wein werden, wie er will.“ Das heißt: Johannes Sinß setzt auf Spontangärung mit natürlichen Hefen, die im Weinberg, an den Trauben und im Keller vorkommen. Zwei Drittel seiner Weine sind inzwischen „Spontis“. „Das ist eine Entwicklung, man lernt jedes Jahr dazu“ sagt der Winzer. Im Vergleich zur alkoholischen Gärung mit Reinzuchthefen findet er seine Weine „ausdrucksstärker und ehrlicher“. Und  zwar in dem Sinne, dass sie mehr über ihre Herkunft, die Lage, den Boden aussagen.
Die Sinß-Weine sind einfach spannend, und es macht großen Spaß, sie zu entdecken.

Kartoffelschnaps statt Wein

Nach diesem Heimspiel ist der Rest schnell erzählt. Nicht, weil der EM-Neuling Nordirland nicht gebührend gewürdigt werden soll. Aber: Klimawandel hin, Klimawandel her, in Nordirland gibt es einfach keinen Weinanbau. Das funktioniert dort nicht. Aber, wie eine gebürtige Nordirin zu berichten weiß: Neuerdings sei dort Kartoffelschnaps wieder offiziell zugelassen. Na dann: Cheers!

Zum Wohl! Na zdrowie!

Zum zweiten Vorrunden-Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM stellt Weinbegleiter Ruhr einen 2015er Riesling Alte Reben von der Mosel vor. Winzermeister Peter Göbel vom http://weingut-goebel.de aus Ediger-Eller ist damit ein Wein voller Überraschungen aus der Parade-Rebsorte der Mosel gelungen. Zeigt er sich schon im Glas in einem verheißungsvollen Goldgelb, besticht er in der Nase durch Aromen, die an reife gelbe Früchte wie Birnen und Pfirsiche erinnern. Am Gaumen hält er, was er verspricht – extraktreich, fruchtig, mit schönem Schmelz und einer gut gepufferten Säure. Mit jeder Minute werden die Aromen intensiver. Man möchte hineinkriechen ins Glas – mit der Nase. „Ist der noch trocken?“, fragt ein Freund beim Verkosten. Mit 9 g/l Restzucker und 7,2 g/l Säure gerade noch so.

Riesling aus „Alten Reben“

Die vollreifen Trauben für diesen Wein wurden erst Mitte Oktober im Ediger Elzhofberg gelesen. Das ist Steilstlage mit Terrassen und ohne Weganbindung. Und „Alte Reben“ bedeutet: In diesem Weinberg sind die wurzelechten Stöcke überwiegend 70 bis 80 Jahre alt. Sie belohnen den Knochenjob des Winzers mit einem zwar geringeren, aber alljährlich qualitativ hochwertigem Ertrag. Göbels zweite Steilstlage ist der Valwigger Herrenberg, wo übrigens auch Weinbegleiter Ruhr schon in der Lese, wie ein Hanghuhn stehend, geholfen hat.

„Da hat es klick gemacht“

Peter Göbel ist mit Leib und Seele Winzer in der ältesten Weinregion Deutschlands. Laut Deutschem Weininstitut (DWI) gibt es „nirgendwo auf der Welt mehr Steillagenweinberge“ als hier. „Viele Kollegen aus anderen Regionen würden mit uns nicht tauschen wollen“, sagt Peter Göbel lachend. „Aber niemand hat auch so viel Bindung wie wir hier“, meint der 48-Jährige.

Ediger-Eller im Riesling-Land.

Ediger-Eller an der Mosel.

1999 hat er das kleine Familienweingut seiner Eltern übernommen und bietet mit seiner Frau Jenny außerdem Ferienwohnungen an. An seinem Beruf gezweifelt hat er nie. Ein Schlüsselerlebnis war Mitte der 90er Jahre, erinnert er sich. Da lief er eines Tages allein durch den Calmont, mit über 65 Prozent Hangneigung der steilste Weinberg Europas. Er schaute auf die Mosel und ins weite Land. „Da hat es klick gemacht.“

Ein Ort mit „Stuhlgang“

Wer einmal in Ediger-Eller war, kommt gerne wieder. Der Ort zwischen Cochem und Zell besticht durch lauschige Gassen, wunderschön hergerichtete alte Fachwerkhäuser, gastronomische Gaumenfreuden und nicht zuletzt durch entspannte, lebenslustige Menschen. Gäste können sich davon ein Bild machen zum Beispiel in Glorys Kneipe oder beim alljährlichen „Stuhlgang“ im August. Das hat überhaupt nichts mit dem „großen Geschäft“ zu tun. Jeder bringt Essen und Trinken mit und eben einen Stuhl. Dann wird in den Gassen gefeiert und eine Musikkapelle zieht durchs Dorf. Das gibt’s nur in „Edschara“.

Ein Amerikaner in Polen

Okay, das ist jetzt aus deutscher Sicht schon eine Verlängerung vor dem Anpfiff. Aber auch unser sportlicher Gegner soll gewürdigt werden. Die EU hat 2005 Polen als Weinland anerkannt, jedoch betreiben nur wenige Winzer in großem Stil den Weinanbau und Weinverkauf, dessen Ab und Auf in der Vergangenheit eng mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden war. Der Südwesten des Landes, das ehemalige Schlesien, hat seine Weinbau-Tradition bewahrt und viel Neues aufgebaut. Kein Weg vorbei führt am Weingut Adoria in Zachowice, südlich von Wroclaw/Breslau. Hier macht seit Jahren ein Amerikaner von sich reden.

Adoria-Weine aus Polen.

Adoria-Weine aus Polen.

Mike Whitney beliefert die polnische Spitzengastronomie mit seinen Weinen und räumte bei der International Wine Challenge London 2016 Preise ab. In Kalifornien geboren, schlug er 1995 Wurzeln in Polen. Der Liebe wegen. „Eineinhalb Jahre und 300 verworfene Standorte später“ hat er den richtigen Ort gefunden. In Zachowice ermöglicht das Klima Weinanbau. Hier gedeihen Chardonnay, Pinot Noir, Riesling und Bacchus. Nicht wie von Zauberhand, sondern durch harte Arbeit. Der Amerikaner in Polen hat Witz. In einem Interview für Deutschlandradio Kultur sagte er einmal: „Ein Wunder wäre es, wenn wir hier in Polen Palmen und Olivenbäume anpflanzen könnten. Das wäre wirklich ein Wunder. Aber Riesling, ne, das kriegen wir hin.!“
Fußball auch…?

Fotos: Weingut Göbel, Adoria Vineyards Fotos