Schlemmen im Herbst mit Kürbis und Wein

Herbstblues? Von wegen! Dagegen ist ein Gemüse gewachsen. Ob knallig orange, gelb, blass-weiß oder eher dunkelgrün, ob rund, oval oder platt, ob glatt, schrumpelig oder zerfurcht – Kürbis zieht jetzt nicht nur optisch eine Show ab. In der Küche hat er sich längst als Vielseitigkeits-Gemüse entpuppt und das passende Getränk dazu ist schon lange mehr als der Sahneklecks in der Suppe. Kürbis und Wein – eine runde Sache. Ein paar Tipps und Empfehlungen. Weiterlesen

Weinaromen: „Das riecht wie alte Turnschuhe!“

Weinaromen und ihre Tücken: Frau L. schnuppert,  „puh, das riecht wie alte Turnschuhe“, sagt sie Nase rümpfend. „Nein“, erwidert ihre Tischnachbarin, „das ist irgendein schwerer Blumenduft und ein bisschen muffig“. Die Weinerlebnis-Runde
im Privathaushalt hat höllisch Spaß beim Ratespiel rund um Weinaromen.

Die Dosen mit Aromen-Proben.

Dafür präpariere ich kleine schwarze Cremedosen mit Aromen, die auch im Wein vorkommen. Diese Übung gefiel mir beim Sensorik-Seminar des Deutschen Weininstituts (DWI) so gut, dass ich sie übernommen habe. Zu sehen sind die Duftproben nicht, man muss sich einzig auf seinen Geruchssinn konzentrieren. Mitunter ist das gar nicht so einfach. Da steigt einem etwas in die Nase, das man kennt, kommt in diesem Moment aber einfach nicht darauf, um welches Aroma es sich handelt. In den Dosen landen Würfel von frischem Obst wie Apfel, Birne, Erdbeere, Mango, die ich mit Wattepads abdecke, ich träufle Zitronensaft, Holunder-und Cassis-Sirup in die Dosen oder fülle sie mit Gewürzen wie geriebene Muskatnuss (erkennt fast jeder!). Künstliche Aromen, zum Beispiel naturidentische Öle, funktionieren nicht so gut.

Weinaromen und Trefferquote

Weinaromen zu erschnüffeln, macht sehr viel Spaß. Die Trefferquote hängt von mehreren Faktoren ab wie Qualität des Weins, Tageszeit, Einfluss von Fremdgerüchen, eigene Stimmungslage und prägende Erfahrungen.

Doch wie kommen Aromen in die guten Tropfen?
In der Welt der Weine spricht man von Primär-, Tertiär- und Sekundäraromen.
Primäraromen schlummern bereits in der Traube. Sie enthält gleiche chemische Stoffe, die in anderen Organismen enthalten sind. Zum Beispiel Pyrazine, die den Geruch und Geschmack grüner Paprika unverwechselbar machen. Oder das Terpen Geraniol, das  eine Rose duften lässt. Nun riecht eine Cabernet Sauvignon-Traube am Rebstock  natürlich nicht nach grüner Paprika. Und es duften im Weinberg nur die Rosenstöcke, nicht die Gewürztraminer-Traube nach dieser typischen Note. Erst im Verarbeitungsprozess entfalten sie sich.

Beim Deutschen Weininstitut gibt’s dieses Aromenrad – eignet sich prima zum Üben.

Und hier kommen die Sekundäraromen ins Spiel und die Kellerkunst des Winzers. Sie entstehen während der Gärung und dem Ausbau (Edelstahltank, Holzfass, Betonei, Amphoren). Beispielsweise erzeugen höhere Alkoholwerte ein grün-grasiges Aroma. Vergärt ein Weißwein bei kühlen 13/14 Grad, riecht er später nach Eisdrops und Gummibärchen. Beim Ausbau im Barrique nimmt der Wein je nach Holzart rauchig Noten, Röst- und Vanille-Aromen an.

Tertiäraromen entstehen während der Reifung in der Flasche und im Fass. Auch hier ist wieder Chemie im Spiel, fruch­tige und würzige Mole­küle zerbröseln und verbinden sich erneut mit anderen Molekülen zu langen Ketten. Ein phänomenales Beispiel ist für mich ein gereifter Riesling. Dann strömt aus dem Glas eine Petrolnote, die an Tankstelle erinnert. Verursacher ist der Kohlenwasserstoff TDN (Trimethyl-Dihydronaphtalin), der in den Trauben gebildet wird.

Sonnencreme für den Riesling

Der Rebstock ist schlau: Knallt im Sommer die Sonnen zu sehr und zu lange im Weinberg, bildet die Rebe sogenannte Carotinoide. In den Beerenhäuten eingelagert, wirken sie wie eine Sonnencreme. In den Jungweinen ist TDN weitestgehend in Zucker gebunden, erst im Laufe der Jahre bildet sich freies TDN. An dieser Petrolnote im Riesling scheiden sich die Geister: Man mag sie oder findet sie ätzend.

Übrigens: Der anfangs erwähnte Geruch nach alten Turnschuhen entpuppte sich als Rose – eingefangen in einem ätherischen Öl. Also Rose auf dem Komposthaufen…

Glück im Glas mit Sommer-Weinen

Sommer mit Weinerlebnis: Geht mit mir auf Weinerlebnis-Reise. Ob zuhause, im Garten, am Ruhrufer, beim Grillfest – oder wo immer ihr wollt – wir verreisen, ohne die Koffer zu packen. Bei Wein-Events in geselliger Runde genießen wir beispielsweise „Sizilien im Glas“. Oder wir reisen nach Südfrankreich, in die Toskana oder ins deutsche Burgunder-Wunderland Baden. Wohin ihr wollt! Buchungen für die Auszeit vom Alltag mit Weinerlebnis sind ab sofort möglich, telefonisch unter 0172/6714577 oder per E-Mail: Weinbegleiter Ruhr. Das ist unser Sommer!

(Foto: Tina Achtermeier)

Abgefahren! Lesung mit Wein im Boxring

Sport und Spaß gehören für Rebekka Bisten zusammen wie ein Paar Turnschuhe. Seit 2006 ist sie die Chefin von Punch Fitness an der Leimkugelstraße im Essener Nordviertel. Hier lebt die 46-Jährige ihre Überzeugung: „Dein Körper hat Bock drauf.“ Mit Leidenschaft wirbt die studierte Sportwissenschaftlerin dafür, dass jeder etwas für sich und seine Gesundheit tun kann – eben mit Spaß. Als TUSEM-Sponsoring-Partner lernten wir uns im vergangenen Jahr kennen. Schnell wurde klar, dass wir etwas zusammen auf die Beine stellen wollen: eine Lesung mit Wein im Boxring bei Punch Fitness am 9. März 2018. Bei den Themen Spaß, Leidenschaft und Wein haben wir einige Parallelen gefunden….

Weinbegleiter Ruhr: Rebekka, warum sind dir beim schweißtreibenden Training Spaß und geselliges Beisammensein so wichtig?
Rebekka Bisten: Spaß ist beim Sport das A und O. Man würde sein Training sonst nicht regelmäßig durchziehen. Ein Beispiel: Am Jahresanfang kommen viele Anfänger, sie fühlen sich motiviert, weil sie ein paar Pfunde verlieren möchten. Das ist ihr kurzfristiges Ziel. Sich Ziele zu setzen, finde ich klasse, die können einen wirklich motivieren und mehr aus einem herauskitzeln, als man es zunächst selbst für möglich hält. Mit dieser Strategie kann man gewinnen und verlieren. Und das ist in Ordnung, es muss am Anfang nicht gleich alles klappen.

Jedoch setzt du auf langfristige Ziele…
Rebekka Bisten: Unbedingt. Es gibt Leute, die haben ihr Leben lang keinen Spaß am Sport gehabt. Und die kriegen wir durch ein vielseitiges, abwechslungsreiches Training dazu, dass sie Sport in ihr Leben, in ihren Alltag integrieren. Und irgendwann sagen sie: ,Ich habe Spaß dran.‘ Ich meine, das Leben ist viel zu kurz, als dass man sich daran aufhalten müsste, griesgrämig in der Ecke zu sitzen. Überhaupt Spaß am Leben zu haben, das, glaube ich, ist bei vielen der Wunsch. Auch bei ganz vielen Frauen, die sich durch Sport Spaß verschaffen. Das hat was mit Lebensqualität zu tun und mit dem Wissen, etwas für sich getan zu haben. Nicht nur in der Stunde, in der man Sport treibt.

Ihr habt hier eine Kinderbetreuung….
Rebekka Bisten: ….das gehört für mich zum kompletten Angebot. Hier können Frauen wirklich mal ihre Kinder abgeben und Zeit für sich haben. Das sei ihnen einfach gegönnt. Also jeder sollte sich verwirklichen können, in welcher Form auch immer. Das ist das Wichtigste. Sport hat da einen so großen Anteil.

Welche Rolle spielt der soziale Aspekt?
Rebekka Bisten: Der ist mir sehr wichtig. Wahrscheinlich deshalb: Ich habe 3 Brüder, wir sind eine große Familie. Und ich begann mit 13, Handball zu spielen. Mein ganzer Sozialisationsprozess spielte sich also in Gesellschaft ab. Ich wuchs mit der Gewissheit auf, dass man füreinander da ist, dass man was miteinander macht. Das ist für mich etwas ganz Großes: Ich bin nicht allein auf der Welt, sondern wir sind Team-Player. Ob da hier im Club ist, ob das draußen auf der Straße ist, selbst da würde ich immer versuchen, im Team zu spielen. Also für jemanden etwas zu machen. Das ist auch elementar für mich beim Sport. Wenn ich einen Bootcamp-Kurs mache, kann natürlich jeder für sich arbeiten, wenn es das Programm hergibt. Trotzdem ist man Teil einer Gruppe. Sonst kann ich auch allein aufs Rad gehen. Das macht natürlich auch Spaß, um den Kopf frei zu kriegen. Aber ich bin ein großer Freund davon, dass Sport in der Gruppe viel mehr Spaß bringt.

Ich arbeite in einer ganz anderen Branche, aber wir haben Parallelen, nicht nur bei der Lesung mit Wein im Boxring – Spaß, Geselligkeit, gute Laune. Sport hat auch etwas mit Genießen zu tun, finde ich. Magst du Wein?
Rebekka Bisten: Sehr! Ich bin Weingenießer. Ich habe mal zwei Weinseminare mitgemacht, um mich da ein bisschen schlau zu machen. Habe aber wahrscheinlich nicht die größte Ahnung und bin nicht die größte Weinkennerin. Ich höre da auf mich, was mir gefällt, was ich genießen kann.

Das ist das Wichtigste.
Rebekka Bisten: Ich muss nicht dick auftragen: Das ist der beste Wein mit was weiß ich für einem Prädikat. Das interessiert mich, ehrlich gesagt, nicht. Wenn der Wein aus dem Supermarkt für 7 Euro mir schmeckt, ja, dann kaufe ich mir den. Dann wird er Teil des geselligen Zusammenseins.

Welche Weine bevorzugst du?
Rebekka Bisten: Bei den Roten mag ich spanische Weine, ich bin ein Tempranillo-Freund. Beim Weißwein gefallen mir Grauburgunder, eher fruchtige Weine. Und bei mir gehören Rotweine in den Winter, Weißweine in den Sommer, ganz klassisch. Damit fühle ich mich wohl.

Sport, Wein – was macht dir sonst noch Spaß im Leben?
Rebekka Bisten: Gutes Essen gehört dazu. Und wenn ich nicht selbst in Bewegung bin, mag ich beim Sport Rudelgucken wie bei TUSEM. Wenn ich nur ein bisschen mehr Zeit hätte…. Ich bin ja auch ein großer Fußball-Fan. Wenn ich es schaffe, mit Freunden ins Stadion zu gehen, fiebere ich da ganz groß mit.

Die Profi-Handballer von TUSEM absolvieren bei Punch Fitness Athletiktraining-Einheiten. Trainer Jaron Siewert und Spieler sind dabei, wenn TUSEM, Punch Fitness und Weinbegleiter Ruhr gemeinsam einladen. Am Freitag, 9.März 2018, 19.30 Uhr, heißt es an der Leimkugelstraße 9 in Essen: Abgefahren! Lesung mit Wein im Boxring. Ich lese aus meinem Buch über meine verrückte Radreise nach Süddeutschland. Dazu gibt es lecker Wein. Karten: 0172/6714577. Weitere Infos unter „Termine“ auf dieser Internetseite.

 

Hey, lass wachsen! Grüne Hauptstadt Essen mit Wein

Essen im Grüne-Hauptstadt-Rausch ohne Wein-Event? Da muss ein besonderes Weinerlebnis her. Und was passt besser, als ein Abend nur mit Bio-Weinen!

Diese reiche ich am Freitag, 8.September 2017, in Zusammenarbeit mit green Apes auf dem Bauernhof am Mechtenberg. Dazu später mehr.


Der Bio-Hype hat die Weinszene längst erreicht. Doch was ist dran an dem ganzen Zauber? Ganz nüchtern betrachtet, kommt es zunächst darauf an, ob der Winzer sein Handwerk und seine Kunst versteht. Egal, ob Bio oder nicht.

Doch worin bestehen die Unterschiede? Im Gegensatz zu seinen konventionell produzierenden Kollegen darf der Öko-Winzer beim Pflanzenschutz, bei der Schädlings-und Unkrautbekämpfung sowie bei der Düngung im Weinberg keine künstlich-industriell hergestellten Mittel verwenden. Auch der Ausbau des Weins im Keller ist seit 2012 in einer EU-Verordnung genau geregelt.

Greift der konventionelle Winzer bei Pilzkrankheiten wie Mehltau und Graufäule zum Fungizid, spritzt der Öko-Kollege mit Schwefel und Kupfer, deren Mengen streng limitiert sind. Auch Backpulverlösungen und Pflanzenextrakte wie zum Beispiel Brenesselsud  kommen zum Einsatz. Alle Schutzmittel darf er den Rebstöcken nur äußerlich zugute kommen lassen, damit nichts in den Boden sickert. Doch wer vermag das bei Regen verhindern?, fragen Kritiker. Und ist alles abgewaschen, muss in kurzen Abständen neu gespritzt werden.

Gute Stimmung am Mechtenberg.

Winzer leben für meine Begriffe per se mit der Natur im Einklang. Der ökologisch produzierende gibt noch etliche Schüppen drauf – Unkraut wird gemäht oder in Steillagen mit der Hacke entfernt, bei der Düngung kommen Kompost und Mist zum Einsatz, die in erster Linie den Boden kräftigen sollen. Und zwischen den Rebzeilen ist pralles Leben erwünscht. Da wird eine bunte Pflanzenwelt gesät, die nicht nur phantastisch aussieht. Dort tummeln sich Nützlinge, die Wurzeln des Grünzeugs in Bunt lockern den Boden auf, die Humusbildung geht munter voran. Der Öko-Weinbauer sagt sich: Hey, lass wachsen!

Bei der Schädlingsbekämpfung ist er ganz gewitzt und setzt gegen den fiesen Traubenwickler Sexfallen ein, von denen eine Variante wie ein Fliegenfänger funktioniert. Diese sind mit dem Lockstoff der Weibchen (Pheromon) präpariert, was den männlichen Falter ganz kirre macht. Er folgt dem Duft und bleibt in der Falle kleben. Zu diesem Mittel greifen inzwischen aber auch konventionell arbeitende Winzer.

Diese und viele weitere Themen werden beleuchtet beim Bio-Wein-Event am 8. September 2017, Am Mechtenberg 5, in Essen Kray. Und wie immer: nicht bierernst!
Los geht es um 19 Uhr mit einem Aperitif draußen auf der Terrasse, wo wir bei schönen Wetter auch bleiben. Sollte doch schon mal der Herbst an die Tür klopfen, ziehen wir um ins Café. In geselliger Runde probieren wir insgesamt acht Bio-Weine, unter anderem aus Deutschland, Italien und Griechenland. Alles andere wird noch nicht verraten. Dazu gibt es leckere Dips und Kleinigkeiten aus der Bauernhof-Küche, Brot zum Neutralisieren, Wasser und für jeden Gast eine Weinliste. Das Ganze wird abgerundet mit literarischen Häppchen aus der Welt der Weine. Exklusiv an diesem Abend lese ich short-stories aus meiner Feder, in denen ich über Amüsantes aus meiner Weinerlebniswelt berichte.

Die Teilnahme kostet 38,50 Euro pro Person. Die Reservierung und der Kauf von Karten (mit Vorkasse) ist bis zum 5. September im Bauerhof-Café möglich, Telefon: 0201/5587726, oder per E-Mail: info@bauer-budde.de. An der Abendkasse gibt es wenige Restkarten für 39,90 Euro.

Also, wir sehen uns am 8. September. Bis dahin: Alles Bio, oder was?!

 

 

Valentinstag 2.0 mit Weinprobe

Am Valentinstag, dem Tag der Liebenden, Decke über den Kopf ziehen? Das muss doch nicht sein! Ich biete am Dienstag, 14. Februar, eine besondere Weinprobe an. Dann heißt es: Feiern oder vergessen! Für frisch oder schon etwas länger getrennte Menschen, die einen guten Tropfen auf die (neue) Freiheit genießen möchten,  gibt’s eine Weinprobe in Essen.

Valentinstag mit Überraschung

Die launige Weinprobe am 14. Februar beginnt um 19 Uhr. Sie findet statt bei Weinbegleiter Ruhr, Susanne Storck, in der Fürstäbtissinstraße 33, in 45355 Essen. Ich reiche insgesamt 8 Weiß- und Rotweine. Dazu gibt es Wasser, Brot zum Neutralisieren, Käsehäppchen, eine Weinliste und für jeden Teilnehmer eine kleine Überraschung. Die Teilnahme kostet 34,00 € pro Person.

10 Frauen und Männer können dabei sein. Also nicht lange überlegen!

Und wer sich nicht traut, kann mich natürlich auch an einem anderen Tag für eine Weinprobe buchen….

Anmeldungen und weitere Informationen unter 0172/6714577 und auf dieser Seite unter http://weinbegleiter-ruhr.de/Veranstaltung/fuer-getrennte/?instance_id=28.

Wunder mit Burgunder an der Ahr

Abenteuer Ahr: Nur eineinhalb Autostunden vom Ruhrgebiet entfernt liegt das Wunder mit Burgunder in imposanter Tallage an der Ahr. Keine Ahnung, warum ich bisher auf meinen Fahrten in Richtung Süden immer daran vorbeigefahren bin. Wie ignorant!, weiß ich jetzt – nach meinem ersten Wein-Ausflug 2017 nach Altenahr. Das war wunderschön. Auch, weil in dieser Gegend der eher seltene Frühburgunder ausgeschenkt wird.

Wein- und Naturliebhaber kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten. Im bekanntesten deutschen Rotweingebiet wachsen auf engstem Raum viele Rebstöcke in Steillagen. Teilweise beginnen sie direkt am Straßenrand, schmiegen sich an Felsen, deren Spitzen in den Himmel zu wachsen scheinen. Auf über 80 Prozent der Rebfläche fühlen sich Rotweinsorten pudelwohl – unter besten Voraussetzungen; die vielschichtigen Böden, in den nach Süden ausgerichteten Hängen, speichern tagsüber Wärme, die sie nachts an die Pflanzen abgeben. Günstiges und mildes Klima, das im Sommer in Steillagen zu mediterraner Höchstform aufläuft, bietet dem Spätburgunder optimale Voraussetzungen. Die edle Rebsorte ist die Nummer 1 an der Ahr.

Aber ich war neugierig auf Frühburgunder. Die extraktreiche Spezialität der Ahr macht viel Spaß beim Verkosten – die Aromen erinnern mich an knackige rote Früchte, unter anderem Kirsche, – wie gerade frisch gepflückt. Mal kommt er samtig, weich daher, mal wie eine selbstbewusste Schönheit, die erobert werden will. Und da warten jetzt gute Tropfen in meinem Keller, die wie eine Verheißung auf später vertrösten.

Winter an der Ahr.

Winter an der Ahr.

Mir begegnet teilweise eine Rotwein-Stilistik, die Menschen Spaß bereiten dürfte, die nicht so sehr auf rote Wuchtprummen stehen. Ich sitze zum Beispiel im Restaurant „Vinetum“ der Weinmanufaktur Walporzheim mit einem Gläschen Frühburgunder, herzhaftem Flamkuchen, netter, aufmerksamer Bedienung, schaue nach draußen und denke: Wie schön!

Burgunder im Gewölbekeller

Zum Ausprobieren beispielsweise: Weingut Sermann-Kreuzberg in Altenahr und die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e.G. in Mayschoß, die 2009 mit den Walporzheimern fusionierte . In der ältesten Winzergenossenschaft der Welt kann man eine Verkostung mit der Besichtigung des imposanten Gewölbekellers und des Weinbaumuseums verbinden. Sehr spannend.

Wein zum Gänsebraten „Sabrina“

Schon satt von dem ganzen Vorweihnachts-Klimbim? Dann mache ich jetzt hoffentlich ein bisschen Lust auf fröhliche Festtage, an denen es sich herrlich schlemmen, schwelgen und verschnaufen lässt. Zum Bespiel mit Gänsebraten.

Bei uns wird Weihnachten auf Müßiggang umgeschaltet. Das ist mein einziger Wunsch in diesem Jahr. Und mein Liebster nimmt ihn ernst. Am 24. Dezember ist er (wie sonst seit meiner Existenzgründung meistens auch) der Küchenmeister und wird einen Gänsebraten, gefüllt mit getrocknetem Obst, zaubern. Das wird übrigens seine erste Gans, er hat ihr schon mal den Namen „Sabrina“ verpasst. Zur gerupften Schönen gibt’s Maronen und Klöße nach Thüringer Art. Ich sehe uns schon Rommé spielend am großen Küchentisch sitzen, während der Vogel in der Röhre schmurgelt.

Wein und Stress?
Passt nicht zusammen!

Die Auswahl des Weines ist natürlich meine Sache. Wenn am frühen Abend die Mutter des Gänse-Braters mit uns speist, kann sie zwischen zwei Roten und einem Weißen wählen: Zur Auswahl stehen ein edler, vielschichtiger Spätburgunder aus Baden, der mit seiner herrlichen Frucht dem opulenten Mahl ein ebenbürtiger Partner ist.
Als Alternative dazu und zum Vergleichen, was immer großen Spaß macht, wird eine, im Barrique ausgebaute Cuvée aus dem südfranzösischen Corbières entkorkt. Das Kraftpaket hat von allem viel: Farbe, Duft, Aromen, gut eingebundene Tannine, Körper, Abgang.

Ich persönlich freue mich auf eine Riesling Spätlese mit einem schönen Tick Restsüße von der Mosel oder aus dem Rheingau, da habe ich mich noch nicht festgelegt. Und dann entzückt mich (hoffentlich) der Moment, in dem das Süße-Säure-Spiel des Weins die Rubens-Gans „Sabrina“ verführen und umgarnen wird.

Kleiner Rat am Ende: Für den Weinkauf zum Fest möglichst ein wenig Zeit erübrigen. Wein und Stress passen einfach nicht zusammen…

Zwischen schön und eklig

Lieblingswein des Monats, Teil 3. Ich freue mich sehr, dass Herman van Veen Zeit für die Beantwortung meiner Fragen gefunden hat. Nun ja, bei ihm kann man das Nachschenken auch schon mal vergessen.

Herr van Veen, haben Sie einen Lieblingswein?

Sie tun mir einen großen Gefallen, wenn Sie mir einen erschwinglichen Sauvignon Blanc, Chablis, einen Spätburgunder oder Bordeaux aus dem Medoc einschenken. Zumindest, wenn die Farbe  klar, der Geruch ausgeglichen und der Geschmack charakteristisch ist. Die Wahrnehmung ist beim Weinverkosten meiner Ansicht nach immer persönlich: Was der eine schön findet, ist für den anderen eklig,

Bei welcher Gelegenheit genießen Sie dann einen Wein?

Wir schenken in unserem bescheidenen Restaurant und in der Bar auf dem Landgut Paltz (Nähe Utrecht Anm. der Autorin)  einen Grünen Silvaner, einen ruhigen Dornfelder und für besondere Anlässe einen spritzigen  Riesling-Sekt aus der Pfalz ein.  Weine aus Rheinland-Pfalz, der Region, nach der unsere Paltz, der Wald und Grund , wo wir leben und arbeiten, benannt ist.

Herman van Veen
und das Vergnügen

Wenn Sie bei uns ein Glas oder eine Flasche Wein kaufen, dann unterstützen Sie die  Herman van Veen Stiftung.  Worum es geht: ein freies, unverwechselbares und vielfältiges kulturelles  Programm für diejenigen, die es sehen wollen. Von jung bis alt, aus allen Bereichen des Lebens und Teilen der Welt.

Herr van Veen, wir wollen den Wein nicht vergessen…

Wein wirkt auf mich beruhigend. Den kann ich gut nach einem aufregenden Tag trinken, Die Farbe, die Bewegung im Glas, das ganze Vergnügen im Voraus. Und dann der Nachgeschmack. Viel kann ich allerdings nicht trinken,  dann empörte sich mein Magen. Schlechter Wein  stößt mir sauer auf, unangenehm.

Das wär’s. Ein fröhliches Weihnachtsfest.

Foto: Jesse Willems

„Kung Fu Girl“ aus der Flasche

Was hat japanische Kampfkunst mit Wein zu tun? Auch diese Frage wird in Teil 2 meiner Serie „Wein des Monats“ beantwortet. Passend zur Präsidentschaftswahl in der nächsten Woche in den USA wird diesmal ein amerikanischer Wein entkorkt. Diesen Job übernimmt Dirk Hautkapp, USA-Korrespondent der Funke Mediengruppe. Keine Sorge, mein früherer geschätzter NRZ-Kollege holt dafür nicht zum Schlag aus – wie das „Kung Fu Girl“ auf dem Etikett des gleichnamigen Weins. Da hat er ein feines Stöffchen eines – nicht nur optisch – außergewöhnlichen Winzers ausgewählt.

Weinbegleiter Ruhr: Haben Sie einen Lieblingswein? Wenn ja, welchen? Wie heißt er, woher stammt er?

Dirk Hautkapp: „Kung Fu Girl“, ein Riesling von Charles Smith, Columbia Valley/Washington State, USA.

Wie und wann haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?

Ich lebe und arbeite seit fünf Jahren als Korrespondent in Washington DC. Auf einer der ersten Dienstreisen an die Westküste, es war Seattle, stieß ich auf „Kung Fu Girl.“

Bei welcher Gelegenheit war das?

Charles Smith sagt schön unaufgeregt: "It's just wine, drink it."

Charles Smith sagt schön unaufgeregt: „It’s just wine, drink it.“

An der Hotelbar. Bei einem gegrillten Schwertfisch-Sandwich. Ich wollte kein Bier. Ein guter Mensch hörte, dass ich aus Deutschland komme. Er erzählte mir von Charles Smith. Ein Star-Winzer, der früher in Europa Rockbands gemanaged hat und immer noch so aussieht wie der junge Roger Daltrey von „The Who“. „This Riesling really kicks ass“, sagte mein Sitznachbar. Was so viel bedeutet wie: der Wein kann wirklich was. Er hat nicht zu viel versprochen.

Warum ist „Kung Fu Girl“ Ihr Lieblingswein?

Die junge Dame ist zu allen Anlässen schlagfertig und treffsicher. Der Duft hat etwas von weißem Pfirsich. Manchmal kommt auch Mango oder Papaya durch; ein Tick Limone sowieso. Dazu die Säure. Immer superfrisch. Wie aus einer sprudelnden Quelle. Wird nie langweilig. Und falls doch: Charles Smith hat auch rote „Hammer“-Weine. Boom Boom Syrah. Velvet Devil Merlot. Samt-teuflisch gut.

Fotos: privat u. http://www.charlessmithwines.com/