Wunder mit Burgunder an der Ahr

Abenteuer Ahr: Nur eineinhalb Autostunden vom Ruhrgebiet entfernt liegt das Wunder mit Burgunder in imposanter Tallage an der Ahr. Keine Ahnung, warum ich bisher auf meinen Fahrten in Richtung Süden immer daran vorbeigefahren bin. Wie ignorant!, weiß ich jetzt – nach meinem ersten Wein-Ausflug 2017 nach Altenahr. Das war wunderschön. Auch, weil in dieser Gegend der eher seltene Frühburgunder ausgeschenkt wird.

Wein- und Naturliebhaber kommen hier gleichermaßen auf ihre Kosten. Im bekanntesten deutschen Rotweingebiet wachsen auf engstem Raum viele Rebstöcke in Steillagen. Teilweise beginnen sie direkt am Straßenrand, schmiegen sich an Felsen, deren Spitzen in den Himmel zu wachsen scheinen. Auf über 80 Prozent der Rebfläche fühlen sich Rotweinsorten pudelwohl – unter besten Voraussetzungen; die vielschichtigen Böden, in den nach Süden ausgerichteten Hängen, speichern tagsüber Wärme, die sie nachts an die Pflanzen abgeben. Günstiges und mildes Klima, das im Sommer in Steillagen zu mediterraner Höchstform aufläuft, bietet dem Spätburgunder optimale Voraussetzungen. Die edle Rebsorte ist die Nummer 1 an der Ahr.

Aber ich war neugierig auf Frühburgunder. Die extraktreiche Spezialität der Ahr macht viel Spaß beim Verkosten – die Aromen erinnern mich an knackige rote Früchte, unter anderem Kirsche, – wie gerade frisch gepflückt. Mal kommt er samtig, weich daher, mal wie eine selbstbewusste Schönheit, die erobert werden will. Und da warten jetzt gute Tropfen in meinem Keller, die wie eine Verheißung auf später vertrösten.

Winter an der Ahr.

Winter an der Ahr.

Mir begegnet teilweise eine Rotwein-Stilistik, die Menschen Spaß bereiten dürfte, die nicht so sehr auf rote Wuchtprummen stehen. Ich sitze zum Beispiel im Restaurant „Vinetum“ der Weinmanufaktur Walporzheim mit einem Gläschen Frühburgunder, herzhaftem Flamkuchen, netter, aufmerksamer Bedienung, schaue nach draußen und denke: Wie schön!

Burgunder im Gewölbekeller

Zum Ausprobieren beispielsweise: Weingut Sermann-Kreuzberg in Altenahr und die Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr e.G. in Mayschoß, die 2009 mit den Walporzheimern fusionierte . In der ältesten Winzergenossenschaft der Welt kann man eine Verkostung mit der Besichtigung des imposanten Gewölbekellers und des Weinbaumuseums verbinden. Sehr spannend.

Weinberg mitten in Erfurt

Ein Weinberg mitten in der Stadt: Klein aber fein schmiegt er sich an den Südhang der „Citadelle Petersberg“, der in Erfurt vom Domplatz aus leicht zu finden ist. Zu verdanken ist das Kleinod dem Verein http://erfurterweinzunft.de/index.php, der den rund 2300 Quadratmeter großen Weinberg hegt und pflegt. Dort wachsen die weißen Rebsorten Müller-Thurgau, Silvaner und Riesling, rote sind durch Portugieser und Dornfelder vertreten.Insgesamt sind es gut 540 Weiß- und Rotweinreben. In dem Mini-Weinberg mitten in der Stadt können auch eine alte Weinkelter und Schaupflanzen bestaunt werden und Weinbegleiter Ruhr hatte einen tollen Blick auf Thüringens Landeshauptstadt.

„Kundschaft ist begeistert“

Die Weine sind in jedem Jahr anders, „je nachdem, was der Berg hergibt“, sagt Michael Schneider von der Erfurter Weinzunft. Der 2015er ist ein Qualitätswein, 140 Flaschen Rotwein konnten abgefüllt werden und 1033 Flaschen Weißwein. Der Weiße ist eine Cuvée aus Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner und einem kleinen Teil Kerner, den das Thüringer Weingut Bad Sulza GmbH http://www.thueringer-wein.de/weingut/ beisteuerte. Die Weine kosten zwischen 12,50 und 15 Euro, „die Kundschaft ist begeistert“, freut sich Michael Schneider. Der 66-Jährige stammt aus Essen-Kupferdreh und lebt seit 12 Jahren in Erfurt. Als er zum 60.Geburtstag einen Rebstock geschenkt bekam, wuchs mit der Pflanze seine ganz aktive Leidenschaft für den Wein. Bei der Weinlese helfen die Vereinsmitglieder, Freunde und weininteressierte Bürger. Ausgestattet mit Entrapper, Maische-Bottichen und Tanks, gibt der Verein sogar die Weinbereitung nicht aus der Hand.

Der Wein heißt „Benedictus“

Weinbau in Erfurt hat eine lange Tradition. Und wieder einmal waren es Mönche, in dem Fall Benediktiner, die den Erfurter Weinbau betrieben. Daran erinnert noch heute der Name „Benedictus“, unter dem die Tropfen verkauft werden. Urkundliche Erwähnung findet der Mini-Weinberg in Thüringen erstmals 1121.

Rebstöcke am Petersberg.

Rebstöcke am Petersberg.

Über Jahrhunderte läuft alles prima – bis es den Rebstöcken 1665 an die Wurzeln geht. Sie müssen zugunsten des Zitadellenbaus durch den Mainzer Kürfürsten Johann Philipp von Schönborn weichen, rund 8 Hektar werden gerodet. 1916 ist es ganz vorbei. Erst 1991 werden neue Rebstöcke gepflanzt, und zwar im Zuge einer Weinpatenschaft zwischen der Gemeinde Bechtheim in Rheinhessen und Erfurt. Winzer legen den Weinberg an, die Erfurter Weinzunft pflegt ihn seit 1991. Das Bechtheimer Weingut Bertz steht den Thüringern regelmäßig mit Rat und Tat zur Seite.

Weinberg gedeiht im milden Klima

Durch die geschützte Lage und das milde Klima im Thüringen Becken mit durchschnittlich 1746 Sonnenstunden im Jahr finden die Rebstöcke beste Voraussetzungen. „In guten Jahren erreichen die Weine vom Petersberg Spätlese-Niveau“, heißt es im informativen und schön bebilderten Flyer der Weinzunft. Die Rebanlage gehört zum Weinanbaugebiet Saale-Unstrut und ist unter dem Namen „Erfurter Petersberg“ offiziell im EU-Weinkataster eingetragen.
Vom 8. bis 11. September 2016 wird in Erfurt ein Weinfest gefeiert – natürlich mit der Erfurter Weinzunft.