Witzige Etiketten: Das Auge trinkt mit!

Das Auge trinkt mit: Witzige Etiketten auf Weinflaschen können eine schöne Vorfreude sein auf den Spaß im Glas. Und wenn dann alles passt mit Optik und Inhalt – wunderbar! Diese hier abgebildeten Weine und andere gute Tropfen habe ich im Sortiment. Bei einer Weinprobe mit mir könnt ihr sie verkosten!

Weinaromen: „Das riecht wie alte Turnschuhe!“

Weinaromen und ihre Tücken: Frau L. schnuppert,  „puh, das riecht wie alte Turnschuhe“, sagt sie Nase rümpfend. „Nein“, erwidert ihre Tischnachbarin, „das ist irgendein schwerer Blumenduft und ein bisschen muffig“. Die Weinerlebnis-Runde
im Privathaushalt hat höllisch Spaß beim Ratespiel rund um Weinaromen.

Die Dosen mit Aromen-Proben.

Dafür präpariere ich kleine schwarze Cremedosen mit Aromen, die auch im Wein vorkommen. Diese Übung gefiel mir beim Sensorik-Seminar des Deutschen Weininstituts (DWI) so gut, dass ich sie übernommen habe. Zu sehen sind die Duftproben nicht, man muss sich einzig auf seinen Geruchssinn konzentrieren. Mitunter ist das gar nicht so einfach. Da steigt einem etwas in die Nase, das man kennt, kommt in diesem Moment aber einfach nicht darauf, um welches Aroma es sich handelt. In den Dosen landen Würfel von frischem Obst wie Apfel, Birne, Erdbeere, Mango, die ich mit Wattepads abdecke, ich träufle Zitronensaft, Holunder-und Cassis-Sirup in die Dosen oder fülle sie mit Gewürzen wie geriebene Muskatnuss (erkennt fast jeder!). Künstliche Aromen, zum Beispiel naturidentische Öle, funktionieren nicht so gut.

Weinaromen und Trefferquote

Weinaromen zu erschnüffeln, macht sehr viel Spaß. Die Trefferquote hängt von mehreren Faktoren ab wie Qualität des Weins, Tageszeit, Einfluss von Fremdgerüchen, eigene Stimmungslage und prägende Erfahrungen.

Doch wie kommen Aromen in die guten Tropfen?
In der Welt der Weine spricht man von Primär-, Tertiär- und Sekundäraromen.
Primäraromen schlummern bereits in der Traube. Sie enthält gleiche chemische Stoffe, die in anderen Organismen enthalten sind. Zum Beispiel Pyrazine, die den Geruch und Geschmack grüner Paprika unverwechselbar machen. Oder das Terpen Geraniol, das  eine Rose duften lässt. Nun riecht eine Cabernet Sauvignon-Traube am Rebstock  natürlich nicht nach grüner Paprika. Und es duften im Weinberg nur die Rosenstöcke, nicht die Gewürztraminer-Traube nach dieser typischen Note. Erst im Verarbeitungsprozess entfalten sie sich.

Beim Deutschen Weininstitut gibt’s dieses Aromenrad – eignet sich prima zum Üben.

Und hier kommen die Sekundäraromen ins Spiel und die Kellerkunst des Winzers. Sie entstehen während der Gärung und dem Ausbau (Edelstahltank, Holzfass, Betonei, Amphoren). Beispielsweise erzeugen höhere Alkoholwerte ein grün-grasiges Aroma. Vergärt ein Weißwein bei kühlen 13/14 Grad, riecht er später nach Eisdrops und Gummibärchen. Beim Ausbau im Barrique nimmt der Wein je nach Holzart rauchig Noten, Röst- und Vanille-Aromen an.

Tertiäraromen entstehen während der Reifung in der Flasche und im Fass. Auch hier ist wieder Chemie im Spiel, fruch­tige und würzige Mole­küle zerbröseln und verbinden sich erneut mit anderen Molekülen zu langen Ketten. Ein phänomenales Beispiel ist für mich ein gereifter Riesling. Dann strömt aus dem Glas eine Petrolnote, die an Tankstelle erinnert. Verursacher ist der Kohlenwasserstoff TDN (Trimethyl-Dihydronaphtalin), der in den Trauben gebildet wird.

Sonnencreme für den Riesling

Der Rebstock ist schlau: Knallt im Sommer die Sonnen zu sehr und zu lange im Weinberg, bildet die Rebe sogenannte Carotinoide. In den Beerenhäuten eingelagert, wirken sie wie eine Sonnencreme. In den Jungweinen ist TDN weitestgehend in Zucker gebunden, erst im Laufe der Jahre bildet sich freies TDN. An dieser Petrolnote im Riesling scheiden sich die Geister: Man mag sie oder findet sie ätzend.

Übrigens: Der anfangs erwähnte Geruch nach alten Turnschuhen entpuppte sich als Rose – eingefangen in einem ätherischen Öl. Also Rose auf dem Komposthaufen…

Glück im Glas mit Sommer-Weinen

Sommer mit Weinerlebnis: Geht mit mir auf Weinerlebnis-Reise. Ob zuhause, im Garten, am Ruhrufer, beim Grillfest – oder wo immer ihr wollt – wir verreisen, ohne die Koffer zu packen. Bei Wein-Events in geselliger Runde genießen wir beispielsweise „Sizilien im Glas“. Oder wir reisen nach Südfrankreich, in die Toskana oder ins deutsche Burgunder-Wunderland Baden. Wohin ihr wollt! Buchungen für die Auszeit vom Alltag mit Weinerlebnis sind ab sofort möglich, telefonisch unter 0172/6714577 oder per E-Mail: Weinbegleiter Ruhr. Das ist unser Sommer!

(Foto: Tina Achtermeier)

Portwein statt Pudding im Wonnemonat Mai

Mit einem Portwein in den Wonnemonat: Seit seinem Portugal-Urlaub schwärmt Sebastian Auer für die süße Versuchung im Glas. Der freie Journalist (WDR), Autor und Moderator, ist gebürtiger Essener und erobert inzwischen erfolgreich von Düsseldorf aus die Nachrichten-Welt. Und immer wieder begegnen wir uns zwischendurch auf unseren Wegen, freundschaftlich  und Wein-interessiert. Für den „Wein des Monats“ Mai hat er einen Reserve Ruby Port ausgewählt. Und Sebastian macht damit Lust auf den Hoch-Sommer….

Weinbegleiter Ruhr: Welchen Lieblingswein hast du, wie heißt er, woher stammt er?

Sebastian Auer: Mein aktueller Favorit in Sachen Wein ist vor allem als Nachtisch geeignet. Port statt Pudding, sozusagen. „Six Grapes“ — ein Reserve Ruby Portwein aus dem Hause Graham‘s. Dieser Ruby besticht durch seine rubinrote Farbe und lagerte nur wenige Jahre vor der Abfüllung.  „Junger, fruchtiger Geschmack“, heißt es bei Graham’s. Stimmt. Eine angenehme Süße, perfekt nach ’nem leckeren Grillabend. Fruchtig, kirschig – lecker. Und ein leichtes Kribbeln auf der Zunge. Schon das Einschenken macht Spaß. Die süßliche Note zieht direkt in die Nase. Dunkelrot im Glas, fast wie Sirup. Wie immer beim Nachtisch gilt: Nicht zu viel naschen. Ein Gläschen reicht völlig, sonst wird es doch etwas zu süß im Mund.

Sommer im Glas. Fotos: privat

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?

Sebastian Auer: Der Ruby Portwein von Graham’s erinnert mich an meinen letzten Urlaub in Portugal. In Deutschland war es noch kalt und schmuddelig, doch in Porto war schon der Frühling ausgebrochen. Eine tolle Stadt. Schmale Gassen, altes Kopfsteinpflaster, kleine Cafés und Bars. Am Rand der Stadt fließt der Douro. Früher fuhren darauf die Segelschiffe mit vielen Fässern Portwein. Auf der anderen Seite des Flusses reihen sich wie an einer Perlenkette die Portwein-Kellereien aneinander.
Jeder Schluck erinnert mich an die lauen Abende draußen am Fluss und an die Führung mit anschließender Verkostung in der Kellerei von Graham‘s. Jetzt im Mai auf der Terrasse nach einem guten Essen diesen Wein trinken, ist wie ein Mini-Kurzurlaub. Nur ohne lästigen Flug.

Warum ist das dein Lieblingswein?

Sebastian Auer: Dieser Ruby ist so anders. Bis zum Urlaub in Portugal hatte ich mich noch nie so richtig mit Portwein beschäftigt. Jetzt bin ich auf den Geschmack gekommen. Es ist mal was ganz anderes, als klassischer Rot- oder Weißwein. Der perfekte Nachtisch. Und ganz nebenbei viel schneller zubereitet als irgendwelche aufwendigen Desserts: Glas aus dem Schrank, Flasche öffnen, einschenken — genießen. Unkomplizierter ist kein Nachtisch zubereitet.

Glück im Glas mit Küsschen und Bla Bla Bla

Neues Jahr. Neues Glück im Glas. Die Reihe „Wein des Monats“ wird natürlich fortgesetzt. 2018 liegt wie ein Versprechen auf eine gute Zeit vor uns. Ein besonderer Mensch zieht dafür den Korken: Tina Achtermeier aus Essen. Sie trainiert den „Erfolgsmuskel“ anderer Menschen. Heißt: Als Coach verbindet sie Verkaufstraining mit Persönlichkeitsentwicklung. Ihr Wunsch 2018: Glück für alle!

Weinbegleiter Ruhr: Hast du einen Lieblingswein, Wie heißt er und woher stammt er?
Tina Achtermeier: Ja, habe ich in der Tat. Er heißt „Scheiss auf Küsschen. Guten Freunden gibt man einen Grauburgunder!“ Der ist vom Weingut Emil Bauer & Söhne aus der Pfalz.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?
Tina Achtermeier: Den habe ich von dir bekommen. Und du hast damit den Nagel auf den Kopf getroffen. Du hast ihn zu meinem absoluten Lieblingswein gemacht. Ich hatte dir mal gesagt, dass ich auf außergewöhnliche Etiketten stehe und auf lustige Sprüche. Und der Wein ist der Knaller. Der passt einfach. Ich trinke ihn selbst so gerne und verschenke ihn auch gerne an meine Freunde. Dieser Wein ist ein schöner Allrounder für alles.

Witzige, coole Sprüche und Botschaften auf den Etiketten sind das Markenzeichen des Weinguts Emil Bauer. Was fasziniert dich sonst noch an dem Wein?
Tina Achtermeier: Der ist einfach lecker, so richtig lecker. Ich bin kein Weinexperte, das wäre jetzt ein bisschen hoch gestochen. Ich finde: Wein muss mir einfach schmecken. Und der Küsschen-Wein ist spritzig und ein sehr moderner Wein. Er hat für mich die richtige Mischung aus Frische, Frucht und Leichtigkeit.

Spielt das Etikett immer eine wichtige Rolle, wenn du Wein aussuchst und kaufst?
Tina Achtermeier: Ja, eine sehr große Rolle.

Warum?
Tina Achtermeier: Weil die dadurch auffallen. Und ich mag moderne Weine. Was ich nicht mag, sind, entschuldige das Wort, aber so Oma-Weine.

Oma-Weine?
Tina Achtermeier: Also solche, die ich von meiner Großmutter oder von meiner Mutter kenne, Hauptsache billig und verschnörkelte Buchstaben auf dem Etikett und altmodisch. Und dann riecht der Wein muffig, schmeckt muffig. Das ist wohl irgendwie ein Vorurteil, ja. Aber ich gucke immer aufs Etikett, dass es jung ist, dass es spritzig ist. Ich mag keine schweren Weine, keinen Chardonnay, weil der mir viel zu schwer und voluminös ist. Das ist nicht meins, ich brauch’s ein bisschen leichter.

Fallen dir spontan noch andere Weine mit auffälligem Etikett ein, die du gut findest?
Tina Achtermeier: „Scheu… Aber geil!“, ist auch von den Bauers. Mir gefällt auch der Bio-Wein „Landlust“, da ist ein Fahrrad auf dem Etikett. Und natürlich „Bla Bla Bla“, ein mallorquinischer Wein. Der ist locker, fluffig und der Name ist Programm. Ich mag es einfach ein bisschen ausgefallener.

Hast du bei der Weinauswahl nach Etikett immer Glück? Oder wurdest du auch schon enttäuscht und das Etikett war nur schöner Schein und wollte vom Inhalt der Flasche ablenken?
Tina Achtermeier:  Ich weiß ja, was ich nicht mag. Also Chardonnay würde ich nicht kaufen und auch nichts Liebliches. Und auch nichts Halbtrockenes. Also ich achte schon darauf, dass ich meinen Geschmack treffe. Und das in Verbindung mit einem schönen Etikett – da wurde ich noch nie enttäuscht.

Bei welchen Gelgenheten trinkst du gerne Wein?
Tina Achtermeier:  Wenn ich was zu feiern habe. Und wenn mir etwas besonders gut gelungen ist. Wenn ich einen neuen Auftrag bekommen habe, feiere ich das gerne mit einem schönen Weinchen. Zu einem guten Essen trinke ich gerne Wein und im Sommer beim Grillen. Ich trinke ausschließlich Weißwein.

Und ich muss hier mal zu meinem vergnügten Entsetzen sagen, dass du immer Wasser in den Wein schüttest…
Tina Achtermeier:  Genau. Das bringt ein bisschen Leichtigkeit. Ich schmecke aber durchaus den Unterschied. Ich mache auch gar nicht mehr ganz so viel Wasser rein…. Ich habe sehr spät angefangen, Wein zu trinken. Da war ich schon verheiratet. Vor ungefähr 10, 11 Jahren. Ich habe lange, lange Zeit gar keinen Alkohol getrunken. Das hat mir nicht geschmeckt und das gehörte nicht zu mir. Ich wollte immer nüchtern sein. Ich mag auch heute nur Wein, und am liebsten Weißweinschorle und manchmal Prosecco. Und du hattest mal einen Mosecco,

…einen Perlwein von der Mosel
Tina Achtermeier:
…der war toll.

Gab es damals für dich einen besonderen Grund, Wein zu entdecken?
Tina Achtermeier:  Willst du die echte Geschichte hören?

Natürlich!
Tina Achtermeier:  Ich wurde bei der Messe „Mode Heim Handwerk“ von so einem Weinfuzzi abgefüllt. Wenn du sonst nichts trinkst, bist du natürlich sofort betrunken. Und dann unterschreibst du irgendwas. Also in dem Fall eine Bestellung für Wein… Dann habe ich ausprobiert und bin über den Riesling später zum Grauburgunder gekommen.

Mit welchem Getränk habt ihr in der Silvesternacht angestoßen?
Tina Achtermeier:  Wir sind zum Jahreswechsel oft nicht zuhause. Diesmal sind wir in Kärnten in einem Urlaubs-Club. Und dort stoße ich mit dem an, was die Gastgeber reichen. Das ist meistens Sekt. Aber Champagner ist nicht meins, ich mag den Geschmack einfach  nicht. Was ich neu für mich entdeckt habe: einen Rosé-Prosecco.

Worauf hast du zum Jahreswechsel angestoßen?
Tina Achtermeier:   Auf die Gesundheit. Auf Glück und Zufriedenheit in der Familie. Auf unsere persönliche Weiterentwicklung. Dass sich jeder in meiner Familie und in meinem Umkreis so entwickeln kann, wie er möchte, wie er glücklich ist. Und ich stoße an auf Erfolg. Unbedingt Erfolg. Ich mag es, wenn Leute nach vorne gehen. Und das wünsche ich mir für 2018: Dass jeder glücklich nach vorne gehen kann.‘

P.S.: Ich mache mal ein Chardonney-Weinerlebnis mit Tina Achtermeier. 

 

Alles Bio, oder was?

Mein erster Newsletter – zum Thema Weinerlebnis mit Bio-Wein ist fertig! Voilà, hier ist er!

Essen sieht in diesem Jahr „Grün“. Passend dazu erwartet Sie ein ganz besonderes Weinerlebnis. Ausgewählten Bio-Wein können Sie am Freitag, 8. September 2017, auf dem Bauernhof am Mechtenberg in Essen-Kray gemeinsam mit mir probieren. Lassen Sie sich von 8 feinen Tropfen, unter anderem aus Deutschland, Italien und Griechenland, verzaubern. Ganz entspannt, in geselliger Runde.

Und: Exklusiv für Sie lese ich brandneue short-stories aus meiner Feder. Sie sind die Ersten, die die amüsanten Geschichten aus meiner Weinerlebniswelt hören werden!

Freuen Sie sich auf eine Auszeit vom Alltag. Bei der weinseligen Abenteuertour schenke ich Ihnen reinen Bio-Wein ein. Und wie immer: nicht bierernst.
Wie kommt „Bio“ in den Wein? Was hat es mit Sexfallen im Weinberg auf sich? Was unterscheidet den Öko-Winzer von seinem konventionell arbeitenden Kollegen? Und warum sind Bio-Weine oft teurer als andere? Auch auf diese Fragen können Sie mit Antworten rechnen.
Los geht es auf dem Bauernhof in Essen, Am Mechtenberg 5,  um 19 Uhr mit einem Aperitif auf der Terrasse, wo wir bei schönem Wetter auch bleiben. Sollte doch schon mal der Herbst an die Tür klopfen, ziehen wir um ins Café. Zu den Weinen gibt es leckere Dips und Kleinigkeiten aus der Bauernhof-Küche von Andrea Maas, Brot zum Neutralisieren, Wasser und für jeden Gast eine Weinliste.
Das Ganze wird abgerundet mit meinen Kurzgeschichten und weiteren heiteren und kurzweiligen literarischen Häppchen aus der großen, bunten Welt der Weine.
Die Teilnahme am Weinerlebnis mit Bio-Wein kostet 38,50 Euro pro Person. Die Reservierung und der Kauf von Karten (mit Vorkasse) ist bis zum 5. September im Bauerhof-Café am Mechtenberg möglich, Telefon: 0201/5587726, oder per E-Mail: info@bauer-budde.de. An der Abendkasse gibt es wenige Restkarten für 39,90 Euro.

Ich freue mich, wenn Sie dabei sind!

Bitte folgen Sie mir auf auf Facebook: https://www.facebook.com/weinbegleiter/

Der mit dem „Loch im Wasser“

Der Wein des Monats August passt perfekt zum Sommer: ein verführerischer Sauvignon blanc. Dafür zieht Pascal Hesse den Korken. Der umtriebige freie Journalist und Publizist aus Essen, der sich mehrfach bundesweit mit investigativen Recherchen für den Informer einen Namen gemacht hat, nimmt uns mit auf eine lange Reise: nach Neuseeland, ins Weinanbaugebiet Marlborough auf der Südinsel.

Weinbegleiter Ruhr: Hast du einen Lieblingswein? Wenn ja, welchen? Wie heißt er, woher stammt er?

Pascal Hesse: Ich habe zahlreiche Lieblingsweine, meinst jahreszeitenabhängig und einige bereits seit einigen Jahren. Mein ganz spezieller Liebling, er geht eigentlich immer, vor allem aber im Sommer auf dem Balkon oder der Terrasse, ist ein waschechter Neuseeländer. „Hole in the Water“ heißt mein Favorit. Er kommt aus der Region Marlborough und kostet rund zehn bis zwölf Euro die Flasche. Der Weißwein stammt vom Familienweingut Konrad. Dort produziert Winemaker Jeff Sinnott aus den ausgereiften Trauben einen duftigen Sauvignon Blanc, der vom Geschmack her ein wenig an Hugo erinnert – es schmeckt nach Holunder, ein durchaus prägender neuseeländischer Geschmack. Wer gerne Hugo trinkt, der wird diesen Wein lieben.

Wann und bei welcher Gelegenheit hast du diesen Wein für dich entdeckt?

Pascal Hesse: Entdeckt hat der Wein mich. Ich habe einmal ein paar Flaschen von Freunden geschenkt bekommen – und mich sprichwörtlich in den Neuseeländer verliebt. Besonders gut schmeckt er, wenn er sehr kühl serviert wird, dann kommt der Holundergeschmack besonders gut zur Geltung. Am Gaumen (so habe ich mir sagen lassen) erinnert der „Hole in the Water“ an Grapefruit und saftige tropische Früchte, der Abgang ist frisch und langanhaltend. Ich empfehle jedoch, nicht zu viel von diesem Wein zu trinken und nach dem zweiten Glas auf einen vollmundigeren Wein umzusteigen. Hier bietet sich Riesling meiner Meinung nach sehr gut an. Mit frischem Obst schmeckt der Weiße besonders gut.

Warum ist das dein Lieblingswein?

Pascal Hesse: Ganz einfach: Ich mag den Geschmack von Hugo. Und der „Hole in the Water“ ist ein leichter, geschmackvoller Wein. Außerdem tendiere ich eher zu Weinen aus Familienweingütern, zu Exotischem, und nicht zu „Wein von der Stange“.

Die Weinberge, es sind etwa 40 Hektar, befinden sich in Marlborough, im Waihopai Valley. Waihopai bedeutet in der Eingeborenen-Sprache der Maori „Loch im Wasser“. Sprich: Beim Namen für den „Hole in the Water“ hat man sich mit der Geschichte der Region beschäftigt und sie einfließen lassen. Das gefällt mir, ein Wein mit Charakter. Und davon hat der „Hole in the Water“ wirklich genug!

 Das Weingut Konrad Wines gehört der aus Deutschland ausgewanderten Familie Hengstler. Weitere Infos: www.konradwines.co.nz/

Hey, lass wachsen! Grüne Hauptstadt Essen mit Wein

Essen im Grüne-Hauptstadt-Rausch ohne Wein-Event? Da muss ein besonderes Weinerlebnis her. Und was passt besser, als ein Abend nur mit Bio-Weinen!

Diese reiche ich am Freitag, 8.September 2017, in Zusammenarbeit mit green Apes auf dem Bauernhof am Mechtenberg. Dazu später mehr.


Der Bio-Hype hat die Weinszene längst erreicht. Doch was ist dran an dem ganzen Zauber? Ganz nüchtern betrachtet, kommt es zunächst darauf an, ob der Winzer sein Handwerk und seine Kunst versteht. Egal, ob Bio oder nicht.

Doch worin bestehen die Unterschiede? Im Gegensatz zu seinen konventionell produzierenden Kollegen darf der Öko-Winzer beim Pflanzenschutz, bei der Schädlings-und Unkrautbekämpfung sowie bei der Düngung im Weinberg keine künstlich-industriell hergestellten Mittel verwenden. Auch der Ausbau des Weins im Keller ist seit 2012 in einer EU-Verordnung genau geregelt.

Greift der konventionelle Winzer bei Pilzkrankheiten wie Mehltau und Graufäule zum Fungizid, spritzt der Öko-Kollege mit Schwefel und Kupfer, deren Mengen streng limitiert sind. Auch Backpulverlösungen und Pflanzenextrakte wie zum Beispiel Brenesselsud  kommen zum Einsatz. Alle Schutzmittel darf er den Rebstöcken nur äußerlich zugute kommen lassen, damit nichts in den Boden sickert. Doch wer vermag das bei Regen verhindern?, fragen Kritiker. Und ist alles abgewaschen, muss in kurzen Abständen neu gespritzt werden.

Gute Stimmung am Mechtenberg.

Winzer leben für meine Begriffe per se mit der Natur im Einklang. Der ökologisch produzierende gibt noch etliche Schüppen drauf – Unkraut wird gemäht oder in Steillagen mit der Hacke entfernt, bei der Düngung kommen Kompost und Mist zum Einsatz, die in erster Linie den Boden kräftigen sollen. Und zwischen den Rebzeilen ist pralles Leben erwünscht. Da wird eine bunte Pflanzenwelt gesät, die nicht nur phantastisch aussieht. Dort tummeln sich Nützlinge, die Wurzeln des Grünzeugs in Bunt lockern den Boden auf, die Humusbildung geht munter voran. Der Öko-Weinbauer sagt sich: Hey, lass wachsen!

Bei der Schädlingsbekämpfung ist er ganz gewitzt und setzt gegen den fiesen Traubenwickler Sexfallen ein, von denen eine Variante wie ein Fliegenfänger funktioniert. Diese sind mit dem Lockstoff der Weibchen (Pheromon) präpariert, was den männlichen Falter ganz kirre macht. Er folgt dem Duft und bleibt in der Falle kleben. Zu diesem Mittel greifen inzwischen aber auch konventionell arbeitende Winzer.

Diese und viele weitere Themen werden beleuchtet beim Bio-Wein-Event am 8. September 2017, Am Mechtenberg 5, in Essen Kray. Und wie immer: nicht bierernst!
Los geht es um 19 Uhr mit einem Aperitif draußen auf der Terrasse, wo wir bei schönen Wetter auch bleiben. Sollte doch schon mal der Herbst an die Tür klopfen, ziehen wir um ins Café. In geselliger Runde probieren wir insgesamt acht Bio-Weine, unter anderem aus Deutschland, Italien und Griechenland. Alles andere wird noch nicht verraten. Dazu gibt es leckere Dips und Kleinigkeiten aus der Bauernhof-Küche, Brot zum Neutralisieren, Wasser und für jeden Gast eine Weinliste. Das Ganze wird abgerundet mit literarischen Häppchen aus der Welt der Weine. Exklusiv an diesem Abend lese ich short-stories aus meiner Feder, in denen ich über Amüsantes aus meiner Weinerlebniswelt berichte.

Die Teilnahme kostet 38,50 Euro pro Person. Die Reservierung und der Kauf von Karten (mit Vorkasse) ist bis zum 5. September im Bauerhof-Café möglich, Telefon: 0201/5587726, oder per E-Mail: info@bauer-budde.de. An der Abendkasse gibt es wenige Restkarten für 39,90 Euro.

Also, wir sehen uns am 8. September. Bis dahin: Alles Bio, oder was?!

 

 

Frau Jahnke zieht den Korken

„Ich hab‘ in diesen Tagen keine Zeit, mich mit Wein zu beschäftigen, außer: trinken!“ – beantwortet Gerburg Jahnke in arbeitsintensiven Zeiten im Februar 2017 meine Frage per Mail, ob sie in meinem Wein-Blog über ihren Lieblingswein schreibt. „Mit herzlichen Grüßen, und wenn Sie wollen, fragen Sie mich Anfang des Sommers nochmal“, lässt die wunderbare Kabarettistin und Regisseurin charmant die Tür offen. Und das war kein Geschwafel. Frau Jahnke zieht den (die) Korken für den „Wein des Monats“ Juli:

Weinbegleiter Ruhr: Haben Sie einen Lieblingswein? Wenn ja, welchen? Wie heißt er, woher stammt er?

Gerburg Jahnke: Ich trinke seit einiger Zeit, eigentlich schon den ganzen vergangenen Winter, Rotweine aus dem Burgenland in Österreich. Vom Weingut Lehrner. Die haben einen sehr guten Roten, aber auch einen wohlschmeckenden Chardonnay. Den ich eigentlich gar nicht mag, diesen aber dann doch. Also kann auch der Sommer kommen!

Wann und bei welcher Gelegenheit haben Sie diesen Wein für sich entdeckt?

Gerburg Jahnke: Darauf gekommen bin ich durch eine Auswahl an Weinen in einem 6er-Karton, den mir zwei junge Männer als Argument geschickt haben, zu ihrer Hochzeit ins Burgenland zu kommen. Ich kostete das Argument und kann seitdem nichts anderes mehr trinken. Das wird sich bestimmt auch wieder ändern, muss es aber nicht.
Meine Lieblings-Roten sind Dürrau und Paulus und bisweilen Steineiche.

(Anmerkung Weinbegleiter Ruhr: Frau Jahnke gibt sich offensichtlich nicht mit Knalltüten und Schissern im Glas ab: Hier trumpft kräftiger, satt beerenfruchtiger, im Barrique gereifter Blaufränkisch/Lemberger auf.)

Gerburg Jahnke: So. Alles erzählt. Herzlich, fraujahnke

P.S. Ich weinselige Nervensäge hake per Mail nach: „Zwei klitzekleine Fragen drängen sich mir auf. Warum hat Sie ausgerechnet dieser Chardonnay dann doch überzeugt? Und haben Sie im Burgenland mit Hochzeit gefeiert?“

Und wenn Frau Jahnke schreibt: „So. Alles erzählt“ – dann meint sie das auch so. Prösterchen!

Aktuelle Produktion: „Höchste Zeit, Ebertbad Oberhausen

Foto: Harald Hoffmann

 

Süße Versuchung mit Süßwein

Süßwein kommt beim „Wein des Monats“ im Juni endlich ganz groß raus. Zu verdanken habe ich das zu meinem großen Vergnügen Marita und Remo Bodo Tietz. Der Profi-Fotograf, mein  früherer NRZ-Kollege und inzwischen selbstständiger Unternehmer mit Bild my Dog, und seine Frau Marita befürworten ganz entschieden edelsüße Köstlichkeiten. Das Paar geht sehr bewusst mit Alkohol um, weil „wir viel mit dem Auto unterwegs sind, beruflich als auch privat. Und wir wissen die 0,0 Promille-Grenze zu würdigen“, sagt Marita. Aber wenn das Paar schwelgt…

Remo Bodo Tietz: …dann muss der Wein süß sein.

Marita Tietz: Nein, er muss uns schmecken.

Remo: Genau.

Marita: Wir sind also out off jedweder Mode, wir schwimmen, sehr wahrscheinlich auch bewusst, gegen den Trend. Weil wir sagen: Er muss uns schmecken, weil wir ihn ja für uns kaufen.

Weinbegleiter Ruhr: Gibt es einen Süßwein, den ihr besonders mögt?

Marita:  In dem Sinne nicht. Wir gehören zu den Menschen, die in Deutschland und angrenzenden Ländern Urlaub machen und dort immer mal wieder – interessanterweise als überwiegende Nichtalkoholiker – zu Weinbauern fahren. Um dort an Weinproben teilzunehmen, aber zielsicher halt lieblichen und süßen Wein zu kaufen.

Was schätzt ihr besonders an lieblichen und süßen Weinen?

Remo: Ich kann das gar nicht begründen, das hat noch nicht mal was mit dem Restzucker zu tun. Süße Weine schmecken viel fruchtiger als trockene, finde ich. Die haben ein größeres Bukett, viel mehr Aroma und sind vollmundig. Wenn ich einen trockenen Wein trinke, habe ich immer den Eindruck, meine Geschmacksnerven ziehen sich zusammen.

Als wenn du in eine Zitrone beißt?

Remo: Das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber so ähnlich. Ja.

Was muss einen Wein auszeichnen, damit ihr sagt: Toll!

Marita: Der muss spontan gut schmecken. Wir hatten letztens sehr leckeren Wein aus Schlingen gehabt, aus dem Breisgau. Waren dort in einer Winzergenossenschaft und haben uns mitten am Tag quer durch sämtliche liebliche Weine probiert.

Remo: Ich habe mich zurückgehalten, ich musste ja fahren.

Marita: Und haben dann 12 Flaschen mitgenommen, die unterschiedlichsten Sorten. Davon trinken wir heute noch. Also je nachdem, wo wir gerade sind, da kaufen wir.

Und dann wurde er geöffnet, der köstliche Eiswein aus Baden.

Ihr seid also neugierig und bereit, etwas Neues auszuprobieren?

Marita: Immer.

Remo: Und ich folge ganz oft auch Empfehlungen. Wenn ich bei einem Winzer oder in einem Laden höre ,Mit süßem Wein kann ich nicht  dienen‘, dann gehen wir auch. Ich muss keinen trockenen Wein probieren, das will ich nicht. Vielleicht nippe ich mal aus Höflichkeit, aber wir kommen da nicht ins Geschäft.

Steht ihr bei Weinproben als „Süße Fraktion“ allein da?

Remo: Ja. Wir nahmen zum Beispiel einmal an der Mosel an einer Weinprobe teil und haben uns dann getraut, den Winzer zu fragen, ob es denn auch ein paar süße Weine gibt. Daraufhin schmunzelte er und war total begeistert und sagte: ,Endlich mal jemand, der zugibt, dass er süße Weine mag‘. Er sagte, es sei so ein Trend, dass alle trockenen Wein trinken, weil es Mode ist und so erwartet wird.

Dabei, das ist auch meine Erfahrung,  mögen viele Menschen Weine mit einem gut eingebundenen Restzucker.

Remo: Genau. Und die trauen sich nicht, es zu sagen, weil es gegen den Strom ist.

Ist das ist der Grund?

Remo: Ich glaube ja. Wein wird immer mit einer gewissen Lebensart verbunden. Und die Lebensart wird den Leuten vermittelt. Durch Werbung und Mainstream. Immer trocken, trocken, trocken. Und wenn ich einen trockenen Wein trinke, dann schüttelt’s mich.

Wie reagieren andere Menschen auf euch Liebhaber von süßen Weinen?

Marita: Negativ (und lacht dabei)

Remo: Na ja, negativ….

Marita: Doch, doch. Ich war schon mal bei einer Weinprobe in Essen mit meiner Tennismannschaft und es wurde vorher abgefragt, welcher Wein gewünscht wird. Ich war die Einzige, die sich getraut hat zu sagen, lieblich, aber es wurde den ganzen Abend nur trocken gereicht. Und ich war die Einzige, die anschließend nüchtern aus einer Weinprobe gegangen ist. Alle haben gekauft, ich habe gelästert. Ich wurde belächelt, nach dem Motto: Wie kann man… Da sagte ich: Entschuldigung, ich glaube, über Geschmack lässt sich nicht streiten. Und ich stehe dazu. Und wenn ihr so ignorant seid und meine Meinung nicht toleriert, tut es mir leid. Aber es ist tatsächlich so: Man wird belächelt. Es ist verpönt.

Remo: Aber da stehen wir über den Dingen.

Marita: Man muss auch noch sagen: Dadurch, dass wir wenig Wein trinken, ist uns bewusst, dass die Arbeit eines Winzers handwerkliche Qualitätsleistung ist. Wir sind also bereit, für eine Flasche lieblichen Wein deutlich mehr zu bezahlen als jemand, der auf der Mainstream-Welle schwimmt.

Euer Genuss ist euch also etwas wert.

Marita: Richtig. Wir kaufen auch schon mal nur eine Flasche Süßwein oder zwei, die wir dann zu besonderen Anlässen – runder Geburtstag, Weihnachten kredenzen.

Remo: Aber grundsätzlich gibt es keinen Anlass, zu dem wir Süßwein trinken. Das sind eher spontane Entscheidungen

Was war bisher eure teuerste Flasche Wein?

Marita: Fast 20 Euro für 0,375 Liter. Aus Schlingen. Da hat Remo geschluckt und gesagt: Aber bitte nur eine.

Kommen wir zum Thema Rotwein….

Marita: … den lehnen wir kategorisch ab. Nutzen wir nur zum Kochen.

Warum?

Remo: Vielleicht ist das hiermit begründet: Ich habe mal als junger Erwachsener auf einer Fete Rotwein getrunken. Zuviel. Und hatte danach einen fürchterlich schweren Kopf. Und habe mir dann sagen lassen,  das hänge mir der Keltermethode zusammen. Aber letztendlich war es wohl die Menge, die nicht gestimmt hat…

Dann lieber ein köstliches Schlückchen Süßwein. Zum Wohl, liebe Marita, lieber Remo!