Das Herz schlägt für Silvaner

Silvaner und Franken – das ist ein Traumpaar. Auf dem Familienweingut Johannes Nickel in Nordheim wird es von seiner schönsten Seite in Flaschen abgefüllt. Anfang September war ich mit meiner Freundin dort und wir probierten auf dem Hof die Weine des Jahrgangs 2019. Im Freien ist das zum Glück wieder möglich. Einfach köstlich! Wir gerieten in einen famosen Kauf-Rausch.
Johannes Nickel und Familien bewirtschaften 4,5 Hektar Rebfläche, 80 Prozent weiße Rebsorten, 20 Prozent rote Rebsorten, „das ist der fränkische Schnitt“, sagt Karolin Schmitt, die Schwester des Winzers. „Silvaner und Müller-Thurgau sind unsere Hauptrebsorten.“
Johannes Nickel besann sich 2013 auf die Familientradition. Der gelernte Schreiner entschied sich für den Wein, machte die Rebflächen der Familie wieder urbar, absolvierte eine Ausbildung zum Winzer und zum staatlich geprüften Brenner. Schwester Karolin ist ausgebildete „Gästeführerin Weinerlebnis Franken“ und veranstaltet Weinbergs-Wanderungen, Verkostungen und vieles mehr. Normalerweise.

Ein Gespräch über das Besondere des Silvaners, Zwangspausen, Frühjahrs-Fröste im Weinberg und die Leidenschaft für den Wein.

Weinbegleiter Ruhr: Ich erlebe immer wieder, dass Weintrinker beim Silvaner sofort an „Spargelwein“ denken. Ich finde es schade, Silvaner auf ein Getränk zu einem saisonalen Gemüse zu reduzieren. Beschreiben Sie bitte einmal mit Ihren Worten das Besondere dieser Rebsorte.

Karolin Schmitt: Silvaner ist eine Rebsorte, die unheimlich vielseitig ist. Hier in Franken wächst sie bereits seit über 360 Jahren und ist optimal ans Klima angepasst. Ein Glückstreffer für Franken. Unser Portfolio zeigt, was der Silvaner alles kann: Wir haben den einfachen, schön fruchtbetonten trockenen Silvaner mit Apfel- und Birnen-Aromatik. Dann gibt’s bei uns den Silvaner im Bocksbeutel. Der ist kräftiger und bringt viel Mineralität mit. Die Trauben kommen von über 40 Jahre alten Rebstöcken aus dem besten Stück des Sommeracher Katzenkopfes. Und da merkt man die Kraft und Fülle, die der Silvaner hat. Er liegt ein Jahr lang auf der Feinhefe und kommt dann erst auf die Flasche.

Silvaner im Holzfass aus Kastanie

Die Krönung ist der Silvaner Tradition. Da wird das Beste vom Silvaner heraus gelesen und spontan mit den natureigenen Hefen der Trauben vergoren. Das erfordert Geduld, die hat dann eher der Johannes, ich nicht (lacht). Er sagt immer: ‚Karolin, das wird schon…“
Der Silvaner Tradition reift auf der Hefe im Holzfass aus Kastanie. Da zeigt die Rebsorte ihr ganzes Potenzial. Der Wein bringt Mineralität mit, Struktur und Frucht. Durch die Lagerung im Holzfass kommen Aromen hinzu, die an Vanille und Karamell erinnern.

Eingespieltes Team: Karolin Schmitt und Johannes Nickel.

Warum Kastanienholz? Und woher stammen die Fässer?
Karolin Schmitt:
Aus einem alteingesessenen Betrieb in der Region, Aßmann heißt er. Die Firma hat für Johannes extra ein 225-Liter-Fass aus Kastanienholz hergestellt, weil Johannes sehr gerne experimentiert. Eiche ist ja doch oftmals sehr rau und bringt viele Gerbstoffe, was mitunter zu viel sein kann für den Wein. Kastanie ist da wesentlich weicher und passt wunderbar zum Silvaner.

Welche Speisen empfehlen Sie zum Silvaner im Bocksbeutel?
Karolin Schmitt: Der passt zu einem kräftigen Gericht, zu einem Braten zum Beispiel. Er kann auch ideal einen kräftigen Fisch begleiten, also einen mit Eigengeschmack, der Substanz mitbringt, damit die Balance zum Wein hergestellt wird.
Also von wegen Spargelwein… Da würde ich eher unseren Silvaner aus der Schlegelflasche empfehlen. Der passt super, auch zu Gemüse-Gerichten.

2020 war und ist besonders und unvergleichlich anders als alle Jahre zuvor. Wie ist das Jahr bisher für Sie, Ihre Familien und das Weingut gelaufen?
Karolin Schmitt: Es fing prima an, wir haben den Wein gut auf die Flasche gebracht und sind sehr zufrieden mit dem Jahrgang 2019. Und dann kam Corona… Ostern sind normalerweise die ersten Gäste auf dem Hof und probieren den neuen Jahrgang. Aber wir mussten alle zuhause bleiben. Das war schwierig. Natürlich haben uns die Gäste wunderbar unterstützt. Es gab eine große Resonanz auf unseren online-shop. Die Leute riefen an, fragten, wie es uns geht und bestellten Wein, weil sie uns unterstützen wollten. Das war unglaublich positiv. Aber die Gäste fehlten uns einfach auf dem Hof. Und der Austausch: dass du dich über den Wein unterhältst, dass du zusammen ins Glas blickst, zusammen den Wein anschaust, probierst, philosophierst.

Und dann kam im Mai der Frost…
Karolin Schmitt:
Der hat uns ordentlich erwischt. Bis zu 60 Prozent Ernte-Ausfall. Und das ist natürlich heftig für so ein kleines Familienweingut. Ich würde fast sagen: Der Frost trifft uns deutlich härter als Corona. Ganz einfach: Wenn ich nichts habe zum Verkaufen, fallen die Einnahmen weg.  Und die Arbeit war ja das ganze Jahr über nicht weniger, eher mehr. Außerdem wurden die Rebstöcke in Mitleidenschaft gezogen. Der Rebschnitt im nächsten Jahr wird dadurch viel aufwändiger. Wir hoffen jetzt, dass das Holz gut ausreift. Denn das ist die Basis für den 2021er Jahrgang.
Ja, 2020…. Frost in diesen Dimensionen gab es noch nie. Auch die sehr guten Lagen sind erfroren.

Woran lag das?
Karolin Schmitt:
Die Wetterlage war eine ganz seltsame. Wir hatten minus 2 Grad, die Reben waren am 12. Mai schon sehr weit, mindestens im 5 Blatt-Stadium. Die Gescheine, so nennt man die Trauben in diesem Stadium, waren schon ausgebildet. Das Problem war, dass die kalte Luft von oben kam. Normalerweise versucht man mit Hubschraubern, die Luft zu verwirbeln. Also die kalte Luft vom Boden mit den wärmeren Luftschichten oben. Aber verwirbeln war nicht möglich, weil oben die kalte Luft war. Man hätte sie nach unten gedrückt. Das war ein Problem.
Die unteren Lagen waren im Nebel. Durch den Schutz des Nebels hielten sie diesmal gut durch. Aber oben das Plateau hat es richtig heftig erwischt.
Außerdem hatten wir am nächsten Tag einen strahlend blauen Himmel. Die Sonne schien auf die gefrorenen Triebe, die sofort geplatzt sind.

Und dennoch, wann immer ich mit Ihnen oder Ihrem Bruder Kontakt hatte in diesem Jahr, ob am Telefon oder per Mail: Sie strahlen gute Laune und Optimismus aus. Woraus resultiert das?
Karolin Schmitt:
Das ist wirklich Demut vor der Natur. Man kann einfach nichts machen, muss es als gottgegeben hinnehmen.
Und unsere Arbeit macht uns unheimlich Spaß. Das ist das, was uns prägt, wofür unser Herz schlägt. Und daraus schöpfen wir Kraft.

Fotos: Familienweingut Johannes Nickel (2), Susanne Storck (2)

Winzer Heiner Sauer: Zuhause in der Pfalz und in Spanien

Heiner Sauer ist ein bekannter Winzer, der schon 1987 auf ökologischen Weinbau umgestellt hat. Ein Pionier in seiner Branche. Er betreibt ein Weingut in Böchingen in der Pfalz. Doch damit nicht genug. Der Mann, der südländische Weine liebt, hat in in Spanien ein weiteres Weingut: Die „Bodegas Palmera“ im Anbaugebiet Utiel-Requena. Auch der Rosado, den er dort herstellt, ist bei meinen Kunden sehr beliebt. Ein Gespräch mit dem Winzer über die Weinlese 2018 – mit südländischer Hitze in Deutschland und ungewöhnlich viel Regen in Spanien.

Weinbegleiter Ruhr: Weinlese 2018 in Deutschland und Spanien- welches Fazit ziehen Sie als Winzer?
Heiner Sauer: Die klimatischen Verhältnisse waren auf den Kopf gestellt. Wir hatten ja in Deutschland einen spektakulären Sommer mit sehr viel Sonne und Trockenheit. Und in Spanien war es genau umgekehrt. Da fielen die meisten Niederschläge seit 20 Jahren und es war ein kühles Jahr.

Wann begann die Ernte in der Pfalz?
Heiner Sauer: Spektakulär früh am 25. August.

Und in Spanien?
Heiner Sauer: Am 21. September, also fast 4 Wochen später. Da waren wir in Deutschland fast fertig.
Das Besondere für mich, was sich 2018 bewährt hat, ist unser langjähriger ökologischer Weinbau in Deutschland.  Wir haben nach 30 Jahren wirklich gute Böden. Sie haben einen hohen Humusgehalt. Und Humus sorgt im Boden für eine gute Wasserkapazität. Bei einer langen Trockenheit ist das entscheidend. Unsere Reben haben die Trockenheit nicht nur gut überstanden, sondern waren auch in der Lage, am Ende die Trauben zu einer guten Reife mit gleichzeitig guter Säure zu führen. Natürlich haben wir auch moderate Erträge, wir überfordern unsere Reben nicht. Das spielt alles mit eine Rolle.
Die Menschen bestätigen uns das und sind erstaunt, dass unsere 18er alle so lebendig sind mit einer wirklich guten Säurestruktur.

Wie hat sich der untypische Sommer in Spanien auf die Weine ausgewirkt?
Heiner Sauer: In Spanien ist zunächst ein kühler Sommer eher positiv zu sehen. Wie gesagt, es war kühl, hat viel geregnet, was eine Freude war. Weil Wasser in Spanien Mangelware ist. Es war aber auch nicht zu feucht. Also wir hatten keine Probleme mit Pilzkrankheiten. Es war zum Glück auch nicht so, dass die Trauben nicht reif wurden. Wir hatten einfach eine spätere Reife. Was zu einer sehr guten Aroma-Ausprägung geführt hat und zu etwas schlankeren Weinen. Das hatten wir uns auch vorgenommen:  Wir wollen schon kraftvolle Weine, aber etwas weniger Alkohol.

Der Bobal y Tempranillo 2016 zum Beispiel hat ja 15 Volumenprozent Alkohol…
Heiner Sauer: Genau. Und die Herausforderung für uns ist: Wir wollen Weine mit viel Kraft und Fülle, die dann eher bei 13,5 Volumenprozent sind. Und das ist uns dieses Jahr gelungen.

Seit wann besitzen Sie das Weingut in Spanien?
Heiner Sauer: Seit 1998.

Südländische, kraftvolle Weine

Was hat Sie damals nach Spanien gezogen?
Heiner Sauer: Wenn ich kurz ausholen darf: 1987 haben wir mit unserem Weingut in Deutschland begonnen, das hat sich sehr schnell und sehr gut entwickelt. Und dann sagt man sich: Machen wir jetzt so weiter oder probieren wir etwas Neues aus. Und meine Frau und ich sind große Liebhaber von südländisch geprägten  kraftvollen Weinen. Und dann war’s im Urlaub, dass wir sagten: Es wäre doch toll, solche Weine selbst zu machen – mit Sonne satt! Das war dann zunächst eine fixe Idee. Wir haben das aber vertieft, mit Freunden darüber gesprochen, und dann sind wir Schritt für Schritt diesem Ziel näher gekommen. Und haben die Idee umgesetzt.

Bei meinen Weinproben erlebe ich, dass die meisten Menschen die Rebsorte Bobal nicht kennen. Was ist für Sie das Spannende und Schöne an dieser Rebsorte?
Heiner Sauer: Sie ist eine eigentümliche Rebsorte, zunächst.  Und sie hat eine ganz eigene Charakteristik. Also der Bobal y Tempranillo ist ein südländischer Wein, aber wenn man mal genauer probiert, dann hat er auch was Frisches, ein bissel was Grünes. Rückblickend sage ich heute: Wir haben gut 15 Jahre gebraucht, bis wir den Wein so hatten, wie er jetzt ist. Da waren diese Weine sehr eckig und hatten robuste Tannine . Und jetzt sind wir an dem Punkt: Das ist ein toller Wein mit viel Kraft und gerundeten Tanninen. Und für eine Winzer ist es ja immer eine Herausforderung, aus einer schwierigen Sorte so etwas Gutes zu machen.

Ein Hang zum Verlieben

 

Wunderschön: Blick vom Roten Hang auf den Rhein.

Orbel, Oelberg, Hipping – aus den Weinbergs-Lagen vom Roten Hang zaubert Lisa Bunn wunderbare Rieslinge. Für mich zählen sie zu den besten, die Deutschland zu bieten hat. Winzerin Lisa Bunn und ihr Mann Bastian haben von Nierstein am Rhein aus die Weinwelt erobert. Kurz vor der Messe „Pro Wein“, die am Sonntag in Düsseldorf beginnt, ein kleiner Rückblick auf das Jahr 2017 nebst Liebeserklärung an den Roten Hang.

Weinbegleiter Ruhr: Ihr seid bei der Pro Wein 2018 wieder mit einem Stand im Rheinhessen-Pavillon vertreten. Was erwartet Besucher?
Lisa Bunn: Unser Schwerpunkt sind Rieslinge. Dabei haben wir eine große Bandbreite von einerseits sehr warmen Lagen aus Nierstein vom Roten Hang. Das sind sehr mineralische Rieslinge, die auf sehr kargen Böden gewachsen sind und dadurch mit einer sehr konzentrierten Frucht aufwarten. Dann haben wir andererseits das komplette Gegenteil mit den Lagen meines Mannes in Wintersheim mit eher fruchtbaren Löss-Lehm-Böden. Wo man dann einfach sieht, was Riesling auch sein kann: Also ’ne Fruchtbombe mit Pfirsich, Maracuja.

Kurz ein Rückblick auf das turbulente Winzer-Jahr 2017. Wie habt ihr es erlebt?
Lisa Bunn: Das war so ein verrücktes Jahr. Wir haben angefangen im Januar mit wochenlangen Minustemperaturen, wo wir froh waren, dass dennoch alles sehr, sehr ruhig verlaufen ist. Dann wurde es relativ früh warm und es folgte ein früher Austrieb.

Dann kam im April der Frost…
Lisa Bunn: Genau. Die Spätfröste mit Ertragseinbußen.

Wie ging es weiter?
Darauf folgte ’ne ziemlich lange, sehr trockene Periode. Was zur Folge hatte, dass die Fruchtansätze sehr klein waren. Die Rebe merkt, sie hat eine geringe Wasserversorgung, also hält sie auch ihre Leistung zurück. Und dann kam der Sommer 2017, es war pitsch-patsch nass, es hat geregnet ohne Ende. Da hätte sie also doch mehr Leistung bringen können – hätte sie das gewusst, die arme Rebe…
Dann hatten wir das Glück, dass ab Anfang September die Sonne raus kam. Und für alle, die Geduld hatten und nicht direkt Anfang September alles weggelesen hatten, kamen drei Wochen Sonne mit warmen Temperaturen, die einfach dafür sorgten, dass wir nochmal einen Tick mehr an Reife bekamen.
Und: Wir haben nicht so ein Jahr, in dem jetzt der Alkohol unglaublich hoch ist und die Säure unheimlich niedrig. Sondern es ist so ein typisches, eher traditionell deutsches Jahr, wo man Weine hat mit einem moderaten Alkohol, mit einer knackigen Säure.

Und privat ging es auch rund mit der Geburt eures Sohnes Theo.
Lisa Bunn
: Wir hatten unsere erste Füllung für das Jahr angesetzt. Wir haben eigentlich gedacht, wir füllen vorher ab und haben halt genug Zeit, um uns auf die Geburt und Alles vorzubereiten. Und dann: Theo ist drei Wochen zu früh gekommen Und am selben Tag, 26.1., haben wir bei uns 26 000 Flaschen Wein abgefüllt.

Begannen die Wehen bei der Abfüllung?
Lisa Bunn: Nee, nee, in der Füllvorbereitung. Also wir haben am Tag vorher noch Schwefel eingestellt, geprüft, ob genug Flaschen und Verschlüsse da und die Tanks in Ordnung sind. Da merkte ich dann: Es kündigt sich was an. Ich habe die ganze Nacht gehofft: Vielleicht hört das wieder auf oder es ist nur ein ‚Hallo, ich bin bald da!‘ Aber es war dann ein: ‚Hallo, ich will raus!‘

Wie hat sich für dich als Winzerin das Leben verändert mit einem Kind?
Lisa Bunn: Völlig. Ich habe das Glück, dass meine Mutter und meine Schwiegermutter beide sehr engagiert sind und auch den Theo einfach genommen haben in Stoßzeiten wie Herbst oder in der Füllvorbereitung. Immer wenn’s brennt, habe ich jemanden, der nach ihm gucken kann.
Und: Die ganzen Arbeitsabläufe sind jetzt so, dass wir schon vorausschauend vorgehen. Also, bisher haben wir gepflanzt und geplant, weil es in unser Sortiment passt. Aber eigentlich pflanzt man einen Weinberg, um schon für die nächste Generation zu planen. Denn der Weinberg steht ja 30 Jahre. Und jetzt denken wir: Hmm, kann der Theo mal was mit Sauvignon Blanc anfangen?  Oder ist er eher der Riesling-Typ? Wir wollen ihm ja auch nicht irgendwas aufzwingen, aber es muss ja so funktionieren, dass es später auch Sinn macht.

Lisa Bunn: Roter Hang ist Heimat

Der Rote Hang ist eine der besten Lagen in Deutschland, ihr habt dort Weinberge. Was ist für dich das Besondere am Roten Hang?
Lisa Bunn: Für mich ist der Rote Hang Heimat. Und Herkunft unserer besten Rieslinge.
Das ist auch unsere Visitenkarte. Es gibt in Rheinhessen natürlich unheimlich viele Winzer, die tolle Weine machen. Gerade in unserer Generation der Winzer. Ich weiß: Überall sind die Ansprüche hoch an sich selbst, einen tollen Wein zu machen.
Aber es ist halt einfach nochmal ein Unterschied, wo die Trauben wachsen, wie der Boden beschaffen ist, wie die Ausrichtung ist. Hier am Roten Hang haben wir einfach eine einzigartige Situation, die in jedem Jahr schmeckbar ist. Und die sich grundsätzlich vom restlichen Rheinhessen unterscheidet. Es macht uns stolz, dass wir das so direkt erleben können. Dass man dieses Geschmackserlebnis wirklich so eindeutig hat.

Was genau ist dieses Eindeutige?
Lisa Bunn:  Die Rieslinge vom Roten Hang sind sehr viel mineralischer als andere. Wir haben so eine gewisse Salzigkeit mit drin, eine Würze. Wenn  man riecht, hat man beim Standard-Riesling sehr viel Frucht Pfirsich, Aprikose, ein bisschen Apfel und Birne. Aber bei den Rieslingen vom Roten Hang geht es um ein ganz anderes Aromen-Spektrum. Da hat man eher was Würziges, manchmal kommt Lavendel raus, manchmal kommen kräutrige Noten hinzu, manchmal fast etwas Rotbeeriges, ein bisschen wie Johannisbeere. Aber eher so, als würde man an den Blättern riechen. Also es ist anders, und das macht das Besondere aus.

Wein aus dem Beton-Ei

Wein im Beton-Ei vergären und reifen lassen? Ja, das gibt’s. Und ich, die in ihrem früherer Leben mal den Beruf der Betonbauerin erlernt hat, will es endlich mal genau wissen. Wie funktioniert Weinproduktion im Beton-Ei und was macht die Tropfen dann besonders? Darüber konnte ich mit Nicole Roth vom Weingut Roth sprechen. Das VDP-Weingut ist in Wiesenbronn im unterfränkischen Landkreis Kitzingen zuhause. Und dort stehen zwei fränkische Beton-Eier.

Weinbegleiter Ruhr: Seit wann bauen Sie Wein im Beton-Ei aus?

Nicole Roth: Der erste Jahrgang war 2012.  Das Thema war für uns schon immer recht spannend: Das Ei als Raum für den Wein, von der Form her und auch in Kombination mit dem Beton. Und es sind auch die einzigen fränkischen Beton-Eier, die es gibt. Das sind auch zwei Prototypen, die für uns speziell so gemacht wurden. Da stammt alles, was im Beton ist, aus Franken.

Wie groß ist so ein Beton-Ei?

Nicole Roth: Es passen ca. 950 Liter rein, es wiegt 1,8 Tonnen und ist ca. 2,20 Meter hoch.

Warum bauen Sie Wein im Beton aus?

Nicole Roth: Es war die Neugier. Wir sind ein Weingut, das schon seit 1974 ökologisch wirtschaftet. Und auf dem Markt hat damals noch niemand nach ‚Öko‘ geschrien. Wir haben das nicht gemacht, um eine Vermarktungsstrategie zu verfolgen, sondern aus Überzeugung. Wie wir überhaupt im Laufe der Zeit viele Wein-Stilistiken ausprobiert haben. Wir zählten in Franken beispielsweise zu den Ersten, die Weine im Barrique ausbauten. Da reizt einen so ein neues Thema. 2012 war auch der erste Jahrgang, den ich im Weingut mit verantwortet habe, und um so spannender fand ich es, gleichzeitig den Ausbau im Beton-Ei auszuprobieren.

Ich traf Nicole Roth (r.) bei der diesjährigen ProWein in Düsseldorf.

Was ist das Besondere am Beton-Ei?

Da gibt es verschiedene Dinge, die anders sind als im Holz oder im Edelstahltank. Zum einen ist Beton ein poröses Material, wir haben, wenn auch nicht so stark wie beim Holz, einen Sauerstoffaustausch,der durch den Beton stattfindet. Und zum anderen ist die Form entscheidend: Das Ei hat den goldenen Schnitt. Es heißt: Durch das Ei ist die optimale Energieform gegeben, weil die Oberfläche im Verhältnis zum Durchmesser im optimalen Verhältnis steht. Diese Form des Eis ist zuträglich für die Energie im Wein. Das klingt natürlich ein bisschen esoterisch und das wird auch niemand nachweisen können. Aber: Vielleicht hat es ja tatsächlich einen positiven Einfluss…

Was auf jeden Fall messbar ist: Im Ei verläuft die Bewegung der Teilchen, vor allem während der Gärung, ähnlich wie beim Golfstrom-Prinzip. In der Mitte steigen die Hefeteilchen mit der Kohlensäure während der Gärung auf und sinken dann in der ovalen Ei-Form wieder an der Seite ab.

Es gibt also eine ständige natürliche Bewegung.

Nicole Roth: Genau. Und ohne, dass man noch mal mechanisch vorgehen und aufrühren müsste. Die Hefeteilchen sind während des gesamten Prozesses in der Schwebe und haben dadurch mehr Einfluss auf den Wein. Durch den Beton hat das Ei im Inneren eine sehr rauhe Oberfläche und dadurch klärt sich der Wein von selbst. Die Weine werden also auch unfiltriert abgefüllt. Sie kommen zur Gärung ins Ei rein, bleiben bis zum Ende auf der Vollhefe und werden unfiltriert abgezogen.

Wird spontan vergoren?

Ja. Bei uns ist Spontangärung sowieso usus. Damit hatten wir noch nie Probleme. Das liegt bestimmt auch mit daran, dass die Trauben sehr intakt sind, wenn sie nach der Ernte reinkommen. Die kommen aus dem ökologischen Anbau rein und dann sind die Hefen einfach noch intakt und aktiv.

Wie hoch ist der Anteil der Produktion im Betonei?

Gering. Die beiden Eier, das sind jährlich 2000 Liter von insgesamt rund 120 000 Litern Wein.

Ich habe Ihren Q.E.D., den gemischten Satz probiert, man hat lange etwas davon.

Genau. Für mich haben die Weine aus dem Betonei ein Schwänzla, wie wir in Franken sagen. Die haben nach hinten raus so eine ganz spezielle Note, die sie nur im Ei bekommen. Das ist eine Mineralik, die da rausgekitzelt wird, die man durch einen anderen Ausbau nicht bekommt.

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass die Weine nach Beton schmecken. Untersuchungen belegen, dass nichts aus dem Beton an den Wein abgegeben wird. Keinerlei Schwermetalle, kein Magnesium, Kalzium usw., es findet keine Anreicherung im Wein durch den Beton statt.
Auszuschließen, dass der Beton alkalisch wird, macht man vorher. Vor jeder Belegung wird das Ei mehrmals mit einer Weinsäurepaste ausgestrichen und dann über 4 Wochen mit einem sauren Wasser befüllt. Und dann wird regelmäßig der ph-Wert gemessen. Wenn sich der Wert nicht mehr ändert und konstant bleibt, weiß ich, das Ei ist neutralisiert und kann genutzt werden.

Nutzen viele Winzer das Beton-Ei?

Nein. Das ist immer noch eher die Ausnahme.

Gibt es auch welche, die das ziemlich verrückt finden?

Hardliner und konservative Winzer wird es immer geben. Aber seitdem es Orange Wine gibt und in Amphoren vergärt wird, gelten auch wir nicht mehr als Spinner.

 

Weinlese an der Mosel – ein Winzer berichtet

Alles ganz anders in der Weinlese 2016. Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, wie Winzermeister Peter Göbel  http://www.weingut-Goebel.de bisher den Herbst an der Mosel http://www.mosel.de/startseite erlebt hat. In dem schönen Ort Ediger-Eller, rund 20 Kilometer von Cochem entfernt, betreibt er ein Weingut mit 3 Hektar Rebfläche. Bei ihm begann die Weinlese bereits um den 20. September herum. In der kommenden Woche geht sie in seinen Weinbergen zu Ende. Und seine Erträge sind gering. Weinbegleiter Ruhr im Gespräch mit Peter Göbel:

Weinbegleiter Ruhr: Wie groß sind die Verluste?
Peter Göbel: Ich habe durchschnittlich nur ein Drittel der Ernte, die maximal möglich wäre.

Was bedeutet das in Zahlen ausgedrückt?
Ich habe 3 Hektar Weinberge, also 30.000 Quadratmeter. Ich darf 35.000 Liter Wein erzeugen, das ist im Weingesetz für unsere Region so festgelegt. Weil wir Qualität anstreben und Selbstvermarkter sind, beschränke ich mich von vornherein auf 25.000 Liter. Aber schon in den vergangenen zwei Jahren haben wir keine 20.000 Liter erreicht. Und in diesem Jahr ist es ganz schlimm, da liegen wir bei nur 12.000 Litern.

Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Weinlese: Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Was sind die Ursachen dafür?
Zum einen die Wetterkapriolen im Juli mit extrem hohen Niederschlägen und Wärme, das war fast tropisch. Dadurch breitete sich die Pilzkrankheit Peronospora stark aus, die viele Trauben zerstörte. So entstand die eine Hälfte des Schadens. Die andere Hälfte Verlust geht auf den sehr trockenen August und September zurück. Durch extrem hohe UV-Belastung mit Temperaturen bis 37 Grad wurden viele Trauben zerstört. Trockenheit sind wir ja gewohnt, aber es kam gar kein Regen. Die Riesling-Trauben sind sehr klein.

In anderen Weinbergen bzw. Regionen an der Mosel ist es nicht so? Warum?
Gegen Pilzkrankheiten werden Fungizide gespritzt. In den Steillagen mit Hubschrauber, in den Flachlagen machen das die Winzer mit Schmalspurschlepper selbst. Normalerweise wird alle 12 Tage gespritzt, in diesem Jahr haben nicht mal alle 6 bis 8 Tage gereicht. Wir hätten alle 5 Tage spritzen gehen müssen. Die Menge der eingesetzten Spritzmittel ist festgelegt und der erlaubte Rahmen hätte ausgereicht, wenn wir die richtigen, genauen Tage erwischt hätten.

Wie wirkt sich diese Weinlese aufs Geschäft aus?
Wir leben ja nicht von einem Jahrgang allein, sondern von den letzten 2 Jahrgängen, die waren aber auch geringer. Es wird sehr knapp werden, ich muss Trauben dazu kaufen von Kollegen. Aber die Kundschaft muss sich nicht sorgen.

Wird es spürbare Preiserhöhungen geben?
Das würde ich gerne machen. Ich werde die Preise moderat um 5 Prozent anpassen. Was die Situation entschärft: Moselbetriebe vermieten traditionell Ferienhäuser und Gästezimmer an Touristen. Unser Gästehaus ist beliebt und sehr gut ausgelastet. Das hat uns gerettet.

Vergeht Ihnen als Winzer in einer solchen Situation der Spaß am Beruf?
Nein, auf keinen Fall. Das ist zwar tragisch, aber wir leben ja mit der Natur, wir kennen solche Einschläge. Natürlich nicht in dieser Dimension.

http://weingut-goebel.de/

Zum Wohl! Santé!

Deutschland – Frankreich oder Mosel – Provence, zum „Alles-Oder-Nichts“- Halbfinale bei der Fußball-EM empfiehlt Weinbegleiter Ruhr wieder einen hiesigen Wein. Für Frankreich kommt die Weinzeche in Essen-Kray auf den Platz.
Beim Heimspiel geht es noch einmal an die Mosel. Weil es dort so schön ist. Und weil dort, in Lieser bei Bernkastel-Kues, das Bio-Weingut Sybille Kuntz liegt. Sie baut ausschließlich Riesling-Weine aus, so auch den 2013er Qualitätswein trocken, eine Cuvée aus vier Weinbergslagen. Der qualitativ hochwertige Einstiegswein des Weinguts (12,5 % Vol. Alkohol) wurde im Edelstahltank ausgebaut und lag bis zum Frühjahr nach der Ernte auf der Feinhefe. Er verwöhnt die Nase mit Aromen, die an Zitrusfrüchte und reifes Steinobst erinnern. Und unverkennbar ist die rauchig-mineralische Note, die nach dem Einschenken  – wow! – sofort präsent ist. Die wunderbar cremig-füllige Textur, die der Säure überhaupt nicht den Rang abläuft,  ist eine schöne Überraschung. Mit diesem Riesling lässt sich’s herrlich schwelgen. Und er macht Lust auf die Prädikatsweine aus dem Hause Kuntz.

Sybille Kuntz bei der Arbeit im Weinberg.

Sybille Kuntz bei der Arbeit im Weinberg.

Unverwechselbarer Wein

Sybille Kuntz betreibt das Weingut mit ihrem Ehemann Markus Kuntz-Riedlin. Sie sagt: „Gemeinsam verfeinerten wir den ganz eigenen Weinstil der Sybille Kuntz Mosel-Rieslinge weiter und versuchten, ihn unverwechselbar und anders als die anderen werden zu lassen. Eben etwas amerikanisch ungezwungen.“
Und nicht nur die Amerikaner lieben ihre Weine. Von namhaften Weinkritikern wie Hugh Johnson und Jancis Robinson hochgelobt und auf den Weinkarten internationaler Spitzenrestaurants präsent, verkauft Sybille Kuntz ihren Wein inzwischen zum größten Teil ins Ausland. Aber natürlich auch in Deutschland.
Von Lieser an der Mosel in die Welt.

Reise in den Süden mit Wein

Werden die französischen Kicker heute Abend rosige Zeiten erleben? Oh là là, diese (natürlich rein rhetorische) Frage steht hier überhaupt nicht zur Debatte. Bei der Wein-Empfehlung  gibt es aber höchst Erfreuliches zu berichten. Claus Hildebrandt von der Weinzeche in Essen-Kray stellt dafür freundlicherweise ein paar Rosés zur Auswahl bereit. So auch den 2015er Hecht & Bannier Rosé Coteaux d‘ Aix-en-Provence, eine Cuvée aus den Rebsorten Cinsault und Grenache (13 % Vol. Alkohol). In der Farbe eher hellrosa verhalten, bereitet er Spaß mit einem Aromenkorb voll reifer roter Sommerfrüchte, die an Kirschen und Beeren erinnern, sowie mit zarten Zitrusnoten. Schöne Frucht, mineralischen Note und angenehme Säure, die den Gaumen umspielt, schüren die Sehnsucht nach einer Reise in den Süden.

Probieren in der Weinzeche.

Probieren in der Weinzeche.

Im Vergleich zum typischen Provence-Stil (sehr trocken, cremiges Mundgefühl, Aromen roter, aber auch exotischer Früchte wie Litschi und Melone, teils hochpreisig) seien die Rosés von  Hecht & Bannier  filigraner in ihrer Art und Weise, so Claus Hildebrandt.

Rosé-Weine immer beliebter

Die Weinzeche hat, so der Weinfachverkäufer, rund 45 Rosé-Weine im Programm, die meisten aus Frankreich und Spanien. Die Zeiten, in denen sie mit Bemerkungen wie „nicht Fisch, nicht Fleisch“ oder „Frauenwein“ belächelt wurden, sind längst vorbei. Spätestens seit dem Rekordsommer 2003, als Deutschland unter einer Hitzewelle stöhnte, begannen Verbraucher, den Rosé zunehmend zu schätzen. „Inzwischen verkaufen wir ihn das ganze Jahr über“, so Hildebrandt. Und er passt zum Beispiel perfekt zu sommerlichen Salaten, hellem Geflügel, Meeresfrüchten, ja sogar zu Gegrilltem, wenn im Glas herzhafte, leichte Bittertöne ins Spiel kommen.

Mal schauen, welche Mannschaft am Ende ihren Sieg in den rosigsten Farben bejubeln wird….

 

Fotos: Weingut Sybille Kuntz, Susanne Storck

Zum Wohl! Salute!

Kurz vor dem Fußball-EM-Viertelfinale Deutschland gegen Italien bringt Weinbegleiter Ruhr Bioweine ins Spiel – und damit auch  Margarete Eckhardt aus Mülheim an der Ruhr. Seit über 20 Jahren vertreibt die Weinhändlerin http://www.dasweinlager.com ausschließlich ausgewählte Bioweine aus europäischen Ländern. Bio heißt, dass im Weinberg „keine synthetischen Dünger oder Spritzmittel und keine Unkrautvernichtungsmittel oder gentechnisch manipulierten Enzyme eingesetzt werden“, so die Fachfrau. Die Winzer arbeiten tatsächlich im Einklang mit der Natur. In einer EU-Verordnung ist seit 2012 der Ausbau im Keller genau geregelt.

Weinhändlerin Margarete Eckhardt ist auf Bioweine spezialisiert.

Laut Deutschem Weininstitut (DWI) http://www.deutscheweine.de haben sich die Anbauflächen im Öko-Weinbau in Deutschland in den letzten zehn Jahren mehr als verdreifacht. „Schätzungsweise 8000 Hektar Weinberge werden mittlerweile ökologisch bewirtschaftet, das entspricht einem Anteil von rund 8 Prozent der Gesamtrebfläche“, so das DWI.

Bioweine aus der Pfalz

Weinbegleiter Ruhr übergibt die die Spielführung bei der Wein-Empfehlung zum Viertelfinale an Margarete Eckhardt. Sie hat einen 2015er Grauburgunder ausgewählt, einen Gutswein des Winzers Heiner Sauer. Er betreibt ein Weingut in der Pfalz http://www.weingut-sauer.com und gründete 1998 die Bodegas Palmera KG in Spanien. Der Grauburgunder zeichnet sich aus durch einen „weichen Duft mit Noten von Birnen und roten Weinbergpfirsichen, dazu würzig-nussige Töne mit einem Hauch Vanille“, so Margarete Eckhardt. „Im Mund ist er kräftig und dicht mit milder Säure. Er bleibt am Gaumen sehr lange präsent. Das ist ein kräftiger Grauburgunder mit milder Säure und angenehmer Frische.“ Zu diesem Tropfen könnte zum Beispiel Spargel mit Orangenhollandaise und Salzkartoffeln serviert werden.

Bioweine aus dem Piemont

In den Weinbergen von Renate Schütz darf sich die Natur ausbreiten.

In den Weinbergen von Renate Schütz darf sich die Natur ausbreiten.

Passend zum sportlichen Gegner empfiehlt die Weinhändlerin einen Barbera Piemonte DOC. Der Gutswein kommt aus dem nordwestitalienischen Piemont vom Weingut La Luna del Rospo https://www.delinat.com/rospo.html der Winzerin Renate Schütz, die aus Süddeutschland stammt. „Barbera ist eine typische Traube des Piemonts. Aus ihr lassen sich fruchtig, frische Weine für den Alltag, aber auch große Gewächse keltern. Beides erzeugt das kleine biologisch wirtschaftende Weingut La Luna del Rospo. Die Barbera Piemonte 2013, der Alltagswein des Weinguts mit sehr guter Qualität, ist ein fruchtiger, unkomplizierter Speisenbegleiter. Er duftet nach roten Früchten, vor allem Kirsche. Im Mund ist er weich und fruchtig, mit Struktur und Länge. Er passt klassisch zu Pizza, Pasta und Polenta, aber auch zur Brotzeit oder einfach so. Im Sommer kann er auch leicht gekühlt getrunken werden.“

Handel ist ein Knochenjob

Margarete Eckhardt wollte eigentlich nie Handel betreiben. „Meine ganze Familie ist im Handel beschäftigt. Das ist ein Knochenjob“. Sie erinnert sich genau: In ihrer Kindheit klingelte Heiligabend halb acht bei ihren Eltern ein Kunde, der noch unbedingt ein Geschenk brauchte… Aber bei Biowein änderte sie ihre Einstellung: „Das war und ist etwas, wofür man sich einsetzen sollte. Wie überhaupt für die Bio-Landwirtschaft. Damit können wir schädliche Einflüsse auf die Umwelt reduzieren. Denn was viele nicht bedenken: Dünger, Pestizide, alles was wir in die Erde bringen, geht letztendlich ins Grundwasser. Wir zerstören unsere Lebensgrundlage auf diese Art und Weise. Zwar nicht für uns, da wird es noch reichen, aber für die zukünftigen Generationen.“
Margarete Eckhardt sucht die Weingüter, mit denen sie ins Geschäft kommt, ganz gezielt aus. Qualität hat oberste Priorität. Und nur damit will sie Kunden überzeugen und zufriedenstellen. Nicht nur der Wein, auch diese Einstellung ist ein Genuss.

Fotos: Weingut Heiner Sauer, Margarete Eckhardt

Zum Wohl! Na zdravie!

Ein Gewürztraminer vom Kaiserstuhl und ein Sauvignon Blanc aus der Slowakei ziehen bei Weinbegleiter Ruhr ins bevorstehende Achtelfinale der Fußball-EM ein. Die 2015er Gewürztraminer Spätlese vom Weingut Kiefer ist einfach ein Traum im Glas. Winzer Martin Schmidt vom Kaiserstuhl in Baden entlockt der Bukett-Rebsorte deren schönste Seiten. Der Duft von Rosen und Orangen betört die Nase, ein üppiger Körper, viel Schmelz und Rafinesse verführen den Gaumen. Das ist, als ob man in eine kunterbunte Sommerblumenwiese mit Klatschmohn, Margeriten und Kornblumen fallen würde. Dieser Wein passt zum Beispiel zu cremigen und sahnigen Desserts und zu exotisch gewürzten Speisen.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Helen und Martin Schmidt betreiben das Weingut Kiefer.

Gärung gestoppt

Der Wein durchlief einen spannenden Reifeprozess. 80 Prozent wurden im Edelstahltank ausgebaut. In der Endphase probierte Martin Schmidt „jeden Tag so lange, bis es passte“, dann stoppte er die Gärung durch Kühlung. Dadurch können sich Genießer über einen lieblichen Tropfen mit 21,9 g/l Restzucker freuen. Die restlichen 20 Prozent gärten im Barrique durch, was dem „ganz modernen Gewürztraminer etwas Biss gibt“, sagt der Winzer.

Mediterranes Klima am Kaiserstuhl

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Familie Schmidt bewirtschaftet Weinberge am Kaiserstuhl.

Martin Schmidt und seine Frau Helen Schmidt sind seit 2008 Besitzer des Weingutes Kiefer in Eichstetten am Kaiserstuhl. Regelmäßig im Gault Millau, Eichelmann und Falstaff empfohlen und prämiert, zählen zu ihrem Angebot natürlich auch herrliche Burgunder-Weine. Dafür ist  Baden bekannt und berühmt. Mit über 1700 Sonnenstunden im Jahr ist das südlichste Anbaugebiet Deutschlands auch das einzige, das zur wärmeren EU-Weinbauzone B zählt. Speziell der Kaiserstuhl ist ein wunderschöner Landstrich zwischen Schwarzwald und Vogesen. Im Sommer herrscht fast mediterranes Klima. Hier sind seltene Tierarten wie die Gottesanbeterin und Smaragdeidechse zuhause und es wachsen 30 Orchideenarten in der freien Natur. Hier lässt es sich anstoßen auf die Lebenslust.

Achtelfinale mit Sauvignon Blanc

Auch der sportliche Gegner Slowakei kann auf eine lange Weinbau-Tradition zurückblicken. Aber Sauvignon Blanc aus der Slowakei? Weinbegleiter Ruhr probierte einen Vertreter des Weingutes Winterberg. Es liegt in Skalica im Westen der Slowakei. Der 2014er Sauvignon ist klassisch trocken, leicht und hat eine recht knackige Säure, die beim ersten Schluck sehr präsent ist. Zunächst eher verhalten, entfalten sich später typische Aromen wie Zitrusfrüchte, Stachelbeere und Cassis. Das ist ein Wein, dem eine zweite Chance gut steht. Sauvignon Blanc ergibt mit Ziegenkäse eine besondere Kombination. Auch Fisch, Gemüse und Meeresfrüchte passen gut.

Elbsegler lieferten den Wein

Beim "Weinsegler" in Meißen.

Beim „Weinsegler“ in Meißen.

Michael Krüger ist der Lieferant dieses Weines. Er betreibt im sächsischen Meißen den „Weinsegler“, einen Weinhandel & Vertrieb, und ist auf Weine  aus Tschechien, der Slowakei, aus Slowenien und Ungarn spezialisiert. Diese Länder produzieren überwiegend Weißweine aus klassischen Rebsorten wie Müller-Thurgau, Weiß- und Grauburgunder.

Meißen

Die schöne Stadt Meißen ist eine Reise wert.

Einheimische Rebsorten tragen ungewöhnliche Namen wie Devin, Alibernet und Aurelius. Seit 2007 füllt Michael Krüger diese Marktlücke mit geographischer Nähe zu seinen bevorzugten Weinbau-Regionen aus. Der Geschäftsinhaber firmiert unter dem schönen Namen „Weinsegler“ , unter Anlehnung an die „Elbsegler“, erklärt Krüger. „Weine aus Böhmen wurden bis vor 200 Jahren mit dem Schiff auf der Elbe nach Meißen transportiert.“

Fotos: Weingut Kiefer, Weinsegler

Zum Wohl! Sheers! Mit Kartoffelschnaps…

Finale in der Vorrunde: Zum dritten Gruppenspiel der deutschen Fußball-Elf bei der EM empfiehlt Weinbegleiter Ruhr eine 2014er Scheurebe, feinherb, vom Weingut Sinß an der Nahe. Dieser Wein besticht durch eine herrlich exotische Frucht und eine Restsüße, die sich auf ein schönes Zusammenspiel mit der Säure einläßt. Und er ist ein Versprechen für all die warmen Sommertage, die nach dem Dauerregen hoffentlich noch kommen.

Scheurebe von der Nahe

Weinberge an der Nahe.

Weinberge an der Nahe.

Winzer Johannes Sinß mag die „mineralisch-feine Seite“ dieses Tropfens und seine „schöne saftige Süße“. Weinbegleiter Ruhr hatte das Vergnügen, das Weingut und seine Macher in Windesheim im Rahmen eines Sensorik-Seminars des Deutschen Weininstituts (DWI) kennenzulernen. Der Ort liegt im Weinanbaugebiet Nahe, das sich durch eine große Boden-Vielfalt auszeichnet. Über 180 Bodenarten soll es hier geben, oft wechseln sie innerhalb eines Weinbergs, sogar einer Lage mehrfach. Das ist einzigartig in Deutschland.

Ausdrucksstarke „Spontis“

Johannes Sinß, Absolvent der Weinbau-Hochschule Geisenheim, ist auf dem Weingut für die Kellerarbeit zuständig. Mit seinen Eltern arbeitet er Hand in Hand. Dort entstehen herrliche Rieslinge, weiße und rote Burgunder. Die Weine sind in Guts-, Orts- und Lagenweine gegliedert. Das Credo der Familie: „Weil wir bereits im Weinberg mit viel Handarbeit auf perfekte Trauben hinarbeiten, darf im Keller jeder Wein werden, wie er will.“ Das heißt: Johannes Sinß setzt auf Spontangärung mit natürlichen Hefen, die im Weinberg, an den Trauben und im Keller vorkommen. Zwei Drittel seiner Weine sind inzwischen „Spontis“. „Das ist eine Entwicklung, man lernt jedes Jahr dazu“ sagt der Winzer. Im Vergleich zur alkoholischen Gärung mit Reinzuchthefen findet er seine Weine „ausdrucksstärker und ehrlicher“. Und  zwar in dem Sinne, dass sie mehr über ihre Herkunft, die Lage, den Boden aussagen.
Die Sinß-Weine sind einfach spannend, und es macht großen Spaß, sie zu entdecken.

Kartoffelschnaps statt Wein

Nach diesem Heimspiel ist der Rest schnell erzählt. Nicht, weil der EM-Neuling Nordirland nicht gebührend gewürdigt werden soll. Aber: Klimawandel hin, Klimawandel her, in Nordirland gibt es einfach keinen Weinanbau. Das funktioniert dort nicht. Aber, wie eine gebürtige Nordirin zu berichten weiß: Neuerdings sei dort Kartoffelschnaps wieder offiziell zugelassen. Na dann: Cheers!

Zum Wohl! Na zdrowie!

Zum zweiten Vorrunden-Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Fußball-EM stellt Weinbegleiter Ruhr einen 2015er Riesling Alte Reben von der Mosel vor. Winzermeister Peter Göbel vom http://weingut-goebel.de aus Ediger-Eller ist damit ein Wein voller Überraschungen aus der Parade-Rebsorte der Mosel gelungen. Zeigt er sich schon im Glas in einem verheißungsvollen Goldgelb, besticht er in der Nase durch Aromen, die an reife gelbe Früchte wie Birnen und Pfirsiche erinnern. Am Gaumen hält er, was er verspricht – extraktreich, fruchtig, mit schönem Schmelz und einer gut gepufferten Säure. Mit jeder Minute werden die Aromen intensiver. Man möchte hineinkriechen ins Glas – mit der Nase. „Ist der noch trocken?“, fragt ein Freund beim Verkosten. Mit 9 g/l Restzucker und 7,2 g/l Säure gerade noch so.

Riesling aus „Alten Reben“

Die vollreifen Trauben für diesen Wein wurden erst Mitte Oktober im Ediger Elzhofberg gelesen. Das ist Steilstlage mit Terrassen und ohne Weganbindung. Und „Alte Reben“ bedeutet: In diesem Weinberg sind die wurzelechten Stöcke überwiegend 70 bis 80 Jahre alt. Sie belohnen den Knochenjob des Winzers mit einem zwar geringeren, aber alljährlich qualitativ hochwertigem Ertrag. Göbels zweite Steilstlage ist der Valwigger Herrenberg, wo übrigens auch Weinbegleiter Ruhr schon in der Lese, wie ein Hanghuhn stehend, geholfen hat.

„Da hat es klick gemacht“

Peter Göbel ist mit Leib und Seele Winzer in der ältesten Weinregion Deutschlands. Laut Deutschem Weininstitut (DWI) gibt es „nirgendwo auf der Welt mehr Steillagenweinberge“ als hier. „Viele Kollegen aus anderen Regionen würden mit uns nicht tauschen wollen“, sagt Peter Göbel lachend. „Aber niemand hat auch so viel Bindung wie wir hier“, meint der 48-Jährige.

Ediger-Eller im Riesling-Land.

Ediger-Eller an der Mosel.

1999 hat er das kleine Familienweingut seiner Eltern übernommen und bietet mit seiner Frau Jenny außerdem Ferienwohnungen an. An seinem Beruf gezweifelt hat er nie. Ein Schlüsselerlebnis war Mitte der 90er Jahre, erinnert er sich. Da lief er eines Tages allein durch den Calmont, mit über 65 Prozent Hangneigung der steilste Weinberg Europas. Er schaute auf die Mosel und ins weite Land. „Da hat es klick gemacht.“

Ein Ort mit „Stuhlgang“

Wer einmal in Ediger-Eller war, kommt gerne wieder. Der Ort zwischen Cochem und Zell besticht durch lauschige Gassen, wunderschön hergerichtete alte Fachwerkhäuser, gastronomische Gaumenfreuden und nicht zuletzt durch entspannte, lebenslustige Menschen. Gäste können sich davon ein Bild machen zum Beispiel in Glorys Kneipe oder beim alljährlichen „Stuhlgang“ im August. Das hat überhaupt nichts mit dem „großen Geschäft“ zu tun. Jeder bringt Essen und Trinken mit und eben einen Stuhl. Dann wird in den Gassen gefeiert und eine Musikkapelle zieht durchs Dorf. Das gibt’s nur in „Edschara“.

Ein Amerikaner in Polen

Okay, das ist jetzt aus deutscher Sicht schon eine Verlängerung vor dem Anpfiff. Aber auch unser sportlicher Gegner soll gewürdigt werden. Die EU hat 2005 Polen als Weinland anerkannt, jedoch betreiben nur wenige Winzer in großem Stil den Weinanbau und Weinverkauf, dessen Ab und Auf in der Vergangenheit eng mit politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen verbunden war. Der Südwesten des Landes, das ehemalige Schlesien, hat seine Weinbau-Tradition bewahrt und viel Neues aufgebaut. Kein Weg vorbei führt am Weingut Adoria in Zachowice, südlich von Wroclaw/Breslau. Hier macht seit Jahren ein Amerikaner von sich reden.

Adoria-Weine aus Polen.

Adoria-Weine aus Polen.

Mike Whitney beliefert die polnische Spitzengastronomie mit seinen Weinen und räumte bei der International Wine Challenge London 2016 Preise ab. In Kalifornien geboren, schlug er 1995 Wurzeln in Polen. Der Liebe wegen. „Eineinhalb Jahre und 300 verworfene Standorte später“ hat er den richtigen Ort gefunden. In Zachowice ermöglicht das Klima Weinanbau. Hier gedeihen Chardonnay, Pinot Noir, Riesling und Bacchus. Nicht wie von Zauberhand, sondern durch harte Arbeit. Der Amerikaner in Polen hat Witz. In einem Interview für Deutschlandradio Kultur sagte er einmal: „Ein Wunder wäre es, wenn wir hier in Polen Palmen und Olivenbäume anpflanzen könnten. Das wäre wirklich ein Wunder. Aber Riesling, ne, das kriegen wir hin.!“
Fußball auch…?

Fotos: Weingut Göbel, Adoria Vineyards Fotos