Winzer Heiner Sauer: Zuhause in der Pfalz und in Spanien

Heiner Sauer ist ein bekannter Winzer, der schon 1987 auf ökologischen Weinbau umgestellt hat. Ein Pionier in seiner Branche. Er betreibt ein Weingut in Böchingen in der Pfalz. Doch damit nicht genug. Der Mann, der südländische Weine liebt, hat in in Spanien ein weiteres Weingut: Die „Bodegas Palmera“ im Anbaugebiet Utiel-Requena. Auch der Rosado, den er dort herstellt, ist bei meinen Kunden sehr beliebt. Ein Gespräch mit dem Winzer über die Weinlese 2018 – mit südländischer Hitze in Deutschland und ungewöhnlich viel Regen in Spanien.

Weinbegleiter Ruhr: Weinlese 2018 in Deutschland und Spanien- welches Fazit ziehen Sie als Winzer?
Heiner Sauer: Die klimatischen Verhältnisse waren auf den Kopf gestellt. Wir hatten ja in Deutschland einen spektakulären Sommer mit sehr viel Sonne und Trockenheit. Und in Spanien war es genau umgekehrt. Da fielen die meisten Niederschläge seit 20 Jahren und es war ein kühles Jahr.

Wann begann die Ernte in der Pfalz?
Heiner Sauer: Spektakulär früh am 25. August.

Und in Spanien?
Heiner Sauer: Am 21. September, also fast 4 Wochen später. Da waren wir in Deutschland fast fertig.
Das Besondere für mich, was sich 2018 bewährt hat, ist unser langjähriger ökologischer Weinbau in Deutschland.  Wir haben nach 30 Jahren wirklich gute Böden. Sie haben einen hohen Humusgehalt. Und Humus sorgt im Boden für eine gute Wasserkapazität. Bei einer langen Trockenheit ist das entscheidend. Unsere Reben haben die Trockenheit nicht nur gut überstanden, sondern waren auch in der Lage, am Ende die Trauben zu einer guten Reife mit gleichzeitig guter Säure zu führen. Natürlich haben wir auch moderate Erträge, wir überfordern unsere Reben nicht. Das spielt alles mit eine Rolle.
Die Menschen bestätigen uns das und sind erstaunt, dass unsere 18er alle so lebendig sind mit einer wirklich guten Säurestruktur.

Wie hat sich der untypische Sommer in Spanien auf die Weine ausgewirkt?
Heiner Sauer: In Spanien ist zunächst ein kühler Sommer eher positiv zu sehen. Wie gesagt, es war kühl, hat viel geregnet, was eine Freude war. Weil Wasser in Spanien Mangelware ist. Es war aber auch nicht zu feucht. Also wir hatten keine Probleme mit Pilzkrankheiten. Es war zum Glück auch nicht so, dass die Trauben nicht reif wurden. Wir hatten einfach eine spätere Reife. Was zu einer sehr guten Aroma-Ausprägung geführt hat und zu etwas schlankeren Weinen. Das hatten wir uns auch vorgenommen:  Wir wollen schon kraftvolle Weine, aber etwas weniger Alkohol.

Der Bobal y Tempranillo 2016 zum Beispiel hat ja 15 Volumenprozent Alkohol…
Heiner Sauer: Genau. Und die Herausforderung für uns ist: Wir wollen Weine mit viel Kraft und Fülle, die dann eher bei 13,5 Volumenprozent sind. Und das ist uns dieses Jahr gelungen.

Seit wann besitzen Sie das Weingut in Spanien?
Heiner Sauer: Seit 1998.

Südländische, kraftvolle Weine

Was hat Sie damals nach Spanien gezogen?
Heiner Sauer: Wenn ich kurz ausholen darf: 1987 haben wir mit unserem Weingut in Deutschland begonnen, das hat sich sehr schnell und sehr gut entwickelt. Und dann sagt man sich: Machen wir jetzt so weiter oder probieren wir etwas Neues aus. Und meine Frau und ich sind große Liebhaber von südländisch geprägten  kraftvollen Weinen. Und dann war’s im Urlaub, dass wir sagten: Es wäre doch toll, solche Weine selbst zu machen – mit Sonne satt! Das war dann zunächst eine fixe Idee. Wir haben das aber vertieft, mit Freunden darüber gesprochen, und dann sind wir Schritt für Schritt diesem Ziel näher gekommen. Und haben die Idee umgesetzt.

Bei meinen Weinproben erlebe ich, dass die meisten Menschen die Rebsorte Bobal nicht kennen. Was ist für Sie das Spannende und Schöne an dieser Rebsorte?
Heiner Sauer: Sie ist eine eigentümliche Rebsorte, zunächst.  Und sie hat eine ganz eigene Charakteristik. Also der Bobal y Tempranillo ist ein südländischer Wein, aber wenn man mal genauer probiert, dann hat er auch was Frisches, ein bissel was Grünes. Rückblickend sage ich heute: Wir haben gut 15 Jahre gebraucht, bis wir den Wein so hatten, wie er jetzt ist. Da waren diese Weine sehr eckig und hatten robuste Tannine . Und jetzt sind wir an dem Punkt: Das ist ein toller Wein mit viel Kraft und gerundeten Tanninen. Und für eine Winzer ist es ja immer eine Herausforderung, aus einer schwierigen Sorte so etwas Gutes zu machen.

Weinlese an der Mosel – im Superjahr 2018

Die Weinlese 2018 war und ist so besonders wie der heiße Sommer in diesem Jahr. Winzer Peter Göbel aus Ediger-Eller an der Mosel stöhnt nicht – im Gegenteil. Mit seiner Frau  Jenny Göbel betreibt er ein kleines, feines Familienweingut mit Tradition. Und, wie sollte es in der ältesten Weinregion Deutschlands anders sein, Peters Weinberge sind überwiegend mit Riesling bestockt. Der Winzer zieht eine persönliche Bilanz.

Weinbegleiter Ruhr: Wann begann bei euch in diesem Jahr die Weinlese?
Peter Göbel: Das war am 11. September, direkt nach dem Edigerer Straßenfest, wir hatten kaum Zeit zum Aufräumen nach dem Fest. Normalerweise beginnt die Weinlese Ende September, für den Riesling Anfang Oktober.

Und jetzt seid ihr schon fertig…
Peter Göbel: …seit dem ersten Oktoberwochenende, so früh wie noch nie.

Habt ihr jemals zuvor so früh mit der Weinlese begonnen?
Peter Göbel: Ja, im vergangenen Jahr, aber aus einem anderen Grund. Durch den heftigen Frost im Frühjahr gab es Ernteverluste. Die Rebe trug 2017 von Natur aus weniger Frucht und wurde dadurch früher reif.
In diesem Jahr war aber nicht der heiße Sommer der Grund für den frühen Lesebeginn. Sondern der sehr frühe Austrieb im Frühjahr. Der Sommer selbst hatte keinen wesentlichen Einfluss. Bei der Hitze und Trockenheit stellten die Pflanzen phasenweise einfach ihr Wachstum ein.

Clever.
Peter Göbel: Wenn der Rebstock nicht wächst, braucht er auch kein Wasser. Und wenn es auf Dauer zu heiß ist, dreht die Rebe einfach ihre Blätter und nutzt sie wie einen Sonnenschutz.

Rebstock schützt sich vor Sonne

Deshalb hat die Laubarbeit auch so eine große Bedeutung. Hätte ich zu viel oder an den falschen Stellen Laub entfernt, hätte die Rebe tatsächlich Sonnenbrand bekommen. Da müssen wir inzwischen sehr vorsichtig sein. Ich entferne sehr früh Blätter, damit sich die Traube im Laufe der Zeit daran gewöhnen kann.

Jenny, Peter und ich beim Nachladen für meine Kundschaft.

 

Was heißt Sonnenbrand bei Trauben?
Peter Göbel: Die Beerenhaut verbrennt und die Traube geht kaputt.

Der Rebstock macht bei der Hitze also keine Welle?
Peter Göbel: Da muss man differenzieren: Hauptsächlich der Riesling ist mit den hohen Temperaturen gut klargekommen. Riesling wurzelt immer so tief, wie er es nötig hat. Außer junge Reben, die mussten gewässert werden.

Aber ein ausgewachsener Rebstock kann bis zu 12 Meter tief wurzeln, also er sucht sich sein Wasser über die Jahre. Andere Rebsorten wie zum Beispiel die Burgunder und Müller-Thurgau können das nicht. Dann gibt es Trockenstress, die Blätter werden gelb und die Trauben können nicht mehr versorgt werden. Das muss man sich mal vorstellen: Ein Weinberg im Flachlage leidet unter der Hitze, einer in Steillage bleibt grün. Das ist paradox.

Ist dieser frühe Lese-Start nun eine Folge des Klimawandels?
Peter Göbel: Definitiv. Das spüren wir im Weinbau. Und das schon seit 20 Jahren. Auf die Erfahrungswerte unserer Vorfahren können wir nicht mehr setzen. Es zählt nichts mehr, wir müssen ganz anders als früher reagieren. Und zum Glück sind wird die Region in Deutschland, die am spätesten erntet. Auch, weil der Riesling eine spät reifende Rebsorte ist. Wir können auf die ersten Informationen von Winzerkollegen aus der Pfalz, aus Rheinhessen und Baden zurückgreifen.

„Bin sehr zufrieden mit der Qualität“

Dein Fazit zur Weinlese 2018:
Peter Göbel: Ich bin sehr zufrieden mit der Qualität. Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen – und niemand kann sich erinnern, in der Vergangenheit schon mal so etwas Schönes erlebt zu haben. Wir haben schöne gesunde Trauben, alle wichtigen Qualitäten haben wir erreicht. Nichts unter 85 Grad Oechsle, also alles Spätlese-Qualität und mehr.

Dann hat dir die Gluthitze eher genützt als geschadet hat?
Peter Göbel: Der Vorteil: Es traten kaum Krankheiten wie unerwünschte Fäulnis auf. Jetzt entwickelt sich langsam Botrytis (ein Schimmelpilz, Anm. Weinbegleiter Ruhr) , was ja perfekt ist für Beeren-und Trockenbeerenauslesen. In diesem Jahr war optimal, dass wir seit Ende August kühle Nächte und warme Tage haben. Das ist das Beste für die Aroma-Bildung.

Riesling wie gemalt.

Hast du für Süßweine noch Trauben hängen lassen?
Peter Göbel: Ich nicht, aber mein Schwager – für Eiswein. Das ist ein Test, wäre schön, wenn es klappt.

Wie war die Ernte in Zahlen ausgedrückt?
Peter Göbel: Unsere 2 Hektar haben 20 000 Liter ergeben. Das heißt, pro Quadratmeter einen Liter Wein. Das ist für einen Selbstvermarkter wie mich, der großen Wert auf Qualität legt, ein sehr guter Schnitt.

Was bedeutet der Riesling für dich?
Peter Göbel: Ganz einfach: Nur mit Riesling gibt es die Mosel und 2000 Jahre Weingeschichte. Ohne Riesling keine Mosel mit dieser unvergleichlichen Kulturlandschaft, den schönen Dörfern.

…und ganz persönlich…
Riesling ist der Grund, warum ich Winzer bin. Das ist meine Identität. Alle unsere Fans kommen an die Mosel, um zu entdecken, was Riesling wirklich ist.

 

Fotos: Peter Göbel, Susanne Storck

 

 

Weinlese an der Mosel – ein Winzer berichtet

Alles ganz anders in der Weinlese 2016. Dieser Satz beschreibt ziemlich genau, wie Winzermeister Peter Göbel  http://www.weingut-Goebel.de bisher den Herbst an der Mosel http://www.mosel.de/startseite erlebt hat. In dem schönen Ort Ediger-Eller, rund 20 Kilometer von Cochem entfernt, betreibt er ein Weingut mit 3 Hektar Rebfläche. Bei ihm begann die Weinlese bereits um den 20. September herum. In der kommenden Woche geht sie in seinen Weinbergen zu Ende. Und seine Erträge sind gering. Weinbegleiter Ruhr im Gespräch mit Peter Göbel:

Weinbegleiter Ruhr: Wie groß sind die Verluste?
Peter Göbel: Ich habe durchschnittlich nur ein Drittel der Ernte, die maximal möglich wäre.

Was bedeutet das in Zahlen ausgedrückt?
Ich habe 3 Hektar Weinberge, also 30.000 Quadratmeter. Ich darf 35.000 Liter Wein erzeugen, das ist im Weingesetz für unsere Region so festgelegt. Weil wir Qualität anstreben und Selbstvermarkter sind, beschränke ich mich von vornherein auf 25.000 Liter. Aber schon in den vergangenen zwei Jahren haben wir keine 20.000 Liter erreicht. Und in diesem Jahr ist es ganz schlimm, da liegen wir bei nur 12.000 Litern.

Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Weinlese: Der Riesling ist die wichtigste Rebsorte an der Mosel.

Was sind die Ursachen dafür?
Zum einen die Wetterkapriolen im Juli mit extrem hohen Niederschlägen und Wärme, das war fast tropisch. Dadurch breitete sich die Pilzkrankheit Peronospora stark aus, die viele Trauben zerstörte. So entstand die eine Hälfte des Schadens. Die andere Hälfte Verlust geht auf den sehr trockenen August und September zurück. Durch extrem hohe UV-Belastung mit Temperaturen bis 37 Grad wurden viele Trauben zerstört. Trockenheit sind wir ja gewohnt, aber es kam gar kein Regen. Die Riesling-Trauben sind sehr klein.

In anderen Weinbergen bzw. Regionen an der Mosel ist es nicht so? Warum?
Gegen Pilzkrankheiten werden Fungizide gespritzt. In den Steillagen mit Hubschrauber, in den Flachlagen machen das die Winzer mit Schmalspurschlepper selbst. Normalerweise wird alle 12 Tage gespritzt, in diesem Jahr haben nicht mal alle 6 bis 8 Tage gereicht. Wir hätten alle 5 Tage spritzen gehen müssen. Die Menge der eingesetzten Spritzmittel ist festgelegt und der erlaubte Rahmen hätte ausgereicht, wenn wir die richtigen, genauen Tage erwischt hätten.

Wie wirkt sich diese Weinlese aufs Geschäft aus?
Wir leben ja nicht von einem Jahrgang allein, sondern von den letzten 2 Jahrgängen, die waren aber auch geringer. Es wird sehr knapp werden, ich muss Trauben dazu kaufen von Kollegen. Aber die Kundschaft muss sich nicht sorgen.

Wird es spürbare Preiserhöhungen geben?
Das würde ich gerne machen. Ich werde die Preise moderat um 5 Prozent anpassen. Was die Situation entschärft: Moselbetriebe vermieten traditionell Ferienhäuser und Gästezimmer an Touristen. Unser Gästehaus ist beliebt und sehr gut ausgelastet. Das hat uns gerettet.

Vergeht Ihnen als Winzer in einer solchen Situation der Spaß am Beruf?
Nein, auf keinen Fall. Das ist zwar tragisch, aber wir leben ja mit der Natur, wir kennen solche Einschläge. Natürlich nicht in dieser Dimension.

http://weingut-goebel.de/