Zeeland: Wein und Windmühlen

Wein aus Zeeland: Selten eine so bizarre Landschaft gesehen wie in der niederländischen Provinz. Am Rande des Dorfes Dreischor auf der Insel Schouwen-Duiveland liegt der Wijnhoeve „De Kleine Schorre“. Nur gut 15 Kilometer von der Nordseeküste entfernt.

Hier wachsen am Straßenrand Rebstöcke in den Himmel. Am Horizont lugen Windmühlenflügel aus der grünen Wand. Johan van der Velde und seine Familie betreiben hier ein Weingut nebst wunderschöner Weinscheune, Terrasse vor dem Probierlokal und Hofladen.

Im Jahr 2001 gegründet, gehören zu De Kleine Schorre laut Weingut inzwischen 12 Hektar Weingärten. Gemeinsam mit dem luxemburgischen Weinunternehmen Cep d’Or wurden einst die Rebsorten ausgewählt.  Am Ortseingang schmiegt sich ein Teil davon platt wie eine Flunder in die Landschaft. Mit dieser Rebfläche ist das Weingut in Zeeland ein Goliath im Weinbau der Niederlande.
In Dreischor, wo man Weinstöcke wie Autos für einen festgelegten Zeitraum leasen kann, ist man auf weiße Rebsorten spezialisiert: Weiß- und Grauburgunder, Müller-Thurgau (Rivaner) und Auxerrois, die Rebsorte mit dem schwer auszusprechenden Namen [oh ser whah]. Sie wachsen auf lehmigen, kalkhaltigen Böden und passen ziemlich  gut zu den kulinarischen Spezialitäten Zeelands: Muscheln, Austern, Krebse, Meeresspargel.

Eine Kostprobe: Den Rivaner 2020 gibt’s für 14,95 Euro ab Hof. Hui, eine stattliche Summe für einen Müller-Thurgau. Der Wein ist knackig frisch, duftet nach gelben Äpfeln und Zitronengras. Am Gaumen wirkt die Säure viel lebhafter als bei einem  „Müller“ aus Rheinhessen oder der Pfalz. Das gibt den Kick. Der Wein macht Spaß!

Hintergrund:
Holländer gegen das Versumpfen

Die Niederländer hatten im Spätmittelalter den Welthandel mit Wein und Spirituosen fest in der Hand. Mitte es 17. Jahrhunderts hatte die Seefahrer-Nation die größte Handelsflotte der Welt. Schöngeistige Getränke aus ganz Europa wurden aufgekauft und über die Meere geschippert, um die Kolonien zu beliefern. Und sogar das berühmte Médoc in Bordeaux verdankt den Holländern seinen kometenhaften Aufstieg. Bis etwa Mitte des 17. Jahrhunderts waren Teile des Bordelais versumpft. Damit der Transport der Weinfässer nicht länger in eine Schlammschlacht ausuferte, legten die gewieften Holländer die Sümpfe einfach trocken. Und obendrein tüftelten sie mit den Engländern an einer Lösung, um den Wein für den langen Transport auf See haltbarer zu machen. Die Fässer wurden fortan geschwefelt. Cooles Völkchen, die Holländer. Schon damals.

 

Weinreise im Seniorenstift für Menschen mit Demenz

Eine Weinprobe für Menschen mit Demenz? Im Seniorenstift? In diesen Zeiten? Und ob das geht! Einfach, weil im Haus Berge in Essen-Borbeck nichts unmöglich ist. Ich hatte das große Vergnügen, mich mit Bewohnern des Hauses auf eine Weinreise durch Frankreich zu begeben.

Machbar wurde diese besondere Veranstaltung, weil sie kontaktlos über die Bühne gehen konnte. Mit ganz viel Freiraum. Ich stand im großen, geschützten Garten des Stifts, der für die Bewohner mit starkem Bewegungsdrang ein Stück Lebensqualität bietet. Senioren der Wohnbereiche „Glück Auf“ und Lili Marleen“ saßen in den Gemeinschaftsräumen in der ersten und zweiten Etage und prosteten mir von drinnen durch die großen geöffneten Fenster zu. Mitarbeiter des Hauses schenkten Ihnen reinen Wein ein. Und ich stellte auf dem Rasen 3 Weine vor von  Jacques‘ Wein-Depot – einen spritzig-frischen Sauvignon Blanc aus der Gascogne im Südwesten Frankreichs, einen Rosé aus der Gegend um Bordeaux und einen sanften, vollmundigen Rotwein aus dem Süden, dem Languedoc.

Beim Verkosten erinnerten sich die älteren Damen und Herren auch an frühere eigene Weinreisen an Rhein oder Mosel und auch nach Frankreich. Das war ein wunderbares Schwelgen und Schunkeln. Denn für die Weinreise hatte ich Musik im Gepäck. Mireille Mathieu trällerte „Hinter den Kulissen von Paris“ und Bill Ramsey besang „Pigalle, die große Mausefalle mitten in Paris“.
Ein wunderbarer Nachmittag, der zum einzigartigen Konzept von Haus Berge passt. Die dementen Bewohner „leben und erleben“ hier „ihre eigene Realität“. Ohne Bevormundung und mit größtmöglicher Freiheit.

Rosé im Regen

Auf der Internetseite der Einrichtung, die zur Contilia GmbH gehört, steht: „Wo Bewohner die Fähigkeit haben zu entscheiden, überlassen wir ihnen die Entscheidung. Wenn sie Marmelade auf die Bratwurst streichen, irritiert uns das nicht. Auch dem Pantoffel im Kühlschrank begegnen wir mit Gelassenheit, schließlich leben unsere Bewohner viel zufriedener, wenn wir ihr Verhalten akzeptieren.“
Diese Einstellung bietet viel Raum für Lebensqualität. Und eben auch für eine Weinprobe. Bei der nur eins nicht so recht passte: das Wetter. Pünktlich zum Beginn der Veranstaltung begann es wolkenbruchartig zu regnen. Mein Rosé im Glas verwandelte sich binnen weniger Minuten in eine Weinschorle. Egal, eine Termin-Verschiebung kam für uns nicht in Frage.

„Non, je ne regrette rien“

Die Weinreise durch Frankreich endete mit einem Chanson von Edith Piaf. „Non, je ne regrette rien“. Nein, ich bereue nichts… Selig lächelnd lauschten die Bewohner und nippten am Weinglas. Das sind unvergessliche Momente.

Großen Dank an Einrichtungsleiter Michael Schüten, Ira Neumann, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Soziales, sowie an die weiteren Mitarbeiter von Haus Berge, die diese Weinprobe ermöglichten. Ich danke außerdem Pascal Hesse fürs Fotografieren und Sebastian Müller für die Musikauswahl.

Lust auf Weinreisen in Senioren-Einrichtungen? Nehmen Sie gerne Kontakt zu Weinbegleiter Ruhr auf.

Weinreisen gegen Fernweh – jetzt buchen!

Weinreisen gegen Fernweh: Urlaub zuhause erleben an einem lauschigen Abend. Und dabei zum eigenen Weinkenner werden. All das geht – in Zeiten, in denen grenzenloses Reisen nicht möglich ist. Wir lassen uns davon nicht die Laune verderben, genießen uns weit weg und setzen die Segel. Mit Weinen im Glas, die die Phantasie beflügeln.
Wir verreisen, ohne Koffer zu packen. Ob gemütlich zuhause in der Küche oder im Wohnzimmer, auf der Terrasse, im Garten, beim Grillfest – oder wo immer ihr wollt.
Bei Wein-Events in geselliger Runde genießen wir beispielsweise „Italien im Glas“ und probieren Grillo, Nero d’Avola und Co.  Oder wir vergleichen Sauvignon Blanc aus der Neuen Welt und Europa. Vielleicht reisen wir auch nach Spanien, immer dem Tempranillo auf der Spur. Oder ins deutsche Burgunder-Wunderland Baden. Was ihr wollt!

Weinreisen gegen Fernweh: Buchungen für Weinproben mit Urlaubs-Feeling  sind ab sofort möglich! https://weinbegleiter.ruhr/kontakt/ 

Mit dem Koffer voll Wein kann ich natürlich erst zu euch kommen, wenn die Corona-Kontakt-Beschränkungen aufgehoben sind. Jedoch könnt ihr mich jetzt bereits verbindlich für eine Weinprobe buchen, euren Wunschtermin legen wir später fest.

Das wird unsere Zeit! Auf euer Wohl!