Das Herz schlägt für Silvaner

Silvaner und Franken – das ist ein Traumpaar. Auf dem Familienweingut Johannes Nickel in Nordheim wird es von seiner schönsten Seite in Flaschen abgefüllt. Anfang September war ich mit meiner Freundin dort und wir probierten auf dem Hof die Weine des Jahrgangs 2019. Im Freien ist das zum Glück wieder möglich. Einfach köstlich! Wir gerieten in einen famosen Kauf-Rausch.
Johannes Nickel und Familien bewirtschaften 4,5 Hektar Rebfläche, 80 Prozent weiße Rebsorten, 20 Prozent rote Rebsorten, „das ist der fränkische Schnitt“, sagt Karolin Schmitt, die Schwester des Winzers. „Silvaner und Müller-Thurgau sind unsere Hauptrebsorten.“
Johannes Nickel besann sich 2013 auf die Familientradition. Der gelernte Schreiner entschied sich für den Wein, machte die Rebflächen der Familie wieder urbar, absolvierte eine Ausbildung zum Winzer und zum staatlich geprüften Brenner. Schwester Karolin ist ausgebildete „Gästeführerin Weinerlebnis Franken“ und veranstaltet Weinbergs-Wanderungen, Verkostungen und vieles mehr. Normalerweise.

Ein Gespräch über das Besondere des Silvaners, Zwangspausen, Frühjahrs-Fröste im Weinberg und die Leidenschaft für den Wein.

Weinbegleiter Ruhr: Ich erlebe immer wieder, dass Weintrinker beim Silvaner sofort an „Spargelwein“ denken. Ich finde es schade, Silvaner auf ein Getränk zu einem saisonalen Gemüse zu reduzieren. Beschreiben Sie bitte einmal mit Ihren Worten das Besondere dieser Rebsorte.

Karolin Schmitt: Silvaner ist eine Rebsorte, die unheimlich vielseitig ist. Hier in Franken wächst sie bereits seit über 360 Jahren und ist optimal ans Klima angepasst. Ein Glückstreffer für Franken. Unser Portfolio zeigt, was der Silvaner alles kann: Wir haben den einfachen, schön fruchtbetonten trockenen Silvaner mit Apfel- und Birnen-Aromatik. Dann gibt’s bei uns den Silvaner im Bocksbeutel. Der ist kräftiger und bringt viel Mineralität mit. Die Trauben kommen von über 40 Jahre alten Rebstöcken aus dem besten Stück des Sommeracher Katzenkopfes. Und da merkt man die Kraft und Fülle, die der Silvaner hat. Er liegt ein Jahr lang auf der Feinhefe und kommt dann erst auf die Flasche.

Silvaner im Holzfass aus Kastanie

Die Krönung ist der Silvaner Tradition. Da wird das Beste vom Silvaner heraus gelesen und spontan mit den natureigenen Hefen der Trauben vergoren. Das erfordert Geduld, die hat dann eher der Johannes, ich nicht (lacht). Er sagt immer: ‚Karolin, das wird schon…“
Der Silvaner Tradition reift auf der Hefe im Holzfass aus Kastanie. Da zeigt die Rebsorte ihr ganzes Potenzial. Der Wein bringt Mineralität mit, Struktur und Frucht. Durch die Lagerung im Holzfass kommen Aromen hinzu, die an Vanille und Karamell erinnern.

Eingespieltes Team: Karolin Schmitt und Johannes Nickel.

Warum Kastanienholz? Und woher stammen die Fässer?
Karolin Schmitt:
Aus einem alteingesessenen Betrieb in der Region, Aßmann heißt er. Die Firma hat für Johannes extra ein 225-Liter-Fass aus Kastanienholz hergestellt, weil Johannes sehr gerne experimentiert. Eiche ist ja doch oftmals sehr rau und bringt viele Gerbstoffe, was mitunter zu viel sein kann für den Wein. Kastanie ist da wesentlich weicher und passt wunderbar zum Silvaner.

Welche Speisen empfehlen Sie zum Silvaner im Bocksbeutel?
Karolin Schmitt: Der passt zu einem kräftigen Gericht, zu einem Braten zum Beispiel. Er kann auch ideal einen kräftigen Fisch begleiten, also einen mit Eigengeschmack, der Substanz mitbringt, damit die Balance zum Wein hergestellt wird.
Also von wegen Spargelwein… Da würde ich eher unseren Silvaner aus der Schlegelflasche empfehlen. Der passt super, auch zu Gemüse-Gerichten.

2020 war und ist besonders und unvergleichlich anders als alle Jahre zuvor. Wie ist das Jahr bisher für Sie, Ihre Familien und das Weingut gelaufen?
Karolin Schmitt: Es fing prima an, wir haben den Wein gut auf die Flasche gebracht und sind sehr zufrieden mit dem Jahrgang 2019. Und dann kam Corona… Ostern sind normalerweise die ersten Gäste auf dem Hof und probieren den neuen Jahrgang. Aber wir mussten alle zuhause bleiben. Das war schwierig. Natürlich haben uns die Gäste wunderbar unterstützt. Es gab eine große Resonanz auf unseren online-shop. Die Leute riefen an, fragten, wie es uns geht und bestellten Wein, weil sie uns unterstützen wollten. Das war unglaublich positiv. Aber die Gäste fehlten uns einfach auf dem Hof. Und der Austausch: dass du dich über den Wein unterhältst, dass du zusammen ins Glas blickst, zusammen den Wein anschaust, probierst, philosophierst.

Und dann kam im Mai der Frost…
Karolin Schmitt:
Der hat uns ordentlich erwischt. Bis zu 60 Prozent Ernte-Ausfall. Und das ist natürlich heftig für so ein kleines Familienweingut. Ich würde fast sagen: Der Frost trifft uns deutlich härter als Corona. Ganz einfach: Wenn ich nichts habe zum Verkaufen, fallen die Einnahmen weg.  Und die Arbeit war ja das ganze Jahr über nicht weniger, eher mehr. Außerdem wurden die Rebstöcke in Mitleidenschaft gezogen. Der Rebschnitt im nächsten Jahr wird dadurch viel aufwändiger. Wir hoffen jetzt, dass das Holz gut ausreift. Denn das ist die Basis für den 2021er Jahrgang.
Ja, 2020…. Frost in diesen Dimensionen gab es noch nie. Auch die sehr guten Lagen sind erfroren.

Woran lag das?
Karolin Schmitt:
Die Wetterlage war eine ganz seltsame. Wir hatten minus 2 Grad, die Reben waren am 12. Mai schon sehr weit, mindestens im 5 Blatt-Stadium. Die Gescheine, so nennt man die Trauben in diesem Stadium, waren schon ausgebildet. Das Problem war, dass die kalte Luft von oben kam. Normalerweise versucht man mit Hubschraubern, die Luft zu verwirbeln. Also die kalte Luft vom Boden mit den wärmeren Luftschichten oben. Aber verwirbeln war nicht möglich, weil oben die kalte Luft war. Man hätte sie nach unten gedrückt. Das war ein Problem.
Die unteren Lagen waren im Nebel. Durch den Schutz des Nebels hielten sie diesmal gut durch. Aber oben das Plateau hat es richtig heftig erwischt.
Außerdem hatten wir am nächsten Tag einen strahlend blauen Himmel. Die Sonne schien auf die gefrorenen Triebe, die sofort geplatzt sind.

Und dennoch, wann immer ich mit Ihnen oder Ihrem Bruder Kontakt hatte in diesem Jahr, ob am Telefon oder per Mail: Sie strahlen gute Laune und Optimismus aus. Woraus resultiert das?
Karolin Schmitt:
Das ist wirklich Demut vor der Natur. Man kann einfach nichts machen, muss es als gottgegeben hinnehmen.
Und unsere Arbeit macht uns unheimlich Spaß. Das ist das, was uns prägt, wofür unser Herz schlägt. Und daraus schöpfen wir Kraft.

Fotos: Familienweingut Johannes Nickel (2), Susanne Storck (2)

Frühling von der Stange

Die Zeit ist reif für Wein und Spargel. In der Saison für das edle Gemüse trumpfen trockene Weißweine mit zarter Würze und eher milder Säure auf. Spargel will von einem Hauch von Aromen umgarnt werden. Zu Klassiker-Gerichten wie zum Beispiel Spargel mit zerlassener Butter passen perfekt ein Weißburgunder mit seiner nussigen Note, ein leicht fruchtiger Müller-Thurgau oder ein feiner Silvaner. In all diesen Fällen sollte der Wein dem Stangen-Gemüse charmant die Hauptrolle überlassen. Dann steht kulinarischer Harmonie nichts im Wege. 
Bei Grünem Spargel, dessen Aromen im Vergleich zum Weißen Spargel intensiver sind, passen auch Grauburgunder oder Chardonnay. Dazu Puten- oder Schweinemedaillons – einfach köstlich.

Beauty trifft Wein im Friseursalon

„Beauty trifft Wein“: Diese Kombination funktioniert prächtig. Salon Lora Hairstyle http://www.salon-lora.de und Weinbegleiter Ruhr verwöhnten rund 30 Gäste im Salon an der Boverstraße 50 in Mülheim an der Ruhr. Die überwiegend weiblichen Besucher konnten einen Sommerabend genießen, an dem es die versierten Friseurinnen nicht bei  theoretischen Tipps beließen. Weiterlesen

Wein-Lexikon mit Witz

Wie kommt jemand auf die Idee, ein Wein-Lexikon über „Populäre Wein Irrtümer“ zu schreiben?  Im Fall von Marcus Reckewitz http://www.reckewitz.de kreuzten sich zwei Dinge: Sein eigenes Interesse für Wein und alles Kulinarische und der Wunsch seines Verlegers, dem der Sinn nach einem lustigen Weinbuch stand. Und so erschien 2012 im Anaconda Verlag „Ein unterhaltsames Lexikon“, das etliche Auflagen später nicht an Reiz verloren hat.

Nebel lichten sich im Wein-Lexikon

„Es gibt unglaublich viel gute Wein-Literatur auf dem Markt“, weiß Marcus Reckewitz. „Meinst von Autoren, die sich jeden Tag mit Wein beschäftigen.“ Aber darunter seien auch Fachidioten, „denen es nur selten gelingt, sich in den Erlebnishorizont des Lesers hineinzuversetzen“.

Marcus Reckewitz

Marcus Reckewitz

Marcus Reckewitz, von Beruf  Autor, Lektor, Ghostwriter Werbe-und PR-Texter sowie  Autor einer Ratgeber-Reihe unter dem Pseudonym Marc Laban, machte sich frisch fröhlich ans Werk – „…damit sich die Nebel aus Halbwahrheiten, Mythen und populären Irrtümern lichten. Damit Ihre Sinne frei werden für einen ungetrübten einfachen Weingenuss“, lädt er Leser ein.

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Das kleine, feine Wein-Lexikon.

Marcus Reckewitz sagt über sich: „Ich bin seit 25 Jahren Weinamateur“, womit er wohl sein Licht unter den Scheffel stellt…. „Ich bin also meine eigene Zielgruppe.“ Mit dem Buch will er Hemmschwellen senken, eigene, die seiner Freunde und anderer Menschen. „Viele haben eine völlig falsche Hochachtung vor Wein.“ Er selbst war als Student Biertrinker. Als er Mitte der 90er Jahre zum ersten Mal einen Weinfachhandel betrat, nahm ihn die Händlerin, eine Französin, an die Hand. Er probierte einen Château Palmer (Margaux), „das war wie ein Erweckungserlebnis“, erinnert er sich. Und dann wollte er es wissen: „Was steckt hinter diesem ganzen blasierten Gerede über Wein?“ Wein sei eine alte Kulturtradition, „jenseits der Schaumschlägerei muss es noch was geben“, war er sich sicher.

Blumenkinder im Weinberg

Und wie: So lässt er sich über Sinn und Unsinn des Dekantierens aus, über Geschmacksmoden, die Verwendung von Holzchips, greift Wein-Kuriositäten auf wie „Laufen und Saufen im Médoc“, erzählt, wie der „Kultwein Opus One“ entstand, wie die Chinesen mit Strom Wein zur „Turbo-Reifung“ bringen, berichtet, was es mit den „Blumenkindern unter den Winzern“ auf sich hat, die im Weinberg Rosen pflanzen als „Frühwarnsystem“ gegen Mehltau. Auch beim Stichwort Schwefel fällt ihm etwas ein: „Da wird immer so ein Tanz drum gemacht. Dabei ist Schwefel ein natürliches Abbauprodukt bei der alkoholischen Gärung. Einen schwefelfreien Wein gibt es nicht“, stellt der in Bonn lebende Autor klar. Und am Korkschmecker kommt er nicht vorbei. „Auch in Flaschen mit Kuststoffkorken, Dreh und Glasverschlüssen kann ein Korkschmecker vorkommen“, schreibt Reckewitz. „Das Problem, also Trichloranisol (TCA), muss nicht unbedingt über den Korken in den Wein gelangen. Dieselbe Reaktion zwischen Schimmelpilzen und Chlorverbindungen kann auch ganz woanders stattfinden – zum Beispiel im Gebälk der Weinkeller oder in dort gelagerten Holzpaletten…. Auch ehemals verwendete chlorhaltige Holzfassbehandlungsmittel können zur TCA-Quelle werden – und Weine kontaminieren, die nebenan im Stahltank heranreifen.“

„Sonne im Glas“

Mit Witz, entspannt und spielerisch, ohne erhobenen Zeigefinger,  ist Marcus Reckwitz  in der Welt der Weine unterwegs. Es macht einfach Spaß, sein Buch zu lesen. Die Liebe zu Bordeaux-Weinen ist geblieben, Sauvignon Blanc zählt außerdem derzeit zu seinen Favoriten. Und Lugana, um den in diesem Jahr ein Hype gemacht werde. Hier schwärmt er für einen „Ottella“, einen „fröhlichen Sommerwein. Das ist Sonne im Glas.“

Fotos Marcus Reckewitz (2), Susanne Storck (1)

Korkstinker und Co.

Jemandem reinen Wein einschenken – das ist das Maß der Dinge beim Genuss des Rebensaftes. Allerdings gilt auch hier: Fehler können passieren. Und es ist ganz spannend, sie im Glas zu entdecken. Den „Korkstinker“ kennt wohl jeder. Hinter ihm steckt Trichloranisol (TCA). Es entsteht, wenn Schimmelpilze phenolhaltige Stoffe wie Naturkork zersetzen. Das lässt uns die Nase rümpfen. TCA ist die Ursache dafür, dass es aus dem Weinglas wie aus einem modrigen Keller riecht und der verkorkste Wein schmeckt, als ob man einen alten, nassen Wischlappen auslutschen würde.

Geruch nach faulen Eiern

Ein Riesling, der sich bernsteinfarben präsentiert und im Glas eine eher modrig-süße Sherry-Nase verbreitet, ist leider mit zu viel Sauerstoff ins Gehege gekommen. Der Alkohol oxydiert. Das kann im Keller passieren, bei der Reifung, Lagerung oder in der Gastronomie auch schon mal, wenn offene Weinflaschen zu lange stehen und kein Vakuum aus der Flasche gezogen wird.
 Böckser nennt sich  ein Fehler im Gärvorgang, wenn sich Schwefelwasserstoff während der Gärung durch die Hefen bildet. Das riecht nach faulen Eiern und verbranntem Gummi. Unter anderem durch den Einsatz von Kupfersulfat lässt sich das korrigieren. Böckser soll der Fehler heißen, weil angeblich Ziegenböcke so schnuppern…

Premiere mit Biertrinker

Habe ich auch wirklich an alles gedacht? Gläser, Servietten, Weinliste….. Meine ersten beiden Weinverkostungen führen mich nach Xanten am Niederrhein. Meine wunderbaren Gastgeber überraschen Freunde und Nachbarn mit zwei Weinverkostungen. Am ersten Abend stehen die Zeichen auf „Rot“, und jeder entdeckt für sich seinen Liebling. Für den zweiten Abend stelle ich einen  gemischter Satz aus Weiß und Rot aus Deutschland, Österreich, Portugal und Spanien zusammen. Niemand kann sich für einen Favoriten entscheiden, „weil jeder Wein für sich einfach besonders und Klasse ist“, drückt es mein Gastgeber später aus. Yeah!!!!! Alles richtig gemacht. Und auch der einzige Pilstrinker am Tisch weiß schließlich, was gut ist: „Das Beste am Wein ist das Bier danach…..“