Ein Impfstoff fürs sonnige Gemüt

Impfstoff für die Heiterkeit: Gerade in diesen Zeiten sind Witz und Humor unbezahlbar. Und das Lachen soll uns nicht im Halse stecken bleiben vor lauter Verboten und Regeln. Damit das so bleibt, bin ich mit Angela Pröse zum Lachen in den Keller gegangen – also in ihren privaten Weinkeller in Gelsenkirchen. Die Frau mit sonnigem Gemüt ist ausgewiesene Weinfachfrau und langjährige Leiterin von Jacques‘ Wein-Depot in Dorsten. Angela Pröse stellt 3 Weine vor, die einfach Spaß machen – und Lust auf den Frühling.

Weinbegleiter Ruhr: Entkorken wir zuerst den Weißwein, was ist das für ein Tropfen?
Angela Pröse: Der Weißwein, Jahrgang 2019, hat mich 2020 stimmungsmäßig ein bisschen hochgehalten, weil ich Ende Mai wieder einmal zu Besuch war auf einem Familienweingut an der Mosel. Und zwar auf dem Weingut Goeres in Briedel. Beruflich und privat in diesem Fall, weil ich die Familie schon sehr lange kenne. Michael und Michaela Goeres stellten mir einen neuen wunderbaren Weißwein vor. Winzer Michael Goeres hat einen Grauburgunder mit einem Riesling cuvéetiert und ihn „Grauburgunder küsst Riesling“ genannt. Ich habe diesen Wein in mein privates Portfolio aufgenommen als Sommerwein. Er ist schön frisch und fruchtig mit einer präsenten Mosel-Säure. Man schmeckt den Schiefer, aber nicht so intensiv wie bei einem Riesling. Und der Grauburgunder ist nicht so fett. Also diese Kombination finde ich sehr spannend und eleganter als Chardonnay- Weißburgunder, Chardonnay-Grauburgunder.

Kommen wir zum Rosé, der auch mein Liebling ist.
Angela Pröse: Den verkaufen wir schon seit vielen Jahren in Jacques‘ Wein-Depot. Der „Vignes de Nicole“, Jahrgang 2020, von der Domaine Paul Mas, aus den wunderbaren Rebsorten Grenache, Mourvèdre und Syrah, den klassischen Languedoc-Rebsorten. Mir gefällt er deshalb so gut, weil er sehr elegant ist. Ich habe also nicht so viel Frucht, obwohl ich in der Nase Aromen von exotischen Früchten entdecke und auch Kirsche. Er ist nicht zu erdbeerig. Am Gaumen präsentiert er sich sehr elegant, weich, aber nicht zu einfach. Er hat extrem wenig Säure und tatsächlich nicht zu viel Restzucker, was ja heute viele Rosé-Weine haben, die ein bisschen moderner ausgebaut sind. Ich mag auch den Winzer Jean-Claude Mas, dem das Weingut gehört.

Hast du ihn persönlich kennengelernt?
Angela Pröse: Ja, ich war schon zwei Mal im Languedoc und traf ihn dort. Er ist authentisch und erfolgreich und steht für das neue Languedoc, das sich inzwischen zum Qualitäts-Weingebiet mit hochwertigen Weinen entwickelt hat.

Dieser Rosé ist ein schönes Beispiel dafür, dass Wein auch eine haptische Komponente hat. Das Gefühl im Mund ist geschmeidig, der Wein hat einen schönen Schmelz und Trinkfluss.
Angela Pröse: Aber nicht zu schmelzig. Er wird nicht langweilig. Wenn ich Fisch dazu habe oder einfach ein bisschen Käse, dann ist das eine feine Kombination. Ich trinke diesen Wein auch gerne im Winter, zum Beispiel zum Hühnerfrikassee, um ein bisschen Frühling in den Körper zu bekommen. Dann muss er auch nicht zu kalt sein.

Also ist Rosé für dich nicht nur der klassische Sommerwein.
Angela Pröse: Genau! Ich habe da ein sehr schönes winterliches Erlebnis mit einem Rote Beete-Carpaccio und einem Cabernet Sauvignon-Rosé, der sehr kräftig ist. Das passte perfekt zusammen.

Dein dritter Spaß-Wein ist ein echter Hingucker.
Angela Pröse: Das ist ein Wein aus dem österreichischen Burgenland von Thomas Lehner, ein trockener Qualitätswein, Jahrgang 2017, aus den Rebsorten Zweigelt, Blaufränkisch und Merlot. Die In-Spirit GmbH in Westfalen vertreibt ihn, ein junges Unternehmen mit ideenreichen und zukunftsorientierten Menschen. Die bieten Trendgetränke an und kümmern sich um Qualität dabei. Sie tauften den Wein „Impfstoff“. Dieser Impfstoff schützt sicher vor keinem Virus, macht die Lage aber etwas entspannter. Und das ist ein Wein für alle mit Hang zum Humor.

Hat sich das Trinkverhalten der Menschen in der Pandemie verändert, also trinkt die Nation mehr?
Angela Pröse: Das ist natürlich auch ein Thema in den Gesprächen im Depot. Und wenn ich bei Facebook die nicht immer ernst gemeinte Botschaft gelesen habe ‚Wir werden alle noch zu Alkoholikern‘, widerspreche ich. Das stimmt natürlich nicht.
Unser Ziel ist Genuss. Und wir verkaufen dann eher einen besonderen Trinkgenuss als den „Knall-mich-zu-Wein“. Ich stellte in den vergangenen Monaten fest, dass unsere Kunden, die im Restaurant gerne mal einen höherpreisigen Wein bestellen, auch bei uns gerne mal 10, 15 oder 20 Euro pro Flasche ausgeben und sich einen guten Wein gönnen.
Die Menschen kommen zu uns, sie wollen reden und wir sprechen über Essen, Trinken, Genießen. Das macht total Spaß. Wir meistern mit Abstand das, was unsere Kunden brauchten und noch brauchen: nämlich Beratung bei der Auswahl eines leckeren Weinchens für zuhause.

Also unterm Strich: Ich glaube nicht, dass im großen Stil mehr getrunken wird. Eher in einem anderen Verhältnis. Also mehr zuhause als auswärts. Und möglicherweise nicht erst abends um 20 Uhr, sondern um 17 Uhr, weil man zum Beispiel im home-office einfach eher Feierabend machen kann.
Ich zitiere da gerne Gudrun Zydek: „Der weise Mensch auf Erden genießt den Wein allein beim Glücklichsein und nicht zum Glücklichwerden.“

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