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Silvia Wildhage steht nicht nur im Sommer auf Rosé. Bei ihrem „Wein des Monats“ März leuchtet einer im Glas. Die Landschaftsarchitektin aus Meiningen trinkt nicht nur gerne Wein, sie macht auch seit vielen Jahren selbst welchen. Kein Obst ist vor ihr sicher. Ein Gespräch mit Silvia Wildhage über ihren derzeitigen Lieblingstropfen, über die Zauberei bei der Weinherstellung und über die Krönung zur Weinkönigin bei der jährlichen Blindverkostung im Freundeskreis.

Weinbegleiter Ruhr: Was ist dein derzeitiger Lieblingswein? Wie heißt er, woher stammt er?
Silvia Wildhage: 
„Der fruchtige Rosé“, ein Qualitätswein der Genossenschaft Oberkircher Winzer aus Baden. Ein feinherber Rosé aus Spätburgunder-Trauben.

Wie und wann hast du diesen Wein entdeckt, bei welcher Gelegenheit war das?
Silvia Wildhage: 
Beim ersten Mal war es ein Geschenk meiner Chefin. Als sie das nächste Mal Nachschub bestellte, fragte sie mich, ob ich auch welchen möchte. Ich hatte diesen Rosé in guter Erinnerung und bestellte 6 Flaschen. Ich war und bin begeistert.

Warum ist das dein derzeitiger Lieblingswein?
Silvia Wildhage: 
Ist für mich ein leichter Wein, er hat nur 11 Volumenprozent Alkohol. Und dennoch wirkt er sehr süffig. Aber nicht vordergründig süß, so dass man schnell genug davon hätte und ihn nicht mehr will. Dieser Wein ist sehr fruchtbetont, das brauche ich nicht immer, aber bei diesem gefällt es mir sehr.

Rosé ist für dich kein typischer Sommerwein?
Silvia Wildhage: Er wird vom Hersteller, glaube ich, so angepriesen. Für mich geht er auch in den anderen Jahreszeiten.

Und Rosé gleich Mädchenwein? Was sagst du dazu?
Silvia Wildhage: Das finde ich albern. Da habe ich keine Schranken im Kopf.

Das wird Wein aus Süßkirschen.

Du stellst auch selbst Wein her, wie kam es dazu?
Silvia Wildhage: Ja, schon seit fast 30 Jahren. Als ich meinen ersten Lebensgefährten kennenlernte, hatte er gerade Hagebuttenwein angesetzt. An unserem ersten gemeinsamen Abend filterte er Sud ab. Das war eine fürchterlich dünne Plörre, aber wir waren damals so voneinander begeistert, dass uns das nicht gestört hat.
Wir probierten dann viel aus. Zum Beispiel Apfelwein. Die Küche klebte tagelang, weil wir die Früchte mit der Kartoffelkloßpresse verarbeiteten. Fruchtfleisch und Saft spritzten überall hin.

Mit welchen Früchten habt ihr noch experimentiert?
Silvia Wildhage: Hagebutten, die finde ich auch heute noch sehr lecker. Man muss sie nach dem ersten Frost pflücken, dann werden sie weich und bekommen eine gewisse Süße. Dann setzt du einen Sud an mit Saft, weil Hagebutte ja keinen eigenen Saft hat, lässt  ihn einmaischen und dann wird er abgeseiht.
Wir haben alles ausprobiert, Äpfel, Sauerkirschen, Pflaumen – von Bäumen, die frei in der Natur standen, und das reife Obst von niemandem gepflückt wurde. Und etwas ganz Besonderes ist Wein aus Johannisbeeren – schwarze und weiße gemischt, ein Traum. Da habe ich inzwischen Sträucher in meinem eigenen Garten angepflanzt. Auch Sauerkirsch-Bäume wachsen dort.

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Ist es simpel und einfach, Wein selbst zu machen?
Silvia Wildhage: Das denken viele. Aber das ist nicht so. In meinem Freundes- und Bekanntenkreis bin ich zum Beispiel die einzige, die mit
Reinzuchthefen arbeitet. Damit kann ich den Wein lenken. Möchte ich einen schweren oder einen leichten. Ich richte mich nach einem kleinen, alten Weinbuch zur ersten Orientierung. Da stehen Tabellen mit genauen Mengenangaben drin. Bei Süßkirschen zum Beispiel brauche ich ca. 11 Kilo Früchte für 10 Liter Wein. Und dann mache ich das nach Bauchgefühl und maische auch mit den Händen ein.

Stellst du eher trockene Weine her oder auch halbtrockene und süße?
Silvia Wildhage: In der Regel trockene. Aber Süßkirschen bekommt man nicht wirklich trocken. Ich muss aber auch nicht versuchen, beim Weinmachen die Frucht umzukrempeln.

Wie bekommst du deine Weine klar?
Silvia Wildhage: Abfüllen, bevor der Wein nicht klar ist, gibt es bei mir nicht. Ich ziehe den Wein mehrfach ab. Und ich versuche, ihn nicht zu lange auf der Hefe stehen zu lassen. So einen intensiven hefigen Geruch und Geschmack mag ich nicht.
Das Wichtigste: Ich muss in der Stimmung sein, um Wein zu bereiten. Das macht man nicht nebenbei wie einen Abwasch. Die Ballons sind sehr schwer, man muss sauber arbeiten und einfach konzentriert bei der Sache sein.

Du warst auch schon einmal Weinkönigin….
Silvia Wildhage: ….ja! Freunde und Bekannte machen auch Wein und wir treffen uns einmal im Jahr zur privaten Blindverkostung. Dann werden Apfelweine, Mischweine und Traubenweine probiert und bewertet. Ein Paar hat sogar in der Nähe von Weimar einen Hang und baut da Rebstöcke an. Genau 99 Stück, mehr erlaubt das Gesetz nicht. Und das ist für den Eigenbedarf.
Wer bei der Blindverkostung die meisten Weine am besten bewertet, die später gewinnen, wird Weinkönigin. Oder Weinkönig.

 

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