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Die Gastro-Szene in Essen ohne Werner Rzepucha? Nicht vorstellbar. Zwar betreibt der 71-Jährige kein eigenes Restaurant mehr, jedoch sind große Stadtteilfeste in Essen-Rüttenscheid ohne ihn nicht denkbar. Der Mann mit dem schwer auszusprechendem Namen zieht den Korken für den „Wein des Monats“ September. Da lässt er den Spätsommer ins Glas.

Weinbegleiter Ruhr: Wie heißt dein derzeitiger Lieblingswein und woher stammt er?
Werner Rzepucha: Ein Sauvignon Blanc von Lukas Kesselring aus Ellerstadt in der Pfalz. Ein Nachbar von Markus Schneider.

Bei welcher Gelegenheit hast du den Wein entdeckt?
Werner Rzepucha: Vor 2 Jahren habe ich das Weingut besucht. Ich war gerade in der Gegend unterwegs und habe in einer Broschüre oder Zeitung, ich weiß es nicht mehr genau, über den Winzer gelesen. Wenn ich im Urlaub bin, lese ich immer die lokale Zeitung. Grundsätzlich. So erfahre ich viel über Land und Leute.

Warum gefällt dir dieser Wein so gut?
Werner Rzepucha: Er ist sehr frisch und hat eine schöne Frucht. Die Aromen erinnern mich an Stachelbeeren und Aprikose. Früher habe ich sehr gerne „Sancerre“ getrunken – für viel mehr Geld. Der Pfälzer hat für mich so einen französischen Einschlag. Und er passt zu vielen Speisen. Er muss schön kalt sein. Ich habe es gerne, wenn das Glas beschlagen ist.

Wie bist du auf den Wein gekommen?
Werner Rzepucha: Ich war früher ein tüchtiger Biertrinker. Und dazu gab’s bei jedem zweiten Bier einen Schnaps, das war so üblich – ob beim Kegeln oder Knobeln, am Stammtisch mit Kumpeln und Freunden. Das haben wir gepflegt, so etwas gibt es heute gar nicht mehr gibt. Und dann hatte ich mit 49 meinen ersten Herzinfarkt. Ich machte danach eine private Reha in Baden-Baden. Dort näherte ich mich dem Thema Wein an. Habe mich damit beschäftigt, mit Winzern gesprochen und viel gelernt. Heute trinke ich im Jahr vielleicht 5 Bier, wenn überhaupt.

Du sagst: ,Erster Herzinfarkt‘. Kam dann noch ein zweiter?
Werner Rzepucha: Es waren 3. Und ich stand vor dem Vierten…. Da wurde ich aufgeschnitten. Ich hatte Glück, es ging alles gut.

Welche anderen Weine trinkst du gerne?
Werner Rzepucha: Weißburgunder, Grauburgunder. Bei Weißweinen bevorzuge ich deutsche Weine. Allerdings bin ich nicht der große Riesling-Freund. Bei vielen ist mir die Säure zu dominant. Da bekomme ich Sodbrennen. Bei Rotweinen ist es ganz anders. Bei aller Liebe: Die guten Rotweine aus Deutschland halte ich für viel zu teuer. Da greife ich lieber zu italienischen und spanischen Rotweinen. Ein Glas Rotwein und ein Stück Käse – herrlich.

Geselliger Typ mit Herz

Werden dazu Freunde eingeladen?
Werner Rzepucha: Gerne auch mit Freunden. Ich bin gesellig. Um mich herum waren immer Menschen. Als meine Eltern mit einer Kneipe anfingen, war ich 12. Es war immer viel los, das gefiel mir.

Du bist Vollblut-Gastronom, hast fas 30 Jahre den „Gebrandenhof “ geführt, organisierst seit Jahren die Gourmetmeile „Rü Genuss pur“ und das Oktoberfest in Rüttenscheid. Gemütliches Rentner-Leben sieht anders aus…
Werner Rzepucha: Nach dem Tod meiner Frau 1997 wollte ich noch einen neuen Laden übernehmen. Als meine sehr tüchtige Tochter, die in meiner Zeit in der Orangerie auch an meiner Seite war, das mitbekam, sagte sie: ‚Hör mal Papa, in ein, zwei Jahren, wenn du nicht mehr trauerst, was ist dann? Dann hast du den Laden an der Backe. Du wolltest schon immer eine Gourmetmeile machen, dann mach sie doch jetzt.‘ Dadurch habe ich ‚Essen verwöhnt‘ gemacht. Das war mit Herrn Bierwirth, der daraus ja einen Verein gründete. Ich hörte dann dort auf, sagte: ,Ihr könnt mich mal kreuzweise.‘ Dann habe ich ganz langsam die Gourmetmeile in Rüttenscheid vorbereitet. 2010 ging es los.

Kannst du dir überhaupt vorstellen, mal nichts zu tun?
Werner Rzepucha: Ja, mache ich ja jetzt. Alles, was ich inzwischen gastronomisch mache, ist Routine. Das läuft.

„Nach dem R ein E denken…

Du genießt die frei Zeit, die du jetzt hast?
Werner Rzepucha: Absolut. Ich stehe auf, wann ich will. Gehe aus oder bleibe, wenn es draußen ungemütlich ist, einfach zuhause. Ich reise, ich mache, wozu ich gerade Lust habe.

Herr Werner Rzepucha, wie viele Menschen können deinen Namen nicht aussprechen?
Werner Rzepucha: Ach. Selbst Familienmitglieder schreiben ihn falsch. Ich sage immer: Hinter dem R ein E denken, Rezepucha. Ganz einfach. Und die mich leiden können, sagen Werner. Man Anwalt sagt: ‚Wir nennen ihn alle Ratze.‘

In welche Lokale und Restaurants in Essen gehst du gerne?
Werner Rzepucha: Querbeet. Hör mal, ich bin da so schmerzfrei. Ich gehe dahin, wo ich Leute kenne, wo ich ein bisschen labern und Zeitung lesen kann.

 

P.S. zum Sauvignon Blanc: Winzer Lukas Kesselring gehört zu den glücklichen Menschen, die Beruf und Hobby miteinander verbinden. Mehr dazu: https://www.weingut-kesselring.de

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