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Wein aus Holland: Selten eine so bizarre Landschaft gesehen wie in der Gluthitze im Sommer 2018 in der holländischen Provinz Zeeland. Am Rande des Dorfes Dreischor auf der Insel Schouwen-Duiveland liegt der Wijnhoeve „De Kleine Schorre“. Nur gut 15 Kilometer von der Nordseeküste entfernt.

Hier wachsen am Straßenrand Rebstöcke in den Himmel. Am Horizont lugen Windmühlenflügel aus der grünen Wand. Johan van der Velde und seine Familie betreiben hier ein Weingut nebst wunderschöner Weinscheune, Terrasse vor dem Probierlokal und Hofladen.

Im Jahr 2001 gegründet, gehören zu De Kleine Schorre laut Weingut inzwischen 10 Hektar Weingärten. Am Ortseingang schmiegt sich ein Teil davon platt wie eine Flunder in die Landschaft. Mit dieser Rebfläche ist das Weingut ein Goliath im Weinbau der Niederlande. In Dreischor, wo man Weinstöcke wie Autos für einen festgelegten Zeitraum leasen kann, ist man auf weiße Rebsorten spezialisiert: Weiß- und Grauburgunder, Müller-Thurgau (Rivaner) und Auxerrois, die Rebsorte mit dem schwer auszusprechenden Namen [oh ser whah]. Sie wachsen auf lehmigen, kalkhaltigen Böden und passen ziemlich  gut zu den kulinarischen Spezialitäten Zeelands: Muscheln, Austern, Krebse, Meeresspargel.

Und was taugt der Stoff am Meer?

Als wir das Weingut an einem Nachmittag im Juli 2018 besuchen, sind mein Liebster und ich bei 36 Grad Hitze im trägen Urlaubsmodus. Wir trinken statt Wein lieber sehr leckeren Kaffee und Wasser, genießen die schöne entspannte Stimmung, kaufen ein Probierpaket und trinken am Abend lieber ein großes, eiskaltes Grimbergen.c
Wieder zuhause und inzwischen auf moderate Sommertemperaturen abgekühlt, kommt nun zuerst der Schouwen-Duiveland Rivaner 2017 ins Glas. Für 11,95 Euro die Flasche ab Hof. Hui, stattliche Summe für einen Müller-Thurgau. Dafür habe ich meinen Freund Pascal Hesse zum gemeinsamen Verkosten verdonnert. Wir sind schon beim Einschenken  guter Laune: Der Wein duftet nach prall-reifen gelben Äpfeln,  Zitronengras und ein bisschen nach Sommerwiese, die fröhlich wachsen durfte. Pascal sagt: „Ananas!“ Ich erwidere: „Nee, eher reife, gelbe einheimische Früchte.“ Die Säure ist viel lebhafter als beim „Müller aus Rheinhessen oder der Pfalz. Das gibt den Kick. Der Wein macht Spaß!

Vorfreude auf Weißburgunder, Grauburgunder sowie Auxerroi von Zeeland.

Hintergrund:
Holländer gegen das Versumpfen

Die Niederländer hatten im Spätmittelalter den Welthandel mit Wein und Spirituosen fest in der Hand. Mitte es 17. Jahrhunderts hatte die Seefahrer-Nation die größte Handelsflotte der Welt. Schöngeistige Getränke aus ganz Europa wurden aufgekauft und über die Meere geschippert, um die Kolonien zu beliefern. Und sogar das berühmte Médoc in Bordeaux verdankt den Holländern seinen kometenhaften Aufstieg. Bis etwa Mitte des 17. Jahrhunderts waren Teile des Bordelais versumpft. Damit der Transport der Weinfässer nicht länger in eine Schlammschlacht ausuferte, legten die gewieften Holländer die Sümpfe einfach trocken. Und obendrein tüftelten sie mit den Engländern an einer Lösung, um den Wein für den langen Transport auf See haltbarer zu machen. Die Fässer wurden fortan geschwefelt. Cooles Völkchen, die Holländer. Schon damals.

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